Gesellschaft

1. Vorsitzender:
Michael Gnatzy

Geschäftsstelle:

Münzkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Am Kupfergraben 1 / Monbijoubrücke; Postanschrift: Geschwister-Scholl-Str. 6, 10117 Berlin.

Homepage: www.numismatische-gesellschaft-berlin.de

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Lokal:
Bode-Museum, Studiensaal des Münzkabinetts, Am Kupfergraben (Eingang Monbijoubrücke),

Sitzungen:
jeden vierten Donnerstag im Monat, Beginn 18 Uhr.
Gäste sind willkommen, Anmeldung erbeten.

Freundeskreis Antike Münzen (FAM),  Sprecher: Dr. Karsten Dahmen.

Freundeskreis Medaillenkunst (FMK), Sprecher: Prof. Dr. Bernhard Weisser

Numismatischer Arbeitskreis Brandenburg/Preußen (AK BP) Sprecher: Lutz Fahron.

 

Termine

25. Oktober 2018

Vortrag am Donnerstag, den 25. Oktober 2018, um 18 Uhr s.t. im Studiensaal des Münzkabinetts.


Dr. Wolfgang Fischer-Bossert (Institut für Kulturgeschichte der Antike und Österreichische Akademie der Wissenschaften):

KUKALIM, WALWET und die lydische Königsliste.

 

 

Rückblick

Rückblick:

Vorträge 2018

25. Januar 2018. Ordentliche Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen der Numismatischen Gesellschaft. Vorgetragen wurde der Zwischenbericht zu 2017/2018 mit Rückblick und Ausblick des Berliner Münzkabinetts auf das Gesellschaftsprogramm des vergangenen sowie des begonnenen Jahres. Zum Ausklang bot ein Büchertisch die Möglichkeit, die eine oder andere Publikation zu erwerben.

22. Februar 2018. Ein zweiwöchiger Forschungsaufenthalt mit dem Ziel der Erfassung der Bleimarken im Bestand des Münzkabinetts bot die ideale Gelegenheit für Dr. Clare Rowan von der University of Warwick, während ihres Berlinbesuchs über das von ihr geleitete Projekt „Token Communities in the Ancient Mediterranean“ zu sprechen. Gefördert mit Mitteln der Europäischen Union, beschäftigt sich ein Wissenschaftlerteam mit der Verbreitung und Nutzung von Marken im Hellenismus und der römischen Kaiserzeit. Frau Rowan, die selbst den Zweig der römischen Marken bearbeitet, gab einen Einblick in die hochinteressante und vielfaltige Welt der tesserae, in ihre Verbreitungsgebiete, ihr chronologisches Spektrum und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Die Heterogenität des Materials ist sowohl der größte Bonus als auch das größte Problem bei der Interpretation und historischen Auswertung. Inschriften haben das Potential, zu ihrer Deutung beizutragen; da jedoch häufig Abkürzungen verwendet wurden, bleiben sie vielfach rätselhaft. Auch der Umstand, dass tesserae nicht auf Haltbarkeit hin produziert wurden, sondern häufig aus fragilen Materialien wie Blei oder Terrakotta hergestellt wurden, welche Motive und Legenden verunklären, sind besondere Herausforderungen bei der Bearbeitung dieser numismatischen Materialgruppe.

22. März 2018. Gesellschaftsmitglied Klaus Priese aus Berlin hielt einen Vortrag mit dem Titel „Ausstellungen, Messen, Schauen und Börsen in Berlin 1706 bis heute im Spiegel von Medaillen, Plaketten, Marken und Abzeichen“. Beginnend mit einer Silbermedaille von Christian Wermuth zur ersten Berliner Messe 1706 über Gewerbeausstellungen 1822 und 1827 mit staatlichen Auszeichnungsmedaillen von H. E Brandt spannte Herr Priese den Bogen weiter beispielsweise zur internationalen Fischereiausstellung 1880 oder der Internationalen Automobilausstellung 1899. Auch Medaillen etwa zur Grünen Woche 1931 oder schließlich zur Internationalen Gartenausstellung 2017 wurden gezeigt. Der Referent betonte, dass die Aufgaben jener Ausstellungsmedaillen darin bestanden, nicht nur durch ihre Bild-Text-Informationen, sondern auch durch Hochwertigkeit in der Herstellung und repräsentative Darstellungen Öffentlichkeitswerbung für die jeweiligen Projekte zu betreiben und das Ansehen der Expositionen zu steigern.

5. April 2018. Aus dem Kunsthistorischen Museum Wien war Julia Sophia Hanelt M.A. zu Gast. Sie beleuchtete die Münzprägung Jovians (363-364 n.Chr.), der nach der tödlichen Verwundung Kaiser Julians im Zuge von dessen Perserfeldzug überraschend dessen Nachfolger wurde. Doch auch Jovian, der primicerius domesticorum, verstarb schnell nach nur 236 Tagen Regierung am 17. Februar 364. Trotz der kurzen Herrschaft sind zahlreiche Münztypen in Gold, Silber und Buntmetall überliefert. Frau Hanelt präsentierte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit. Aus 13 aktiven Münzstätten stammen 68 ausgeprägte Avers- und Reverstypen. Die Referentin analysierte die Vorbilder der ausgewählten Motive und gab mit der von Julian abweichenden religiösen Zugehörigkeit Jovians auch historische Begründungen für Typenwechsel. Schließlich betonte sie auch die Bedeutung von Ammians Res Gestae als Quelle zur Rekonstruktion der Informationsübermittlung bei der Münzprägung.

26. April 2018. An diesem „kriminalistisch“ geprägten Abend standen der 540. Jahrestag des Mordes im Dom von Florenz und der gescheiterte Staatsstreich gegen die Herrschaft der Medici im Mittelpunkt. Wolfram Roßner und Tobias Roth aus Berlin nahmen die Besucher in ihrem Vortrag „Gedruckt, geprägt, gemalt. Intermediale Kombinationen in der mediceischen Reaktion auf die congiura dei Pazzi (1478) unter besonderer Berücksichtigung der Beziehung von Medaillen und Texten“ mit auf eine spannende Zeitreise, in der sie die Medialisierung dieses Ereignisses in der zeitgenössischen Kunst und Literatur beleuchteten. Die Referenten erläuterten, wie Politik Einzug in die Ästhetik der Kunstwerke hielt, wie propagandistische Überhöhung in der Renaissance funktionierte und welche verschlüsselten Bedeutungen Motiven wie dem Lorbeer, der Lilie oder der Nemesis innewohnte.

24. Mai 2018. In seinem Vortrag „Im Harz der Thaler klingt. Die Bergbaumünzen des Harzes und die Sammlung der Preussag AG“ zeichnet der ehemalige Direktor des Berliner Münzkabinetts, Prof. Dr. Bernd Kluge, ein Bild der Preussag-Sammlung sowie des Silberbergbaus im Harz im 17. und 18. Jahrhundert. Die Preussag-Sammlung ist das Lebenswerk von Karl Müseler (1917-2001), der in den Jahren zwischen 1952 und 2002 maßgeblich den Aufbau der Sammlung von Bergbaugeprägen für die Preussag-AG vorantrieb und den Kernbestand auch in diversen Publikationen vorlegte. Von 9.220 Objekten wurden in den Jahren 2015 und 2016 nicht weniger als 8.044 Objekte in zwei spektakulären Auktionen in London versteigert (Erlös: 10,1 Mio. Euro, Buchwert 3,3 Mio. Euro). Die aus der Silberausbeute geprägten Talertypen und Löser zeigen eindrücklich, dass der Harz zu Recht als die numismatisch interessanteste Bergbauregion Deutschlands gilt. Dabei betonte Herr Kluge, dass für Münzliebhaber vor allem der Oberharz relevant ist; der Unterharz ist ohne nennswerte Bergbaugepräge. Der Referent präsentierte u. a. den ersten „inoffiziellen“ Ausbeutetaler von 1535 (Andreastaler, Fördergebiet St. Andreasberg) sowie die ersten Medaillen mit Darstellung von Bergwerken und Bergwerksarbeiten aus dem 17. Jahrhundert. Er erläuterte sodann den Unterschied zwischen dem „Einseitigen Harz“ (Bergamt Clausthal) und dem „Communion-Harz“ (Bergamt Zellerfeld) und nahm die begeisterten Zuhörer schließlich mit auf Heinrich Heines dichterische Harzreise des Jahres 1824 (publiziert 1826)

