Verein

 

1. Vorsitzender:
Ernst Stempfle

Am Zehntstadel 18
86199 Augsburg

Internet:
www.schwaebischer-muenzclub.de

 

Sitzung:
jeden 1. Dienstag des Monats ab 19.00 Uhr in der Gaststätte ,,Fischerstuben“, Holzbachstr. 12 1/2, 86152 Augsburg

Rückblick

 

Im Rückblick auf die zweite Jahreshälfte 2015 stand zunächst der von Herrn Vetterle organisierte Besuch einer kleinen, aber bestens präsentierten Sonderausstellung im Augsburger Maximilianmuseum: .Blutgeld eine zufällig wiedergefundene Sammlung großer Eisenmedaillen, herausgegeben von der Münzhandlung Ball, Berlin, während des Ersten Weltkriegs. Die von unserer Führerin hervorragend erklärten Stücke waren letztendlich Kriegspropaganda, geschaffen aus einer heute verstörenden Begeisterung für diesen Krieg. Die gleichzeitig stattfindende Sonderausstellung über Ulrichskreuze in der Basilika St. Ulrich und Afra fand ebenso reges Interesse.

Die folgenden Vereinstreffen waren gut besucht und boten wie gewohnt Gelegenheit, Neuerwerbungen zu bewundern, Auktionen zu besprechen und gelegentlich ein Stück für die eigene Sammlung zu erwerben.

Die Weihnachtsfeier im traditionellen Rahmen in unserem Vereinslokal bot neben dem Festmenü und einer von Herrn Mohr gut bestückten Tombola auch numismatisches: Herr Naegele gab wieder einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Münzpreise von der Antike bis zur Neuzeit, der Hauptvortrag des Abends behandelte das Werk des bekanntesten Medailleurs der Neuzeit, Karl Goetz. In Augsburg 1875 geboren und sein Graveurhandwerk bei Johannes Dominal gelernt, fand er nach einer Wanderzeit in München den Ort seines dauerhaften und reichen Schaffens und wird somit zu Recht als ‚Münchner Medailleur' in der Numismatik geführt. Ernst Stempfle behandelte vor allem die Augsburger Medaillen, die oft von Augsburger Bürgern in Auftrag gegeben wurden und heute sehr selten sind: Kommerzienrat Arnold, Hofrat Hessing, Josef Grotz oder Heinrich Schmidt als Besitzer der Medaillenwerkstatt Drentwett. Auf seinen privaten Gedenkmedaillen zeigt Goetz das Augsburger Wappenzeichen, den Pyr, stets deutlich als Zeichen seiner Herkunft, so auf seiner Hochzeitsmedaille oder der Medaille zu seinem 50. Geburtstag. Eine weitere Gruppe seiner Werke zeigt Ereignisse der Augsburger Geschichte, von der Ungarnschlacht 955 über die Confessio Augustana weiter zu dem Stratosphärenaufstieg Prof. Piccards und als Endpunkt die Zerstörung der Stadt durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges. Gegenwärtig ist der Schwäbische Münzclub hauptsächlich mit der Vorbereitung des Süddeutschen Münzsammlertreffens im Oktober beschäftigt

E.St.

51. SMT 2016

Bericht

51. Süddeutsches Münzsammlertreffen 2016 in Augsburg

NNB03/2017, S. 107-109

 

Zum 51. Süddeutschen Münzsammlertreffen, das vom 28. bis zum 30. Oktober 2016 in Augsburg stattfand und vom Schwäbischen Münzclub ausgerichtet wurde, kamen über 60 interessierte Teilnehmer aus ganz Deutschland zusammen. Motivierte Vorträge und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm ließen die drei Tage zu einem gelungenem Treffen werden. Erfreulich, dass es dem Verein gelungen war, nicht nur organisierte Münzsammler als Teilnehmer zu gewinnen, sondern durch externe Werbung sich auch mehrere Besucher einfanden, die, ohne selbst Münzsamm1er zu sein, gezielt aus Interesse einen oder mehrere Vorträge besuchten und dadurch hoffentlich auch einen neuen Blick auf die Numismatik als Hilfswissenschaft der Geschichtskunde sowie zu unserem facettenreichen Hobby gewonnen haben.

