Gesellschaft

 

1. Vorsitzender:
Dr. Frank Berger

Geschäftsstelle:

Frankfurter Numismatische Gesellschaft

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60445 Frankfurt am Main

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Fax 069/21230702

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Sitzung:
jeden 3. Mittwoch im Monat, 18.00 Uhr im Historischen Museum, Saalgasse 19, Römerberg, Frankfurt/Main .

 

 

Aktuell

21.02.2018 -
Dr. Konrad Schneider, Frankfurter Numismatische Gesellschaft - "Die Konventionswährung"

 

Programm

Vorträge 2018

17.01.2018 -
Jahreshauptversammlung der Gesellschaft (nicht öffentlich)

21.02.2018 -
Dr. Konrad Schneider, Frankfurter Numismatische Gesellschaft - "Die Konventionswährung"

21.03.2018 -
Dr. Hendrik Mäkeler, Geldmuseum der Deutschen Bundesbank - "Die Münz- und Geldpolitik im 14. Jahrhundert"

18.04.2018 -
Dr. Frank Berger, Frankfurter Numismatische Gesellschaft - "Romantisches Geld. Einkommen und Geldwert der Goethezeit"

16.05.2018 -
Dietmar Stroh, Förderkreis Industrie- und Technikgeschichte - "Münzmetalle", mit Vorlage seltener Münzstoffe

20.06.2018 -
Wolfgang Dreher, Numismatische Gesellschaft Speyer - "Prägungen aus Rheingold und anderen Flüssen"

Vorträge 2017

Klaus Giesen - "Die Kriege des Deutschen Ordens gegen die Litauer im Lichte der Münzprägung"

 Dr. Rainer Albert - "31 vor Christus - der Kampf um die Welt"

Roland Diry - "Der Münzfund von Kiskunlalachaza, vergraben um 1189 von deutschen Teilnehmenrn des Dritten Kreuzzuges"

Kurzvorträge aus den Reihen der Mitglieder - Dr. Berger "Ein Geldscheck des James Fenimore Cooper", Buchvorstellung von Florian Haymann u.a.

Prof. Dr. Hendrik Ziegler, Reims - "Das Hessendenkmal im Vorfeld hessischer Standeserhöhung"

Dr. David Wigg, Gelnhausen - "Barbarische Imitationen römischer Münzen: eine neue Quelle zum Aufstieg der Goten?"

Dr. Stephan Roth, Kassel - "Münzverrufung im Mittelalter"

Kathrina Depner, München - "Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land: Billionenschein hat er sich prahlend genannt" - Notgeld in Bayern

Joachim Töppel, Frankfurt/M. - "Medaillen der Künstlerin Silvia Klöde-Hoffmann (mit Vorlage von Originalen)"

 

Vorträge 2016

Vorträge 2016

 
Ulrike Michele Wolf M.A., Frankfurt/Main - "Kommunikation und Machtverhältnisse im westlichen Mittelmeerraum (5.-1.Jh.v.Chr.)"


Dr. Alexander Reis, Obernburg am Main - "Römische Münzbilder auf renaissancezeitlichen Geschützen und Glocken aus Frankfurt/Main"


Dr. Simone Vogt, Hannover - "Die Münzsammlung im Museum August Kestner"


Dr. Rudolf Reimann, Kamenz - "Das Russische Münzwesen unter besonderer Berücksichtigung der Münzreform Zar Peters I."

 

Prof. Dr. Niklot Klüßendorf unter dem Titel „NOTGELD TUT NOT - Das Notgeld der Stadt Melsungen“


Wilhelm Müseler, Frankfurt/Main - "Neues aus Lykien: Ddenewele, der "vergessene" Dynast von Xanthos"


Friedrich-Wilhelm Wulf, Hannover - "Die Münzdatierung des entdeckten Römerlagers von Wilkenburg (Zeit des Augustus)"


Dr. Matthias Ohm, Stuttgart - "Herzog Christoph von Württemberg und seine Münzen"


Dr. Frank Berger, Frankfurt - "Geldstadt Frankfurt, eine Buchvorstellung"

 

Vorträge 2015

Vorträge 2015

 

Klaus Giesen, Damme - "Dürers Reise nach Antwerpen - aus numismatischer Sicht"

Jacek Strzalkowski, Frankfurt/Main - "Moderne polnische Medaillen"

Winfried Stein, Nürnberg - "Carl von Dalberg (1744-1817) - Münzen und Medaillen - ein Kirchenfürst in der Zeit des Übergangs"

Dr. Barbara Simon, Ludwigshafen - "Die Augusteische Außenpolitik im Spiegel der Münzen"

Karl Heinz Fröhner -"Die Lateinische Münzunion 1865-1926"

Volker Löbner, Frankfurt/Main - "Frankfurter Orden und Ehrenzeichen"

Dr. Alexander Ruske, Frankfurt/Main - "Die numismatische Sammlung der Deutschen Bundesbank"

Dr. Sayyar, Hannover - Eligius-Vortrag "Lykische Münzen"

Joachim Töppel, Frankfurt/Main - "Tandem bona causa triumphat - Ein Taler von 1567 erzählt"

 

Berichte

Nachbetrachtung

„Da kommt der Knallprotz vom ganzen Land: Billionenschein hat er sich prahlend genannt“