7. Juni 2018 (FAM). Mit einer ungewöhnlichen Idee bescherte Bernd Hamborg, Uelzen, den Gästen einen unterhaltsamen Abend: In seinem Vortrag „Vom Adler bis zur Zikade - Tiere auf antiken Münzen“ nahm er die Berliner Numismatische Gesellschaft mit auf einen zwanglos-unterhaltsamen Rundgang durch den Tierpark Berlin-Friedrichsfelde. Den einzelnen Stationen des Tierparks folgend, zeigte er bespielhaft die Darstellungen verschiedenster Tierarten auf antiken Münzen. Herr Hamborg verband in seinem Rundgang Numismatik und Geschichte, indem er mit „Geschichten“ über die gezeigten Gepräge und die darauf abgebildeten Tiere spannende Hintergrundinformationen lieferte.

28. Juni 2018. Gesellschaftsmitglied Edgar Neumann sprach zum Thema "Münzen sind nicht immer rund - statistische Auswertung von nicht-runden Münzformen, 600 v. Chr. - 2016 (Teil III)". In mehrjähriger Arbeit sammelte der Referent umfangreiches Material und teilte die nichtrunden Zahlungsmittel in verschiedene Kategorien ein: Formen der klassischen Geometrie, Blüten-, Sonnen-, Mond- und Sternenformen, Umrisse aus Flora und Fauna, Gegenstände und Formen aus der Architektur, Büsten und Masken, religiöse und andere Symbolik, Länderumrisse und Sonstiges. Dank seiner Akribie gelang es Herrn Neumann, 170 verschiedene Münzformen mit 8.633 Münzausgaben zu ermitteln - ohne dass das grundsätzlich zur Verfügung stehende Material damit ausgeschöpft wäre. Der Referent konnte verschiedene Peaks in der Häufigkeit nichtrunder Münzformen ausmachen: in der späten Römischen Republik (serrati), im 17. Jahrhundert sowie im 20. und insbesondere 21. Jahrhundert. Insgesamt ist das Quadrat als nicht-runde Münzform am beliebtesten, und den Rekord unter den Herausgebern dieser kommerziell offenbar erfolgreichen Emissionen halten die Cook-Inseln mit 241 Typen. In der jüngeren Zeit ist insbesondere auch eine Zunahme verschiedener verwendeter Metalle für die Münzprägung zu beobachten. Herr Neumann analysierte die Wellen und Höhepunkte des Gebrauchs - unter Berücksichtigung der Herausgeber - und zeigte auf, welches Potential die Analyse nichtrunder Münzen auch unter historischen Aspekten noch bietet.

Vorträge 2017

26. Januar 2017. Ordentliche Mitgliederversammlung der Numismatischen Gesellschaft im Studiensaal des Münzkabinetts. Vorgetragen wurde der Zwischenbericht zu 2016/1017 mit Rückblick und Ausblick des Berliner Münzkabinetts auf das Gesellschaftsprogramm des vergangenen sowie des begonnenen Jahres. Zum Ausklang wurde ein Büchertisch mit der Möglichkeit, die eine oder andere Publikation zu erwerben, angeboten.

 

2. Februar 2017 (FAM). Der Koptologe Prof. Dr. Tonio Sebastian Richter, Freie Universität Berlin, sprach über „Die spätantike Klosterlandschaft von Theben-West. Ein Paradies der Heiligen und seine ökonomische Basis“. Herr Richter stellte in seinem Vortrag archäologische und papyrologische Quellen vor, die Einblicke in die historische Wirklichkeit monastischen Lebens in der thebanischen Region geben und zugleich wertvolle Informationen zur Wirtschafts- und Geldgeschichte Ägyptens im Übergang von der byzantinischen zur arabischen Herrschaft bieten.

 

23. Februar 2017. Auf eine spannende Geschichtsreise lud Dr. Michael Kunzel, Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin, mit seinem Vortrag über „Martin Füge und Moritz Schacht - zwei Brandenburger in Mecklenburg“ ein. Füge (Münzmeister in Brandenburg, Stendal, Rietberg und Wittenburg) und Schacht (Münzmeister in Güstrow und Grevesmühlen) begannen ihre Geschäfte in Brandenburg 1523 fast gleichzeitig, waren aber beide nach wenigen Jahren bankrott. Wie sich Füge zunächst selbst ruinierte und dann durch seine Schuld auch Schacht um seine Existenz brachte, und welche Hintergrundinformationen ein Münzedikt Albrechts des Schönen sowie ein Horoskop des namhaften Astrologen Johannes Canon zu ihren Biographien sowie der Münzgeschichte jener Zeit liefern, wurde vom Referenten lebendig nachgezeichnet.

 

9. März 2017. Dr. habil. Vladimir Stolba, Univ. Aarhus: Dr. Stolba ist Gastwissenschaftler an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und gab mit dem Vortrag „(Re)constructing civic and regional identities in the Classical and Hellenistic age: Coin typology as a place- and space-determined narrative" Einblick in seine Forschungsarbeit zur griechischen Kolonialisierung. In jener Zeit kam es zu einer Massenmigration. Diese, so Stolba, stellte lokale Identitäten infrage, da die traditionellen Verbindungen der Bevölkerungsgruppen zu bestimmten Orten und Landschaften unvermittelt abbrachen. Auf Grundlage des vorhandenen numismatischen Materials arbeitete Herr Stolba heraus, dass neue Verbindungen zu neuen Plätzen zur Herausbildung neuer ortsgebundener Identitäten führten; diese standen nun in Wettstreit zu den althergebrachten Identitäten, die auf ursprünglicher Abstammung und kulturellen Verbindungen mit den geographisch entfernten Mutterstädten basierten. Aufbauend auf Fallstudien der griechischen Kolonien (apoikiai) an der nördlichen Schwarzmeerküste, insbesondere Olbia und Chersonesos, analysierte Herr Stolba die Rolle von Münztypologien und wie diese Altes und Neues konstruieren: städtische Identitäten, Erinnerungen und Stolz.

23. März 2017: Dr. habil. Dieter Dannenberg unter Mitwirkung von Wilko Krone, Potsdam: „40 Jahre Untersuchungen brandenburgischer Münzfunde hinsichtlich neuer Münztypen und -varianten«. Herr Dannenberg und Herr Krone publizieren seit 2011 gemeinsam Münzfunduntersuchungen. In ihrem Vortrag blickten sie auf Altbekanntes zu mittelalterlichen Denarschatzfunden zurück, gaben aber auch einen Überblick über aufschlussreiche neue Entdeckungen und stellten durch Vergleiche numismatische Besonderheiten heraus. Erwähnt wurden der Denarfund Götz, der seit 2014 dem seit dem Ende des 19. Jhs. bekannten Komplex Götz I an die Seite gestellt werden kann. Mit Götz II kamen verschiedene neue Denartypen und Varianten zum Vorschein. Der Denarfund von Busendorf 2015 weist Ähnlichkeiten mit Götz II auf und lässt eine ähnliche Herkunft und Prägezeit vermuten. Von Bedeutung ist schließlich auch der - freilich nicht sehr umfangreiche - Denarfund von Lühnsdorf bei Niemegk von 2015. Die Referenten stellten schließlich noch die These zur Diskussion, dass viele Münzfunde als „Saatpfennige“ - als Opfergabe für eine gute Ernte - zu erklären seien. Abschließend wiesen sie noch auf die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern im Bundesland Brandenburg unter Leitung des Brandenburgischen Denkmalamtes hin.

