Eligiuspreis 2017 - Ulrich Klein

  Eligiuspreis 2017  
     
 

Laudatio für Ulrich Klein

Während des 14. Deutschen Münzsammlertreffens in Erfurt erhielt Dr. Ulrich Klein den Eligius-Preis 2017 der Deutschen Numismatischen Gesellschaft für seine numismatischen Forschungen und sein Wirken in der DNG. Nachstehend drucken wir die Laudatio von Albert Raff auf den Preisträger ab.

 

Preisverleihung
Übergabe des Eligius-Preises 2017 (v.I.n.r.): Dr. Barbara Simon (DNG-Präsidentin), Dr. Ulrich Klein (Preisträger), Albert Raff (Vorsitzender der Jury und Laudator). Foto: Andreas Meyer

 

Im Jahre 2001 feierte die Deutsche Numismatische Gesellschaft ihr 50-jähriges Bestehen. An dieses Jubiläum erinnert eine von Peter-Götz Güttler geschaffene Prägemedaille. Sie zeigt auf der Rückseite drei Säulen, die Münzrollen auf einem Brückenelement tragen. Diese drei Säulen heißen aufgrund ihrer Inschrift Sammeln, Forschen und Bewahren. Sie beschreiben so knapp und präzise die Aufgaben der Deutschen Numismatischen Gesellschaft. Sie stehen aber auch für die Numismatik, die ebenfalls auf drei Säulen ruht. Es sind dies die Sammlerschaft, die Wissenschaft und der Münzhandel. Alle drei sind aufeinander angewiesen und gehören untrennbar zusammen. Herr Dr. Ulrich Klein, der diesjährige Eligius-Preisträger, verkörpert die drei Bereiche wie kein anderer in einer Person, natürlich in unterschiedlicher Gewichtung. An erster Stelle steht für ihn selbstverständlich die Wissenschaft, dann folgen die Sammlerschaft und der Handel. Ich möchte dies im Folgenden erläutern und präzisieren.

 

Zunächst zur Wissenschaft

Nach dem Studium der Fächer Latein, Griechisch und Alte Geschichte in Tübingen und Wien wurde Ulrich Klein Assistent am Philologischen Seminar in Tübingen. In dieser Zeit veröffentlichte er regelmäßig Artikel über Münzauktionen im Schweizer Handelsblatt und im Numismatischen Nachrichtenblatt und machte sich damit einen ersten Namen in der Numismatik. Als Frau Dr. Elisabeth Nau im März 1981 in den Ruhestand ging, trat er ein halben Jahr später die Nachfolge als Konservator im Münzkabinett des Württembergischen Landesmuseums an. Zuvor hatte er sich, wie er mir vor vielen Jahren erzählte, auf die ausgeschriebene Stelle am Münzkabinett des Westfälischen Landesmuseums in Münster beworben. Als er von dort zu einem Vorstellungsgespräch gebeten wurde, traf er einen weiteren Bewerber an, nämlich Peter Ilisch. Wer letztendlich das Rennen für sich entschied, wissen Sie alle. Die Ablehnung war im Nachhinein ein Glücksfall für Stuttgart. Was Herr Klein in den 26 Jahren als Leiter des Stuttgarter Münzkabinetts für die Süddeutsche Münzgeschichte geleistet hat, ist ohne Beispiel. Seine Veröffentlichungen in Buchform, in Ausstellungskatalogen oder in einschlägigen Zeitschriften sind kaum zu zählen. Jean-Paul Divo, Schweizer Münzhändler und selbst Autor, hat ihn einst in einer Widmung mit den Worten „Ulrich Klein, der fleißigste Numismatiker in Deutschland“ charakterisiert. An dieser Stelle sei auf das zusammen mit mir erarbeitete und inzwischen auf sieben Bände angewachsene Korpuswerk der württembergischen Münzen und Medaillen einschließlich der Orden und Ehrenzeichen, die „Darstellung von Friedrich Schiller auf Münzen, Medaillen, Plaketten und Kleinreliefs“, „Die Münzen und Medaillen von Esslingen“ oder seine zahlreichen Beiträge zu den Mittelaltermünzen der Städte Konstanz, Villingen, Rottweil oder den Basler und Zürcher Münzprägungen des 11. Jahrhunderts hingewiesen. Nicht zu vergessen der zusammen mit Rainer Ulmer in den Beiträgen zur Süddeutschen Münzgeschichte erschienene tabellarische Katalog der Bodensee-Brakteaten. Und das alles geschah trotz einer permanenten Arbeitsüberlastung, die ein Einmannbetrieb geradezu zwangsweise mit sich bringt.

Die Aufzählung weiterer Veröffentlichungen erspare ich mir an dieser Stelle. Sie sind einem Schriftenverzeichnis vorbehalten, das Herr Klein leider immer noch nicht genehmigt hat. Aber ich deute dies als ein gutes Zeichen. Denn seine Ablehnung kann nur bedeuten, dass er seine schriftstellerischen Tätigkeiten noch lange nicht abgeschlossen hat. Wir können also immer noch hoffen, dass er den „Barbarossaschatz“ und den „Goldguldenfund von Marbach“ doch irgendwann abschließt, wenn auch die stetig wachsende Enkelschar das Gelingen immer schwieriger oder vielleicht sogar unmöglich macht. Auf jeden Fall aber können wir uns jetzt schon auf die Veröffentlichung eines Fundes freuen, mit dessen wissenschaftlicher Bearbeitung Herr Klein seit einigen Jahren beschäftigt ist. Es handelt sich um den Fund von Preuschdorf im Elsass. Dieser zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges verborgene und im Jahr 2005 entdeckte Schatz umfasst 7.270 Münzen deutscher, französischer und Schweizer Prägeherrschaften, zum Großteil aus dem Oberrheingebiet.

Wir können gespannt sein, vor allem wenn man bedenkt, dass Herr Klein die Bestimmung nicht anhand der Originale oder anhand von Fotos, sondern anhand von Röntgenaufnahmen auf dem Bildschirm durchführen musste. Eine unglaubliche Leistung.

In seiner langen Amtszeit ist es Herrn Klein durch intensive Kontakte zu Sammlern, Mäzenen und zum Münzhandel gelungen, die Sammlung im Münzkabinett durch bedeutende Stücke zu erweitern. So gelangten zum Beispiel ein Goldabschlag des Reitertalers von Herzog Ulrich von Württemberg aus der ehemaligen Sammlung Gotha und der nur in einem Exemplar bekannte Doppeldukat 1615 von Herzog Johann Friedrich aus der Sammlung Schlossberger in die Sammlung. Und das sind nur zwei der zahlreichen Raritäten. Nicht zu vergessen das prächtige Kleinod des Grafen Karl Ludwig von Sulz aus dem Jahre 1596.

Als Herr Klein am 7. Oktober 2007 das 65. Lebensjahr vollendete, würdigte die Direktorin des Landesmuseums, Frau Prof. Dr. Cornelia Ewigleben, seine Arbeit und stellte heraus, dass der „Herr über mehr als 100 000 Münzen, Medaillen, Stempel, Orden und Ehrenzeichen“ in seiner langen Amtszeit die international bedeutende Sammlung im Landesmuseum beträchtlich ausgebaut hat.

 

Und nun zur Sammlerschaft

Dass Ulrich Klein mit seiner Amtsübernahme als Leiter des Münzkabinetts auch gleichzeitig den Vorsitz des Württembergischen Vereins für Münzkunde übernahm, war ein Glücksfall. In den 28 Jahren fehlte er nur ein einziges Mal aus dienstlichen Gründen in der monatlichen Sitzung. Mehr als achtzig Mal hielt er einen Vortrag. Damit sparte er seinem Verein nicht nur die Kosten für mögliche auswärtige Referenten, sondern sorgte auch für ein gleichbleibend hohes Niveau. Dass der Württembergische Verein für Münzkunde innerhalb der DNG einen hervorragenden Ruf besitzt, ist sein Verdienst. Höhepunkt in seiner Amtszeit, die zwei Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2009 endete, war zweifellos die Ausrichtung des Numismatikertags anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 2001, auf den ich schon gleich zu Beginn hingewiesen habe. Unvergessen der Empfang für die zahlreichen Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands und dem nahen Ausland, den das Landesmuseum Württemberg zusammen mit der DNG und dem Verein im Alten Schloss ausgerichtet hat.

Da sich Ulrich Klein bis heute strikt einer ihm gewidmeten Festschrift bzw. einem Schriftenverzeichnis widersetzte, erhielt er an seinem 60. Geburtstag von seinem Württembergischen Verein für Münzkunde eine Porträtmedaille in Silber, die von Victor Huster, Baden-Baden geschaffen wurde. Fünf Jahre später, anlässlich seiner Pensionierung, widmete sein Verein ihm eine weitere Medaille. Als Künstler konnte damals Peter-Götz Güttler aus Dresden gewonnen werden. Beide Medaillen wurden im Numismatischen Nachrichtenblatt abgebildet, sodass ich an dieser Stelle auf eine Beschreibung verzichten kann.

Aber auch anderen Vereinen stand Herr Klein hilfreich zur Seite. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals eine Absage erteilt hätte, wenn an ihn die Bitte herangetragen wurde, ob er im Rahmen eines Münzsammlertreffens einen Vortrag halten könne. Wie kein anderer Numismatiker hat Ulrich Klein das von der Deutschen Numismatischen Gesellschaft herausgegebene monatliche Numismatische Nachrichtenblatt unterstützt, indem er hier regelmäßig wichtige Beiträge aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit veröffentlichte. Das war lange Zeit keine Selbstverständlichkeit. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als es für viele Berufsnumismatiker unter ihrer Würde war, ihre Beiträge hier zu veröffentlichen. Ulrich Klein hat damit einen entscheidenden Anteil daran, dass sich die Zeitschrift zu dem entwickelt hat, was sie heute ist, einerseits ein Nachrichtenblatt für die Vereine, andererseits eine der führenden numismatischen Zeitschriften in Deutschland, die auch für die Wissenschaft zunehmend interessant und wichtig ist.

 

Und dann noch der Münzhandel

Was den Münzhandel betrifft, kann man festhalten, dass Ulrich Klein versucht hat, jede von dort an ihn gestellte Anfrage rasch und umfassend zu behandeln. So war es für ihn trotz ständiger Überlastung im Amt auch eine Selbstverständlichkeit, Vorträge anlässlich der Jahrestagungen des Verbandes der deutschen Münzenhändler in Schwäbisch Hall und in Urach zu übernehmen. Und Stephan Sonntag, der ehemalige Präsident des Händlerverbandes, schildert immer wieder gerne, wie Ulrich Klein ihm anlässlich der Vorarbeiten für seine erste Auktion nicht nur den Tresor des Münzkabinetts, sondern auch trotz der beengten Raumverhältnisse einen Arbeitsplatz und die Bibliothek zur Verfügung stellte. Dass Ulrich Klein in seiner Amtszeit und danach zahlreiche Ehrungen erhielt, dürfte niemand überraschen. Neben der Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft wurden ihm u.a. der GIG-Ehrenpreis 1993, der 1. Preis für die beste numismatische Publikation des Jahres 1996 durch den Internationalen Händlerverband, die Otto Paul Wenger Medaille des Verbandes der Schweizer Münzhändler, der „Jeton de vermeil“ der Sociéte Française de Numismatique, die Kurt Regling-Medaille des Berliner Münzkabinetts und die Ehrenmitgliedschaft der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft verliehen. Heute folgt die vorerst letzte Ehrung. Die fünfköpfige unabhängige Jury für die Vergabe des Eligiuspreises sprach sich Ende Oktober vorigen Jahres einstimmig für Dr. Ulrich Klein als diesjährigen Preisträger aus. Er hat ihn mehr als verdient. Abschließend möchte ich erwähnen, dass der Württembergische Verein für Münzkunde aus Anlass des 75. Geburtstages von Herrn Klein ein Kolloquium am 21. Oktober dieses Jahres in Stuttgart abhalten wird. Das Programm wird rechtzeitig im NNB erscheinen.