Am 11. November sprach Frau Katharina Depner aus München unter dem Titel „Da kommt der Knallprotz vom ganzen Land: Billionenschein hat er sich prahlend genannt“ über bayrisches Notgeld. In Bayern wie in ganz Deutschland verschwanden zum Ende des Ersten Weltkrieges Münzen mehr und mehr aus dem Zahlungsverkehr, sei es, dass sie wegen ihres Edelmetallgehaltes gehortet oder wegen ihres Buntmetallgehaltes für die Rüstung benötigt wurden. In den Jahren bis 1922 wurden vor allem kleinere Stückelungen im Pfennig- und Markbereich als Notgeld hergestellt. In diesem Zusammenhang entstanden auch Geldscheinserien, die eher für Sammler gedacht waren. Die einsetzende galoppierende Inflation führte ab Ende 1922 zu einer raschen Geldentwertung, so dass wieder nicht genug Geld gedruckt werden konnte. Wieder wurden Notgeldscheine benötigt. Erst mit dem Ende der Inflation durch die Einführung der Rentenmark wurde das Notgeld Ende 1923 überflüssig. Bis dahin hatten in Bayern mehr als 14.000 Emittenten in 377 Orten Notgeld hergestellt, allein in München gab es 428 Emittenten! Behörden, Kommunen, Banken und Sparvereine sowie auch Wirtschaftsunternehmen gaben »Geldersatz" (»Gutscheine", „Lohnschecks", „Bargeld-Notersatz") heraus, denn zum Emittieren von »echtem" Geld waren sie nicht berechtigt. Das Notgeld lief lokal begrenzt um und sollte nach einem meist kurz begrenzten Zeitraum wieder eingelöst werden. Oft war es dann aber schon wieder komplett wertlos...

„Die mittelalterliche Münzverrufung“

Am 18. Oktober sprach Dr. Stefan Roth aus Kassel über „Die mittelalterliche Münzverrufung“. Eine Besonderheit hochmittelalterlicher Geldgeschichte war die Herausbildung lokaler Münzsorten in Verbindung mit einer regelmäßigen Verrufung, d.h. der Außerkurssetzung dieser Münzen und der Ausgabe neuer Münzen. Zu festgesetzten Terminen wurden die alten Pfennige ungültig und es wurden z.B. für 4 alte Pfennige 3 neue ausgegeben. Der Handel auf dem Markt durfte dann nur noch mit den neuen Münzen abgewickelt werden. In der Regel erfolgten die Verrufungen einmal im Jahr. Da die neuen Pfennige nach dem gleichen Münzfuß ausgebracht wurden wie die alten, bedeutete der Umtausch einen Vermögensverlust von 25 %. Dies behinderte einerseits die Bildung größerer Geldvermögen, andererseits erhöhte sich aber auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Auch reagierten Preise und Löhne auf den regelmäßigen Wertverlust des Geldes, im Verlauf des Jahres stiegen sie an. Kurz vor dem Umtausch hatte der alte Pfennig nur noch 75% seiner Kaufkraft, mit der Ausgabe der neuen Pfennige begann die Entwicklung von vorn. Aus dem Ertrag des Münzumtausches mussten viele Aufgaben finanziert werden: Ankauf bzw. die Bereitstellung neuen Silbers und die Prägung der neuen Münzen. Darüber hinaus waren Transport und Lagerung der neuen Münzen zu bezahlen sowie der eigentlich Umtausch. Nicht zuletzt wurde streng überwacht, dass wirklich nur mit den gültigen Münzen gehandelt wurde und niemand den Zwangsumtausch umging. Was dann noch übrig blieb, war Gewinn für den Münzherrn, sicher eine wesentliche Triebfeder hinter dem System der Münzverrufungen. Sichtbares Ergebnis der Münzverrufung ist eine fast unüberschaubare Zahl verschiedenartiger Münzen aus jener Zeit. Den Städten waren die Münzverrufungen ein Dorn im Auge, behinderten sie doch den Handel. Und da die Fürsten immer in Geldnot waren, ließen sie sich im späten Mittelalter das Münzrecht von den Städten abkaufen. So endete die Zeit der Münzverrufungen in Deutschland zum Anfang des 15. Jhs.

„Barbarische Imitationen römischer Münzen: eine neue Quelle zum Aufstieg der Goten?“