29. März 2017: Im Brugsch-Pascha-Saal des Archäologischen Zentrums wurde vom Münzkabinett gemeinsam mit der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik (DAI) der eintägige, größtenteils öffentliche Workshop „Antike Fundmünzen im westlichen Kleinasien“ abgehalten. Er bot die erstmalige Gelegenheit, die Fundmünzenbearbeitung Prienes und Pergamons mit der Didymas, Milets sowie zu Ephesus gemeinsam zu erörtern. Aus dem Programm: J. Eberhardt, Berlin: Das Ende der Emission P 1 und die Fundmünzen von Priene 1998 bis 2016. - A. Filges, Frankfurt a. M.: Alternative Fakten? Zu stratigraphischen und numismatischen Evidenzen am Beispiel der Hausgrabung auf der Insula F15. – F. Rumscheid, Bonn: „Lampons Geldbeutel“ und weitere Hausbefunde mit Münzen in der Insula D2 von Priene. - A. Taniröver, Bonn: Die Fundmünzen von Didyma. - N. Schindel, Wien: Die Fundmünzen von Ephesos. - J. Chameroy, Mainz: Die Fundmünzen von Pergamon. - B. Weisser, Berlin: Fundmünzen und die Digitalisierungsstrategien des Münzkabinetts. - J. Nollé, München: Fundmünzenforschung und Alte Geschichte.

27. April 2017: Elke Bannicke, Kuratorin im Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, stellte Forschungsergebnisse zum Thema „Gold aus Oranienburg für König Friedrich Wilhelm III.“ vor. Im vergangenen Jahr konnte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt Oranienburg aus dem Kunsthandel einen (von ursprünglich zwei existierenden) Goldbecher erwerben, der lange Zeit als verschollen gegolten hatte. Das zierliche, knapp 7 cm hohe Stück trägt eine Widmungsgravur, die Frau Bannicke als Ausgangspunkt für ihre Analyse des historischen und numismatischen Entstehungskontextes nahm. So konnte sie zeigen, dass nicht weniger als 60.000 Münzen in Zwölfteltalern oder 30.000 Münzen in Sechsteltalern unter Friedrich Wilhelm III. in der Oranienburger Affinieranstalt des Georg Albrecht Friedrich Hempel in Säure aufgelöst wurden, um einem der Bechern zu seiner Entstehung zu verhelfen. Denn durch den Läuterungsprozess gewann Hempel nicht nur etwa 80 kg Silber, sondern auch Gold - und zwar gerade so viel, um daraus von einem Goldschmied einen Becher herstellen lassen zu können, von denen der vorgestellte nach seiner Inschrift ein Geschenk Hempels an den König war. Aus dem gereinigten Silber wurden schließlich nach dem Gesetz von 1821 verschiedene neue Nominale für den Gesamtstaat Preußen hergestellt.

18. Mai 2017: Dr. Johannes Eberhardt, Münzkabinett Berlin, zeigte in einem Vortrag „Barocke Debatten über den Beginn der Münzprägung“, dass Münzen um 1700 auch als Objekte brisanter Ursprungsdebatten einen Bedeutungshöhepunkt erlebten. Diese Rolle antiker Gepräge in frühneuzeitlichen Händen ist - bislang - nicht analysiert worden. Für die barocken Ursprungsdebatten wurde oftmals angenommen, dass Münzen lediglich illustrierenden Charakter hatten und von vertieften, gar stilgeschichtlichen Diskussionen der Objekte nicht die Rede sein kann. Dies sei eine Entwicklung, die man erst Generationen später beobachten könne. Im Vortrag zeigte Herr Eberhardt jedoch eindrücklich, dass dies keineswegs der Fall war. Vielmehr spielten die ältesten Münzen als Teil der gelehrten Praktiken um 1700 bereits eine bedeutende Rolle. Der Referent ging der Frage nach, ob man im Barock überhaupt schon Münzen erkannte, die neuerem Kenntnisstand nach zu den ältesten der Welt gehören, und zeigte, dass um 1700 die Gelehrten bereits auf eine Fülle von Schriften zum Ursprung der Münzkunst zurückgreifen konnten, um für sich selbst neue Schlüsse zu ziehen. Inmitten der Debatten um die richtige Lesart überlieferter Texte zur Geschichte des geprägten und ungeprägten Geldes scheinen die eigentlichen Objekte allenfalls eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Jedoch nicht alle! Eine Methode, in das Dunkel der Forschung etwas Licht zu bringen, ist, den Objekten und ihren Geschichten bis in die Hände der Menschen des Barock zu folgen. Die numismatische Szene in Berlin, so ein Ergebnis der Forschungen von Herrn Eberhardt, nahm in den numismatischen Ursprungsdebatten um 1700 sogar eine Schlüsselposition ein. Die damaligen Debatten muten nach der erfolgten Spurensuche auch nach 300 Jahren geradezu aktuell an. Anhand mancher, für die Fragestellung noch ungehobener Schätze in den Abhandlungen und Selbstzeugnissen der frühneuzeitlichen Gelehrten lässt sich sogar nachweisen, dass kombinierte Methoden zum Einsatz kamen, die auch heute noch Felder numismatischer Arbeitsweisen darstellen. Um 1700 trafen sich beim Thema Münzen detaillierte Objektbeschreibungen, die Analyse von Vergleichsstücken, fundnumismatische Überlegungen sowie bereits stilgeschichtliche Fragen, ferner die Einbeziehung technischer sowie metrologischer Aspekte vor dem traditionsreichen Hintergrund intensiver und zunehmend kritischer Diskussionen der antiken Texte.

20. Mai 2017: Am 20. Mai feierte das Münzkabinett gemeinsam mit der Stiftung Erivan und Helga Haub und der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin 1843 e.V. das zehnjährige Bestehen des Interaktiven Kataloges im World Wide Web. Die Festveranstaltung war verbunden mit dem Auftaktworkshop für das am 1. April 2017 angelaufene Projekt „Netzwerk universitärer Sammlungen in Deutschland (NUMiD)“. Ausgehend vom bisher Erreichten nutzte das Münzkabinett die Gelegenheit dieses Jubiläums, um einen Blick auf die Vergangenheit und Zukunft des vernetzten Arbeitens in der Numismatik und in den Sammlungen werfen. Das jüngst ins Leben gerufene NUMiD-Projekt bietet die große Chance einer umfassenden und einheitlichen Digitalisierung bisher ungehobener Sammlungsschätze in einer Art und Weise, die den Anschluss der dort dokumentierten Bestände an die internationale Forschung und das World Wide Web ermöglicht. Gemeinsam wurde am 20. Mai 2017, dem Vorabend zum Internationalen Museumstag, dieses Spannungsfeld von einzelner Sammlung, zentraler Normierung, Vereinheitlichung und dem vernetzten Arbeiten beleuchtet. Zentrale Fragen waren folgende: Wie sehen die Bestände der beteiligten Museumssammlungen aus? Wie sind diese geordnet und digital zu erfassen? Wie und in welcher Form bringen wir die gemeinsamen Erkenntnisse an die Öffentlichkeit und machen unsere Bestände zugänglich? Welche Erfahrung haben große Sammlungen wie die American Numismatic Society, die BBAW mit ihrem thrakischen Regionalportal sowie die bereits mit NUMiD arbeitenden Sammlungen gemacht? Was erhoffen wir uns von der Zukunft des vernetzten Arbeitens?

14. September 2017: Einen Vortrag zum Thema »Konkurrenz belebt das Geschäft - die Münzprägung der Caeciii Metelli in den 120er Jahren v. Chr.« hielt Prof. Dr. Sven Günther vom Institute for the History of Ancient Civilizations Changchun, China. Herr Günther sprach über das Aufkommen von familienbezogenen Münzbildern in der 2. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. und begründete dies mit dem konkurrenzbasierten politischen System und der politischen Kultur der Römischen Republik: Bei der Vergabe von Ämtern und Befugnissen zählte, was eine Familie bereits in der Vergangenheit an diesem »symbolischem Kapital« erarbeitet hatte. Aus der Konkurrenz der Cornelii Scipiones mit den Caecilii Metelli erwuchs das Bedürfnis, das bisher Erreichte auf Münzbildern für die Wählerschaft zu manifestieren und damit für die Übertragung neuer Ämter zu werben.