Albert Raff

 

 

Eligiuspreis 2016 - Peter Hammer und Eberhard Auer

  Eligiuspreis 2016  
     
 

Laudatio für Peter Hammer

Laudatio für Peter Hammer III. Hauptgruppe, Ordnungszahl 13, Dichte 2,7 Gramm pro Kubikzentimeter: Aluminium - das dritthäufigste Element und häufigste Metall in der Erdkruste - 1808 erstmalig durch Humpry Davy beschrieben, jedoch erst 1825 bzw. 1827 durch ørsted bzw. Wähler erfolgreich mittels Reduktionsverfahren metallisch rein dargestellt. Eine der ersten Aluminiummedaillen auf Napoleon III. von 1853 war seinerzeit teurer als Gold. Ab 1866 wurde die Herstellung durch das Elektrolyseverfahren günstiger. Einmal unter hohem Energieaufwand hergestellt, ist dieses silberglänzende Leichtmetall universell verform- und verarbeitbar; wird in vielen Bereichen unseres Leben verwendet und ist insbesondere in der Luftfahrt, dem Fahrzeugbau und im Haushalt nicht mehr wegzudenken. Mit der numismatischen Verwendung von Aluminium befasst sich Dr. Peter Hammer seit mehr als 40 Jahren. Mehr als 6.000 datierte Medaillen hat er in einer Datenbank erfasst, mehr als 3.000 gebären zu seiner Sammlung. Das ist aber nur eine Seite seiner vielfältigen Forschungen auf numismatisch-metallurgischem sowie verfahrenstechnischem Gebiet, aber jene, die ihn auch als Sammler seitdem nicht mehr loslässt. Peter Hammer wurde am 30. August 1934 in Leipzig geboren. Nach der Oberschule studierte er von 1953 bis 1959 an der Bergakademie Freiberg Metallkunde und schloss mit einer Arbeit über Stähle, insbesondere über Wasserstoff im Stahl sowie über die Alterung von Stählen, erfolgreich als Diplom-Metalloge ab. Sein beruflicher Einstieg erfolgte im Flugzeugbau. Am Institut für Werkstoffe der Luftfahrtindustrie in Pirna untersuchte er von 1958 bis 1960 für Turbinenwerkstoffe erforderliche Hochtemperaturverbindungen aus Nickel und Cobalt. Doch diese Tätigkeit währt nur kurz. 1960 musste die DDR mangels Aufträgen die Entwicklung der Baade 152, des ersten deutschen Düsenverkehrsflugzeuges, einstellen. Der dadurch bedingten beruflichen Veränderung im Jahr 1960, nunmehr beim VEB DKK Scharfenstein für die Kompressorenfertigung von Kühlschränken tätig, folgte auch eine private, sein Umzug nach Zschopau und Heirat im gleichen Jahr. Seiner Ehe entsprangen in den Jahren 1962 und 1964 zwei Söhne. 1970 promovierte Peter Hammer an der TU Chemnitz über metallische Schwingungen mit speziellen Untersuchungen zum Verschleiß von Kompressoren zum Doktor der technischen Wissenschaften. Die Inspiration, sich mit Münzen zu beschäftigen, erfolgte in den Jugendjahren durch seinen Großvater, dessen Münzsammlung er später übernahm. Ab etwa 1975 begann er auf Grundlage seiner beruflichen Erfahrungen und Forschungsarbeiten, Fragestellungen zum Münzumlauf, insbesondere den Abrieb und Verschleiß von Münzen im Geldverkehr sowie deren Haltbarkeit in Abhängigkeit der Legierungszusammensetzung, zu untersuchen. Er musste sich jedoch auf Münzen aus Aluminium - dem „deutschen Metall' wie er es selbst bezeichnete - konzentrieren, denn diese kursierten als Umlaufgeld in der DDR, Polen, der CSSR und in Ungarn. Die Ergebnisse dieser Arbeit lagen bereits 1989 vor, der Druck scheiterte vor der Wende jedoch am Papierkontingent, so dass die Veröffentlichung seiner Monografie „Metall und Münze" erst 1993 erfolgte. Von 1995 bis 1998 war Peter Hammer am Deutschen Archäologischen Institut tätig und untersuchte metallische Fundgegenstände der römischen Kaiserzeit auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Diese Thematik war bisher stiefmütterlich behandelt worden, da man sich v. a. auf Funde germanischer bzw. slavischer Herkunft konzentriert hatte. Das Forschungs- und Interessenfeld von Peter Hammer ist enorm vielfältig. Es reicht von der Antike bis zur Neuzeit, umfasst die Auseinandersetzung mit historischen Fragen der Metallkunde und Münzherstellung, die Untersuchung der verschiedensten Münzmetalle sowie Betrachtungen zu modernen Münzen und Medaillen aus numismatisch-metallurgischen Gesichtspunkten. Von 1971 bis heute hat er mehr als 150 Veröffentlichungen vorzuweisen, darunter auch in der ausländischen Fachpresse. Bemerkenswert sind seine Aufsätze zu ausgefallenen Themen, wie die Beschichtung antiker und neuzeitlicher Münzen, Sintermetalle als Münz- und Medaillenmaterial oder seine umfassenden Abhandlungen über die Kunst des Probierens. Der aufmerksame Leser des NNB wird immer wieder interessante Abhandlungen von ihm finden. Als aktiver Numismatiker suchte natürlich auch er den Austausch mit Gleichgesinnten. Ende der 1960er Jahre trat in die Fachgruppe Numismatik Zschopau des Kulturbundes der DDR ein. 35 Jahre lang, von 1972 bis 2007, leitete er diese sowie die später daraus hervorgegangene Numismatische Gesellschaft Zschopau e.V. (NGZ) als deren Vorsitzender. 2007 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der NGZ gewählt, die Mitglied der Sächsischen Numismatischen Gesellschaft und der Deutschen Numismatischen Gesellschaft ist und im Jahr 2007 unter seiner Regie das 15. Mitteldeutsche Münzsammlertreffen in Zschopau ausrichtete. [...] 2001 konnte in Zschopau Dank großer Vorarbeiten von Dr. Hammer eine Münzwerkstatt eingeweiht werden. Sie ist Zentrum der Arbeit der Zschopauer Münzfreunde. Ein besonderes Verdienst von Peter Hammer ist die Publikation des Lebens und Wirkens von Johannes Kanz in der 2001 herausgegeben Broschüre „Münztechnik, Medaillen, Nachprägungen - Johannes Kanz (*31.10.1919 t 21.03.1997)" mit Katalogteil. [ ... ] Seine breit gefächerten Interessen machen Dr. Hammer zu einem gefragten Partner sowohl von wissenschaftlichen Kollegen als auch im numismatischen Umfeld. Folgerichtig arbeitet er deshalb auch aktiv im Arbeitskreis „Experimentelle Numismatik" mit. Die Beschäftigung mit ähnlichen Forschungsthemen führte vor einiger Zeit auch unsere beiden Preisträger, Dr. Eberhard Auer und Dr. Peter Hammer, zusammen. Da Hammer mehrere Aufsätze über Nickelmünzen und deren Eigenschaften verfasst hatte, konsultierte ihn Auer bei seinen Recherchen über Reinnickelmünzen. Das führte beide, Auer und Hammer, zu einem Besuch der Auerhammer Metallwerke nach Aue. Auer und Hammer bei Auerhammer, wie das Leben so spielt - in diesem Sinne unseren beiden Preisträgern ein herzliches „Glück Auf!" und noch viel Freude bei der Beschäftigung mit numismatisch-metallurgischen Projekten.

Matthias Grimm

 

 

 

Laudatio für Eberhard Auer

Wie sehr unsere Preisträger zusammen wahrgenommen werden können, hat Herr Grimm eben sehr eindrucksvoll dargelegt. Dabei lässt sich aus philologischer Sicht noch etwas ergänzen: Bei dem zusammengesetzten Firmennamen Auerhammer ist „Hammer" das Grundwort und „Auer" das Bestimmungswort. Das leuchtet sofort ein, denn Herr Hammer ist acht Jahre älter, während Herr Auer binnen Monatsfrist am 13. Juli sein 75. Lebensjahr vollenden wird. Und ein Hammer ist ja stets aus Metall, während die „Aue" eine Talniederung meint, und ein „Auer" ist entweder jemand, der z.B. aus der Stadt Aue stammt oder aber der Bewohner einer Aue, einer Talniederung. Unser Herr Auer ist aber ein gebürtiger Hannoveraner und aufgewachsen in Südniedersachsen, in Einbeck, der traditionsreichen Bierstadt an einem Bach (niederdeutsch Beeke) - und das passt also bei Einbeck genau: der Bewohner einer fruchtbaren Niederung. Um das nun in das Fach Chemie zu übersetzen: Herr Hammer steht für die anorganische Chemie, insbesondere die Metallurgie, Herr Auer eben für die organische.

Nach dem Abitur in Einbeck machte er ab 1961 eine Ausbildung zum Chemietechniker in Stuttgart und studierte dort 1963 bis 1967 Chemie, und der junge Diplom-Chemiker promovierte dann 1969 zum Dr. rerum naturalium mit einem Thema zur organischen Chemie über die „Synthese von 1.3.5-Trisdialkyl-aminobenzolen über Arinreaktionen aus mehrfach halogenierten Benzolderivaten". Es folgte ein Forschungsjahr in Kanada und dann - inzwischen hatte er eine Chemotechnikerin geheiratet und war glücklicher Familienvater mit zwei Töchtern geworden —ergriff Herr Auer einen ordentlichen Brotberuf als Chemiker bei der Knapsack AG in Hürth bei Köln.

Dort spezialisierte er sich auf Umwelttechnik, suchte etwa natürlich abbaubare Kohlenstoffverbindungen als Ersatzstoffe für Waschmittelphosphate, entwickelte Produktionsverfahren von Flammschutz mitteln, wurde Produktionsleiter der Höchst AG in Knapsack und verbrachte mit seiner ganzen Familie auch gut zwei Jahre in Louisiana/USA 1983-85. Schlimm waren Krankheit und Tod seiner Frau 1987. Sein erfülltes Berufsleben endete bereits Ende September 1996 mit dem Vorruhestand - so ist das oft bei großen Firmen, wenn Sparten umgestellt und umorganisiert werden.

Eberhard Auers Vorruhestand war der Start in einen bald zwanzigjährigen Unruhestand. Nun konnte er sich der Numismatik widmen und zur anorganischen Chemie wechseln. Seine Sammlerkarriere hatte er schon mit der Einschulung 1948 begonnen: die Währungsreform weckte sein Interesse für Münzen. Herr Auer lernte also Münzen und Metalle vor dem ABC und dem Einmaleins! Schon während seines Studiums trat er 1966 dem Württembergischen Verein für Münzkunde bei, 1967 der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte und war Gründungsmitglied des Münzsammlerclubs in Stuttgart-Bad Cannstatt. 1971 wechselte er zu den Kölner Münzfreunden und war auch Mitglied bei weiteren Vereinen, seit 1992 in Bonn, ferner in Leverkusen, Erfurt, Freiberg, Speyer, der Bergischen und der Thüringischen Numismatischen Gesellschaften sowie ab 2006 des Arbeitskreises Experimentelle Numismatik. Dabei galten seine Interessen zunächst - verständlicherweise - den Münzen seiner niedersächsischen Heimat, vor allem den dortigen Städtemünzen, dann unter diesen speziell den Feinsilbermünzen. Die Aufschrift „von feinem Silber' die sich dort findet, warf ihm die Warum-Frage auf, die bis dahin systematisch noch nicht gestellt war. Auer ermittelte, dass die ersten Feinsilbermünzen nach dem Ende der Kipperzeit 1623 in Goslar und Zellerfeld im Auftrag des Münzherrn Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel geprägt wurden, dessen ungetreue Beamte die Kipper-Inflation wesentlich verursacht hatten. Er fand einen Druck des entscheidenden Münzediktes vom November 1623 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die im Nennwert von Mariengroschen zu 1/36 Taler geprägten Feinsilbermünzen waren als Landmünzen zwar nicht den Reichsmünzvorschriften unterworfen, aber durchweg guthaltig - was Auer durch Feingehalts-Berechnungen bestätigte - und setzten einen neuen Qualitätsstandard für Kleinmünzen, der sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Niedersachsen und Ostwestfalen durchsetzte. Herr Auer bewarb sich mit seinem Aufsatz 1992 für den Eligiuspreis des Verbandes der deutschen Münzvereine und gewann den ersten Preis - damals war dieser Preis eben ein reiner Wissenschaftspreis. Nun erhält er den Preis ein zweites Mal - für sein Lebenswerk. Die Studie über die Anfänge der Harzer Feinsilbermünzen, die bis in das 19. Jahrhundert wichtig waren, war quasi sein numismatisches Gesellenstück. Seine Fragestellung bewog ihn zum gründlichen Literaturstudium und zur Recherche nach bisher unbekannten Quellen. Dass mehr als eine rein deskriptive Beschreibung, mehr als die Exegese der Münzen selbst geleistet wird, nämlich der historische und numismatische Kontext erst untersucht und dann einem breiten Kreis durch Aufsätze und Vorträge vermittelt wird, zeichnet die wissenschaftliche Numismatik aus. Diese ist, was nicht genug zu betonen ist, kein Reservat von Fach- und Kabinettnumismatikern mit einem einschlägigen Universitätsstudium, sondern kann auch von einem engagierten Sammler geleistet werden, der sich nicht mit dem Abhaken von Katalognummern begnügt, sondern der den Erkenntniswert und den Kontext eines numismatischen Objektes ermittelt und dann vermittelt. Engagierte Sammler wie Eberhard Auer sind eine unentbehrliche Bereicherung unseres Faches. Dabei zeichnet ihn eine unser Fach erfreulich aufmischende Originalität aus. Viele seiner Aufsätze und Vorträge haben originelle Titel: „Fein oder nichtfein - das ist hier die Frage" - zu den Aufschriften auf Harzer Münzen. Sie behaupten, aus feinem Silber zu sein, was er durch Dichtemessungen bestätigte. Oder: „Warum der Taler eigentlich Berger heißen müsste" - den Standard der Joachimstaler Guldengroschen setzten Annaberger Klappmützentaler. Dann stammt von ihm der Begriff der vierten Dimension einer Medaille - das Material als Gestaltungselement, und er hat auch gezeigt, dass das ein lohnendes Sammelthema ist und aus wie vielen Metallen es Prägungen gibt. Inzwischen weist sein Schriftenverzeichnis 57 Nummern auf. Metallurgische Fragen und Münzen und Medaillen, die explizit über ihr Metall Aufschluss geben wie kanadische Nickelmünzen, oder aus seltenen Metallen bestehen wie Platin, Uran, Tantal, Niob, Indium, hat er besprochen. Viele weitere Aufsätze ließen

sich anführen, die stets originelle Einsichten vermitteln. [ ... ] In zahlreichen deutschen Münzvereinen hat er von seinen Erkenntnissen berichtet, und so ist er in Deutschland wohlbekannt als kundiger Experte - seine Selbstbezeichnung ist Numismetallurge. Die jüngste Arbeit ist nachzulesen in der Publikation des großen Bonner Turnosenschatzes vom Böselagerhof 2015, wo er über die Messung von Dichte und Leitfähigkeit den Feingehalt dieser mittelalterlichen Münzsorte beschrieb.