 

Für die bereits am Freitag eingetroffenen Gäste stand zunächst der Besuch des Römischen Museums im Augsburger Zeughaus an. Nach einer Führung durch die didaktisch bestens aufbereitete Interimsausstellung der römischen Funde aus der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum traf man sich im „König von Flandern“ zu geselligem Beisammensein und interessanten Gesprächen.

 

Am Samstag, nach Begrüßung der Gäste durch den Vorstand des Schwäbischen Münzclubs, Ernst Stempfle und Grußwort des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages a.D., Eduard Oswald, eröffnete Frau Dr. Barbara Simon als Präsidentin der DNG das 51. Süddeutsche Münzsammlertreffen.

 

Nach der Mittagspause wurden die Teilnehmer im Fürstenzimmer des Augsburger Rathauses durch den Vertreter des Oberbürgermeisters, Ordnungsreferenten Dirk Wurm, offiziell empfangen, es folgte die Besichtigung des prächtigen „Golden Saales“ im ebenso beeindruckenden Rathaus. Für die Liebhaber von Münzen und Kunst folgte eine Führung im Maximilianmuseum zu der reichen Sammlung an Augsburger Silberarbeiten und mit einem Überblick über Münzen und Medaillen der Freien Reichsstadt. Den Abschluss des Abends bildete wieder ein gemeinsames geselliges Abendessen, diesmal im Restaurant des Zeughauses.

 

Am Sonntag wurden die noch anwesenden Gäste nach einer Stadtbesichtigung einschließlich Besuch der Fuggerei bei strahlendem Sonnenschein und nach gemeinsamem Mittagessen im Freien herzlich verabschiedet. Die vielen unaufgeforderten positiven Rückmeldungen und Danksagungen, sowohl zu Organisation wie zu Betreuung und Qualität aller Vorträge, waren willkommene Bestätigung für die Referenten sowie die Organisatoren des ausrichtenden Schwäbischen Münzclubs, gute Arbeit geleistet zu haben.

 

Hauptteil des Münzsammlertreffens waren selbstverständlich die Referate. Ein bestimmtes Thema war zwar nicht explizit gewählt worden, die Gemeinsamkeit der Vorträge sollte in ihrem Bezug zu Augsburg bestehen, stets aber weit über nur lokalhistorische Bedeutung ausgreifen, dies wurde in allen Vorträgen auch deutlich.

 

Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Erwin Naimer, Archivleiter des Bistums Augsburg. Sein Thema waren geschichtliche und kunsthistorische Bemerkungen zu den Augsburger Ulrichskreuzen.

Der Tag des Heiligen Laurentius, das ist der 10. August, des Jahres 955 stellt ein bedeutendes Datum der deutschen Geschichte dar - es ist der Tag der Schlacht auf dem Lechfeld. In dieser schlug König Otto I., der dann den Beinamen „der Große“ erhalten sollte, die Ungarn vernichtend. Damals regierte Bischof Ulrich, der spätere Heilige, das Bistum Augsburg. Er entstammte dem alemannischen Hochadel und wurde um 890 geboren. Seine Ausbildung erhielt er im Kloster St. Gallen. Am 28. Dezember 923 erfolgte die Weihe zum Bischof von Augsburg, das Bistum hatte er bis zu seinem Tod am 4. Juli 973 inne. Um 983, möglicherweise zur Vorbereitung einer Heiligsprechung, verfasste der Augsburger Dompropst Gerhard eine Lebensbeschreibung Ulrichs. Nach dieser kämpfte der Heilige nicht selbst in der Schlacht mit, sondern blieb in Augsburg, um die Stadt zu verteidigen. Damit band er wohl ungarische Kräfte und es kommt ihm so ein Anteil am Sieg zu. Dagegen lassen spätere Legenden Ulrich aber an der Schlacht teilnehmen und er sollte sogar vor dem Kampf von einem Engel ein kleines Kreuz als Zeichen des Sieges erhalten haben. Nun gibt es in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg tatsächlich ein kleines Holzkreuzchen unbestimmten Alters in annähernd der Form eines „Tatzenkreuzes“ das traditionellerweise als Kreuz des Heiligen Ulrich angesehen wird. Für dieses Kreuz wurde, so die Zuschreibung durch die Kunstgeschichte, um 1320/30 ein wenig größeres Silbergehäuse, das Spuren von Vergoldung trägt, hergestellt. Auf der Vorderseite trägt es die Aufschrift CRUX VICTORIALIS S[AN]CTI VDALRICI E[PISCO]PI AV[GVSTENSIIS - also: Siegeskreuz des Heiligen Ulrich, Bischofs von Augsburg. Für dieses Gehäuse mit dem Holzkreuzchen fertigte Nicolaus Seld 1494 ein weiteres, sehr kostbares Gehäuse an, das auf der Rückseite die Schlacht auf dem Lechfeld mit dem Hl. Ulrich, der von einem Engel das Ulrichskreuz erhält, zeigt.