Dr. David Wigg-Wolf aus Gelnhausen berichtete am 20. September 2017 von Forschungen der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts zum Thema „Barbarische Imitationen römischer Münzen: eine neue Quelle zum Aufstieg der Goten?" Römische Münzen werden auch heute noch zu tausenden außerhalb der früheren Grenzen des Römischen Imperiums gefunden. Besonders interessant dabei sind viele Imitationen römischer Münzen, welche nicht in betrügerischer Absicht minderwertig angefertigt wurden, sondern die hochwertig als normale Zahlungsmittel dienen konnten. Die Stempel dafür wurden wohl von römischen Münzen abgenommen und zum Teil nachgeschnitten. Über Stempelanalysen und Untersuchungen von Stempelkopplungen ist eine Verbreitung bestimmter Imitationstypen über ein weites Gebiet von Niedersachsen und Gotland im Norden bis hin nach Ungarn im Süden zu erkennen. In den letzten Jahren kamen viele Fundmeldungen aus der Ukraine und Moldawien hinzu. Es lässt sich über die Stempelverbindungen erkennen, dass das Verbreitungsgebiet der betrachteten Imitationen ganz Osteuropa umfasst, mit besonderer Häufung in der heutigen Ukraine, dem damaligen Kernland der Goten. Und bei diesen ist wohl auch die Quelle dieser massenhaften Imitationen zu suchen. Im Jahr 251 fielen den Goten nach dem Sieg über ein römisches Heer unter Trajanus Decius große Mengen an Goldmünzen in die Hände, das Gold nutzten sie wohl auch für eigene Prägungen - und viele dieser Münzen sind gelocht, um sie als Schmuck zu tragen. Bei der Eroberung der Stadt Alexandria Troas im Jahr 262 plünderten die Goten die dortige Münzstätte und nahmen neben Edelmetall auch Münzstempel mit. Sie begannen mit der Prägung eigener Münzen, zunächst mit den geraubten Stempeln, später auch mit selbstgeschnittenen. Die Mitte des 3. Jhs. beginnende frühgermanische Goldprägung riss im Lauf der Zeit nicht mehr ab. Ein Teil dieser Münzen verblieb im Barbaricum, ein Teil gelangte mit dem Einfall der Goten und anderer Germanen ins Reich. Neben der Herstellung von Münzen als Zahlungsmittel erfolgte auch eine Weiterentwicklung der Prägungen als Schmuckmedaillons und in Form von „Brakteaten'Mit der Gründung eigener germanischer Reiche auf dem Boden des Imperiums wurde auch die Goldmünzenprägung als staatliche Aufgabe weitergeführt, zuerst meist mit dem Bild und dem Namen römischer Kaiser, später auch mit eigenen Bildern und Motiven.

„Geldmuseum der Bundesbank“

Am 20. August führte uns unser Jahresausflug ganz in die Nähe, wir besichtigten das neue Geldmuseum der Bundesbank. Die völlig neu konzipierte Ausstellung führt durch die Geldgeschichte vom Naturalgeld über die ersten Münzen bis hin zu modernen Zahlungsmitteln. Die Geschichte des Geldes ist gleichzeitig Wirtschaftsgeschichte und es gab auch immer wieder Krisen, die sich auf die Währungen auswirkten. Die Kipper- und Wipperzeit der 1620er Jahre waren ein Zeichen der Geldverschlechterung früherer Jahre, während die Hyperinflation Anfang der 1920er Jahre noch gar nicht so weit entfernt erscheint. Wer weiß schon, was die lockere Zinspolitik der EZB im Gefolge der Finanzkrise Anfang dieses Jahrhunderts uns noch bringen wird?

„Das Hessendenkmal im Vorfeld hessischer Standeserhöhung“

Zu unserem letzten Treffen vor der Sommerpause sprach am 21. Juni 2017 Prof. Dr. Hendrik Ziegler aus Reims über „Das Hessendenkmal im Vorfeld hessischer Standeserhöhung“. Im Zuge der französischen Revolution wurde Frankfurt am Main im Herbst 1792 durch französische Revolutionstruppen erobert. Anfang Dezember 1792 konnte die durch die Franzosen nur schwach gesicherte Stadt durch preußische und hessische Truppen zurückerobert werden. Schon im Folgejahr wurde ein durch den preußischen König gestiftetes Denkmal für die bei der Befreiung der Stadt gefallenen hessischen Soldaten eingeweiht. Dieses Denkmal ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Auf einen aus Basaltsäulen bestehenden Unterbau wurde ein Kubus mit Inschriften gesetzt, welcher durch ein Schild, eine Keule, einen Widderkopf und ein Löwenfell bedeckt wird. Es gab schon früher vergleichbare Konstruktionen, meist aber als Unterbau für ein aufgesetztes Personen- oder Reiterdenkmal. So stellt das Denkmal einen Übergang dar zwischen den Denkmalen des Spätabsolutismus und der einfacheren, wuchtigen Revolutionsarchitektur. Die Inschriften nennen die Namen aller 55 Gefallenen, vom Offizier bis zum einfachen Soldaten. Schon Friedrich der Große hatte einigen seiner gefallenen Generale Denkmale setzen lassen, aber die Nennung einfacher Soldaten war eine Neuerung, die erst im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon und später üblich wurde. Auch in einem anderen Zusammenhang steht das Hessendenkmal. Ein zweites Denkmal befindet sich an der gleichen Landstraße, mit welchem Wilhelm IX., Landgraf von Hessen-Kassel, seine Kaisertreue unterstreicht und an sein Heerlager zur Absicherung der Kaiserwahl von 1792 erinnert. Der Ehrgeiz des Landgrafen zahlt sich aus, im Jahr 1803 erfährt er seine Standeserhöhung zum Kurfürsten! Wie zu jener Zeit üblich, wurden all diese Aktivitäten von einer umfangreichen Medaillenprägung begleitet, wovon der Vortragende einige schöne Beispiele vorstellen konnte.