5. Oktober 2017: Als Gast der Numismatischen Gesellschaft besuchte Dr. George Watson von der Universität Frankfurt am Main das Münzkabinett. »Stadt oder Werkstatt? Die Auswahl der Münzbilder in der kaiserzeitlichen Prägung Kleinasiens« war Thema seiner Präsentation. Sein Ausgangspunkt ist die 1972 erschienene Publikation von Konrad Kraft, »Das System der kaiserzeitlichen Münzprägung in Kleinasien". Diese erregte ihrer-zeit bei Numismatikern Aufsehen, weil Kraft darauf hinwies, dass die Auswahl von Münzbildern nicht in jedem Falle Sache der Städte war, sondern dass vielmehr auch Werkstätten mit ihren Stempelschneidern entscheidenden Einfluss auf die Auswahl genommen haben könnten. Anhand von drei Fallbeispielen untersuchte Watson die Arbeitsweise der Werkstätten. Daraus ergab sich für ihn die Erkenntnis, dass die Debatte viel differenzierter als bislang geführt werden sollte: Die Frage sollte nicht mehr lauten, wer die Münzbilder einst auswählte (entweder die Städte oder die Werkstätten), sondern welchen Anteil am Auswahlprozess diese Parteien jeweils hatten.

19. Oktober 2017: Von der Universität Heidelberg konnte FAM Dr. Susanne Börner als Rednerin begrüßen. In ihrem Vortrag „Von Münzen und Menschen. Numismatische Aktivitäten in Heidelberg" gewährte sie Einblick in verschiedene (Verbund-) Projekte. Zuerst stellte sie den „Numismatischen Verbund in Baden-Württemberg", vgl. dazu NNB 9/2017, S. 347 f. Auch über das seit 2014 bestehende Heidelberger Zentrum für antike Numismatik (ZAN) berichtete Frau Börner. Dieses verfügt über ein digitales Münzkabinett und eine Fundmünzendatenbank. Aus ihrer Projektarbeit stellte Frau Börner schließlich Ergebnisse zum Thema „Der spätantike Münzhorizont in der Rhein-Neckar-Region - Dokumentation und historische Interpretation“ (gefördert vom Baden-Württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) vor, schilderte dabei aber auch anschaulich, welche Grenzen dem eigenen Engagement oft durch Widrigkeiten in Bezug auf ältere Vorarbeiten sowie Personal- und Zeitmangel gesetzt sind.

26. Oktober 2017: Aus den Ergebnissen ihrer abgeschlossenen Dissertation berichtete Dr. des. Sylvia Karges (Berlin). Ihr Vortrag „Antisemitische Themen auf Münzen, Marken und Papiergeld“ thematisierte Antisemitismus in numismatischen Quellen wie Münzen, Medaillen, Notgeldscheinen sowie Pins und Abzeichen. Die von ihr analysierten Objekte stammen aus einem 800-jährigen Zeitraum und wurden mehrheitlich im deutschsprachigen Gebiet hergestellt. Einige aufgefundene antisemitische Stereotypen, die auf religiösem, sozialem, politischem oder rassistischem Antisemitismus beruhen bzw. die sich auch überlagern, lassen sich dabei über Jahrhunderte verfolgen; andere tauchen in spezifischen Zusammenhängen mit den Entwicklungslinien des Antisemitismus auf, was im Vortrag anhand einiger Objekte aufgezeigt wurde.

23. November 2017: An diesem Abend eröffnete das Münzkabinett die neue Sonderausstellung „Menschenbilder. Wege zum Porträt von der Antike bis zur Gegenwart« (zu sehen bis 7. Oktober 2018). Das Medaillenporträt des 21. Jhs. hat Wurzeln, die bis in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen. Als Basis für die Auseinandersetzung heutiger Künstler mit dieser Tradition braucht es das Wissen um frühere Lösungen und Entwicklungen, betonte Prof. Dr. Weisser in seiner Begrüßung. Ausstellungskurator Dr. Karsten Dahmen zeichnete den Weg des Porträts von der Antike bis heute nach, wie er auch in der Ausstellung präsentiert wird. Die über 280 Exponate wurden ausschließlich aus den Tresorbeständen ausgewählt und zum Teil erstmals online publiziert (ikmk.smb.museum). Zahlreiche Gäste kamen zu den Reden und dem nachfolgendem Empfang. Eine Schnellzeichnerin begleitete den Abend, indem sie - passend zum Thema der Sonderausstellung - von ausgewählten Mitgliedern der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin Porträts anfertigte.

14. Dezember 2017: Den vorweihnachtlichen Ausklang des Jahres 2017 bot ein Vortrag des ehemaligen Direktors des Berliner Münzkabinetts, Prof. Dr. Bernd Kluge (Berlin). Ausnahmsweise standen nicht Analysen von Münzen im Vordergrund, sondern Personen und ihre Persönlichkeiten: In seinem Vortrag „Der abgestorbene Ast. Die Hohenzollern in Franken (Fürstentümer Ansbach und Bayreuth)“ unterhielt Prof. Kluge das Plenum mit kurzweiligen Ausführungen zur eher unbekannten Nebenlinie der brandenburgischen Hohenzollern. Für die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth legte Friedrich V., Burggraf von Nürnberg, die wesentlichen Grundlagen und die Basis für die kommenden 11 Fürsten aus 6 Generationen. Die fränkischen Hohenzollern brachten zahlreiche „Reckengestalten“ hervor, wie nicht nur die schriftliche Überlieferung, sondern auch Porträts auf Gemälden und Münzbildern bezeugen; dieses erste Zeitalter endete freilich mit dem Tod von Georg Friedrich im Jahr 1603. Die Geschicke der fränkischen Hohenzollern, geprägt von Nachfolgeproblemen, Kriegswirren und Schuldenproblemen, endeten schließlich im Jahr 1806 mit dem Tod von Markgraf Karl Alexander in England.

 

Vorträge 2016

13. Februar 2016: Das von der Numismatischen Gesellschaft geförderte und vom Münzkabinett organisierte studentische Kolloquium „Thrakien 3.0. Münzprägung im Land des Orpheus“ bildete am 13. Februar 2016 den Auftakt des Veranstaltungsprogramms. Studierende erhielten überwiegend zum ersten Mal die Möglichkeit, die Ergebnisse ihrer Seminararbeiten öffentlich zu präsentieren. Die Veranstaltung stand im Zusammenhang mit dem DFG-Projekt zur antiken Münzprägung Thrakiens (www.corpus-nummorum.eu) und der gleichzeitigen Ausstellung im Bode-Museum (noch bis 15. Oktober 2016).

 

10. März 2016. (FAM) An diesem Abend sprach Dr. Johannes Eberhardt, Berlin, über „Die Fundmünzen von Priene. Veröffentlichung der Münzen mit mk_edit" und stellte das vom DAI geförderte und im Münzkabinett Berlin angesiedelte Projekt vor. Er arbeitet zusammen mit Prof. Dr. Bernhard Weisser die zwischen 1998 und 2013 bei Ausgrabungen in Priene neu gefundenen Prägungen auf. Diese werden zusammen mit den Fundmünzen älterer Grabungen auf einer neu geschaffenen Webseite (http://ww2.smb.museum/mk_priene) veröffentlicht.

 

17. März 2016. Dr. Frank Berger, Historisches Museum Frankfurt/M., präsentierte einen Vortrag über die „Geldstadt Frankfurt“. Von den in seiner gleichlautenden Publikation (erschien 2016) vorgestellten und kommentierten 101 Geldorten zeigte Herr Berger den Gesellschaftsmitgliedern nicht weniger als 50 Plätze, Gebäude oder Denkmäler, erweckte längst vergangene Geldorte wieder zum Leben und umriss mit seinem Vortrag etwa 1200 Jahre Geldgeschichte.