Schließlich ist noch Auers ehrenamtliche Tätigkeit für die Numismatik zu würdigen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand wurde er für knapp acht Jahre ehrenamtlicher Betreuer der Münz- und Medaillensammlung des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum. [ ... ] Über zehn Jahre war er freier Mitarbeiter bei den von Thomas Lautz kuratierten Ausstellungen der Kreissparkasse Köln und hat aus seinen Arbeitsgebieten Interessantes beigetragen. Schließlich hat er von 2000 bis 2012 den Bonner Münzfreunden vorgestanden und hat 2008 die 50-Jahrfeier des Vereins mit einem Rheinischen Münztag organisiert; [...] dass er über einige Jahre als Kassenprüfer der DNG fungiert hat, rundet das gezeichnete Bild erfreulich ab.

Alles in allem - seine wissenschaftliche Arbeit als Numismetallurge, die Publikations- und Vortragstätigkeit ebenso wie die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Münzsammlerverein, für Museen und für die DNG qualifizieren ihn für den Eligiuspreis in gleicher Weise wie Herrn Dr. Hammer, für den ich eine gleiche Hochschätzung empfinde und dessen Engagement in Zschopau ich auch bei zwei Besuchen persönlich erleben durfte. Indem sie beide geehrt werden, ist ihrer beider Beitrag zur Werkstoffkunde der Numismatik zu würdigen, der einen methodisch sehr wertvollen Beitrag zu unserem Fach darstellt [ ... ]. Engagierte Forscher wie sie beide braucht unser Fach, sie sind unverzichtbar.

Ihre Ehrung hat die Jury schon im vorigen Jahr erwogen, als es zur 25-Jahrfeier der deutschen Einheit auch darum ging, Persönlichkeiten zu würdigen, die sich in der wiedervereinigten Nation um das Zusammenwachsen von Ost und West verdient gemacht haben. Ihre fachliche Kooperation ist auch unter diesem Blickwinkel vorbildhaft. Und dieser Aspekt des Wirkens von ihnen beiden ist auch heute von bleibender Aktualität und verdient an diesem Tagungsort erinnert zu werden.

Gerd Dethlefs

 

 

Eligiuspreis 2015 - Dr. Wolfgang Steguweit

  Eligiuspreis 2015  
     
 

Dr. Wolfgang Steguweit

Im Rahmen des 12. Deutschen und 50. Süddeutschen Münzsammlertreffens im September 2015 in Speyer wurde Dr. Wolfgang Steguweit mit dem Eligius-Preis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft ausgezeichnet. Die Laudatio von Matthias Grimm, Dresden, die er als Mitglied der Jury des Eligius-Preises hielt, drucken wir nachstehend ab: Sehr geehrter Herr Dr. Steguweit, liebe Münz- und Medaillenfreunde, meine sehr verehrten Damen und Herren! Es liegt im Wesen des Menschen, immer Neues zu entdecken und nach Lösungen für auftretende Fragen zu suchen. Dabei orientieren sich viele an jenen, die auf diesem Weg voranschreiten - egal ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Sport oder Unterhaltung. In der Numismatik gehört Wolfgang Steguweit zu denen, die Antworten geben. Er ist allen bestens bekannt, der Name Steguweit ist Begriff. Und in diesem Jahr, wo allerorten in unserem Land der deutschen Wiedervereinigung vor 25 Jahren gedacht wird, hat die Jury keinen Würdigeren gefunden als ihn, um das Gelingen der Einheit in unserem Fach und in unserer Zunft sichtbar zu machen. Nachdem die Mauer am 9. November 1989 gefallen war, haben Sie, lieber Herr Steguweit, mit Ihren Münchener Kollegen Dr. Ingrid Szeiklies-Weber und Dr. Wolfgang Hess die Überwindung der deutschen Teilung in einem Medaillen- und Ausstellungsprojekt „Aufbruch - Durchbruch. Zeitzeichen der deutschen Medaillenkunst" verabredet und durchgeführt. Und Ihr Lebensweg zeigt, dass Sie stets ein Grenzüberschreiter gewesen sind. Dabei war der Weg unseres Preisträgers bis zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf dem Gebiet der Münz- und Medaillenkunde nicht einfach. Blicken wir zurück. Geboren am 30. Januar 1944 führten ihn die Wirren des Krieges in einer wahren Odyssee von Königsberg über Schlesien, das Erzgebirge, Magdeburg bis in das mecklenburgische Residenzstädtchen Ludwigslust. Hier machte er 1962 das Abitur und im Jahr darauf eine Berufsausbildung zum technischen Zeichner. Seine Zukunft wollte er jedoch nicht in Technik und Konstruktion finden. Bereits in jungen Jahren entstand der Wunsch, Kunstgeschichte zu studieren, um später einmal in einem Museum zu arbeiten. Im Staatlichen Museum Schwerin beeindruckte ihn immer wieder die reiche Sammlung niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts. Da ein Studium der Kunstgeschichte gleich nach dem Mauerbau nahezu aussichtslos war (geworben wurden Abiturienten für „zweckmäßigere" Studiengänge), versuchte er es über den Umweg des Lehrerberufs und bewarb sich am Pädagogischen Institut Dresden für ein Studium der Pädagogik, Kunstgeschichte, Kunsterziehung sowie Deutsche Sprache und Literatur und wurde immatrikuliert. Wie bei vielen Sammlern unter uns, waren es auch bei ihm in der Kindheit erhaltene Münzen, die die „Initialzündung" für seinen späteren Berufsweg gaben. Warum sollte die angestrebte künftige Arbeit in einem Museum nicht mit der noch aus den Jugendjahren in Erinnerung gebliebenen „Numismatik" verknüpft sein? Eine Verbindung mit Kunstgeschichte war nahe liegend, Verknüpfungen zu pädagogischen Aspekten für Lehre und Erziehung galt es heraus zu finden. Als die Auswahl des Themas für die Diplomarbeit anstand, bot das Dresdener Münzkabinett Hilfe. Dessen damaliger Direktor Dr. Paul Arnold nahm sich des Anliegens von Wolfgang Steguweit an und unterstützte ihn in seiner Idee, den Hauptmeistern der deutschen Renaissancemedaille aus der Sicht eines angehenden Pädagogen nachzuspüren. Mit dem mehrbändigen Corpus von Georg Habich über die deutschen Schaumünzen des 16. Jahrhunderts leihweise ausgerüstet, machte er sich ans Werk, ein schier unmögliches Unterfangen, auf dessen Ergebnis er selbst heute nachsichtig blickt. Fortan sollte aber die Medaille eine besondere Rolle in seinem Leben spielen. Noch vor dem regulären Ende seines Studiums reiste er nach Gotha. Sein Ziel war eine avisierte Stelle für das Münzkabinett. Wolfgang Steguweit muss die damalige Leiterin des Schlossmuseums beeindruckt haben, dass genau er der Richtige und für diese Aufgabe prädestiniert sei, dass sie ihm die Stelle zwei Jahre freihalten wollte, denn nach seinem Studienabschluss war ein Einsatz in der Volksbildung nicht zu umgehen. Für ihn und seine Frau bedeutete das Lehrertätigkeit im Kreis Malchin, einen Ort, den man sich damals nicht aussuchen konnte. Man wurde „berufsgelenkt“ Immer das Gothaer Ziel vor Augen, erledigte er pflichtbewusst seine Arbeit und entwickelte sich zu einem guten und beliebten Lehrer. Aus den zwei Jahren wurden am Ende vier, bis der Bezirksschulrat wohl oder übel der Hartnäckigkeit des jungen Pädagogen nachgab, auf den man durchaus Hoffnungen im damaligen Bezirk Neubrandenburg setzte. Damit war der Weg nach Gotha frei. Auch hier ergaben sich anfänglich neue Probleme für die junge Familie - inzwischen hatte sich Nachwuchs eingestellt: Es stand keine Wohnung zur Verfügung. Dass er mit seiner Familie zunächst im Schloss Friedenstein wohnen würde, hätte er selber nicht gedacht. Was lehrt uns diese Lebensbiografie von Wolfgang Steguweit aus diesem kurzen Zeitabschnitt seines beruflichen Einstiegs? Konsequente Hinarbeitung auf die Verwirklichung gesetzter Ziele sichert den Erfolg. Oder frei nach Hermann Hesse: „Nur wer das nahezu Unmögliche versucht, wird das Mögliche erreichen.“ Von 1971 bis 1988 war unser Preisträger als Mitarbeiter des Schlossmuseums für das Münzkabinett tätig und konnte zuletzt die Abteilung zu einem eigenständigen Direktionsbereich innerhalb der Museen der Stadt Gotha „befördern“. Hier ordnete und strukturierte er die Sammlung, publizierte ausgewählte Bestände in Katalogen des Schlossmuseums und machte das Kabinett mit zahlreichen Ausstellungen - auch im „sozialistischen Ausland“ (z. B. Wilnius, Torun, Zilina, Brno) bekannt. Schmerzlich empfand er immer wieder, dass das vormals herzogliche Münzkabinett, 1712 durch den Erwerb der bedeutenden Münzsammlung des Grafen Anton Günther II. von Schwarzburg-Arnstadt in einen europäischen Rang erhoben, durch Verluste 1945 wichtiger Pretiosen beraubt war. Es fehlten die antiken Griechen, nahezu alle Renaissancemedaillen sowie die Goldmünzen. Dieses Wissen sollte später noch einmal bedeutsam für die Gothaer Sammlung werden. Als 1982 im Rahmen des Kulturbundes der DDR der Arbeitskreis Thüringer Münzkunde gegründet wurde, war er in diesem Gremium als wissenschaftlicher Betreuer aktiv. Publikationen des Arbeitskreises bereicherte er mit eigenen Aufsätzen, Rezensionen sowie Literaturrecherchen zur Thüringer Münz- und Geldgeschichte. Obwohl sein späteres Tätigkeitsfeld in Berlin keine unmittelbare Mitwirkung im Arbeitskreis mehr zuließ und er auch nicht der Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde angehört, hat er doch, wie er selbst unlängst bemerkte, ständig deren Arbeit mit Interesse verfolgt und nach Kräften unterstützt. Als gebürtiger Ostpreuße und damit echter Preuße ist Wolfgang Steguweit Mitglied der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin. Mit seinen fundierten und erfrischenden Fachvorträgen ist er nicht nur in Thüringen ein gern gesehener Gast. Steguweit hat stets die Sammler als sein Publikum, als seine Zielgruppe gesehen, und wir waren und sind gern sein „Fanclub“. 1980 promovierte Wolfgang Steguweit an der Martin-Luther-Universität Halle mit dem Thema „Geschichte der Münzstätte Gotha in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“. Seine wissenschaftliche Arbeit in Gotha krönte er 1987 mit der Monografie über die Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Damit war in Gotha die Arbeit zunächst getan. Die Pensionierung des Direktors des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, Dr. Heinz Fengler, eröffnete die Möglichkeit, der Provinzialität des beschaulichen thüringischen Städtchens zu entfliehen, am Pulsschlag der Hauptstadt Berlin mit weitaus größeren Kontaktmöglichkeiten, vor allem auf internationalem Gebiet, teilzuhaben und diesen im numismatischen Fachgebiet mit zu beeinflussen. Er nahm diese Herausforderung an und wurde 1988 Direktor des größten deutschen Münzkabinetts. Zunächst galt es aber, das traditionsreiche Berliner Kabinett unbeschadet durch die Wirren der Wende zu steuern und die politische Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten auch auf numismatischem Gebiet öffentlichkeits-wirksam darzustellen. Ich habe darauf bereits eingangs verwiesen. Ursula Kampmann schrieb dazu unlängst: „Mit der Ausstellung ‚Aufbruch - Durchbruch. Zeitzeichen in der deutschen Medaillenkunst; die er im Zusammenarbeit mit dem ‚anderen' bedeutenden Münzkabinett in Deutschland, der Staatlichen Münzsammlung in München, durchführte, durchbrach er mentale Grenzen, die immer noch zwischen Ost und West bestanden. Er führte damit nicht nur die Künstler zusammen, sondern schlug gleichzeitig eine Brücke zwischen der traditionellen und der zeitgenössischen Numismatik.“ Heute, 25 Jahre danach, sind die deutschen Numismatiker vereint und Wolfgang Steguweit gebührt das Verdienst, diesen Prozess durch sein Wirken aktiv gefördert zu haben. Im Begleitband zur Ausstellung hat er die Medaille als „reliefplastisches Kleinkunstwerk" begrifflich neu gefasst. Die auf Goethe zurückgehende und gern zitierte Bedeutung der Medaille als vorzügliches Objekt zur Ehrung verdienst voller Persönlichkeiten sowie Medium zur Verbreitung und Überlieferung ihrer Leistungen wird durch seine Wortschöpfung erweitert und hat der Medaillenkunst neue Impulse gegeben. 1991 stand die Vereinigung der westdeutschen „Deutschen Medaillengesellschaft“ mit der ostdeutschen „Gesellschaft für Medaillenkunst“ an; es gab eine gemeinsame Gründungsversammlung in Bonn. Das Erstaunliche war hier, dass sich die westdeutsche Gesellschaft gerade in einem Zerfallsprozess befand und deshalb die ostdeutschen Medaillenenthusiasten die Federführung übernahmen: Wolfgang Steguweit wurde erster Vorsitzender. Es war also nicht so wie in vielen anderen Bereichen, dass die sog. ,Niedervereinigung“ oft mehr eine feindliche Übernahme durch Westdeutsche war, sondern es war eine echte und herzliche Vereinigung unter kompetenter Führung, wo Ost oder West nach ganz kurzer Zeit keine Rolle mehr spielte und wo sachorientierte Arbeit Freude an Medaillen vermehrte, wo Steguweit Künstler ermutigte und förderte und auf vielen Tagungen dem Austausch von Künstlern und Sammlern ein Forum bot. Steguweit führte die „Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst“ von 1991 bis 2001 sowie von 2010 bis 2013 als deren Vorsitzender, 2013 wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Im Jahr 1992 begründete unser Preisträger die Schriftenreihe „Die Kunstmedaille in Deutschland". Von den bislang erschienenen 29 Bänden ist er bei etlichen Autor bzw. Herausgeber oder Mitherausgeber. Auch die 2005 erfolgte Stiftung des „Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst“ wurde von ihm initiiert. Von 1992 bis 1998 war er für Deutschland Delegierter in der internationalen Medaillengesellschaft FIDEM, von 1991 bis 2008 vertrat er das Land Berlin in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und wirkte von 1994 bis 2004 als Vorsitzender der auf Medaillenforschung konzentrierten „Gitta-Kastner-Stiftung“ der Numismatischen Kommission. Seit 2015 ist Wolfgang Steguweit Mitglied der Historischen Kommission für Thüringen und des Kuratoriums der Kulturstiftung Gotha. Doch zurück nach Berlin. Bereits kurze Zeit nach seinem Amtsantritt als Direktor des Berliner Münzkabinetts wurde ihm bewusst, dass die damit verbundenen administrativen Aufgaben seine Möglichkeiten einschränkten. Es war sicher kein leichter Schritt, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach nur zwei Jahren zu bitten, ihn von dieser Stelle zu entbinden und um eine Tätigkeit „als Mann der zweiten Reihe“, wie er sich selbst gern bezeichnet, zu ersuchen. Seinem Antrag wurde nicht zuletzt wegen seiner Reputation entsprochen. Bis Ende 1991 arbeitete er noch als Direktor und von 1992 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 als stellvertretender Direktor und Hauptkustos des Münzkabinetts in Berlin. Und seine Arbeit ist durchaus als „produktiv“ zu bezeichnen. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Arbeiten zur Münz- und Geldgeschichte von Mittelalter und Neuzeit, sammlungs- und wissenschaftsgeschichtliche Studien und natürlich zahlreiche Publikationen über deutsche und europäische Medaillen. Wenn wir Goethe folgen, der Bücher einmal als Perlen bezeichnete, so ist der Umfang seiner Schriften nicht nur mit einer Perlenkette sondern einer Schatzkiste vergleichbar. Seine im Internet veröffentlichte Bibliografie umfasst mittlerweile mehr als 200 Titel, darunter 24 Monografien, zahlreiche Aufsätze sowie Fundbeschreibungen und Rezensionen. Wer aktiv das NNB und die numismatische Fachpresse studiert, wird immer wieder Beiträge von ihm finden, die der Zusammenstellung noch beigefügt werden müssen. Wolfgang Steguweit ist einer der produktivsten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Numismatik mit einem nicht alltäglichen breiten Spektrum. Dafür ist ihm nicht nur die Sammlerschaft zu großem Dank verpflichtet. Zudem ist er ein ausgesprochen angenehmer Zeitgenosse, der jede Gesprächsrunde intellektuell und amüsant bereichert. Nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeit ist Wolfgang Steguweit nach Gotha, dem Anfang seines musealen und numismatischen Wirkens, zurückgekehrt. Und diese wird, so hat man den Eindruck, seither umso aktiver betrieben. Die Rückführung von ca. 15.000 Münzen und Medaillen nach Gotha, die die herzogliche Familie 1945 nach Coburg „transferiert“ hatte, konnte er im Auftrage der Kulturstiftung der Länder und des Schlossmuseums Gotha mit seinen Gutachten und der. Erfassung „vor Ort“ in Coburg maßgeblich bewirken. Da es vor Ort keinen Münzverein gibt, gehört er dem dortigen Briefmarken-Sammler-Verein Gotha 1890 e.V. an, in dem neben ihm auch andere Numismatiker mitarbeiten. Anfang September diesen Jahres war Gotha Austragungsort des 15. Deutschen Philatelistentages, auch dabei brachte sich unser Preisträger mit ein. Die Verbindung zwischen Philatelie und Numismatik hat er unlängst in einem mehrteiligen Beitrag im NNB „Von der zweiten zur dritten Dimension. Zeitgenössische Künstler in ihrem numismatischen und philatelistischen Umfeld“ dargestellt. Es scheint so, als ob er unaufhaltsam frühere Projekte, die aus Zeitgründen unvollendet geblieben waren, zu Ende bringt und sich aber auch neuen Themen zuwendet. Starke Männer haben meist starke Frauen an ihrer Seite, die ihnen Freiräume schaffen, sie in ihrem Tun bestärken, Projekte befördern und vielleicht sogar bei speziellen Fragen eingebunden werden. Da dies bei Frau Steguweit ganz sicher der Fall ist, gebührt auch ihr eine Aktie am Preis und natürlich ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle. Lieber Herr Steguweit, es ist mir nicht leicht gefallen, zum heutigen Anlass für Sie, den Wissenschaftler, den begnadeten Autor und Schöngeist, der oft selbst als Festredner brilliert, die richtigen Worte zu finden. Nun, es waren die Worte eines Sammlers, der stellvertretend für die Vielzahl der in der Deutschen Numismatischen Gesellschaft organisierten Sammler heute hier Lob und Dank vorgetragen hat. Im Namen der Jury und von uns allen wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, beste Gesundheit, ungebrochenen Forscherdrang sowie stets eine flotte Feder - zu Ihrem Vergnügen und zu unser aller Freude. Anmerkung: Interessenten finden weiterführende Angaben zum Leben und Schaffen von Wolfgang Steguweit bei Bernhard Weisser: Wolfgang Steguweit - Initiator - Macher - Mentor - Visionär. In: Geldgeschichtlichen Nachrichten, GN 274, Juli 2014, S. 214-225, sowie bei Uta Wallenstein: Das Gothaer Münzkabinett von 1945 bis 2009. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde, Heft 18, 2008-2010, S. 133-143. .