„Didrachme von Neapolis“, „Antike Münzen sammeln“, „Straßburger Gegenstempel von 1681“, „Fälschungssicherungen bei Notgeldscheinen des Dillkreises“, „Bankscheck der Otsego County Bank“

Am 1. Mai sprachen Mitglieder unserer Gesellschaft über Stücke aus ihren Sammlungen: Gegenstand des Vortrages von Dr. Druckrey war eine Didrachme von Neapolis, welche im 4. Jh. v. Chr. geprägt wurde. Ein Ausflug in den Gründungsmythos von Neapel, das sein Entstehen auf die Sirene Parthenope zurückführt, ermöglicht die Interpretation des Münzbildes. - Im nächsten Vortrag stellte Dr. Haymann sein neues Buch „Antike Münzen sammeln“ vor. Dies richtet sich vor allem an interessierte Laien oder an Münzsammler, die sich (noch) nicht an die antike Numismatik herangewagt haben. Das Buch bietet aber eine Fülle an Informationen, die sicher nicht nur für den Laien hilfreich sind. - Über Straßburger Gegenstempel von 1681 sprach Herr Weite. Nach den Wirren des 30-jährigen Krieges versuchten die Münzstände in Deutschland wieder eine geregelte Münzverfassung zu erreichen. Mit dem Zinnaer Münzvertrag von 1667 wurde durch Brandenburg und Kursachsen die Prägung von 2/3- und 1/3-Talern beschlossen, welche einen niedrigeren Silbergehalt hatten als von der Reichsmünzordnung vorgeschrieben. Mancher Münzherr konnte sich der Versuchung nicht entziehen, die neuen Münzen geringwertiger auszubringen als vereinbart. So kam es zu verschiedenen Gegenstempelungen. Vorstellt wurden zwei sächsische Münzen, die in Straßburg kurz nach der Besetzung durch die Franzosen im Herbst 1681 gegengestempelt wurden. - Herr Gottwald stellte dann seine Untersuchungen zur Entschlüsselung der Fälschungssicherungen bei Notgeldscheinen des Dillkreises aus dem Jahr 1922 vor. Trotz der sehr einfachen Machart der Scheine war in den Unterlagen von Merkmalen zur Fälschungssicherung die Rede. Akribische Analysen vor allem der Randverzierungen brachten letztlich die Erkenntnis: Anhand von Variationen in den wiederkehrenden Mustern wurden die Serien unterschieden, das Fehlen eines ganz unscheinbaren Punktes an einer bestimmten Stelle in den Verzierungen war Absicht, um Fälschungen entlarven zu können. - Im letzten Beitrag des Abends stellte Dr. Berger einen Bankscheck der Otsego County Bank aus dem Staat New York vor. Das Besondere dieses Schecks von 1841 ist, obwohl er auf Grund des Alters und seiner Seltenheit schon bemerkenswert wäre, dass er von James Fenimore Cooper persönlich unterzeichnet ist. Einen Roman des Schriftstellers hat manch einer schon gelesen, aber seine Originalunterschrift zu sehen ist eher selten!

„Münzfund von Kiskunlachàza, vergraben um 1189/1190“

Roland Diry sprach am 19. April über den Münzfund von Kiskunlachàza, vergraben um 1189/1190 von (deutschen) Teilnehmern des Dritten Kreuzzuges. In den 1950er Jahren wurde in der Nähe von Budapest in Ungarn, in Kiskunlachàza, ein Schatz entdeckt. Der Fund wurde vorrangig aus Sicht ungarischer Münzgeschichte bearbeitet Durch das Fehlen jeglicher ungarischer Münzen wurde er als „Edelmetall-Hort“ und als ein Indiz für die noch weitverbreitete Gewichtswirtschaft im damaligen Ungarn angesehen. Der Referent hat in Budapest mit freundlicher Unterstützung dortiger Museumsangestellter die Münzen des Fundes komplett sichten können und hat sich an eine gründliche Nachanalyse gemacht. Erste Auffälligkeit: der weitaus größte Teil sind Münzen des Kölner Erzbischofes Philipp von Heinsberg (1167-1191) bzw. zugehörige Beischläge. Diese Münzen können aufgrund neuester Forschungen sehr gut datiert werden. Die im Fund enthaltenen Münzen legen ein Ende der Zusammenstellung des Schatzes um 1190 nahe. Die Umschrift einer der Münzen weist recht sicher auf „Kaiser Friedrich“ hin, womit hier wohl nur Barbarossa gemeint sein kann. Betrachtet man nun die Zusammensetzung des Fundes mit dem bekannten „Barbarossa-Schatz“, der in der Türkei gefunden wurde, so fallen deutliche Parallelen auf. So scheint die Schlussfolgerung, dass die Münzen des Schatzfundes von Kiskunlachàza im Rahmen des Dritten Kreuzzuges von deutschen Teilnehmern mitgeführt wurden, sehr naheliegend. Der Kreuzzug verlief auf dem Landweg an Budapest vorbei und damit auch durch die Gegend von Kiskunlachàza. Ob der niedergelegte Schatz von einem Kreuzzugsteilnehmer verborgen wurde oder von einem der Händler, die die Truppen versorgt hatten, lässt sich heute allerdings nicht mehr feststellen.