 

21. April 2016. Den Stand der Technik zu „Fälschungserkennung und Münzforschung“ erläuterte Dr. Robert Lehmann, Universität Hannover. Die traditionellen, vor allem aber auch die modernen naturwissenschaftlichen Methoden und ihr interdisziplinärer Wert für die Archäologie standen im Mittelpunkt seiner Ausführungen.

 

7. April 2016 (FAM). In seinem Vortrag zu „The archaic Athenian coinage project" stellte Prof. Kenneth Sheedy. Macquarie University, Sydney, neue Ergebnisse aus dem Projekt „A Spring of Silver, a Treasury in the Earth“ vor. Die Publikation mit neuen Erkenntnissen zur historischen Bedeutung und Datierung der Prägungen darf mit Spannung erwartet werden (vgl. NNB 6/2016,5.219).

 

12. Mai 2016 (FAM). Prof. Dr. Marianne Bergmann, Berlin, diskutierte mit den Gästen „Konstantins Himmelfahrt und Konsekration“. In ihrer ikonographischen Analyse von Goldmünzen aus Konstantinopel und Kleinbronzen anderer Münzstätten kam sie zu dem Schluss, dass die Himmelfahrt Konstantins aufgrund des Bittgestus seiner Hand trotz des paganen Motivs der Divinisierung erkennbar christlich geprägt ist.

 

26. Mai 2016. Das bislang zu wenig beachtete Medaillenvermächtnis von Karl von Kühlewein stellte Elke Bannicke, Mitarbeiterin des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, vor. Karl von Kühlewein verdankt das Münzkabinett eine Schenkung von nicht weniger als 5.700 Objekten zum Thema Berlin und Brandenburg-Preußen. Neben dem interessanten thematischen Schwerpunkt ergibt sich die Bedeutung dieses Konvoluts vor allem daraus, dass die zugehörigen Archivalien ein besseres Verständnis der Medaillenproduktion von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges erlauben.

 

2. Juni 2016. Dr. Simone Vogt vom Museum August Kestner in Hannover sprach zum Thema „Empire und Imperium - Napoleons Medaillengeschichte à l'antique“. Napoleon Bonaparte war der Ansicht, dass Medaillen „die einzigen Zeugnisse des Ruhms“ seien, die alle Jahrhunderte überdauern. Entsprechend sorgfältig wurden die Motive für die napoleonischen Medaillenprägungen ausgewählt. Die Rückbesinnung auf die antike Kunst bzw. auf antike Münzen ist bei den Medaillenentwürfen hinlänglich bekannt, doch lassen sich an manchen Beispielen konkretere Vorbilder als bislang belegen. Diese wiederum zeigen, dass stärker als das künstlerische Erscheinungsbild das auf den alten Münzen erscheinende historische Ereignis als Vorbild diente.

 

16. Juni 2016. Aus Helsinki besuchte Prof. Tuuka Talvio die Numismatische Gesellschaft zu Berlin. Er beleuchtete die Rolle des deutschen Münz- und Medaillengraveurs Carl Jahn im Dienst der finnischen Münze: „Der Stempelschneider Karl Jahn (18441912) und die Münze von Helsinki.“ Jahn war aufgrund guter Empfehlungen der Münze Dresden im Alter von 30 Jahren an die Münze von Helsinki berufen worden. Hier schuf er neben Münzen auch eine Reihe von Kunstmedaillen. Seine Karriere blieb in Finnland wie auch in Deutschland bislang wenig beachtet: Grund dafür mag seine Vorliebe für den Klassizismus sein - ein Stil, der seinerzeit bereits ein wenig aus der Mode gekommen war, jedoch charakteristisch für die durch Herrn Talvio vorgestellte Persönlichkeit Carl Jahns war.

 

14. Juli 2016. Christian Stoess M.A. vom Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin gab mit einem Vortrag zur „Goldguldenprägung der Mainzer Erzbischöfe“ in der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin gleichsam seinen Einstand als neuer Kurator mittelalterlicher Münzen. Er legte dar, wie es den rheinischen Kurfürsten gegen Mitte des 14. Jahrhunderts gelang, nach dem Florentiner Vorbild über den Rheinischen Münzverein eine Leitwährung in Deutschland zu etablieren: den Goldgulden. Stoess skizzierte neben der mehr als 100 Jahre währenden Entwicklung dieser Währungsunion auch die Geschichte des Goldguldens als höchst erfolgreiche Münzsorte und Leitmünze bis zu ihrer letztmaligen Ausprägung 1626/27. A.K.

 

8. September 2016 (FAM). Gunnar Dumke M. A., Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, gab einen Einblick in sein laufendes Dissertationsprojekt und sprach über „Graeko-baktrische Prägungen indo-griechischer Herrscher“. Herr Dumke stellte als Erklärung zur Diskussion, dass die indogriechischen Herrscher diese Münzen als Medaillen bzw. Donative für griechische Truppen herstellen ließen.

 

15. September 2016. Dr. Matthias Ohm, Kurator des Münzkabinetts im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, sprach vor der Gesellschaft über „Pax in nummis: Friedensbilder auf Münzen und Medaillen“. Anhand der numismatischen Überlieferung zu verschiedenen historischen Friedensschlüssen für den Zeitraum vom Westfälischen Frieden 1648 bis zum Frieden nach den Napoleonischen Kriegen 1815 untersuchte Herr Ohm, wie Frieden auf Medaillen dargestellt wurde.

 

15. September 2016. „Dr. Karl Welz (1887-1964) als Sammler“ war das Thema des Vortrages von Dr. Karl-Ludwig Elvers, Ruhr-Universität Bochum. Er sprach über die Geschichte der von ihm innerhalb des Historischen Instituts betreuten universitären Münzsammlung, die maßgeblich auf den Fuldaer Studienrat Dr. Karl Welz zurückgeht. Seine über 2500 Stücke umfassende Sammlung antiker Münzen gelangte gemeinsam mit seiner Sammlung antiker Kunst 1965/1966 und allen zugehörigen Unterlagen an die neugegründete Ruhr-Universität Bochum. Diese ungewöhnlich umfangreiche Dokumentation erlaubt einen Einblick in die Beziehungen zwischen Sammler und Händlern, gibt wichtige Informationen bezüglich der Provenienzen und gewährt schließlich einen aufschlussreichen Blick in die sich verändernden Bedingungen des Sammelns in den Jahrzehnten zwischen 1920 und 1960.

 

22. September 2016 (FMK). Im Studiensaal des Münzkabinetts traf sich der Berliner Medailleurkreis. Dr. Alexa Küter und Prof. Dr. Bernhard Weisser berichteten über den Planungsstand zur Sonderausstellung „Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN“. Die für diese Edition von verschiedensten Künstlern neu geschaffenen Medaillen wurden den Anwesenden vorgestellt. Schließlich wurden Themen für neue Medailleneditionen in Hinblick auf das Jahr 201712018 gesucht und diskutiert.

 

20. Oktober 2016. Aus Frankfurt a. M. empfing die Numismatische Gesellschaft zu Berlin Prof. Dr. Fleur Kemmers als Gast. Ihr Vortrag „Münzen und Macht im westlichen Mittelmeerraum (550-100v. Chr.)“ repräsentierte einen Teilaspekt des von ihr an der Goethe-Universität geleiteten interdisziplinären Forschungsprojektes. Darin untersucht sie Roms Verwandlung von einem Dorf zur Großmacht in Hinblick auf die damit einhergehende und für die antike Welt erstmals festzustellende Vereinheitlichung des Münzsystems. Frau Kemmers konnte aufgrund metallurgischer Untersuchungen nicht nur die verschiedenen Herkunftsgebiete für Silbermünzen klar benennen, sondern auch darstellen, dass parallel zur Monopolisierung der Silbermünzen durch Rom das indigene Bronzegeld unangetastet blieb und weiterhin in den Siedlungen zirkulierte. Deutlich wurde der Nutzen von Edelmetallprägungen bei der Sicherung von Macht, der Darstellung von Identität und Loyalität und der Ausübung von Kontrolle.