 

Ulrichkreuz

Der Heilige Ulrich ist Schutzheiliger von Stadt und Bistum Augsburg; er ist der Winzer-, Wetter-, Reise- und Wasserpatron und der Schutzheilige der Fischer. Sein Grab entwickelte sich zur Wallfahrtsstätte, von wo man Ulrichserde, Sargholz oder Ulrichskreuze mit nach Hause nahm. Diese Ulrichskreuze sind meist dem Gehäuse von 1320/30 nachempfunden; ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgte die Herstellung der Kreuze in großer Stückzahl und fanden große Verbreitung.

 

Anschließend besprach der Augsburger Künstler Friedrich Brenner, Medailleur und Münzgestalter, kurz seinen künstlerischen Werdegang und erläuterte dann seine Gedanken und Ideen bei den von ihm geschaffenen Kunstmedaillen und Münzen.

Der Zugang zu modernen Medaillen und teils auch der gegenwärtigen deutschen Euromünzen fällt vielen Sammlern leider schwer. Herrn Brenner gelang es auf sehr persönlicher Art und Weise, dem Zuhörer diesen Zugang aufzuzeigen.

 

Augsburg, das römische Augusta Vindelicum, wurde unter Kaiser Trajan Hauptstadt der Provinz Raetien, und Prof Johannes Noll, Deutsches Archäologisches Institut, stellte in seinem Referat deshalb auf Raetien Bezug nehmende römische Münzen vor.

Wenn auch Rätien nur einmal direkt auf den Münzen der Römischen Reichsprägung erwähnt wird - nämlich auf Aesprägungen, die an die Musterung der rätischen Truppen durch Kaiser Hadrian im Jahre 122 n. Chr. hinweisen -‚ so gibt es dennoch zahlreiche römische Geldstücke, die mit Rätien zu tun haben und die Bedeutung der Provinz spiegeln. Auf die Eroberung des westlichen Alpenraumes im Jahre 15 und damit die Grundlegung der Provinz Rätien spielen Denare und Aurei des Augustus an, die meist zwei Soldaten, seltener einen Soldaten zeigen, die die mit Lorbeer umkränzte Nachricht vom Erfolg seiner Stiefsöhne dem Augustus überbringen. Septimius Severus (193-211) ehrt mit einer Legionsmünze die im rätischen Regensburg stationierte Legio III Italica, die im Bürgerkrieg des Jahres 193 n. Chr. treu zu ihm stand. Mit dem Aufenthalt des Caracalla (211-217) in Raetien im Jahre 213 sind Münzen in Verbindung zu bringen, die seinen Siegernamen Germanicus anführen. Unter Gallienus (253-268) wurde mit einer Münze erneut die Regensburger Legio III Italica gefeiert, die auf dem Höhepunkt der Reichskrise treu zu Gallienus stand.

 

Am Nachmittag begann Dr. Markus Wesche, Bayerische Akademie der Wissenschaften, mit einem Vortrag zu Karl Goetz. Der Bezug zu Augsburg mag manchem Sammler zunächst nicht erkennbar sein, gilt Goetz doch zu Recht als Münchner Medailleur. Karl Goetz ist aber in Augsburg geboren, hat dort das Graveurhandwerk bei Dominal gelernt und in seinen privaten Medaillen stets auf seine Herkunft aus Augsburg hingewiesen, zumeist mit der Darstellung des Pyrs, dem Wappenzeichen der Stadt Augsburg.

Karl Goetz (1875-1950) wurde durch seine die Zeitläufte satirisch begleitenden Gussmedaillen zu einem der berühmtesten Medailleure der Geschichte. Sein auf ein betuchtes Publikum zielendes Werk sorgfältig hergestellter Gussmedaillen war jedoch nach der Inflation von 1923 nicht mehr lukrativ, so dass Goetz seine Geschäftsstrategie zugunsten preiswerterer Prägemedaillen änderte. Wesche konnte viele Details aufzeigen über Goetz, der 1928 mit seiner Dürer-Medaille und Medaillen zu WW-1-Fliegerassen und Luftschiffen ein gemachter Mann wurde.