 

 

 

Eligiuspreis 2014 - Heinz Thormann

Laudatio

  Eligiuspreis 2014
 
  Foto: Andreas Mayer, Neumarkt  
 

Laudatio für Heinz Thormann
Eligius-Preisträger Thormann
Heinz Thormann erhält den Eligiuspreis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft / Verband der deutschen Münzvereine e.V. 2014 – nach der von der Jury formulierten und in der Urkunde niedergelegten Begründung – „für sein numismatisches Lebenswerk, als Sammler, als Gründer und aktives Mitglied deutscher Münzvereine, als Autor eines vielzitierten numismatischen Standardwerkes, als Gründungsredakteur einer numismatischen Fachzeitschrift und als wissenschaftlicher Numismatiker im Münzhandel.“

 

Sehr geehrter, lieber Herr Thormann,

verehrte Festgäste, liebe Münzfreunde, meine Damen und Herren!

Als Mitglied der von unserem Präsidenten Kristian Nikol Worbs berufenen Jury für den Eligius-Preis ist mir die Aufgabe übertragen, die übliche Lobrede auf den Geehrten zu halten. Dabei möchte ich sofort klarstellen, dass der Vorschlag, Heinz Thormann zu ehren, nicht von mir stammt – als Vorsitzender der westfälischen Münzfreunde kann ich ja nicht gut eigene Mitglieder vorschlagen – aber ich habe auch nicht widersprochen und kein Veto eingelegt. Aus vielen Gründen hat mir der Vorschlag sehr eingeleuchtet, etwa weil ich den Geehrten seit früher Jugend kenne – nicht persönlich, sondern von seinen Schriften –, und ich nutze gern die Gelegenheit, nun eine große Dankesschuld abzutragen.


Gottlob macht der Preisträger die Sache leicht. Denn, sehr verehrte Damen und Herren: wer von Ihnen kennt Heinz Thormann nicht vom Namen her? Wer hat sein Hauptwerk über die anhaltischen Münzen des Mittelalters hier noch nicht benutzt? Ist es nicht immer noch, bald 40 Jahre nach Erscheinen, das viel zitierte Standardwerk zu Anhalter Münzen des Mittelalters?

 

Wir ehren hier also nicht jemanden wie einen „unbekannten Soldaten“, der stets seine Pflicht tat. Aber wer kennt schon seine Biographie, Einzelheiten seines Lebens für die Numismatik? Dass Sie, meine Damen und Herren, noch nicht viel über HerrnThormann wissen, erleichtert meine Aufgabe: denn es ist eben nicht längst Bekanntes, oft im Fünfjahresrhytmus in den numismatischen Gazetten Gelesenes zu wiederholen – und, um es kurz zu sagen, es lohnt sich, den Autor dieses Buches und sein Lebenswerk zu kennen.

 

Heinz Thormann ist einer der passionierten und kundigen Sammler, der mit einer General-sammlung begann und sein Interesse dann auf Münzen seiner Heimat konzentrierte. Er stammt aus Rathenow an der Havel, aus der Mark Brandenburg, entwickelte früh ein lebhaftes Interesse an Münzen von Brandenburg-Preußen, verfasste für die örtliche Havel-Zeitung dazu schon als Vierzehnjähriger numismatische Artikel. Mit der mittleren Reife vom Gymnasium abgegangen, hat er aber eine Optikerlehre, wie sie in Rathenow, einem Pionierort der optischen Industrie in Deutschland, zukunftsweisend sein konnte, schon bald aufgegeben und stattdessen das Journalistenhandwerk von der Pike auf gelernt. Sehr jung Redakteur an der Havel-Zeitung, machte er durch seine Berichterstattung über Gerichtsverfahren Aufsehen. 18-jährig zur Wehrmacht eingezogen, war er auf der Krim und im Kaukasus, im Baltikum eingesetzt. Krankheiten und Verwundungen ermöglichten ihm das Überleben, auch journalistische Tätigkeit. Kurz vor Kriegsende verschlug es ihn nach Brandenburg, Rathenow, Wittstock, Schwerin, und von dort aus gelangte er nach Holstein, wo er schließlich beim Radiosender der Militärregierung tätig wurde – und wo er seine ihn besuchende Braut heiratete, mit der er 1945 in deren Herkunftsort Zerbst zurückkehrte. Seine Anhalter Heimat ist also eigentlich nur angeheiratet!

 

Der Familientradition, nämlich Großvater und Mutter folgend, trat er in die SPD ein, arbeitete beim Landesnachrichtenamt, dann beim Landessender in Magdeburg und Halle. Nachdem er sich 1946 gegen die Forderung seiner SED-Oberen wehrte, Nachrichten über die politischen Konkurrenten zu unterdrücken, und er vor den Wahlen in eine Art Schutzhaft genommen worden war, arbeitete er für das LDPD-Zentralorgan Der Morgen in Berlin und fiel durch SED-kritische Berichte auf, mit Schlagzeilen im Sommer 1948 wie z.B. „SED-Skandal in Schkeuditz“.

 

Auf die Dauer waren diese Positionen aber nicht zu halten. So setzte er sich 1949 mit seiner Familie in den Westen ab, nach Aurich, wo er für den Ostfrieslandteil der Nordwestzeitung schrieb – sein früherer Rathenower Verleger war dort auch tätig – dann für die Ostfriesen-Zeitung. 1959 wechselte er zur Neuen Tagespost nach Osnabrück, später in Neue Osnabrücker Zeitung umbenannt, und übernahm von Meppen aus die Lokalberichterstattung für das Emsland, später mit eigener Redaktion in Haselünne. Auch dort wurde nach einem Wechsel des Chefredakteurs unabhängige Berichterstattung schwieriger, so dass er zum 1. April 1970 in den Münzhandel ging und beim Münzenhändler Holger Dombrowski in Münster anheuerte. Der Münzhandel boomte damals und suchte tüchtige Numismatiker zur Münzbestimmung; für Münzsammler ist es wichtig, zuverlässig bestimmte Münzen zu erwerben und so ein eigenes Urteil zu entwickeln. Heute soll es doch Auktionatoren geben, die die Bestimmungen ihrer Einlieferer ungeprüft übernehmen. Bei neueren und Reichsmünzen mag das gehen, aber bei älteren?

 

Bei der Münzenhandlung Dombrowski hat er im Herbst 1970 einen Schatzfund aus dem oberpfälzischen Schwandorf sehr sorgfältig in einem der Lagerkataloge beschrieben – ein nach 1670 vergrabener Fund von rund 700 Kleinmünzen. Es ist vorbildhaft, wenn ein solcher Münzfund vor seiner Zerstreuung dokumentiert wird, das ist auch heute im Münzhandel leider die Ausnahme und stellt eine der wenigen nachvollziehbaren Begründungen für das staatliche Schatzregal dar, das ja leider zur Unterschlagung der meisten Funde führt und damit das Gegenteil seiner erklärten Absicht bewirkt, meine Damen und Herren, erlauben Sie mir, das hier einmal laut und deutlich zu sagen.

 

Die positive Reaktion der Kunden auf diese Thormann’sche Fundbeschreibung veranlasste die Gründung der Münsterschen Numismatischen Zeitung – ab März 1971 wurde jedem Ver-kaufskatalog der Firma Dombrowski ein Aufsatzteil vorangestellt. Herr Thormann war seinem Journalistenberuf treu geblieben – nun war er sein eigener Chefredakteur! Insgesamt 46 längere und kürzere Artikel und 36 Buchanzeigen trug er selbst bei. Auch nach Übersiedlung der Firma nach München und Übernahme der Münzgalerie München 1986 bestand die Zeitung unter diesem Titel fort, und erscheint bis heute.

 

Zeitschriften als Beilage von Münzhandelskatalogen hatten bis 1945 eine lange Tradition. Es konnte dazu dienen, in einer breiteren Sammlerschaft für die wissenschaftliche Numismatik zu werben. Ich darf das auch für mich selbst in Anspruch nehmen – bitte sehen Sie mir einen autobiographischen Exkurs nach: als 1970 die Fundbeschreibung von Schwandorf erschien, war ich gerade 12 Jahre alt, schon gut drei Jahre Kunde bei Dombrowski, und die MNZ war für mich das Tor in eine neue Welt, in die Welt der Münzkunde. Als ab 1972 dort der Katalog der fürstbischöflich-münsterschen Münzen der Neuzeit in Fortsetzungen erschien, erschloss mir das die westfälische Numismatik. 1973 trat ich in den westfälischen Münzverein ein und veröffentlichte 1978/79 meine ersten numismatischen Aufsätze in der Münsterschen Numismatischen Zeitung; da hatte Herr Thormann die Redaktion schon abgegeben. Dieses ziemlich zufällige Beispiel zeigt aber, lieber Herr Thormann, was Sie mit ihrer Münsterschen Numismatischen Zeitung angerichtet haben! Ohne Sie stünde ich heute vielleicht nicht hier.