 

3. November 2016 (FAM). Dr. Kai Michael Töpfer, Universität Heidelberg, sprach über „Feldzeichen als Motive in der römischen Münzprägung“. Die verwendeten Standarten (die signa miitarla) dienten nicht nur als Orientierungshilfe auf dem Schlachtfeld, sondern waren auch bedeutende Sinnbilder der römischen Heeresmacht, wodurch sich ihr häufiges Auftreten in den Bildmedien römischer Zeit erklärt. Herr Töpfer legte anschaulich dar, wie die Feldzeichen auf Münzbildern zur Formulierung prägnanter Botschaften und damit zur visuellen Kommunikation eingesetzt wurden.

 

24. November 2016. Das Münzkabinett eröffnete die neue Sonderausstellung „Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN“, die bis zum 27. Mai 2017 im Bode-Museum zu sehen ist. Die Vernissage im Gobelin-Saal wurde von etwa 200 Gästen besucht und von der Gesangsgruppe „Cross Pops“ musikalisch untermalt. Kuratiert hat die Ausstellung Dr. Alexa Küter. Ein umfangreicher Begleitkatalog bildet die Dokumentation: A. Küter, B. Weisser: Kunst prägt Geld. MUSE MACHT MONETEN. Das Kabinett 16 (Berlin 2016), 256 S.

 

15. Dezember 2016. Zum Jahresausklang trug Prof. Dr. Bernd Kluge, Berlin, zum Thema „Obriststleutnant von Esens. Numismatisches bei Theodor Fontane“ vor. Wenig bekannt ist, dass Theodor Fontane (1819-1898) in seinem Novellenfragment „Obriststleutnant von Esens“ aus dem Jahr 1886 der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin ein Denkmal gesetzt hat. Dieser literarische Ritterschlag für die Berliner Gesellschaft, die von Fontane als „friedfertig“, „apart“ und „vornehm“ beschrieben wurde, sowie weitere numismatisch angehauchte Texte Theodor Fontanes boten eine vergnügliche Begegnungsstunde mit dem großen Erzähler der Mark Brandenburg.

 

Mitgliederversammlung 2016

Herr Gnatzy eröffnete die Mitgliederversammlung am 4. Februar 2016 um 18 Uhr und berichtete über die Tätigkeit der Numismatischen Gesellschaft im Geschäftsjahr 2014/2015. Herr Trappen legte als Schatzmeister über die Ein- und Ausgaben der Gesellschaft Rechenschaft ab. Herr StB Matthias Lindemann hatte zuvor eine Kassenprüfung vorgenommen. Beanstandungen gab es keine. Nach erfolgter Aussprache zum Geschäftsbericht und zum Rechenschaftsbericht des Vorstandes entlasteten die Mitglieder den Vorstand einstimmig bei Enthaltung der sechs anwesenden Mitglieder des Vorstandes.

Es folgte die Wahl des neuen Vorstandes, als Wahlleiter fungierte Klaus Priese und als Protokollführer Dr. Alexa Küter. Gewählt wurden: 1. Vorsitzender: Michael Gnatzy; 2. Vorsitzender: Dr. Peter-Hugo Martin; Schriftführerin: Dr. Alexa Küter; Schatzmeister: Hans-Joachim Trappen. Dr. Karsten Dahmen ist als Repräsentant des Freundeskreis Antike Münzen (FAM) Vorstandsmitglied, Prof. Dr. Bernhard Weisser als Direktor des Münzkabinetts und als Vorsitzender des Berliner Medailleurkreises. Die Wahl des neuen Vorstandes für die Geschäftsjahre 2016/2017 erfolgte mit 21 Stimmen bei 3 Enthaltungen der anwesenden und zu wählenden Vorstandsmitglieder. Der gewählte Vorstand nahm die Wahl an. Herr Lindemann wurde mit 23 Stimmen bei einer Enthaltung zum Kassenprüfer für die kommenden Geschäftsjahre gewählt. Er nahm die Wahl an. Sodann erfolgte ein Ausblick auf das Vortragsprogramm im Jahr 2016.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung stellte sich der Gast, Prof. Tonio Sebastian Richter, vor und bewarb sich um die Aufnahme in die Numismatische Gesellschaft. Herr Dahmen brachte den von Frau Küter beschafften Museumsfilm »Münzen der Antike" aus dem Jahr 1937 zur Vorführung und erläuterte Hintergründe von dessen Entstehung und Produktion. Schließlich bot der von Dr. Angela Berthold vorbereitete Büchertisch sehr günstige Angebote numismatischer Publikationen für die Mitglieder der Gesellschaft. Alexa Küter

 

Geld. Ikonographie. Produkt. Banknoten von Giesecke & Devrient im Wandel der Zeit

 

26. März 2015. Astrid Wolff, MA, Leitung Firmenhistorisches Archiv Giesecke & Devrient GmbH, und Katharina Depner, MA, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, München berichteten über „Geld. Ikonographie. Produkt. Banknoten von Giesecke & Devrient im Wandel der Zeit". In ihrem Vortrag stellten die Autorinnen die Entwicklung der Leipziger Wertpapierdruckerei Giesecke & Devrient GmbH und des firmenhistorischen Archivs sowie der HVB Stiftung Geldscheinsammlung vor und gaben einen Einblick in die Unternehmensgeschichte von G&D im Kontext der Geschichte von Banknoten und Wertpapieren im 19./20. Jh. Die Bedeutung und Entwicklung von Papiergeld im 19. Jh. im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung und die damit einhergehende Entwicklung des Banknotendruckes und der Herstellung von Banknotenpapier wurden ausführlich dargestellt In ihrem Vortrag gingen die Autorinnen auch auf die technische Seite und besondere Herausforderungen für die Herstellung von Geldpapier und die Bemühungen zur Hebung der Fälschungssicherheit ein (vgl. Franziska Jungmann-Stadler und Ludwig Devrient: Giesecke & Devrient tnirk: Banknotendruck 1854-1943. Gietl-Verlag, Regenstauf 2009)

Die bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige und ihre Münzprägung

26. Februar 2015. Kristian Nicol Worbs, München, Präsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft und Vorsitzender der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft erzählte über „Die bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige und ihre Münzprägung - Ein Überblick zur bayerischen Münzgeschichte" und gab eine Einführung in die Geschichte Bayerns, beginnend mit der ersten Erwähnung eines bairischen Herzogtums mit Sitz in Freising im Jahre 555. Ausführlich ging der Vortragende auf die Hintergründe der bayerischen Teilung 1255-1506 und deren Widerspiegelung im bayerischen Münzwesen sowie der Erhebung Bayerns zum Königreich in der napoleonischen Zeit im Jahre 1806 mit Maximilian I. Joseph als erstem bayerischen König ein. 

Goldmünzen, Alexandria Trojas und die Goten. Die Wurzeln des germanischen Münzwesens

5. Februar 2015. Prof. Aleksander Bursche, Universität Warschau, sprach über „Goldmünzen, Alexandria Trojas und die Goten. Die Wurzeln des germanischen Münzwesens". Seit 1881 besitzt das „Cabinet des Médailles" in Paris eine gelochte Goldmünze des Kaisers Gallienus, welche mit einem Stempel der Stadt Alexandria Troas geprägt wurde. Da nur Bronzemünzen zu dieser Zeit im westlichen Kleinasien hergestellt wurden, sorgte die Existenz dieser Münze für einige Unruhe bei berühmten Numismatikern wie H. Cohen und E. Babelon. Zurzeit sind drei goldene Gepräge dieses Typs bekannt Eines wurde in der Nord-Ostukraine entdeckt. Alexandria Trojas wurde 2.63 n. Chr. durch gotische Truppen geplündert. Zweifelslos fiel dabei auch die städtische Münzstätte in deren Hände, zusammen mit allem Werkzeug, den Stempeln und möglicherweise auch dem dort beschäftigten Personal. Später erscheinen die Stempel im Barbaricum und wurden offensichtlich zur Herstellung goldener Münzen benutzt Diese sind gelocht und von einem Gewicht über dem für römische Aurei üblichen. Damit stellen diese Münzen einen Beleg für den Import von Wissen und Know-how aus dem römischen Reich in das Barbaricum dar und einen ersten entscheidenden Schritt in der Etablierung einer eigenständigen Münzprägung. Germanische Stämme setzten diese Strategie der Imitation römischer Vorbilder in der Völkerwanderung fort Am Ende des 5. und Anfang des 6. Jhs. erscheinen dann die ersten Monogramme germanischer Könige auf den sogenannten pseudo-imperialen Münzen.