„31 vor Christus - der Kampf um die Welt“

Am 15. März sprach Dr. Rainer Albert zum Thema „31 vor Christus - der Kampf um die Welt“. Nach der Ermordung Caesars im Jahr 44v. Chr. verbünden sich Octavian und Marcus Antonius, um gegen dessen Mörder vorzugehen. Nach ihrem Sieg im Jahr 42 v. Chr. teilen sich beide die Macht, Octavian beherrscht den Westen einschließlich der Stadt Rom, Marcus Antonius bekommt den Osten und betreibt dort eine offensive Außenpolitik Er erringt diplomatische Erfolge in Armenien und mischt sich aktiv in Ägypten ein. Ein Feldzug gegen die Parther scheitert allerdings. Marcus Antonius geht eine enge politische und menschliche Beziehung zu Kleopatra ein und entzweit sich dadurch mit Octavian, mit dessen Schwester er noch verheiratet ist. Zudem fällt er durch „unrömisches Verhalten“ auf: Er lässt sich gemeinsam mit Kleopatra in orientalischem Herrschaftskult huldigen. Derweil baut Octavian seine Macht in Rom systematisch aus und begleitet seine eigene Politik propagandistisch durch ein ganzes Bildprogramm auf römischen Münzen. Die Auseinandersetzung der beiden Herrscher treibt auf eine militärische Lösung zu. Marcus Antonius sammelt seine Truppen und zieht bei Actium auch seine Flotte zusammen. Am 2. September 31 v. Chr. kommt es zur Schlacht, in welcher entschieden werden soll, wer letztlich „über die Welt herrschen“ wird. Marcus Antonius und Kleopatra fliehen vom Schlachtfeld, und lassen einen Großteil der Flotte und das Heer zurück. Die im Stich gelassenen Truppen gehen zu Octavian über - Ruf und Zukunft des Marcus Antonius sind ruiniert. Die beiden Verlierer der Schlacht verlieren letztlich auch ihr Leben. Octavian ist Sieger auf ganzer Linie, sein Triumph wird wieder propagandistisch von einer ganzen Reihe von Münzemissionen begleitet. Wichtig ist Octavian dabei, dass er nicht „über Römer gesiegt hat“, sondern dass Ägypten besiegt (und erobert) wurde. Der Denar mit dem Krokodil als Symbol für Ägypten und der Aufschrift „Ägypten ist besiegt“ ist ein beredtes Beispiel dafür. Octavian ist nun unumschränkter Herrscher und wird als Zeichen seiner besonderen Stellung zum „Augustus“ erhöht-ein Name der uns heut noch ein Begriff ist.

„Die Kriege des Deutschen Ordens gegen die Litauer im 14. Jh.“

Am 15. Februar sprach Klaus Giesen über „Die Kriege des Deutschen Ordens gegen die Litauer im 14. Jh.“. Die Münzprägung des Deutschen Ordens orientiert sich an den Münzen Nord- und Mitteldeutschlands. Zuerst werden schriftlose Brakteaten geprägt, sie sind unschwer am Bild eines bewaffneten Ritters und dem Kreuzschild zu erkennen. Den Brakteaten folgen Hohlpfennige, die ab etwa 1245 ausgegeben werden. Zunehmender Handel und Geldverkehr verlangen ab Mitte des 14. Jhs. nach Mehrfachnominalen. Vierpfennig-Münzen (Vierchen) und 15-Pfennig-Münzen (Halbschoter) werden geprägt. Die Rechnung dazu: aus der Mark werden 720 Pfennige geprägt, also sind 180 Vierchen oder 45 Halbschoter eine Mark. Diese Einteilung scheint sich nicht bewährt zu haben, ab etwa 1380 wird als neuer Münztyp der Schilling zu 12 Pfennigen herausgebracht -60 Schillinge sind eine Mark. Sie werden geprägt, bis sie im Jahr 1492 vom Groschen und seinen Teilstücken abgelöst werden. Zwischen die südlichen Besitzungen in Preußen und die nördlichen Besitzungen des Ordensstaates in Livland schiebt sich wie ein Keil das Großfürstentum Litauen, dies ist ein für den Deutschen Orden unbefriedigender Zustand. Daher finden ab 1304 Jahr für Jahr zwei Kreuzzüge gegen die (noch heidnischen) Litauer statt: ein Winterfeldzug im Februar (da ist das sumpfige Land gefroren) und ein Sommerfeldzug im August (da ist das sumpfige Land ausgetrocknet). Zu diesen Kreuzzügen kommt der ritterliche Adel aus ganz Europa. Die Teilnahme am Kreuzzug gegen die heidnischen Völker in Osteuropa ist seit 1147 durch die Päpste mit denselben Privilegien ausgestattet, wie sie früher für das Heilige Land galten. Die oft erheblichen Kosten für die Teilnahme am Kreuzzeug haben die Ritter selbst zu tragen. In der Stadtchronik der Stadt Metz steht zu lesen, dass Kosten in Höhe von 100 Floren entstehen für jedes Pferd, das man mit sich führt - sei es das eigene Pferd, das des Knappen oder ein Lastpferd. Der Graf Johann von Blois führt im Jahr 1362 eine Reisekasse mit 4950 Goldmünzen mit sich, ein Gewicht von knapp 20 kg! Zum aktuellen Goldpreis wären das rund 650.000 Euro. Die Hauptkosten der Reise, die täglichen Ausgaben für Essen und Trinken, für das Futter der mitgeführten Pferde sowie für die Unterkunft werden mit Silbermünzen in der jeweiligen Landeswährung beglichen. Im Ordensstaat angekommen, müssen die Ritter also die mitgebrachten Goldmünzen in das Silbergeld des Ordens umtauschen - der Orden hat ein striktes Verbot des Umlaufs fremden Geldes im Ordensland erlassen. Die hohen Kosten haben machen Ritter ruiniert, wenn er denn überhaupt gesund zurückkehrte. Die Kreuzzüge endeten mit der Annahme des Christentums durch den litauischen Großherzog und späteren polnischen König Wladislaw Jagiello.