 

Als Holger Dombrowski, der auch Münzen aus der DDR ankaufte, dort 1976 lange festgehalten wurde und die Zukunft der Firma fraglich war, wechselte Herr Thormann zur Firma Tietjen in Hamburg, die mit Dombrowski schon mehrfach zusammengearbeitet hatte, und von dort 1985 zur Firma Künker in Osnabrück. Seit 1988 Rentner, hat er seitdem intensiv numisma-tische Forschungen angestellt und auch publiziert. Der Fall der Mauer öffnete ihm den Weg zu Recherchen in seiner alten Heimat und zu neuen Kontakten. Heinz Thormann hat eine der deutsch-deutschen Biographien, für die die Mauer nicht undurchlässig war und für die der Mauerfall Raum zu fruchtbarer wissenschaftlicher Tätigkeit öffnete.

 

In diesem knapp erzählten Lebenslauf sind entscheidende numismatische Wegmarken schon angesprochen: das Schreiben zur Münzgeschichte, das ihn als Jugendlichen zum Journalistenberuf brachte – und das er auch als Journalist in Ostfriesland und im Emsland pflegte, wo er über Münzfunde und Münzkundliches berichtete. Schon in den 1950er Jahren begegnete er dem Numismatiker Peter Berghaus, als dieser die ostfriesischen Münzfunde bearbeitete. Dass Berghaus Heinz Thormann für den westfälischen Münzverein gewann und eine fruchtbare Zusammenarbeit entstand, versteht sich fast von selbst. Thormanns Zeitungsarbeit, etwa Arti-kel zu Schatzfunden wie den von Lagerfeld und andere numismatische Artikel – ermöglichte schließlich 1962 die Gründung eines Ortsvereins des Vereins der Münzfreunde für Westfalen und Nachbargebiete für das Emsland in Meppen. Thormann hat die Aufgabe, diesen Ortsver-ein zu leiten, aber schon 1967 in andere Hände abgegeben; die Arbeitszeiten und Pflichten eines Redakteurs passen nicht wirklich zu den Aufgaben eines Ortsvereinsvorsitzenden.

 

Ein zentraler Aspekt ist bisher zu kurz gekommen: Heinz Thormann als Sammler. Zunächst sehr breit interessiert, baute er eine Generalsammlung auf und konzentrierte sich nach 1960 auf anhaltische Münzen, also Münzen aus der Heimat seiner Frau. Es gab jedoch keine ordentliche Literatur, trotz der Arbeiten von Theodor Elze um 1880 und der Monographie von Johannes Mann 1907 über die neuzeitlichen anhaltischen Münzen und Medaillen. Thormann sammelte also systematisch Literatur zu den Münzen der Askanier, die 1295 ja auch seine Geburtsstadt Rathenow gegründet hatten und die bis 1320 Brandenburg beherrschten, ihr Kernland längs der Elbe als Grafschaft, dann Fürstentum und Herzogtum Anhalt sogar bis 1918 behaupteten. Die Münzbeschreibungen musste er aus zahlreichen Fundpublikationen zusammentragen; auch war das Gelände vermint durch die älteren Kontroversen zwischen den Numismatikern Julius Menadier und Emil Bahrfeldt. Nach jahrelanger Puzzlearbeit, sechs Jahre nach seinem Berufsbeginn als Numismatiker, erschien 1976 sein Katalog über Die Anhaltischen Münzen des Mittelalters, im Verlag von Holger Dombrowski, ein schmaler Band von 131 Seiten, dem Vorwort zufolge mit dem bescheidenen Anspruch, „jedem am Thema Interessierten, dem wissenschaftlichen Fachkollegen, dem Sammler, dem Händler eine gute Informationsquelle und Bestimmungshilfe“ zu bieten, kurz „ein nützliches numismatisches Handwerkszeug“. Das hat auch die kritische Forschung anerkannt, so Gert Hatz in seiner Rezension für die Hamburger Beiträge zur Numismatik: „es ist insgesamt ein kenntnisreiches, solide gearbeitetes, bequem benutzbares Bestimmungsbuch, das sich in der Praxis bereits bewährt hat“. Nach weiteren sechs Jahren folgte 1982 eine 192 Seiten starke, erweiterte Neuauflage unter dem Titel Die Münzen der Herzöge von Sachsen aus dem Hause Anhalt 1212–1422 – es ist das bisher unübertroffene Zitierwerk für dieses Gebiet.

 

Heinz Thormann reiht sich damit ein in die Zahl der wissenschaftlich tätigen Sammler, die ihren Fleiß dazu anwenden, Erkenntnisse einem breiteren numismatischen und wissenschaft-lichen Publikum mitzuteilen. Ein solches Engagament ist bei einem kleinen Fach wie der Numismatik, die so vielgestaltig ist wie die Kulturgeschichte der Menschheit, unverzichtbar! Das Sammeln an sich hat kein Verdienst, es dient der Unterhaltung, und wenn es gut ist, der Bildung des Sammlers. Es wird aber gemeinnützig, wenn der daraus erwachsende Erkenntnis-schatz systematisiert, gründlich und mit der Neugier und Findigkeit des passionierten Sammlers erweitert, dann mit anderen Sammlern und der Fachwelt geteilt wird. Heinz Thormann ist dabei durchaus kein Einzelfall; aus unserem westfälischen Verein sind so klangvolle Namen wie Ewald Stange für die Münzen von Minden und Ravensberg, Karl Kennepohl für Osnabrück und Bentheim, Anton Kappelhoff für Ostfriesland, Hans Krusy für Waldeck, für Soest und mittelalterliche Gegenstempel, Hans Weinrich für das Domkapitel Münster, Gerhard Krug für Sachsen und Meißen, Arnold Schwede für Paderborn, Corvey und Rietberg, Klaus Giesen für Hoya und Diepholz zu nennen, aus anderen Münzvereinen etwa für Brandenburg Hans-Dieter Dannenberg, wie Schwede und Giesen ebenso Eligius-Preisträger wie etwa der Hamburger Manfred Mehl dank der vorbildhaften Monographien zu Hildesheim, Quedlinburg, Magdeburg, Barby und weiteren mitteldeutschen Münzständen. Sie, lieber Herr Thormann, sind ein solcher Arbeiter im Weinberg der Numismatik, ohne den der Garten der Anhalter Numismatik sehr viel schwieriger zu bestellen wäre.

 

Weitere verdienstvolle Grundlagenforschung hat Heinz Thormann nach Eintritt in den Ruhestand geleistet. Er schrieb 1989 einen Katalog der eigenen Anhalt-Sammlung, unter dem Titel Münzen und Medaillen, Marken und Zeichen des Landes und des Gesamthauses Anhalt, jetzt mit 5 Nachträgen in einer Bibliothek in Zerbst zugänglich. Dann hat er umfangreichere, auf archivischen Quellen basierende Aufsätze zur Kippermünzprägung in anhaltischen Münzstätten publiziert, in den Mitteilungen des Vereins für anhaltische Landeskunde in Köthen 1993 und 1994, sowie Studien zum Geldwesen in Rosslau. Akribisch durchforschte Thormann Archive. Ein Hauptwerk wurde der gründlich aus den Quellen erarbeitete Katalog Rathenow in nummis, der inzwischen ebenfalls sechs dicke Manuskriptbände umfasst, die in einer Auflage von 14 Exemplaren vervielfältigt sind, Exemplare davon sind im Stadtarchiv Rathenow, in der Staatlichen Münzsammlung in München und im Institut für Numismatik der Universität Wien einzusehen. Dabei hat Heinz Thormann auch ein kaum beackertes Gebiet der Numismatik erschlossen: die seit den 1990er Jahren von Sozialämtern herausgegebenen Wertgutscheine für Asylbewerber, die er in mühevollen Korrespondenzen mit den ausgeben-den Behörden und den gewerblichen Anbietern solcher Ersatzzahlungsmittel recherchierte und die er 2006 am Beispiel des Landkreises Havelland im Land Brandenburg auch publiziert hat – in den Beiträgen zur brandenburgisch-preussischen Numismatik Bd. 14. Ich erinnere mich, wie Herr Thormann bei Tagungen unseres westfälischen Vereins auf dieses Phänomen hinwies und etwa meinen Kollegen Peter Ilisch im Münzkabinett unseres Westfälischen Lan-desmuseums motivierte, Beispiele aus westfälischen Kommunen für die Museumssammlung zu beschaffen. Heinz Thormann hat also in viele Richtungen anregend und fruchtbar gewirkt. Anhalter Münzfreunde haben dies 2013 zu seinem 90. Geburtstag mit einer Festschrift gewürdigt.

 

Es gilt also, nun und hier die Früchte eines langen, achtzigjährigen Numismatikerlebens zu würdigen: die breite Allgemeinbildung des Generalsammlers, der sich damit zum Numismatiker und Münzbestimmer im seriösen Münzfachhandel qualifiziert hat; das Wissen des Spezialsammlers, der fleißig zu seinem Sammelgebiet recherchiert und sein Wissen in einem Katalog-Handbuch an Sammler, Händler und Wissenschaftler weitergibt; der engagierte Münzfreund und Gründer eines numismatischen Vereins im Emsland; der Gründungsredak-teur einer numismatischen Zeitschrift, der Grundlagenforscher, der sich nicht mit dem positivistischen Beschreiben begnügt, sondern in Archiven nach den historischen Zusammen-hängen forscht und seine Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

 

Das alles haben wir für vorbildhaft und preiswürdig gehalten: solcherart Aktivisten, Ihresgleichen brauchen wir mehr! Und Sie sind, lieber Herr Thormann, noch in anderer Hinsicht vorbildhaft: man sieht Ihnen an, wie die Numismatik, Sammeln und Forschen, Geist und Körper frisch und jung erhält! Und namens der Jury und uns allen wünsche ich Ihnen alles Gute, damit Ihnen das auch weiter gelingt: Gesundheit und Energie, die aus der Freude an Münzen gespeist wird.

 

Herzlichen Glückwunsch zum Eligius-Preis 2014!

Gerd Dethlefs



 

 

Eligiuspreis 2013 - Klaus Giessen

  Eligiuspreis 2013  
     
 

Klaus Giessen

Ohne Gegenstimmen hat die Jury für den Eligius-Preis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Bernhard Overbeck sich für Herrn Klaus Giesen, Mitglied des Vereins der Münzfreunde für Westfalen und Nachbargebiete, als diesjährigen Preisträger entschieden. Herr Giesen ist inzwischen 80 Jahre alt. Seine numismatischen Interessen liegen vor allem auf dem Gebiet des Mittelalters. Diese Thematik ist weit entfernt von seinem Berufsfeld als Diplomingenieur. Ganz aus eigener Initiative hat er sich in den Bereich der Münzwissenschaften eingearbeitet, und dabei blieb es für ihn nicht beim Sammeln. Im Jahre 2001 erschien aus seiner Feder eine erste Monographie, „Die Münzen von Diepholz. Geld- und Münzgeschichte, Geprägekatalog". 2004 legte er dann eine weitere numismatische Monographie vor: „Die Münzen der Grafen von Hoya. Geld- und Münzgeschichte, Münzfunde, Geprägekatalog". Mit diesen beiden veritablen wissenschaftlichen Darstellungen zur deutschen Numismatik ist die Münzprägung von Diepholz und Hoya für Wissenschaft und Sammler zugänglich und erschlossen. Damit hat Herr Giesen einen weißen Fleck auf der numismatischen Landkarte getilgt und sich um die deutsche Numismatik verdient gemacht. Die Preisverleihung fand am 25. Mai 2013 in Münster anlässlich des 10. Deutschen Münzsammlertreffens statt, die Laudatio auf den Preisträger hielt Herr Fritz Rudolf Künker.




 

 

Eligiuspreis 2012 - Günter Unshelm

  Eligiuspreis 2012  
     
 

Günter Unshelm

Der Eligius-Preis 2012 der Deutschen Numismatischen Gesellschaft wurde während des 21. Deutschen Numismatikertages am 5. Oktober 2012 in Berlin an Günter Unshelm verliehen. Die nachstehende, leicht gekürzte Laudatio hielt das Jury-Mitglied Dr. Bernd Sprenger, Langenfeld.

2012 Preisträger Günter Unselm

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

lieber Herr Unshelm,

meine Damen und Herren,

 

ich freue mich, dass wir dieses Jahr mit Herrn Günter Unshelm wieder einen ehrenamtlichen Forscher und Sammler mit dem Eligius-Preis auszeichnen. Es ist ja guter Brauch, nicht nur Wissenschaftler und berufsmäßige Numismatiker mit dem Preis auszuzeichnen, sondern eben auch ehrenamtliche Forscher und Privatsammler, die sich um die Numismatik verdient gemacht haben.

 

Unser Preisträger ist gelernter Bankkaufmann. Er stammt aus der Stadt Haan nahe bei Düsseldorf. Sein Berufsweg führte ihn zur Sparkasse in Hilden, einem Nachbarort, wo er (1969) die Leitung der Kreditabteilung übernahm. 1987 wechselte er als Kundenbetreuer zur Westdeutschen Landesbank. Dort blieb er, bis er in den wohlverdienten Ruhestand ging, um sich ganz seinen Hobbys zu widmen.