Im Namen des Königs und mit Gottes Hilfe - Der Beginn der personalisierten westgotischen Münzprägung unter Leovigild (569- 586)

27. November 2014 Dr. Sebastian Steinbach, Osnabrück, referierte über „Im Namen des Königs und mit Gottes Hilfe - Der Beginn der personalisierten westgotischen Münzprägung unter Leovigild (569- 586)“. Leovigild war 569 bis 586 König der Westgoten in Spanien und Septimanien (Südwestfrankreich), der das Reich erweiterte. Während seiner Regierungszeit fand die endgültige Loslösung von der anonymen Münzprägung nach antikem Vorbild statt und wurde durch ein Münzbild mit Umschrift mit dem Bild und Namen des Königs ersetzt Dieses ist eines der gravierendsten Ereignisse der westgotischen Münzprägung, wenn nicht des völkerwanderungszeitlichen Münzwesens. Der Vortag ging ausführlich ein auf die historischen Hintergründe des „Hermenegild-Aufstandes“ (579-585), einer Revolte seines Sohnes Hermenegild, der zeitweilig eine eigene Münzprägung einführte. Darüber hinaus wurde eine detaillierte Einführung in die westgotische Münzprägung des 6. und 7. Jhs. im Allgemeinen gegeben.

Unemittierte Schätze aus dem Erbe der Staatsbank der DDR

30. Oktober 2014. In ihrem Vortrag „Unemittierte Schätze aus dem Erbe der Staatsbank der DDR" stellte Dipl.-Archivarin Lysann Goldbach, Prokuristin am Historischen Konzernarchiv der KFW Bank, die Entwicklung und Sammlung des Historischen Archivs der KfW mit dem Schwerpunkt nicht emittierte DDR-Banknoten, vor. Mit der Fusion der Staatsbank Berlin, dem Nachfolgeinstitut der ehemaligen Staatsbank der DDR, floss im Oktober 1994 auch dieser umfangreiche und historisch interessante Unterlagenbestand in die Sammlung des Historischen Archivs ein. Hierin finden sich Dokumente, die weit in die Zeit der Weimarer Republik zurück reichen. Mit Integration der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in 2001 und der Verschmelzung mit der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) 2003 wurde das Historische Archiv zum Konzernarchiv der Kfw Bankengruppe. Das Konzernarchiv sichert Quellen und Dokumente, die die Entwicklung und Tätigkeit der KfW im historischen Querschnitt beschreiben. Das Konzernarchiv ist das „Gedächtnis der KfW“. Auf einer Länge von zwei Kilometern - bzw. auf 2.000 „laufenden Metern“ - erstreckt sich das Archivgut der KfW Bankengruppe (www.kfw.de).

„Philosophenkaiser oder Machtpolitiker? - Marc Aurel im Spiegel seiner stadtrömischen Prägungen

18. Oktober 2014. Dr. Susanne Börner, Heidelberg: „Philosophenkaiser oder Machtpolitiker? - Marc Aurel im Spiegel seiner stadtrömischen Prägungen". Als letzter der Adoptivkaiser regierte Kaiser Marc Aurel (161-180 n. Chr.) in einem „Goldenen Zeitalter" - so zumindest der Geschichtsschreiber Cassius Dio. Und doch war das Römische Reich bereits während der Phase der gemeinsamen Herrschaft von Marc Aurel mit seinem Adoptivbruder Lucius Verus (161-169) von Katastrophen und Kriegen zerrüttet. Nach dem Tod des Mitkaisers musste es Marc Aurel dann alleine mit Markomannen, Quaden, Sarmaten, Jazygen und anderen Stämmen aufnehmen. In dieser Zeit sollen die sogenannten „Selbstbetrachtungen" Marc Aurels entstanden sein, die den Kaiser als Anhänger der späten Stoa ausweisen. Aber war Kaiser Marc Aurel wirklich der viel zitierte „Philosoph auf dem Kaiserthron"?

„Ein verkanntes Porträt des Octavian - Zum Aureus RRC 534,1"

4. September 2014. David Biedermann, Berlin: „Ein verkanntes Porträt des Octavian - Zum Aureus RRC 534,1". In seinem Vortrag beschäftigte sich David Biedermann mit dem Aversbildnis dieser bekannten und rätselhaften Prägung. An Hand einer detaillierten Analyse der ikonographischen Details sowie der Legende konnte er nachweisen, dass die bisherige Deutung des Dargestellten als der verjüngte Divus Iulius weder zwingend noch schlüssig ist. Auf Grund der Legende naheliegender und mit den Attributen durchaus vereinbar ist es, in diesem Bildnis dasjenige des Octavian zu sehen.

„Der große Germanienfeldzug des Maximinus Thrax in der numismatischen Überlieferung"

22. Mai 2014. Prof. Reinhard Wolters, Wien: „Der große Germanienfeldzug des Maximinus Thrax in der numismatischen Überlieferung" (gemeinsame Einladung NG und FAM). Die sensationelle Entdeckung eines römisch-germanischen Kampfplatzes aus der ersten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. bei Kalefeld am Ostrand des Harzes im Jahr 2008 scheint oft in Frage gestellte literarische Quellen zu rehabilitieren, die von einem kriegerischen Vordringen des Maximinus Thrax tief ins Innere Germanien hinein berichten - allerdings von der modernen Forschung übereinstimmend als grob übertreibendbewertet worden waren. Der Fundplatz bietet Anlass, literarische und archäologische Quellen miteinander zu vergleichen. Eine solche kritische Zusammenschau muss allerdings durch die numismatischen Quellen ergänzt werden: Als unverfälscht erhaltene tagesaktuelle Zeugnisse liefern erst die Münzen Fixpunkte, die ein genaueres Verstehen der Aktivitäten des Maximinus Thrax ermöglichen. Methodische Grundlage einer derart gelesenen Münzreihe ist die als,Wiener Schule der Numismatik" bekannte Rekonstruktion des Prägesystems.

„Christian Wilhelm von Thünen auf Blankensee und der Orden von Querfurt"

24. April 2014. Lutz Fahron, Berlin: „Christian Wilhelm von Thünen auf Blankensee und der Orden von Querfurt". Christian Wilhelm von Thünen war bis 1713 preußischer Landrat im Luckenwaldischen Kreis und machte dann Karriere in kursächsischen Diensten, u.a. als Kreishauptmann des Kurkreises und Kreisdirektor im Jüterbogischen Kreis (Fürstentum Querfurt). Er lebte in Blankensee, einer sächsischen Enklave in der Mark Brandenburg. Die historische Grenze ist noch heute anhand der Grenzmale, wie einem Grenzstein von 1580, erkennbar. Deren Geldgeschichte wurde im Wesentlichen anhand des Münzfundes von Jüterbog 1903 (verborgen nach 1716) geschildert (vgl. auch L. Fahron „Aus der Geldgeschichte der kurfürstlich-sächsischen Enklave in der Mark Brandenburg", Bauernmuseum Blankensee sowie NNB 6/2014). Sein Bildnis auf seinem Epitaph in der Kirche zu Blankensee zeigt ihn mit zwei Orden, dem brandenburgischen Ordre de la Grirosit6 von 1667 (dieser Orden wurde ab 1740 der berühmte Pour le Mrite Preußens) und einem roten Ordenskleinod am weißen Schulterband. Letzteres konnte der Vortragende dem sächsisch-weißenfelsischen Ordre de la Noble Passion (auch Orden von Querfurt genannt) von 1704 zuordnen, wofür eine vergleichende Betrachtung mit einer Silbermedaille im Fundus des Museums auf Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels spricht.