Buchvorstellung „101 Geldorte in Frankfurt“

Am 21. Dezember 2016 stellte unser Vorsitzender Dr. Frank Berger sein neues Buch „101 Geldorte in Frankfurt“ vor. Seit Karl der Große auf der Frankfurter Synode im Jahr 794 in Umsetzung seiner Münzreform die Einführung des neuen Pfennigs (Silberdenars) verbindlich vorschrieb, war die Stadt auch immer mit dem Geld und dem Münzwesen verbunden. Vgl. die Rezension im NNB 8/2016, S. 326.

„Herzog Christoph von Württemberg und seine Münzen“

Über Herzog Christoph von Württemberg und seine Medaillen sprach am 16. November Dr. Matthias Ohm aus Stuttgart, vgl. dazu den Beitrag von Dr. Ohm in NNB 2015, S. 418 ff.

„Die Münzdatierungen des entdeckten Römerlagers von Wilkenburg (Zeit des Augustus)“

Die Münzdatierungen des entdeckten Römerlagers von Wilkenburg (aus der Zeit des Augustus) waren am 19. Oktober Vortragsgegenstand von Friedrich-Wilhelm Wulf aus Hannover. Vor 25 Jahren wurden auf Luftbildaufnahmen 8 km südlich von Hannover in einer Leineniederung auffällige Bodenstrukturen gefunden, die auf ein Marschlager der römischen Armee hindeuteten. Eine archäologische Erstbegehung erbrachte wenig, ein Marschlager bestand oft nur kurze Zeit und die verwendeten Materialien (z.B. Holzpalisaden und Zelte) wurden wieder mitgenommen. Da die Begehung ohne Metalldetektor erfolgte, konnten auch keine Metallgegenstände aufgespürt werden. Im Jahr 2015 gab es endlich eine systematische Untersuchung großer Teile des Geländes und einige Grabungen. Große Teile des Grabens um das Lager konnten nachgewiesen werden bis hin zur Lage der Tore. Viele gefundene Scherben waren aus vorrömischer Zeit, ein Hinweis darauf, dass diese Stelle schon früher als Siedlungsgebiet gedient hat. Vor allem der Einsatz von Metalldetektoren brachte hunderte Metallfunde, vor allem kaputt gegangene oder verlorene Gegenstände wie Zeitheringe, Pferdegeschirrteile, Fibeln und Nägel. Unter den zum Teil sehr schlecht erhaltenen Münzen befanden sich keltische Kleinbronzen sowie viele römische Münzen aus der Zeit von etwa 90 v. Chr. bis 2 n. Chr. Die Zusammensetzung der Münzfunde ist vergleichbar denen des Schlachtfeldes von Kalkriese. So ist zu vermuten, dass das Lager von Wilkenburg irgendwann zwischen 1 bis 5 n. Chr. bestand, also kurz vor der „Varus-Schlacht“.

„Ddenewele, der „vergessene“ Dynast von Xanthos“

Am 21. September 2016 sprach Wilhelm Müseler über Neues aus Lykien: Ddenewele, der „vergessene“ Dynast von Xanthos. In der lykischen Stadt Xanthos befand sich ein bedeutendes Grabmal, das Nereiden-Monument aus dem frühen 4. Jh. v. Chr. Dessen überlieferte Fragmente sind heute in London im British Museum in einer im Jahr 1969 errichteten Rekonstruktion zu sehen. Der Bauherr dieses tempelähnlichen Bauwerkes ist unbekannt. Herr Müseler versuchte im Vortrag, den dafür in Frage kommenden Regenten anhand der vorhandenen Münzfunde zu identifizieren. Bekannt ist' der etwa 410 v. Chr. verstorbene lykische Dynast Kherei. Dessen unmittelbarer Nachfolger war nicht, wie häufig angenommen, der Usurpator Erbinna. Aus Münzfunden kennen wir den Herrscher Ddenewele. Dieser hat nicht nur in Xanthos, sondern auch in Termessos und TIos Münzen recht umfangreich prägen lassen. Vom späteren Usurpator Erbinna gibt es nur relativ wenige Gepräge und alle stammen aus Termessos. Dies weist auf Termessos als Zentrum seiner Herrschaft hin - was wiederum dafür spricht, dass er ein solch bedeutendes Grabmal nicht in Xanthos hätte erbauen lassen. Von Ddenewele wissen wir, dass er um 400 v. Chr. noch regierte; die Invasion des Erbinna erfolgte vermutlich um 395 v. Chr. In den rund 15 Jahren seiner Regierung mit Schwerpunkt in Xanthos hätte er also den Bau des Grabmals durchaus in Auftrag geben können. Die Usurpation des Erbinna unterbrach die Bauarbeiten, sie wurden erst später beendet. Am Bau sind auch heute noch Spuren einer solchen Bauunterbrechung zu erkennen. Im Vortrag wurde also wieder ein Beispiel dafür gegeben, wie die Numismatik bei historischen und archäologischen Fragestellen hilfreich sein kann.