 

Frau Andrea Hylla M.A., Staatl. Münzsammlung München, beendete die Reihe der Referate mit einem Überblick zum Fund von Waal. Dieser gewaltige Schatzfund, den die Staatliche Münzsammlung München erwerben konnte und der nun von Frau Hylla ausgewertet wird, enthielt fast 8000 Augustenses, also die zur Zeit des regionalen Pfennigs den Geldumlauf in Ostschwaben beherrschende Währung.

Hauptproduzent waren die Bischöfe von Augsburg, und deren Reihe beginnt mit Dünnpfennigen Bischof Konrads (1150-1167), darunter ein bisher unbekannter Pfennig sowie etliche Varianten. Von Bischof Udalschalk (1184-1202) finden sich zunächst ebenfalls mehrere Dünnpfennige, teils mit neuen Varianten, dann die ersten Brakteaten. Die letzte im Fund enthaltene bischöfliche Münze ist ein Brakteat von Bischof Hartwig II. (1202-1208). Neben den Bischöfen prägten auch die staufischen Könige in ihren Münzstätten Donauwörth und Schongau. Ihre Münzreihe im Schatzfund beginnt mit Dünnpfennigen aus der Zeit Heinrich VI. (1169-1197), es folgen Brakteaten bis in die Zeit Friedrich II. (1215-1220). Neu sind ein Pfennig mit Königspaar, wohl um 1200 sowie ein Pfennig von König Philipp (1198-1208). Weiter haben auch die Herzöge von Schwaben auf Augsburger Schlag gemünzt und so finden sich zunächst wieder deren Dünnpfennige im Fund.

Auf die Veröffentlichung der Fundergebnisse von Frau Hylla dürfen sich alle Mittelaltersammler freuen.

Programm

Programm 51. Süddeutsches Münzsammlertreffen in Augsburg

Freitag, 28. Oktober 2016

18.00 Uhr   Treffpunkt Zeughaus, Zeugplatz 4

zur Führung im „Römischen Museum“

19.30 Uhr   gemeinsames Abendessen In der Gaststätte ‚König von Flandern‘. Karolinenstr 12

 

Samstag. 29. Oktober 2016

Tagungsort Augustanasaal, Im Annahof 4 bei der St. Annakirche

 

ab 9.00 Uhr Registrierung der Teilnehmer

9.30 Uhr    Begrüßung durch den Schwäbischen Münzclub

Grußwort des Bundestagsvizepräsidenten a.D. Eduard Oswald

Eröffnung durch Frau Dr. Barbara Simon, Präsidentin der DNG

 

10.00 Uhr   Dr. Erwin Naimer. Archivleiter des Bistums Augsburg: Ulrichskreuze aus der Sammlung Friesenegger. Geschichtliche und kunsthistorische Bemerkungen zu den Augsburger Ulrichskreuzen

 

10.45 Uhr   Friedrich Brenner, Medailleur und Bildhauer:

Entwurf und Ausführung von Münzen und Medaillen. Der Werdegang des Künstlers Friedrich Brenner

 

11.30 Uhr   Kaffeepause

 

 

12.00 Uhr   Professor Dr. Johannes Nol1, Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäo1ogischen Instituts: Keine vergebliche Liebesmüh. Spurensuche nach Raetien auf römischen Münzen

 

12.45 Mittagspause

 

14.00 Uhr   Eingang Rathaus, Rathausplatz 1: Besichtigung des Rathauses mit Goldenem Saal, geplant, Empfang durch die Stadt Augsburg

 

15.00 Uhr   Besuch mit Führung im Maximilianmuseum mit Münzkabinett

 

Tagungsort Augustanasaal, Im Annahof 4 bei der St. Annakirche

 

16.00 Uhr   Kaffeepause

 

17.00 Uhr   Dr. Markus Wesche, Bayer. Akademie der Wissenschaften: Der Medailleur Karl Goetz als Unternehmer

 

17.45 Uhr   Alexandra Hylla M.A., Staatliche Münzsammlung München: Der Schatzfund von Waal im Ostallgäu; Herausragende Neuigkeiten zur mittelalterlichen schwäbischen .Münzgeschichte

 

19.00 Abendessen in der Gaststätte im Zeughaus