Ehrung

 

Konrad Schneider - Saalburgpreis für Geschichts- und Heimatpflege 2016

  Konrad Schneider - Saalburgpreis für Geschichts- und Heimatpflege 2016
 
     
  Personalia NNB 1/2017  
 

Auch nach seiner Pensionierung ist der Archivar, Historiker, und Numismatiker Dr. Konrad Schneider unvermindert publizistisch aktiv. Aktuell widmet sich der vormalige Archivdirektor und stellvertretende Leiter des Instituts für Stadtgeschichte in Frankfurt nicht zuletzt als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Liebenstein-Gesellschaft der Publikation von Münzschatzfunden aus Rheinland-Pfalz (MFRP) in dieser Zeitschrift.

Seine herausragenden Leistungen um lokale Forschungen im Hochtaunuskreis fanden jetzt durch die Verleihung des Saalburgpreises für Geschichts- und Heimatpflege eine sichtbare Anerkennung. Kernpunkt der überfüllten Veranstaltung war die Laudatio des ehemaligen Direktors des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden, Prof. Dr. Klaus Eiler. Schneider hatte u.a bereits 1997 den Eligiuspreis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft gemeinsam mit seinem Jugendfreund und numismatischen Weggefährten Gerd Martin Forneck erhalten. Die Laudatio stellte schon vor 20 Jahren treffend fest, damit werde,,(...) ein Archivar und Historikergeehrt, der aus der Souveränität seines Berufes Numismatik und Geldgeschichte um zahlreiche grundlegende Arbeiten bereichert und bei systematischer Heranziehung schriftlicher Quellen die Rolle des Fachs in der Kulturgeschichte nachhaltig vertreten hat."

Während die inhaltliche Würdigung durch seine weiteren Arbeiten die erwartete Bestätigung fand, wirkt das Adjektiv "zahlreich" im Hinblick auf die Fülle von Schneiders Veröffentlichungen hingegen mittlerweile wie eine maßlose Untertreibung. Frank Berger musste sich schon bei seiner Würdigung zum 65. Geburtstag bei der Publikationsliste aus Platzgründen auf die Monographien beschränken. 2001 folgte der Ehrenpreis der Gesellschaft für internationale Geldgeschichte.

Das mithin gleichermaßen in Qualität und Quantität herausragende sowie stetig wachsende Gesamtwerk Konrad Schneiders hat mit dem Saalburgpreis eine erneute Würdigung gefunden, zu der wir herzlich gratulieren.

Dr. Dr. Axel von Berg Landesarchäologe Rheinland-Pfalz
 
     

 

 

Albert Raff - Von Hessenthal-Preis für Phaleristik 2016

  Albert Raff - Von Hessenthal-Preis für Phaleristik 2016  
     
  Personalia NNB 12/2016  
 

Die Deutsche Gesellschaft für Ordenskunde (DGO) verlieh Albert Raff, dem Vorsitzenden der Eligiuspreis-Jury der DNG, den Von Hessenthal-Preis für Phaleristik, die höchste Auszeichnung der DGO, für seine hervorragenden, eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Phaleristik. In der Laudatio wird besonders die Bearbeitung der württembergischen Orden und Ehrenzeichen von 1797 bis 1933 in den (zusammen mit Ulrich Klein publizierten) Katalogen zu den württembergischen Medaillen hervorgehoben, aber auch auf verschiedene Aufsätze zur württembergischen Ordenskunde hingewiesen. Und zusammenfassend: „In der Summe vertritt Herr Raff als Forscher und Autor somit zwei hilfswissenschaftliche Disziplinen. Zum einen ist er anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der württembergischen Numismatik. Zum anderen ist er mit seinen ordenskundlichen Arbeiten Spezialist für das württembergische Auszeichnungswesen. Damit kann man ihn auch als eine Art Vermittler sehen, der weder ausschließlich Numismatiker, noch lupenreiner Phaleristiker ist.“
 
     

 

 

Prof. Eberhard Linke - Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2015

  „Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst” 2015 für Prof. Eberhard Linke  
     