„Romulus und römische Kaiser. Von der Präzision römischer Bildsprache"

8. März 2014. Axel Jürging: „Romulus und römische Kaiser. Von der Präzision römischer Bildsprache". (Einladung FAM). 20. März. Das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und die Numismatische Gesellschaft zu Berlin e.V. luden zur Eröffnung der Ausstellung des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin „Gold gab ich für Eisen. Der Erste Weltkrieg im Medium der Medaille" ins Bode-Museum, Museumsinsel Berlin (vgl. NNB 6/2014), mit einführenden Vorträgen von Bernd Kluge „Gold gab ich für Eisen", Benhard Weisser „Medaillen in eiserner Zeit" und Anna Franziska Schwarzbach „Annähe-rung an ein schwieriges Thema", ein. Gold gab ich für Eisen - dieses in den napoleonischen Befreiungskriegen kreierte Motto war auch im Ersten Weltkrieg gleichermaßen Stolz und Belohnung der Opferbereiten. Als Thema einer neuen Medaillenedition sollte es der künstlerischen Auseinandersetzung mit einem vor hundert Jahren von niemandem gewollten, aber von Allen bejubelten Kriegsausbruch dienen und die Wirkung dieser »Urkatastrophe« des 20. Jahrhunderts unter den bis heute gesammelten Erfahrungen im Medium der Medaille reflektieren. 1914 bis 2014 - in diesem Zeitfenster stellt sich die deutsche politische Medaille zum Thema Krieg in dieser Ausstellung vor, wobei die neueren Medaillen verstärkt die Schrecken und das Grauen des Krieges sowie Leid und Trauer der Menschen thematisieren.

 

„Der lange Weg des Brakteatenfundes von Egeln (1984). Wie die deutsche Einheit das Schicksal eines Münzschatzes beeinflusste"

27. Februar 2014. Prof. Bernd Kluge, Berlin: „Der lange Weg des Brakteatenfundes von Egeln (1984). Wie die deutsche Einheit das Schicksal eines Münzschatzes beeinflusste". Just als die Beschreibung des 1984 gehobenen Brakteatenschatzes von Egeln bei Halberstadt 1990 in den Druck gehen sollte, tauchten im (west-) deutschen Münzhandel große Fundteile auf, die der Finder verheimlicht und nach Öffnung der Grenze zu Geld gemacht hatte. Der Vortrag schildert das Schicksal eines Münzfundes in den Wirren der Wende, warum die Fundveröffentlichung nach mancherlei weiteren Verwirrungen erst in diesem Jahr erscheinen konnte und worin die Bedeutung dieses um 1290 vergrabenen großen Brakteatenschatzes besteht.

H. K.

Haub-Stiftung

4. Oktober 2014. MAXIMA RES EFFECTA. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Erivan und Helga Haub-Stiftung und der Verabschiedung von Bernd Kluge als Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin luden die Numismatische Gesellschaft zu Berlin und das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin zu einem Kolloquium und einer Festveranstaltung ein. Im Rahmen der Würdigung der Tätigkeit und der Verdienste von Bernd Kluge als Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin sprachen „kurz und kurzweilig": Michael Alram (Wien), Elke Bannicke (Berlin), Karsten Dahmen (Berlin), Michael Gnatzy (Berlin), Peter Ilisch (Münster), Ulrich Klein (Stuttgart), Bernd Kluge (Berlin), Fritz Rudolf Künker (Osnabrück), Michael Lindner (Berlin), Ulrike Peter (Berlin), Günther Schauerte (Berlin), Wolfgang Steguweit (Gotha), Christian Stoess (Frankfurt), Ute Wartenberg (New York) und Bernhard Weisser (Berlin) über ihre Beziehungen zum und ihre Erfahrungen mit dem Münzkabinett, über Numismatik in Berlin und die Rolle einer Grundwissenschaft in Museum und Forschung. Das im Gobelinsaal des Bode-Museums veranstaltete Kolloquium wurde von Bernd Weisser moderiert. Die Veranstaltung wurde mit einem „ Resümee" von Bernd Kluge abgeschlossen. In der anschließenden Festveranstaltung, die in der Basilika des Bode-Museums stattfand, sprachen Günther Schauerte, Vizepräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Lebenslänglich oder Was bedeutet die Arbeit am Münzkabinett?", Michael Alram, Direktor des Münzkabinetts des Kunsthistorischen Museums Wien und Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: ‚Wozu Numismatik?", Erivan und Helga Haub: „Warum Mäzen für das Münzkabinett?" sowie Bernd Kluge, Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin a.D.: „Münzen, Museum, Mäzene. Hat die Vergangenheit eine Zukunft?"

Personalia

Hans-Dieter Dannenberg

Am 29. September 2015 feierte Dr. habil. Hans-Dieter Dannenberg in Potsdam seinen 85. Geburtstag. Die Numismatische Gesellschaft zu Berlin hat ihn aus diesem Anlass zu ihrem Ehrenmitglied gewählt und damit seine langjährigen Forschungen zum mittelalterlichen Münzwesen der Mark Brandenburg gewürdigt. Dem Publikum ist er vor allem durch seine beiden Bücher Die brandenburgischen Denare des 13. und 14. Jahrhunderts (Berlin 1997) und Die Denare der Nachbarn Brandenburgs im 13. und 14. Jahrhundert. Anhalt, Sachsen-Wittenberg mit Brehna, Magdeburg (Berlin 2000) bekannt geworden, mit denen er eine grundlegende Revision des klassischen Referenzwerkes der brandenburgischen Mittelalternumismatik (Emil Bahrfeldt: Das Münzwesen der Mark Brandenburg. Berlin 1885) eingeleitet und es in großen Teilen ersetzt hat. Grundlage war ihm dabei eine Neuinterpretation der Münzfunde, von denen er viele - alte und neue - erstmals oder neu publiziert hat. Mit der sorgfältigen Bearbeitung des umfangreichen Brakteatenfundes von Pfaffendorf-Lamitsch bei Beeskow (Veröffentlichungen zur brandenburgischen Landesarchäologie 35, 2001) hat er das Tor zu einer Neubearbeitung auch der mittelalterlichen brandenburgischen Brakteaten aufgestoßen, mit deren Gesamtbearbeitung er trotz seines hohen Alters noch liebäugelt. Von seiner ungebrochenen Schaffenslust zeugt seine gegenwärtige Beschäftigung mit einem neuen, unlängst in Götz (Gemeinde Groß Kreutz, Ldkr. Potsdam-Mittelmark, Brandenburg) gemachten großen Fund brandenburgischer Denare des 13. Jahrhunderts (s. dazu Beiträge zur brandenburgisch/preußischen Numismatik 23, 2015). Hans-Dieter Dannenberg ist erst als „Spätberufener" nach dem Berufsleben als habilitierter Veterinärmediziner zur Numismatik gekommen und hat literarisch 1987 im ersten Band der Berliner Numismatischen Forschungen - nicht zufällig mit einer Fundbearbeitung - debütiert. Seither hat er sich zu einem der produktivsten Autoren in der deutschen Sammlerszene entwickelt. Die Bibliographie seiner gesamten Schriften zur Numismatik umfasst annähernd hundert Einzeltitel. Er ist ebenso gefragt als Vortragsredner und füllt mit seiner lebendigen Art und kräftigen Stimme jeden Saal. Er ist gleichermaßen aktiv im Vorstand der Potsdamer Münzenfreunde wie im Vorstand des Numismatischen Arbeitskreises Brandenburg/Preußen und als Mitglied (nunmehr Ehrenmitglied) der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin. Seine Aktivitäten beweisen körperliche Vitalität und geistige Frische, und auch äußerlich sieht man ihm die erreichten 85 Lebensjahre nicht an. Die Numismatik erhält ihn jung und man wünscht ihm, dass sie für ihn auch weiterhin ein Jungbrunnen sein möge. Für ausführlichere Würdigungen des Jubilars s. Beiträge zur brandenburgisch/preußischen Numismatik 23, 2015 und http://ww2.smb.museumingb/nachricht.php?event_id=922.

Text: Bernd Kluge, Foto: Elke Bannicke