 

Seine Sammelleidenschaft entdeckte Günter Unshelm schon in jungen Jahren. Mit 19 wurde er Mitglied der Bergischen Münzfreunde. Mit 27 Jahren übernahm er bereits den Vereinsvorsitz der Bergischen Münzfreunde – das war 1967. […]

 

Neben den Münzen liegen unserem Preisträger die bergischen und märkischen Goldwaagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert am Herzen. Das Herzogtum Berg und die Grafschaft Mark waren damals Zentren der Goldwaagenherstellung. Die dort produzierten Münzwaagen wurden europaweit vertrieben, sie gelangten bis nach Italien und Spanien. Hierzu hat Günter Unshelm im vergangenen Jahr eine umfassende, grundlegende Studie vorgelegt und veröffentlicht. Alle bekannten Goldwaagenmacher aus der bergisch-märkischen Region sind sorgfältig aufgeführt, ihre Münzwaagen genau beschrieben und exzellent abgebildet. Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube. Es wurde bereits mehrfach besprochen, auch schon im Numismatischen Nachrichten Blatt, so dass es nicht nötig ist, hier näher auf den Inhalt einzugehen.

 

Nur so viel: Prof. Bernhard Overbeck, der Vorsitzende der Eligius-Preisjury, hat bei seiner Bekanntgabe des Preisträgers im Numismatischen Nachrichten Blatt (in der Juni-Ausgabe 2012) sehr treffend zusammen gefasst – und die Worte mögen Ihnen bekannt vorkommen: „… ein imposantes, zudem in seinem alphabetischen Aufbau und mit den ausgezeichneten Illustrationen für jeden Sammler und Wissenschaftler leicht benutzbares Werk…“ Und es wird genutzt. So hat das Buch von Günter Unshelm umgehend Anerkennung als Zitierwerk für Münzwaagen gefunden.

 

Vorangegangen waren 40 Jahre Forschen, Sammeln und Sichten, eine langjährige Zusammenarbeit mit bedeutenden Auktionshäusern, zahlreiche Ausstellungen, Veröffentlichungen, Vorträge. Eine Leidenschaft, die sich bereits vor rund 30 Jahren im „Frankfurter Allgemeine Magazin“ (damals eine wöchentliche Beilage der FAZ), Ausgabe 18. Februar 1983 (Heft 155, S. 28-34) als großer Artikel über Münzwaagen niederschlug, überschrieben mit dem Titel „Auf die Goldwaage gelegt“. Die Journalistin Stella Braun beginnt diesen Artikel wie folgt: „Zwei kugelig frisierte Eiben bewachen eine kleine Villa, deren Fassade Behagen ausstrahlt. Doch im Innern kann von Behagen keine Rede sein. Der Hausherr Günter Unshelm hat Urlaub genommen, um die Arbeit an einem Auktionskatalog abzuschließen: Hundertfünfzig Goldwaagen machen sich auf allen Tischen und den meisten Stühlen breit.“ Und weiter: „Diesen reizvollen Geräten ist Herr Unshelm ganz und gar verfallen. Den Bankmann, der elektronisch wiegt und mit unsichtbaren Geldern umgeht, fasziniert der Blick in die Vergangenheit. Über das Sammeln von Münzen kam er an die Waagen, deren hervorragender Kenner er heute ist. Vor zwei Jahren regte er das Münzversteigerungshaus S.-B. in Essen zur ersten Münzwaagen-Auktion an, die ein spektakulärer Erfolg wurde. Herr Unshelm hatte den Katalog besorgt; er war sofort vergriffen. Der in Arbeit befindliche Katalog hat nun solch ein Vorausrenommee, daß schon Anfragen aus aller Welt ins Haus flattern…“

 

Damals gab es noch keinen Verein für historische Metrologie in Deutschland. Er wurde aber bald darauf ins Leben gerufen. Nicht von ungefähr waren Sie, lieber Herr Unshelm, einer der maßgeblichen Mitbegründer der neuen Vereinigung „Maß und Gewicht“. Und Sie waren - wen wundert es noch - lange Zeit deren erster Vorsitzender.

 

Münzwaagen werden von Sammlern und Forschern oft nur am Rande beachtet. Dabei war das Wiegen und Wägen von Münzen durchaus wichtig in Zeiten, in denen der Metallgehalt ausschlaggebend für den Wert einer Münze war. Und das ist immerhin bis ins 20. Jahrhundert hinein der Fall gewesen. Noch heute erinnert der Spruch „Leg doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage“ daran, wie sehr die Waage früher zum Alltag gehörte. […]

 

Die Vielzahl ständig wechselnder Münzen, die wir Sammler so lieben, die Vielfalt sich immer wieder ändernder Münzfüße, Münzsysteme und Währungen bergen zahlreiche Fallgruben – und treiben so manchen Historiker zur Verzweiflung. Umso wichtiger ist es, dass immer wieder auch engagierte Sammler mit ihren Forschungsarbeiten die Numismatik bereichern. So wie unser Preisträger mit seinem Handbuch über die bergischen und märkischen Goldwaagen von 1749 bis 1850. Mit diesem Werk hat Herr Unshelm eine Forschungslücke geschlossen. […]

 

Eine großartige Studie zu Münzwaagen, und 45 Jahre erfolgreiches Wirken als Vereinsvorsitzender - das verdient Dank und Anerkennung! Wer kann schon auf eine so lange Zeit in Amt und Würden zurück blicken? Ich wüsste jemanden, auch wenn der Vergleich weit hergeholt ist: Der preußische König Friedrich II. regierte sogar 46 Jahre lang. Aber, lieber Herr Unshelm, den alten Fritz werden Sie im nächsten Jahr überrunden!

 

 

 

Eligiuspreis 2011 - Prof. Dr. Paul Arnold

  Eligiuspreis 2011  
     
 

Prof. Dr. Paul Arnold



Laudatio von Prof. Dr. Bernhard Overbeck

Anlässlich des 8. Deutschen und 19. Mitteldeutschen Münzsammlertreffens in Halle/Saale erhielt Prof. Dr. Paul Arnold, Dresden, ehemaliger Vizepräsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft, aus der Hand des DNG-Präsidenten Kristian Nicol Worbs den Eligius-Preis 2011. Die Laudatio hielt der Vorsitzende der Eligius-Jury, Prof. Dr. Bernhard Overbeck, er führte aus:

Verehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, lieber Herr Kollege Professor Arnold, vor fünf Jahren hatte ich die Ehre und Freude, im Rahmen des 3. Deutschen und 14. Mitteldeutschen Münzsammlertreffens zu Dresden eine Laudatio zu Ihrem 70. Geburtstag zu halten. Gastgeber war damals der Numismatische Verein zu Dresden e.V., und diese meine Geburtstagsgratulation wurde in den Dresdner Numismatischen Heften Nr. 4 publiziert. Ich bin also in dem Dilemma, dass ich nicht all das wiederholen sollte, was schon längst zu Papier gebracht worden ist und was man daher jederzeit nachlesen kann.

Nur so viel: Der Ihnen heute durch den Präsidenten der DNG verliehene Eligius-Preis ist eine bescheidene Anerkennung Ihres Wirkens für die Numismatik und speziell für das Dresdner Münzkabinett, das nicht zuletzt durch Ihre Arbeit wie ein Phoenix aus der Asche wiedererstanden ist, und zwar an dem gleichen historischen Ort, der Residenz der Wettiner, wie vor dem Feuersturm, der Dresden in Schutt und Asche gelegt hatte. Ihr am 2. März dieses Jahres begangener 75. Geburtstag ist ein schöner Anlass, Ihr tatkräftiges Wirken für die Numismatik der Grund für die Verleihung des Preises.

Nein, es erfolgt jetzt keine nochmalige Aufzählung Ihres wissenschaftlichen Œuvres und kein Bericht über Ihre Arbeit als Direktor am Kabinett und als akademischer Lehrer. Das ist nachzulesen. Lassen Sie mich vielmehr nur einige Anmerkungen zu unserem schönen Fach anführen, die ein Licht werfen auf die Numismatik und auf Amt und Würden des Direktors eines Münzkabinetts. Diese Ausführungen stammen nicht von mir, sondern von dem Literaturnobelpreisträger von 1929, keinem Geringeren als Thomas Mann. In seinem Roman „Doktor Faustus", der Lebensbeschreibung des fiktiven genialen Komponisten Adrian Leverkühn, findet man vielfältige Beziehungen zur Numismatik mit all ihren Querverbindungen zur Ästhetik und zu den historischen Wissenschaften. Dazu gehört übrigens auch die Würdigung unseres schönen Tagungsortes Halle und der „Alma Mater Hallensis", der bedeutenden Universität, in die der Berichterstatter im Roman sich einschreibt. Ich darf zitieren: „Zu Halle an der Saale finden sich theologische und philologisch-pädagogische Überlieferungen vielfach verschränkt, vor allem in der historischen Figur August Hermann Franckes, des Schutzheiligen der Stadt sozusagen ... Stellt nicht auch die Cansteinsche Bibelanstalt, diese erste Autorität für die Revision von Luthers Sprachwerk, die Verbindung von Religion und Textkritik her? Außerdem wirkte in Halle zu jener Zeit ein hervorragender Latinist, Heinrich Osiander, zu dessen Füßen zu sitzen mich sehr verlangte ...“ (Kap. XI, S. 116 f.).

Doch nun zur Numismatik: Da tritt im gesellschaftlichen Leben im München der späten 1920er Jahre in den Diskussionen bei den Abendgesellschaften des Industriellen Bullinger ein gewisser Dr. Kranich auf, den ich mitten aus der Unterhaltung über Ästhetik und Sinnlichkeit in diesem Roman hier zu Wort kommen lassen möchte. Auf die Bemerkung des genannten Herrn Bullinger, dass man sich vor dem Sinnlichen weder zu fürchten noch zu schämen habe, kommt nun die folgende Replik: „Vielleicht doch", ließ Dr. Kranich, der Direktor des Münzkabinetts, sich vernehmen. Er sprach, wie immer, außerordentlich distinkt, fest, klar artikuliert und verständig, obgleich sein Atem dabei vor Asthma pfiff „In der Kunst vielleicht doch. Auf diesem Gebiet darf oder soll man sich wohl in der Tat vor dem Nichts-als-Sinnlichen fürchten und sich seiner schämen, denn es ist das Gemeine nach der Bestimmung des Dichters: ‚Gemein ist alles, was nicht zum Geiste spricht und kein anderes als sinnliches Interesse erregt'. ... Die Betulichkeit und die Duldsamkeit gegen das Zweideutige ... sind nie als die vorbildlichsten Züge im Charakter unseres Olympiers (Goethe) angesehen worden. Im Übrigen kann man wohl eine Gefahr für die Kultur darin sehen, wenn der Geist vor dem Gemein-Sinnlichen ein Auge zudrückt oder gar damit blinzelt." (Kap. XXXVIII, S. 549 f.)

Aus dieser Passage geht vielseitige und profunde Bildung und Durchdringung der Kunsttheorie und Ästhetik durch diesen Direktor des Münzkabinetts sinnfällig hervor, so wie Thomas Mann den Numismatiker in seinem Roman gesehen hat. Seine Wertschätzung für das Fach Numismatik wird dann an anderer Stelle, einer hochdramatischen Phase in seinem Werk, sehr deutlich von ihm zum Ausdruck gebracht. Nach einem Konzert in München wird ein Musiker auf dem Heimweg in der Straßenbahn erschossen, eine überraschende und außerordentlich schockierende Beziehungstat. Der ebenfalls auf dem Heimweg befindliche Dr. Kranich hält die Hand des sterbenden Opfers: „Was für eine entsetzliche, besinnungslose, unvernünftige Tat!" sagte er, bleichen Angesichts, in seiner klaren, akademisch wohl artikulierten und dabei asthmatischen Sprechweise, indem er das Wort „entsetzlich", wie man es öfters, auch von Schauspielern, hört, „entzetzlich" aussprach. Er fügte hinzu, nie habe er mehr bedauert, nicht Mediziner, sondern nur Numismatiker zu sein, und der Chronist, den man natürlich mit dem Autor Thomas Mann gleichzusetzen hat, kommentiert das nun mit den folgenden Worten: „Und wirklich erschien mir in diesem Augenblick die Münzkunde als die müßigste der Wissenschaften, noch unnützer als die Philologie, was keineswegs aufrechtzuerhalten ist.“ (Kap. XLII, S. 596 f.) Hier steht also am Ende doch ein eindeutiges Bekenntnis zur und die Wertschätzung für die numismatische Wissenschaft, die nur in einer menschlichen Notsituation keine Bedeutung mehr hat. Und wieder ist der Direktor des Münzkabinetts sehr deutlich und sehr menschlich geschildert. Wer ist nun dieser Numismatiker Dr. Kranich? Wer die Personalia am Münchner Münzkabinett der Zeit und die Arbeitsweise Thomas Manns kennt, weiß natürlich, wer gemeint ist. Es handelt sich um einen meiner Vorgänger, keinen anderen als den großen Medaillenforscher und Förderer der zeitgenössischen Kunstmedaille, Georg Habich, ein seinerzeit prominentes Mitglied der Münchner intellektuellen Gesellschaft und in Künstlerkreisen sowie bei Kunstinteressierten wohlbekannt. Von 1907 bis zu seinem Tod im Jahre 1932 war er Direktor des Münchner Münzkabinetts. Bei Mann wurde aus dem Vogel „Habicht" der Kranich, die Vokalfolge blieb dabei gleich, eine typisch Mann'sche Namensverfremdung, denn seine Romane leben oft von der Realität, sind im Detail nicht Fiktion, sondern Beschreibung erlebter Wirklichkeit. Lassen Sie mich das Fazit aus den klugen Worten in Thomas Manns großem, in den Vierziger Jahren entstandenen Werk „Doktor Faustus" ziehen: Wir alle, die wir in der Numismatik tätig sind, etwa als Direktor eines Münzkabinetts, wie Sie, lieber Herr Kollege Arnold, vertreten ein Fach, das Wichtiges zur historischen Erkenntnis beitragen kann. Persönlicher Einsatz, klare Linie in dem, was man bewirken will, sind dabei ebenso unabdingbar wie ständiges Engagement in der Gesellschaft, die einen umgibt. Hätte Thomas Mann in jetziger Zeit Sie zu Dresden erlebt, lieber Herr Arnold, vielleicht hätte er aus Ihnen den Direktor des Münzkabinetts Dr. Anton gemacht, bei gleicher Vokalfolge in einem anderen Vornamen? Vielleicht! Natürlich wäre seine Schilderung Ihrer Person sehr präzise und sicher anders als bei meinem Vorgänger Habich ausgefallen. Jedenfalls haben Sie, wie Dr. Kranich-Habich, viel geforscht, viel bewegt und sich uni Ihr Kabinett verdient gemacht. Und wer Sie kennt, der weiß, dass Sie weiterhin für dieses unser Fach aktiv bleiben werden. [Anmerkung: Die angeführten Zitate beziehen sich auf Thomas Mann: Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Frankfurt 1960 (S. Fischer-Verlag, Stockholmer Gesamtausgabe der Werke von Thomas Mann)]