  NNB 5/2015  
 

 

Am ersten Tag im Frühling 2015 versammelten sich Freunde und Mitglieder der „Stiftung Eberhard & Barbara Linke" und der „Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst" im schönen Pfälzer Weinort Flonheim bei Alzey zu einer besonderen Ehrung. Der seit einem Unfall im Jahre 2013 an den Rollstuhl gefesselte namhafte Bildhauermedailleur Eberhard Linke (geb. 1937, Lauban/ Schlesien) erhielt den mit 2000 Euro dotierten Hilde-Brëer-Preis für Medaillenkunst 2015 für das bisherige Lebenswerk auf dem Gebiet des Medaillenschaffens in seinem dortigen Atelier. Der renommierte Medaillenpreis wird seit 2005 hälftig von der DGMK und der Kulturgemeinschaft Kressbronn am Bodensee vergeben.


Linkes künstlerisches Gesamtschaffen ist in Ausstellungen vielfach gewürdigt worden. Prof. Dr. Dietrich Schubert hat es anlässlich einer Ausstellung 1998 treffend so zusammengefasst: „Eberhard Linke gehört zu den wenigen Künstlern im heutigen figürlichen Expressionismus, bei denen der Klang der Materialstimme, die Inhalte, die Formprozesse und der Ausdrucksgehalt in unauflöslicher Einheit der poetischen Gestalten wirken."

Vor 25 Jahren hat Eberhard Linke mit einer plakettenförmigen Medaille „Versuchte Einheit" eindrucksvoll die damals erregenden Zeitereignisse auf den Punkt gebracht, oder anders ausgedrückt, in eindrucksvoll reliefplastischer Formensprache auf eine Scheibe gebannt. Zwei aus der Anonymität halbkreisförmiger Scheiben herausragende menschliche Körper versuchen mit ihren Armen den Kreis zu schließen. Vision, Wunsch und Wagnis, aber auch Realität zugleich.

Zehn Jahre später schuf der Künstler die Ehrenmedaille zum XXVII. Internationalen Medaillenkongress der FIDEM 2000 in Weimar. Zur harmonisch gebetteten Komposition mit der geschützten Taube kontrastiert die schollenartig kantige, frakturierte Körper assoziierende Bruchfläche der Rückseite, Harmonie und Gefährdung ausdrückend.

Linke hat Skulpturen, Reliefs und Medaillenplaketten in Ton geformt und gebrannt und damit ein Material für sich erschlossen, das ganz am Anfang menschlicher Tätigkeit schon in der Jungsteinzeit stand. Seine Terrakotten in einer archaisch anmutenden Technik der Formung assoziieren eine natürliche, erdverbundene Ursprünglichkeit, wie man sie etwa in einem Steinbruch findet oder beim Berühren von Baumrinde empfindet. Die Medaille wird über ihren thematischen Bezug so zur haptischen Erfahrung.

Linke hat sich durch seinen Unfall künstlerisch nicht aus der Bahn werfen lassen. Die Jahresplakette für 2014 „Weiter rollen“ gibt den Liebhabern der besonderen Ausdruckskunst Eberhard Linkes Hoffnung auf weitere Preziosen in gebranntem Ton.

Wolfgang Steguweit

 
     

 

 

Bernhard Prokisch - Wolfgang Hahn-Medaille für Verdienste um das Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien

  Bernhard Prokisch   
     
  Personalia NNB 3/2015  
 

Am 1. Dezember 2014, dem Tag des Hl. Eligius, bekam Privatdoz. Dr. Bernhard Prokisch die vierte Wolfgang Hahn-Medaille für Verdienste um das Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien" (von Helmut Zobl, 2010) verliehen. Nach einer kurzen Einführung von Hubert Emmerig sprach Wolfgang Szaivert die Laudatio, worauf zwei weitere Laudationes der Studentinnen Hanna-Lisa Karasch und Elisabeth Preisinger folgten. Nach der Überreichung der Medaille ergriff Bernhard Prokisch das Wort und bedankte sich mit einer Rede, in der er u.a. auf die Probleme und Herausforderungen der numismatischen Lehre einging. Bernhard Prokisch war von 1990 bis 1992 Assistent am Institut; in dieser Zeit begründete er das Mitteilungsblatt des Instituts, dessen 50. Ausgabe im Jahr 2015 erscheinen wird. Seit 1992 ist er am Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz beschäftigt, wo er nicht nur die numismatische Sammlung betreut, sondern auch Leiter des Schlossmuseums und Bereichsleiter der Kulturwissenschaften ist. Bereits seit 1986 lehrt Bernhard Prokisch am Institut ohne Unterbrechung bis heute, und zwar neben seiner Tätigkeit in Linz. Im Jahr 2008 erfolgte die Habilitation und die Verleihung der Lehrbefugnis für das Fach Numismatik. In der Reihe der Veröffentlichungen des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte" (VIN) ist Bernhard Prokisch der aktivste Autor: Nach den Grunddaten (1992) erschienen ein Sammlungskatalog des Stiftes Wilhering (1996), drei Bände des Repertoriums zur Neuzeitlichen Münzprägung Europas (1996, 1999, 2004) sowie zwei Monographien zu den Münzen und Medaillen des Deutschen Ordens in der Neuzeit (2006)e und zur österreichischen Raitpfennigprägung (2009). Seit Jahrzehnten trägt Bernhard Prokisch also in Lehre wie Forschung ganz wesentlich zum Profil des Instituts bei, das ihm durch die Verleihung der Medaille seinen Dank abstattete. Anlässlich der Verleihung der Wolfgang Hahn-Medaille wurde ein Sonderheft des Mitteilungsblatts (Nr. 49a) herausgegeben, das unter anderem die Laudationes und ein Schriftenverzeichnis von Bernhard Prokisch enthält. Das Sonderheft kann am Institut bezogen werden und ist auf der Homepage des Instituts online verfügbar (http://numismatik. univie.ac.at/mitteilungsblatt).

Andrea Casoli und Hubert Emmerig

 
     

 

 

Peter Illisch - Wahl zum Ehrenmitglied der Koninklijk Genootschap voor Munten Penningkunde

  Peter Ilisch
 
     
  Personalia NNB 11/2014  
 

Im Rahmen der Herbstversammlung der Koninklijk Genootschap voor Munten Penningkunde am 27. September 2014 in Middelburg ist Dr. Peter Ilisch zum Ehrenmitglied der Genootschap gewählt worden. In zahlreichen Publikationen und Vorträgen hat Ilisch, seit 1982 Mitglied, wesentliche Grudlagenforschungen zur niederländischen Numismatik des Hochmittelalters geleistet, zuletzt durch seine Neubearbeitung des „Dannenberg" für das südliche Niederlothringen und Aachen, die als Sonderband („100 Special") des Jaarboek voor Munten Penningkunde zur Tagung erschien.

 
     

 

 

Alexa Küter - Preisträgerin des Walter-Hävernick-Preises 2014

  Verleihung des Walter-Hävernick-Preises 2014  
     
  NNB 07/2014, S. 281 f
 
 

Laudatio für Alexa Küter

Dietrich 0. A. Klose

 