„NOTGELD TUT NOT - Das Notgeld der Stadt Melsungen“

Zu unserem letzten Treffen vor der Sommerpause am 15. Juni 2016 stellte Prof. Dr. Niklot Klüßendorf unter dem Titel „NOTGELD TUT NOT - Das Notgeld der Stadt Melsungen“ seine Arbeiten zum Buch über dieses Thema vor. Die Geschichte des Geldes wie auch von Geldersatzzeichen, was das Notgeld vom Ende des ersten Weltkrieges ja darstellt, ist immer auch im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage und der Politik, besonders auch der Finanzpolitik zu sehen. Intensive Archivarbeit erschließt uns wichtige Informationen über die Hintergründe des Geschehens. Die Stadt Melsungen hatte, wie die meisten Städte Deutschlands, am Ende des ersten Weltkrieges mit vielen Problemen zu kämpfen. Viele Männer waren im Krieg gefallen, es herrschten Hunger und Not. Die reguläre Währung des Reiches schwindet im Wert, der Anspruch auf Einlösung der Geldscheine in Gold ist zum Beginn des Krieges aufgehoben worden. Dazu kommt der Mangel an Kleingeld, da die Münzen entweder gehortet werden (vor allem Silber) oder zur Gewinnung kriegswichtigen Metalls eingezogen wurden. Der Ersatz durch Eisen-, Zink- oder Aluminium-Münzen erfolgt nur unzureichend. Die Stadt Melsungen ist also gezwungen, zur Erfüllung ihrer laufenden Zahlungsverpflichtungen in kleinen Beträgen Papier-Notgeld zu emittieren - gegen Hinterlegung von Sicherheiten bei der Reichsbank wird sie dazu ermächtigt. Die entsprechenden Design-Entwürfe werden von der Firma Lauer in Nürnberg geliefert. Auch um im täglichen Wirtschaftsleben den Mangel an Kleingeld entgegenzuwirken, werden Notgeldscheine emittiert, so z.B. von der Stadtsparkasse. Ab 1918 werden auch größere Markbeträge als Notgeld emittiert, da auch hier ein Mangel eingetreten ist. Nach Beendigung des Krieges werden die umlaufenden Notgeldscheine im Laufe des Jahres 1919 wieder eingezogen. Die Reichsbank übernimmt wieder die Versorgung mit Zahlungsmitteln. Durch die fortschreitende Geldentwertung ist Münzgeld nicht mehr nötig und Papiergeld wird in immer gewaltigeren Mengen gedruckt, da die Inflation das Geld rasch entwertet. Dieses Inflationsgeld ist aber kein lokales Notgeld mehr, sondern es sind Ausgaben der Reichsbank. Erst nach Ende der eigentlichen Notgeldzeit werden zu Sammlungszwecken sehr viele künstlerisch oft qualitätsvolle Serien an „Pseudo"-Notgeld emittiert. Gemeinden, Druckereien und Händler verdienen an diesen Ausgaben viel Geld. Im Zahlungsverkehr waren sie aber nie anzutreffen. Die Stadt Melsungen war beim Handel mit dem Notgeld maßvoll. Es wurden keine speziellen Serien für Sammler hergestellt, nur die Reste des nicht mehr benötigten echten Notgeldes wurden an Händler verkauft.

„Die Münzsammlung im Museum August Kestner“

Am 20. April 2016 sprach die Museums-Kuratorin Dr. Simone Vogt aus Hannover über „Die Münzsammlung im Museum August Kestner“. August Kestner (1777-1853) war Jurist und im diplomatischen Dienst Hannovers lange Jahre in Rom tätig. Dort widmete er sich auch seiner Leidenschaft für die Kunst der Antike, er war u.a. Mitbegründer des späteren Deutschen Archäologischen Instituts. Nach seinem Tod vererbte er seine Sammlung seiner Heimatstadt Hannover. Sie bildete den Grundstock für die Ausstellungen des 1889 eröffneten Kestner-Museums. Zukäufe weiterer Sammlungen erweiterten den Museumsbestand rasch. Der im Krieg beschädigte Museumsaltbau wurde 1958 bis 1961 durch einen Neubau überformt, so dass die alte, denkmalgeschützte Architektur heute als Teil der Ausstellung gelten kann. Teil des umfangreichen Museumsbestandes ist die Münzsammlung mit rund 100.000 Münzen und Medaillen. Das Münzkabinett des Museums wurde im Jahr 2010 geschlossen, es passte in seiner bisherigen Form nicht mehr ins Museumskonzept. Im Rahmen der Dauerausstellung „Antike Kunst“ werden aktuell rund 400 Münzen präsentiert und als Teil von Sonderausstellungen (aktuell „Macht und Ohnmacht“) werden ebenfalls passende Münzen ausgestellt. Die Ausstellungsreihe „Die Jahrhundertmünze“ präsentiert ausgewählte Einzelstücke aus der rund 2.500-jährigen Münzgeschichte. Frau Dr. Vogt zeigte uns einige besonders wichtige Stücke der Sammlung, beginnend bei antiken Münzen wie einem Goldstater Nektanebos II. oder von Tetradrachmen aus der Sammlung Gerhart Hauptmanns. Hervorragende Brakteaten aus dem Mittelalter schlossen sich an, gefolgt von Lösern aus der Renaissance bis hin zu prächtigen Barockmedaillen. Die Arbeit der Kuratorin war in den letzten Jahren vor allem bestimmt durch eine Museums-Inventur und durch die Renovierung des Tresorraumes für die Münzsammlung. Auch die begonnene Digitalisierung der Münzbestände möchte sie weiter vorantreiben, allerdings sind die personellen und finanziellen Möglichkeiten sehr beschränkt. Derweil sollen und müssen Münzen und Medaillen in den wechselnden Sonderausstellungen immer wieder präsentiert werden, um den Wert solcher Objekte auch dem Publikum und den politisch Verantwortlichen sichtbar zu machen. Vielleicht wird es eines Tages auch wieder eine Dauerausstellung mit numismatischen Themen geben.