 

Dankeserwiderung von Prof. Dr. Paul Arnold

Für die große Ehre, die mir heute durch die Verleihung des Eligius-Preises zuteil wird, noch dazu verbunden mit der schönen mich sehr bewegenden Laudatio meines langjährigen, verehrten, lieben Kollegen und Freundes Prof. Overbeck, danke ich Ihnen herzlich. Sie haben damit mein wissenschaftliches Leben gewürdigt, von dem ich hoffe, dass es noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Über mein jetzt schon nahezu vor einem Dezennium beendetes 36-jähriges Direktorat des Dresdner Münzkabinetts möchte ich heute nicht sprechen, aber erlauben Sie mir einige wenige Worte über meine akademische Lehrtätigkeit. Sie begann im Sommersemester 1991 mit meiner Berufung zum Gastprofessor durch die Universität Wien an das bekannte, auf Josef Hilarius Ecldiel zurückgehende Institut für Numismatik, das damals von dem scheidenden Ordinarius Prof. Robert Göbl geprägt war. Als ich von Wien nach Dresden zurückkehrte, habe ich mich noch unter dem Eindruck meiner Wiener Zeit an den damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Prof. Biedenkopf mit einem Brief gewandt und darin auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Numismatik als wissenschaftliche Disziplin wieder an den Landesuniversitäten, zumindest an der TU Dresden, einzuführen, nachdem die Hochschulpolitik der ehemaligen DDR versucht hatte, sie auf das Niveau einer Hobby-Freizeitbeschäftigung im Rahmen des Kulturbundes herabzudrücken, was aber glücklicherweise nicht gelang. Als Wissenschaft konnte die Numismatik aber nur noch in den Münzkabinetten der großen Museumsverbände in Berlin, Dresden, Gotha, Schwerin und natürlich hier in Halle, ich denke an das verdienstvolle Wirken unserer verehrten Kollegin Frau Dr. Wipplinger, gepflegt werden. Prof. Biedenkopf nahm meine Eingabe an und reichte sie an die TU Dresden weiter, wo sie der neu berufene Ordinarius für Alte Geschichte, Prof. Jehne, sofort aufgriff und mir für das Sommersemster 1993 einen Lehrauftrag erteilte. In 14 Tagen werde ich das 37. Semester in Dresden mit einer Einführung in die antike Münzgeschichte beginnen. An der Universität Leipzig nahm sich zuerst der Ordinarius für klassische Archäologie, Prof. Paul, meines Anliegens an und erteilte mir ebenfalls im Sommersemester 1993 einen Lehrauftrag. Ich wechselte dann 1995 in Leipzig an das Seminar für Historische Hilfswissenschaften, wo die wissenschaftliche Numismatik eine große Förderung durch den neuen Ordinarius Prof. Vogtherr erfuhr, allerdings nach seinem Wechsel an die Universität Osnabrück im Wintersemester 2004/05 wieder eingestellt wurde.

Im Juni 2002, kurz vor meinem altersbedingten Ausscheiden als Direktor des Dresdner Münzkabinetts, bestellte mich die Universität Leipzig zum Honorarprofessor für Numismatik, wozu sicherlich die Feststellung von Prof. Vogtherr beigetragen hat, dass es mir gelungen sei, die Numismatik zum Kernbestand des Leipziger Curriculums in den Historischen Hilfswissenschaften gemacht zu haben. Seitdem konnte ich erfreulicherweise sehr viele Vertreter des wissenschaftlichen Nachwuchses mit dem Inhalt und der Bedeutung unserer Wissenschaft vertraut machen. Dabei war es mir immer wichtig, nicht nur den geldgeschichtlichen Aspekt sondern auch den historischen Aussagewert der Münzen und die Verbindung zu anderen Wissenschaften zu vermitteln sowie auf die Bedeutung der Münzen als historische Primärquellen hinzuweisen. Als Originalurkunden gewinnen sie an Bedeutung, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen.

Ich fühle mich Robert Göbl immer darin verbunden, dass ich die Numismatik nicht als eine historische Hilfswissenschaft, sondern als eine auf dem riesigen Bestand des weltweit verbreiteten numismatischen Materials beruhende selbstständige Grundlagenwissenschaft behandele. Voraussetzung für erfolgreiche numismatische Forschung ist die Beschreibung der Münzen. Wird diese exakt, umfassend und kritisch vorgenommen, so ergibt sich von selbst, dass die wissenschaftliche Numismatik - so wie die Münze ja auch zwei Seiten hat - nicht nur Geldgeschichte sondern auch Kulturgeschichte im weitesten Sinne ist.



 

 

Eligiuspreis 2010 - Rainer Cunz

  Eligiuspreis 2010  
     
 

Reiner Cunz

Auszug aus der Laudatio des Vorsitzenden der Jury, Prof. Dr. Bernhard Overbeck:

[…] Lieber Herr Cunz, der große österreichische Schriftsteller Heimito von Doderer hat in seinem Roman „Die Dämonen“ treffend formuliert: „Das Studium einer Fachwissenschaft ist einer Brautschau ähnlich. Die gesamte Heilkunde oder die gesamte Zoologie oder die gesamte Altertumswissenschaft führen an sehr viele und sehr verschiedene Objekte der Liebe heran, bis endlich ein aus fast unerforschlichen Wurzeln der Biographie heraufsteigender Eros sich auf eines oder einige derselben stürzt: die Karzinome, die Lepidoptera (die Schmetterlinge) oder die Brakteaten. Es gehört dazu auch, dass normale Mitbürger nicht einmal wissen können, was das nun eigentlich sei.“

Hier waren es die Brakteaten, auf die Ihr Eros sich unter anderem stürzte, und in diesem Falle kann man überzeugt sein, dass alle hier im Saale natürlich wissen, was das ist. Beim Studium der Brakteaten allein, zu Marburg bei Wolfgang Heß und Niklot Klüßendorf zweifellos intensiv zur Kenntnis genommen, blieb es bei Ihnen freilich nicht. Der Althistoriker Hans Werner Ritter legte auch bei Ihnen die Basis für solide Kenntnisse in der antiken Numismatik. Er ist auch mir als Lehrer in ausgezeichneter Erinnerung, brachte er dem Studenten doch geduldig und mit der ihm eigenen präzisen Beobachtungsgabe das Bestimmen römischer Fundmünzen bei. Inzwischen geben Sie die Fackel der numismatischen Wissenschaft als Lehrbeauftragter in Göttingen weiter, wobei der Lehrauftrag im Bereich der Historischen Hilfswissenschaften angesiedelt ist. Dieses Wort allein definiert bereits klar die Bedeutung der Numismatik: Sie bringt den historischen Wissenschaften als authentische und vieles erhellende Quelle wahre Hilfe.

Ihre nun schon ein viertel Jahrhundert währende Tätigkeit in Hannover hat Ihnen das Vertrauen und die Achtung vieler Kollegen gewonnen. Seit elf Jahren sind Sie Vorsitzender der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, seit sieben Jahren Vizepräsident von ICOMON, International Committee of Money and Banking Museums, und haben in diesen Eigenschaften viel bewirkt. Als ordentliches Akademiemitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft haben Sie zum großen Nutzen der Numismatik einen fruchtbringenden Kontakt hergestellt und auch eine Brücke geschlagen von der Numismatik zu den Naturwissenschaften.

Vieles muss aus Zeitgründen in diesem Rahmen unerwähnt bleiben, sicher aber nicht Ihre Haupttätigkeit als Kustos am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover und als Betreuer des Königlichen Münzkabinetts (früher Niedersächsisches Münzkabinett der Deutschen Bank). Nur als ein Beispiel möchte ich hier Ihre schöne Ausstellung „Vom Taler zur Mark“ nennen, die gleichermaßen für Fachnumismatiker und die breite Öffentlichkeit interessant war und die viele Menschen als Wanderausstellung mit 69 Stationen erreicht hat. […]

Aber zurück zur Münzensammlung der Welfen: Die alte, seit 1745 sukzessive aufgebaute Welfensammlung war 1983 durch den kunstsinnigen Vorsitzenden, damals bereits Ehrenvorsitzenden der Deutschen Bank, Hermann Josef Abs, für die Deutsche Bank angekauft und somit für Wissenschaft und Öffentlichkeit gerettet worden. Als sich als Folge der Wirtschaftskrise die Deutsche Bank vor vier Jahren von diesem bedeutenden nationalen Kulturgut „Welfensammlung“ trennen wollte, und ihr weiteres Schicksal ungewiss war, gab es viele Initiativen, diesen Schatz nicht nur für die Öffentlichkeit zu erhalten, sondern auch für den weiteren Verbleib in Hannover zu sorgen. Dass das gelungen ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass nun im Niedersächsischen Landesmuseum zu Hannover eine Ausstellung eröffnet wurde, die Reiner Cunz konzipierte. Titel der Ausstellung: „Eine königliche Sammlung – das neue Münzkabinett im Landesmuseum Hannover“. […] Auch weitere Zukunftspläne gibt es, etwa die Idee, wichtige numismatische Sammlungen in Niedersachsen zusammenzuführen und somit ein numismatisches Zentrum aufzubauen.

Es gibt viel zu tun, lieber Herr Cunz, und das neben der täglichen Arbeit des Museumsnumismatikers. Die soeben eröffnete Sonderausstellung mit Cimelien aus der Welfensammlung gibt einen ersten kleinen Vorgeschmack, eine vergleichsweise winzige Kostprobe. Der Eligius-Preis ist Ihnen einstimmig von der Jury zuerkannt worden, natürlich nicht nur wegen dieser Kostprobe in der neuen Ausstellung, sondern ob Ihres steten Engagements für die Numismatik, Ihre integrierende Arbeit in vielen Gremien und Organisationen und für Ihre Lehr- und Museumsarbeit in all ihren Facetten. Sie haben mir gegenüber betont, dass Sie die Welfensammlung als bescheidener Landesbediensteter nicht gerettet haben, sondern dass dies durch die Einsicht der maßgeblichen Politiker geschehen ist, natürlich angeregt durch das große, ja unerwartet hohe Interesse der Öffentlichkeit. Diese großartige Sammlung ist jedenfalls weiterhin Ihr reiches Arbeitsfeld, und man kann überzeugt sein, dass Sie weiterhin in und mit ihr arbeiten werden, zum Nutzen der wissenschaftlichen Numismatik und der Öffentlichkeit.



 

Eligiuspreis 2009 - Peter Götz Güttler

  Eligiuspreis 2009  
     
 

Peter Götz Güttler

Alljährlich vergibt die Deutsche Numismatische Gesellschaft (DNG)) den Eligiuspreis, benannt nach dem Goldschmied und späteren Bischof von Noyon, an eine verdienten Numismatiker, sei es Fachwissenschaftler, Händler oder Sammler. In diesem Jahr kürte die fünfköpfige Jury den Dresdner Künstler Peter Götz Güttler. Im Namen der DNG gratulieren wir, das Präsidium der DNG, herzlich zu dieser Auszeichnung!

Mit dürren Lebensdaten, die zweifellos am Anfang stehen müssen, ist es nie getan. 1939 in Greifswald geboren, Forstarbeiter-Lehre, Abitur 1959 in Potsdam, Studium der Architektur in Dresden und seit 1969 in einem namhaften Dresdner Architekturbüro tätig, deckt nur die eine Seite der Persönlichkeit ab, Hinzu kommt eine Weiterbildung auf dem Sektor Malerei, Grafik, Plastik, die Güttler teilweise auch autodidaktisch betreibt. Und die dritte Seite: die Heirat mit Heiderose Heger, einer künstlerisch tätigen Frau.

Güttlers Werk umfasst, wie Rainer Albert in NNB 48, 1999, S. 313 f. feststellt, mehr als 300 Medaillen, „… fast alle Stücke aus Weißmetall und patiniert von ihm selbst ohne jegliche Inanspruchnahme von Fremdleistungen als reiner Künstlerguß …“

Warum Güttler als neuen Eligius-Preisträger auszeichnen? Der Sprecher der Jury, Prof. Dr. Dr. Bernhard Overeck, fasste es in einem Schreiben kurz so zusammen: „… der Preisträger (kommentiert) in ganz besonderem Maße und in seiner unverkennbar und immer ansprechenden Art Ereignisse und auch die Persönlichkeiten der DNG und der unter ihrem Dach organisierten Vereine… Das geschieht mit Hilfe des Mediums Medaille.“

Um das Gesagte noch deutlicher und augenfälliger werden zu lassen, sei Güttlers zum 17. Deutschen Numismatikertag geschaffene Plakette, 8,2 x 8,7 cm, 240 g schwer, aus Weißmetall, noch einmal herangezogen. Wie kaum eine andere Schöpfung Güttlers lässt sie Absicht, Numismatik mittels der Medaille zu beflügeln, erkennen. Im Folgenden stütze ich mich auf Rainer Alberts feinsinnige und nachfühlende Interpretation.