Die Preisträgerin des Jahres 2014 ist Frau Alexa Küter, die für ihre Dissertation mit dem Thema „Die Augusteische Münzmeisterprägung" ausgezeichnet wird. Frau Alexa Küter hat von 1997 bis 2000 in Marburg Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Romanische Philologie (Spanisch) und zwei Semester Medienwissenschaft studiert. Von 2000 bis 2004 setzte sie ihr Studium in Tübingen fort, unterbrochen von einem einjährigen Studienaufenthalt in Spanien. Nach dem Magister begann Frau Küter dann mit der Promotion im Fach Klassische Archäologie, bei Prof. Reinhard Wolters in Tübingen und bei Prof. Thomas Schäfer in Berlin. 2008 war die Arbeit abgeschlossen, im Januar 2009 schloss Frau Küter dann auch das Promotionsverfahren in Tübingen ab - mit Bestnote für Arbeit und Prüfung. So hat sie dafür auch bereits einen Preis bekommen - den „Promotionspreis 2009" der Tübinger Fakultät für Kulturwissenschaften. 2005 bis 2006 war Frau Küter wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem von Prof. Wolters geleiteten numismatischen Projekt „Überprüfung der numismatischen Datierung okkupationszeitlicher Militärkomplexe in Germanien in augusteischer Zeit". 2008 bekam sie im Berliner Münzkabinett einen Werkvertrag zur Erfassung und Dokumentation antiker römischer Bleimarken (tesserae) und augusteischer Münzmeisterprägungen in der interaktiven Datenbank des Münzkabinetts. Von 2009 bis 2012 war Frau Küter im Deutschen Historischen Museum mit der Inventarisierung der numismatischen Sammlung und anderer Bestände beschäftigt, seit Januar 2013 bis Frühjahr 2014 war sie beim Berliner Münzkabinett als wissenschaftliche Angestellte am Projekt „Zeitenwende. Die Parther in augusteischer Zeit" beschäftigt.

Die hier ausgezeichnete Arbeit widmet sich einem historisch besonders interessanten Bereich der Münzprägung des Augustus, den Prägungen im Namen der Münzmeister aus der Münzstätte in Rom. Die Münzprägung in Rom wurde erst eine Reihe von Jahren nach dem Ende des Bürgerkrieges und dem endgültigen Sieg des Octavian/Augustus wieder aufgenommen. Die Prägungen im Namen der Münzmeister umfassen knapp 200 Typen. Angesichts der Chancen, die dieses Material für die Augustusforschung bietet, ist es erstaunlich, dass es bislang noch keine zusammenhängende Analyse erfahren hat. So besteht ein primäres Anliegen von Küters Arbeit darin, die in weiten Teilen ohne numismatische Methodik nur schwer zu erschließenden Bilder historisch und ikonographisch aufzuarbeiten. Grundlegend für die Auswertung der Münzmeisterprägungen ist ihre exakte Datierung. Diese war bislang strittig. Unter Einbeziehung aller Gesichtspunkte datiert Küter diese Prägungen nunmehr in die Jahre von 23 bis 6 v. Chr. und kann auch die Chronologie innerhalb dieser Prägungen revidieren. Die Münzmeisterprägungen greifen die alte, schon anachronistisch gewordene republikanische Prägetradition mit der Nennung der Münzbeamten auf. Küter revidiert die herkömmliche Auffassung, dass die Münzmeister - trotz anfänglicher Werbung für ihre Geschlechter auf ihren Prägungen - im Grunde Handlanger des Princeps waren, die sich schnell auf das Lob des Augustus konzentrierten und auf die Verfolgung eigener Interessen verzichteten. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass die Münzmeisterprägungen administrativ wie inhaltlich stark der republikanischen Praxis verpflichtet waren. Die Magistrate wählten die Motive und Bilder eigenständig aus. Oftmals offen, oftmals aber auch verschlüsselt setzten sie ihre eigene Familie ins Bild.

Eine Prägung, die Frau Küter selbst als besonders auffälliges Beispiel hierfür anführt, sei hier pars pro toto vorgestellt. Es ist der Denar des Münzmeisters L. Cornelius Lentulus von 12. v. Chr., aus dem letzten Jahr der Edelmetallprägungen im Namen der Münzmeister. Auf der Rückseite sehen wir links eine männliche Figur mit Speer in der Linken und einer Victoria auf Globus auf der Rechten. Über ihrem Kopf schwebt ein Stern oder Komet. Rechts neben ihm steht eine Figur in Tunika und Toga, mit Kranz im Haar, die die rechte Hand zum Kopf der anderen Figur bzw. zu dem Gestirn ausstreckt und die Linke auf einen runden Schild mit den Buchstaben C und V stützt. Offensichtlich ist es der Tugendschild, der clipeus virtutis, der dem Octavian zusammen mit dem Augustus-Titel im Jahr 27 v. Chr. vom Senat verliehen worden war. Es handelt sich bei dieser Figur also sicher um Augustus, die andere mit dem Stern über dem Kopf wäre dann sicher der vergöttlichte Julius Caesar. Diese Beschreibung des Münzbildes ist zwar weitgehend unumstritten, die Interpretationen waren jedoch sehr unterschiedlich.

Mit der Datierung ins Jahr 12 v. Chr. ist Küter nun eine überzeugende Einordnung gelungen. Sie bezieht das Stück auf die am 6. März 12 v. Chr. erfolgte Wahl des Augustus zum pontifex maximus. In diesem Kontext erklären sich die Darstellung des Tugendschilds wie von Julius Caesar: Beides weist darauf hin, dass diese Würde dem Augustus doppelt zustand, einmal durch seine Abstammung von Julius Caesar, der ja ebenfalls pontifex maximus gewesen war, und durch seine eigene Tugendhaftigkeit. Augustus war aber erst nach dem Tod des bisherigen pontifex maximus, M. Aemilius Lepidus, zur Annahme dieser Würde bereit gewesen.

Das ist sozusagen die übergeordnete Bedeutungsebene, die auf Augustus Bezug nimmt. Darunter gibt es jedoch noch eine damit verbundene zweite, und die bringt nach alter republikanischer Tradition den Münzmeister selbst und sein Geschlecht ins Spiel. Ganz ungewöhnlich ist, dass er sich nicht nur wie sonst üblich als III vir, eben zur Bezeichnung des Münzmeisteramtes, sondern auch noch als flamen Martialis, als Priester des Mars, bezeichnet. Damit wird die Legende zu einem Mittel der Eigenwerbung für den Münzbeamten. Lentulus parallelisiert hier die Priesterwürde des Augustus mit seiner eigenen. Die höhere

Würde des Princeps wird im Bild ausgedrückt, die niederere des Münzmeisters in der Legende. Zwischen den beiden Priesterämtern muss freilich ein engerer Zusammenhang bestehen. Ein flamen konnte nur vom pontifex maximus ernannt werden, und Lepidus als der letzte Inhaber der Oberpriesterwürde hatte die vergangenen 24 Jahre im Exil in Circeii verbracht und Rom nicht betreten. Der Münzmeister, der in seinem Amtsjahr etwa 25 Jahre alt gewesen sein muss, kann die Priesterwürde also nur von Augustus gleich nach dessen Antritt des Oberpontifikats empfangen haben.

Es bleibt die Frage, warum im Münzbild Augustus nicht eindeutig als Priester charakterisiert wird und das (Handlungs-) Motiv derart statisch und allgemein bleibt. Und hier bietet sich die republikanische Tradition der Familienpropaganda durch die Münzmeister an. Es gibt mehrere republikanische Münzbilder, die als Vorbild für diese Rückseite in Frage kommen, und hierbei findet sich auch ein Denar eines Vorfahren des Münzmeisters, um 100 v. Chr. ausgegeben von P. Cornelius Lentulus Marcellinus. Hier setzt der Genius des römischen Volkes der Göttin Roma einen Kranz auf. Die motivischen Übereinstimmungen sind deutlich. Auf beiden Bildern ist die linke Figur vorwiegend militärisch, die rechte eher zivil charakterisiert. Caesar mit der Siegesgöttin entspricht der Roma in Uniform mit Lanze, Augustus mit Tugendschild dem Genius mit Füllhorn. In beiden Fällen sollen die Attribute vor allem die dargestellten Figuren kenntlich machen, sie besitzen keine Funktion innerhalb der Handlung. Die Münze demonstriert also die bewusste Anknüpfung an die ältere zur Familientradition des Münzbeamten gehörende Münze. Der Denar des L. Cornelius Lentulus zeigt damit ein eigentümliches Spannungsverhältnis zwischen dem Lob des Augustus, das die Münze auf den ersten Blick propagiert, und der eingewobenen Eigen- bzw. Familienwerbung, die die alte republikanische Tradition weiterführen.