„Die Vorderseite variiert den wohl 1503 entstandenen Kupferstich „Nemesis“ von Dürer, gern auch als das ‚Große Glück‘ bezeichnet. Die Flügelgestalt saust mit wehendem Haar und nachflatterndem Gewandzipfel auf einem schaukelndem Seil mit traumwandlerischer Sicherheit auf den rechts als Segment angedeuteten Erdkreis zu. Die Glückskugel aber, auf der Dürers ‚Großes Glück‘ dahin rollt, wurde bei Güttler zu einer Münze …. Da die Numismatiker immer wieder das Bestimmen von Münzen als ‚großes Glück‘ empfinden, hat es ihnen Güttler ermöglicht.“ Die Glückskugel wird von Güttler in einen Taler von 1517 des Speyerer Bischofs Marquard von Hattstein (1560-1584) umgewandelt. Albert resümiert zutreffend: Der „wahre Numismatiker hat sich von der Fessel des Alltags befreit, er hält dem Sauseschritt der Zeit stand und kommt … dank seiner geliebten Objekte, zu innerer Ruhe. Die Numismatik wird so nicht nur personifiziert, sie wird zum Ideal…“ (NNB 44, 1995, S. 111 f.) Bedarf es eines besseren Zeugnisses, um die gute Wahl der Jury zu belegen? Ihr sei an dieser Stelle für ihre gute Arbeit ein herzlicher Dank gesagt.

Wenn Peter Götz Güttler am 3. Oktober 2009 den Eligiuspreis überreicht bekommt, dann empfängt er eine Medaille, die er selbst geschaffen hat. Wie mit aller Kunst, die der Öffentlichkeit übergeben wird, so geschieht es auch jetzt: Des Künstler Schöpfung verabschiedet sich von ihrem Schöpfer und gewinnt ein Eigenleben. Kehrt sie in die Hand des Schöpfers zurück, dann geschieht es mit dem aufrichtigen Dank derer, denen diese Medaille übergeben wurde.
Helmut Schubert

 

Eligiuspreis 2008 - Monika Lücke

  Eligiuspreis 2008  
     
 

Monika Lücke

„Eines der schönsten Häuser Stolbergs steht in der Niedergasse 19“, so beginnt die Beschreibung der „Alten Münze Stolbergs (Harz)“ aus der Feder von Dr. Monika Lücke. Damit sind wir bereits bei der Person angekommen, die die Jury als Preisträgering des diesjährigen Eligius-Preises auswählte.

Dr. Monika Lücke, geboren 1958 in Berlin, studierte von 1976-1980 an der Martin-Luther-Universität Halle Geschichte. Eine Tätigkeit als Wissenschaftliche Assistentin auf dem Sektor der mittelalterlichen Geschichte bei Professor W. Zöllner schließt sich an. 1985 wurde sie mit der Dissertation „Studien zu den hochmittelalterlichen Volkskreuzzügen“ promoviert. Auch nach erfolgreichem Doktorat arbeitet Frau Dr. Lücke weiter als Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität. Sie hält Lehrveranstaltungen in hoch- und spätmittelalterlicher Geschichte sowie in den historischen Hilfswissenschaften (Diplomatik, Paläographie, Sphragistik, Heraldik, Genealogie). Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Kirchenarchive (u.a. Leichenpredigten), Hexenverfolgung in Sachsen-Anhalt, die Malerunternehmer Lucas Cranach d. Ä. und d. J. in Wittenberg, Topographie mitteldeutscher Städte und Münzstätte Stolberg. Zahlreiche Beiträge aus ihrer Feder weisen sie als Forscherin aus.

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft freut sich, dass die Jury mit Frau Dr. Lücke eine Wissenschaftlerin auswählte, zu deren Schwerpunkten auch die Münzprägung und vor allem die Münzstätte Stolberg im Harz zählen. Das belegt ihr Beitrag „Die Alte Münze in Stolberg (Harz)“ in dem ansprechenden Band „… die Mark zu 13 Reichstaler und 8 Groschen beibehalten werde“. Die DNG gratuliert Frau Dr. Lücke zur Preisverleihung recht herzlich und wünscht ihr weiterhin erfolgreiches Forschen und Lehren. Der Preis wird Frau Dr. Lücke während des 5. Deutschen Münzsammlertreffens überreicht werden.
Helmut Schubert



 

 

 

Eligiuspreis 2007 - Arnold Schwede

  Eligiuspreis 2007  
     
 

Arnold Schwede

Der diesjährige Eligiuspreis der DNG ist von der Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Bernhard Overbeck Herrn Arnold Schwede aus Paderborn zuerkannt worden. Damit wird sein 2004 erschienenes, unter Auswertung der wichtigsten europäischen Münzkabinette, der archivalischen Überlieferung und der Münzfunde erarbeitetes großes Korpuswerk über die Paderborner Münz- und Geldgeschichte der Neuzeit gewürdigt; 2005 folgte ein Katalog der Medaillen im Paderborner und Corveyer Land. Ein Korpuswerk über die neuzeitlichen Münzen der Reichsabtei Corvey, das zur Zeit in Kooperation mit Dr. Peter Ilisch entsteht, soll im Herbst - wie die vorgenannten in den Schriftenreihen des Paderborner Altertumsvereins und der Historischen Kommission für Westfalen und wesentlich finanziert von der Paderborner Volksbank - erscheinen.

Herr Schwede hielt anlässlich der Preisverleihung beim Deutschen Numismatikertag in Nürnberg vom 4. bis 6. Mai 2007 einen Vortrag mit dem Thema „Vom schlechten Geld zum guten Geld. Das Münzwesen in Ostwestfalen während des Dreißigjährigen Krieges“, der im NNB 8/2007, S. 331-336, veröffentlicht wurde.



 

  

Eligius Preis 2006 - Herbert Ruß

  Eligiuspreis 2006  
     
 

Hubert Ruß

Die Eligiuspreis-Jury der Deutschen Numismatischen Gesellschaft unter Vorsitz von Prof. Dr. Bernhard Overbeck sprach den Eligiuspreis 2006 Dr. Hubert Ruß zu. Der von den Münzenhandlungen Dr. Busso Peus Nachf., Frankfurt/M., und Fritz Rudolf Künker, Osnabrück, unterstützte Preis wurde am 29. April 2006 anlässlich des 3. Deutschen und 14. Mitteldeutschen Münzsammlertreffens in Dresden überreicht. Nachstehend bringen wir Auszüge aus der Laudatio von Jury-Mitglied Dr. Björn-Gunnar Haustein.

 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Ruß, sehr geehrter Herr Präsident Dr. Dethlefs, meine Damen und Herren!

[…] Beeindruckend ist das vorliegende neue Standardwerk für Sachsen-Coburg-Gotha mit dem Titel Die Münzen des Fürsten- und Herzogtums Coburg von 1577 bis 1918. Die Prägungen der in Coburg regierenden sächsischen Herzöge von Dr. Hubert Ruß. In diesem zweibändigen Standardwerk werden in der Reihenfolge der in Coburg regierenden Herzöge aus der ernestinischen Linie des Hauses Sachsen alle bisher bekannten Nominale und Jahrgänge der in Coburg gültigen Münzen erfasst. Dabei werden neben den einzelnen Münztypen auch alle Varianten aufgezeigt. Erstaunlich ist die Vielzahl der Stempelvarianten, mit denen die Münzen geprägt wurden. Ein Kapitel mit den Rechenpfennigen und Kleingeldersatzmarken beschließt das umfangreiche Werk. Ausgewertet wurden gleichzeitig die einzelnen Archive. Gesichtet und ausgewertet wurden die Bestände in den Münzkabinetten in Berlin, Coburg, Dresden, Gotha, London, München, Nürnberg, Saalfeld, St. Petersburg, Stuttgart, Weimar und Wien, außerdem in den Kabinetten der Deutschen Bundesbank und des Historischen Museums in Frankfurt sowie im Staatsarchiv Coburg. Die Ergebnisse sind in den jeweiligen Kapiteln berücksichtigt, so z.B. Ausführungen über die einzelnen Münzstätten und Prägezahlen sowie über das Leben der Bevölkerung. Die Erklärung der Wappendarstellungen und Umschriften auf den Münzen sowie das in den Quellen fassbare Personal in den einzelnen Münzstätten, in denen die Coburger Münzen geschlagen wurden, ist in einem Anhang zusammengestellt. Auf eine Darstellung der Medaillenprägung wurde in diesem Buch aus Platzgründen verzichtet. Sie soll Gegenstand einer späteren Bearbeitung sein. Ausgeklammert wurde auch die mittelalterliche Münzprägung Coburgs, die derzeit von Dieter Heus neu bearbeitet wird. […]

Die Vorarbeiten und Co-Autoren zu diesem Standardwerk dürfen bei der Würdigung des Preisträgers nicht ungenannt bleiben. Im Jahre 1979 erschien die Münz- und Geldgeschichte von Coburg 1265-1923 von Walter Grasser. […] Fast gleichzeitig beschäftigte sich auch Otto Kozinowski intensiv mit der Coburger Münz- und Geldgeschichte zwischen 1577 und 1918, er konnte bis zu seinem frühen Tode im Jahre 1994 eine umfangreiche Materialsammlung und eine Fülle von neuen Erkenntnissen zusammentragen, die weit über die von Walter Grasser vorgelegten Bestände an Coburger Münzen hinausgingen. […] Das vorliegende Werk baut auf den Vorarbeiten von Otto Kozinowski auf. […] Erfasst wurden die Prägungen der Herzöge aus den verschiedenen ernestinischen Linien, die das Fürsten- und Herzogtum Coburg regierten und deren Münzen hier Geltung besaßen. Uneingeschränkte Unterstützung durch seinen Co-Autor Jürgen Otto fand Hubert Ruß jederzeit bei seinen weiterführenden Studien zur Münz- und Geldgeschichte Coburgs. So schreibt Hubert Ruß in seinem Vorwort: „Die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen bilden einen wichtigen Bestandteil der vorliegenden Arbeit. Auch bei der Auswertung der jetzt leichter zugänglichen Bestände der Münzkabinette in Sachsen und Thüringen war seine Hilfe unverzichtbar.“

Gestatten Sie mir noch einige Ausführungen zu den Lebensstationen des Preisträgers Dr. Hubert Ruß:
Geboren: 26.10.1962 in Baunach, Kreis Bamberg, verheiratet und zwei Töchter. - Studium 1982-1987: Diplomstudiengang Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit den Schwerpunkten Mittelalterliche Geschichte (inkl. Landesgeschichte), Historische Hilfswissenschaften und Denkmalpflege. - 1987: Preis des Praxisforums der Otto-Friedrich-Universität Bamberg für hervorragende Studienleistungen. - 1991: Promotion mit einem Thema aus der mittelalterlichen fränkischen Landesgeschichte (Grafen von Truhendingen) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Zur beruflichen Tätigkeit:
1987-1989: Wissenschaftlicher Volontär und Mitarbeiter am Historischen Museum in Bamberg. - 1990-1995: Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Numismatischen Abteilung des Privatbankhauses Partin & Co. in Bad Mergentheim. - Seit 1.10.1995: Verantwortlicher Numismatiker für die Fachgebiete Mittelalterliche und Neuzeitliche Münzen und Medaillen in der Numismatischen Abteilung von Hauck & Aufhäuser, Privatbankiers KGaA, München-Frankfurt/Main. - Seit 2000: Von der IHK für München und Oberbayern öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Münzen und Medaillen des Mittelalters und der Neuzeit.

Zur Tätigkeit in der DNG:
Seit 1995: Mitglied in der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft (BNG). - Seit 2000: Kassenprüfer der BNG.

Sonstige Tätigkeiten:
1993/1994: Konzeption und Moderation eines sog. Münztips für einen lokalen Hörfunksender in Tauberfranken, in dem den Hörern ein Überblick über die Geschichte des Geldes vermittelt wurde. - 1994: Kursleiter eines Kurses Einführung in die Numismatik für Sammler an der VHS Bad Mergentheim. - Darüber hinaus diverse Vorträge zu numismatischen und landesgeschichtlichen Themen.

Die vielfältigen numismatischen und heimatgeschichtlichen Tätigkeiten des Preisträgers finden ihren Niederschlag in einer Reihe von Publikationen:

Neben dem vorliegenden Coburg-Corpus wären als eigenständige Publikationen zu nennen der Kirchenführer von St. Oswald in Baunach aus dem Jahre 1984 und seine Dissertation Die Edelfreien und Grafen von Truhendingen, veröffentlicht als Band 40 der Gesellschaft für fränkische Geschichte.

In ca. 16 Zeitschriftenaufsätzen werden sowohl numismatische als auch heimatgeschichtliche Themen behandelt, so z. B. Der Münzfund von Serkendorf, Zwei kleinasiatische Imitationen neapolitanischer Gigliati (Aydin), Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn (1726-1740) als zweiter Gründer der Bamberger Hochschule auf Münzen und Medaillen, Zur Münzprägung der Andechs-Meranier im Rahmen der fränkischen Münz- und Geldgeschichte und Kippergeld aus der Markgrafschaft Bayreuth sowie Das Baunacher Stadtrecht von 1328 und 1341 und Bamberg - Geschichte und städtebauliche Entwicklung.

Schließlich zeichnet Herr Dr. Ruß auch für die Herausgabe und Bearbeitung von Münzkatalogen verantwortlich: Katalog Nr. 31 bis 47 des Bankhauses Partin in Bad Mergentheim und Katalog Nr. 12 bis 19 der Numismatischen Abteilung des Bankhauses Auuhäuser bzw. von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers.

[…] Sehr geehrter Herr Preisträger Dr. Ruß, ich darf Ihnen nochmals zu dieser Auszeichnung, und das auch im Namen aller Anwesenden, ganz herzlich gratulieren. […]