Aber auch in der Eigenwerbung ist ja ganz geschickt das Lob des Augustus platziert, verdankte Lentulus doch sein Priesteramt direkt dem Herrscher. Lentulus besaß also einen Grund, um gerade die Wahl des Augustus zum pontifex maximus zu thematisieren: Auf diese Weise konnte er gleichzeitig sein eigenes Priesteramt herausheben und dem Princeps seinen Dank abstatten. Am Beispiel des Lentulus-Denars lässt sich deutlich machen, dass die Münzmeister die Münzbilder sehr individuell gestalten konnten. Mit der Münzmeisterprägung blieb, von Augustus wohl gebilligt oder sogar bewusst gefördert, ein Rest republikanischer Tradition der den Staat repräsentierenden Herrschaft der adeligen Geschlechter erhalten. Die Herrschaft des Augustus war in dieser Zeit noch keineswegs unangreifbar und unangefochten. Auch mit Blick auf das Schicksal Caesars hielt es der Princeps für notwendig, auf die Nobilität zuzugehen und zumindest nach außen hin das Bild einer Wiederherstellung der republikanischen Adelsherrschaft zu vermitteln. Die Münzmeisterprägung war nur ein Teil dieser konsequenten Politik. Augustus verschaffte sich dadurch die Zustimmung zu seiner tatsächlich überragenden Stellung. Die Gewährung von Freiheit (auch in Form der Münzmeisterprägung) diente damit genau ihrem Gegenteil, nämlich der Festigung seiner Herrschaft. Die Rückkehr zur alten Republik war freilich nur vorgeblich. Die Münzmeisterprägung war also ein bewusst eingesetztes politisches Instrument des Augustus zur Absicherung seiner Herrschaft in der Anfangsphase. Und damit wird auch verständlich, warum sie nach 17 Jahren nicht mehr weitergeführt zu werden brauchte und auch später kein Nachfolger Derartiges noch einmal zugestand.

Bei der Vorstellung einer Arbeit von dem Umfang der Dissertation von Frau Küter ließe sich natürlich noch viel mehr berichten. Lassen Sie mich jetzt nur noch einmal zusammenfassen. Frau Küter hat das Thema umfassend aufgearbeitet. Klarer Aufbau, flüssiger Stil, wissenschaftliche Präzision und eine sehr gute Sichtung und Auswertung der Literatur zeichnen ihre Arbeit aus. Die Arbeit ermöglicht es dem Numismatiker, dem Historiker, dem Archäologen, sehr gut in die Problematik und den Diskussionsstand einzudringen sowie verlässliche und präzise Informationen zu erhalten. Sie bringt mit vielen gut nachvollziehbaren, weiterführenden Ergebnissen die wissenschaftliche Numismatik voran und hat für diesen gerade historisch so bedeutenden Teil der römischen Münzprägung am Beginn der Kaiserzeit den Charakter eines Handbuchs.

 

Alexa Küter: Zwischen Republik und Kaiserzeit. Die Münzmeisterprägung unter Augustus (Berliner Numismatische Forschungen, Neue Folge, Band 11). Gebr. Mann-Verlag, Berlin 2014. ISBN 978-3-7861-2708-6, ca. 79,00 € (erscheint Juni 2014).

 
     

 

 

Andreas A. Jähnig - Deutscher Medailleurpreis 2014

  Deutscher Medailleurpreis 2014
 
     
  Kurznachrichten NNB 3/2014  
 

Die Jury für den Deutschen Medailleurpreis tagte am 21. Januar 2014 im Dresdner Münzkabinett. Sie hat die Entscheidung über diesen bedeutenden deutschen Kunstpreis getroffen, der im November 2014 in Suhl vergeben wird.

Zum fünften Mal vergeben die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst und die Stadt Suhl 2014 den Deutschen Medailleurpreis. Die Jury wählte den Medailleurpreis aus dem deutschen FIDEM-Beitrag für Sofia 2014 aus, der am 20. Januar 2014 ebenfalls in Dresden juriert wurde. Zur Jury gehörten u.a. neben den Ständigen Mitgliedern wie dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst (DGMK) Prof. Dr. Bernhard Weisser, dem Oberbürgermeister der Stadt Suhl Dr. Jens Triebel und dem deutschen FIDEM-Delegierten Dr. Rainer Grund diesmal als Vertreter der Künstler Frau Anna Franziska Schwarzbach und als Vertreter der Sammlerschaft Reinhard Laufen an. Die Jury wählte aus insgesamt 100 Arbeiten von 38 Künstlern aus.

Mit großer Mehrheit entschied sich die Jury für die Arbeit „Freiheit im Netz?" von Andreas A. Jähnig.

Andreas A. Jähnig, geboren 1951, studierte an der Bauhochschule in Leipzig und parallel im Abendstudium Bildhauerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 1978-1983 schloss er ein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Karl-Heinz Schamal, Wilfried Fitzenreiter und Jo Jastram an. Seitdem ist er freischaffend als Bildhauer tätig. In dem von der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst und dem nationalen FIDEM-Delegierten ausgelobten Wettbewerb »Passages to Reconstruction« errang der Künstler im Jahr 2007 einen dritten Preis. Jähnig lebt heute als Bildhauer und Medailleur in Baruth.

Die preisgekrönte Arbeit zeigt Menschen in der Aufsicht, die von einem Netz umgeben sind. Mit ihren Händen agieren sie in den Fäden des Netzes. Mit seiner Medaille „Freiheit im Netz?" reflektiert Jähnig die aktuelle Diskussion um die Sicherheit und Freiheit im Internet. Auch ohne den Titel zu kennen, kann jeder Betrachter das Thema schnell erschließen und trotzdem ist das Bild, das Jähnig gefunden hat, voller Tiefe und reich an Assoziationen. Die Preisverleihung findet im November 2014 in Suhl statt
 
   

 

 

Victor Huster - Deutscher Medailleurpreis 2012

  Deutscher Medailleurpreis 2012
 
     
  Deutscher Medailleurpreis wurde erstmals im Bode-Museum Berlin vergeben  
 
Am 6. Oktober 2012 wurde aus Anlass des Deutschen Numismatikertages der Deutsche Medailleurpreis erstmals in der Hauptstadt Berlin vergeben.

Alle zwei Jahre wird aus dem deutschen FIDEM-Beitrag (in diesem Jahr Glasgow) der Deutsche Medailleurpreis juriert. Träger dieses besonderen deutschen Kunstpreises sind die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst und die Stadt Suhl. Der Preis wurde bisher viermal vergeben.

Am 1.12.2011 hatte eine hochkarätige Jury im Münzkabinett Dresden die Auswahl aus 53 Arbeiten von 33 Künstlern getroffen. Mit großer Mehrheit entschied sich die Jury für die beeindruckende Luther-Medaille von Victor Huster. Victor Huster, 1955 in Baden-Baden geboren, durchlief von 1971 bis 1976 Ausbildungen und Studien zu Schmuckdesign, Plastik, Gravur, Goldschmieden, Werkzeugbau und industrieller Prägetechnik. Seit 1976 ist er selbständiger Medailleur mit eigenem Atelier in Baden-Baden. Von 1979 bis 2010 wurden seine Entwürfe 25 mal bei Münz- und Medaillenwettbewerben in Deutschland prämiert. Seine Luther-Medaille entstand für die IARCM (International Association of reformation coins and medals).

Die Preisverleihung fand am Samstag, dem 6. Oktober 2012 um 11 Uhr im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel statt. Die Laudatio hielt Herr Dr. Rainer Albert, Vizepräsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft. In seiner engagierten und kenntnisreichen Rede würdigte Dr. Albert den Preisträger Victor Huster als einen der besten und originellsten Medailleure der Gegenwart.

Der von der Rhön-Rennsteig-Sparkasse mit 2000 € dotierte Preis wurde durch den Oberbürgermeister der Stadt Suhl, Herrn Dr. Jens Triebel, den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst Herrn Dr. Wolfgang Steguweit und den Marketing-Leiter der Rhön-Rennsteig-Sparkasse Herrn Michael Kraus verliehen.