„Römische Münzporträts auf renaissancezeitlichen Geschützen und Glocken aus Frankfurt am Main“

Am 16. März 2016 stellte Dr. Alexander Reis „Römische Münzporträts auf renaissancezeitlichen Geschützen und Glocken aus Frankfurt am Main“ vor. Einleitend machte der Vortragende auf Details im Mitte des 16. Jhs. verwendeten Architekturschmuck aufmerksam: Neben anderen antiken Formen und Bildern fanden auch römische Kaiserporträts ihren Platz, welche offensichtlich von überlieferten Münzen kopiert wurden. Auch zu Schmuckzwecken wurden römische Münzen verarbeitet, unter anderem als Anhänger, in Tellern oder Schalen. Die Verwendung römischer Münzmotive war also ein Trend der Zeit, aber für Conrad Göbel wurde sie quasi ein „Markenzeichen“. Conrad Göbel (um 1498 bis 1568) war von 1528 bis 1553 Büchsenmeister der Stadt Frankfurt am Main. Seine Geschütze und Glocken zeichnen sich durch einen virtuosen Renaissancestil aus. Von seinen Handwerkskollegen hebt Göbel sich ab durch die Verwendung von Götterdarstellungen und Szenen aus der antiken Mythologie, besonders jedoch von Münzporträts römischer Kaiser. Darüber hinaus wurden die Motive auch dahingehend „aktualisiert“, dass in die Reihe römischer Porträts auch (stilistisch passend) zeitgenössische Renaissance-Porträts eingefügt wurden. Von Conrad Göbel und seinem Sohn Nikolaus sind ein Geschütz und sechs Glocken erhalten, die durch Münzmotive verziert sind: beispielsweise in der evangelischen Kirche von Niedereschbach. An der Schulter und am Schlagrand dieser Glocke befinden sich Porträts von Caligula, Nero, Vespasian, Hadrian und Commodus. Göbel faszinierten diese Darstellungen als authentische Abbilder der Antike, in deren künstlerischer Tradition er sich mit seinen Erzeugnissen sah.

„Bebildertes Metall - Die Münze als Kommunikationsmittel“

Am 17. Februar 2016 sprach Frau Ulrike Michel Wolf aus Frankfurt über „Bebildertes Metall - Die Münze als Kommunikationsmittel“. Gegenstand ihrer aktuell entstehenden Dissertationsarbeit sind die Münzbilder des 5. bis 1. vorchristlichen Jahrhunderts im westlichen Mittelmeerraum. Die Münzen und deren Gestaltung sind Ausdruck eines kulturellen Umfeldes, sie können von politischen und ökonomischen Machtverhältnissen zeugen. Ausgangspunkt der Arbeit war die technische Erfassung der Münzmotive von über 5.000 Münzen des zu untersuchenden geographischen und zeitlichen Raumes. Mit Hilfe verschiedener statistischer Verfahren wurde untersucht, welche markanten Münzbilder in welchen Münzstätten zu unterschiedlichen Zeiten verwendet wurden und ob Verbindungen zu vermuten sind, ob also ein Münzbild „gewandert ist“. Darüber hinaus werden die verwendeten Münzmotive mit den auf anderen Artefakten überlieferten Bildern abgeglichen. Anders als meist in der Forschung üblich, geht Frau Wolf in ihrer Dissertation nicht den Weg, von bekannten geschichtlichen Ereignissen ausgehend ein passendes Münzbild zu finden. Sie versucht mittels ihrer Untersuchungen der Münzbilder nachzuweisen, dass bestimmte Münzbilder der Städte gezielt von anderen übernommen wurden. Erst dann soll ein möglicher geschichtlicher Zusammenhang gefunden werden.

„Mitgliederversammlung 2016“

Am 20. Januar 2016 fand die Jahreshauptversammlung der FNG statt. Wichtigstes Thema war die Neuwahl des Vorstandes. Unser scheidender 1. Vorsitzender Dr. Helmut Schubert, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte, blickte auf seine Amtszeit von 1998 bis 2016 zurück. Traditionsgemäß wurden regelmäßig Vorträge zu numismatischen Themen gehalten und einmal im Jahr führte ein Ausflug zu unterschiedlichen Zielen mit numismatischem Hintergrund. Zur Euroeinführung fand die Ausstellung „12 werden 1 - Ein Geld für Europa“ statt und ein Katalog zur Ausstellung wurde veröffentlicht. Unvergessen bleibt auch die sehr gelungene 100-Jahr-Feier der FNG im Jahr 2006. Trotz eines Rückganges unserer Mitgliederzahl (ein Trend, der auch aus anderen Vereinen bekannt sein dürfte) hat die Frankfurter Numismatische Gesellschaft mit aktuell 65 eine noch beachtliche Größe. Zum Schluss dankte unser scheidender 1. Vorsitzender allen Mitgliedern des Vorstandes und der Gesellschaft für die engagierte Zusammenarbeit. Dr. Berger dankte ihm im Namen der Gesellschaft für sein langjähriges Engagement und überreichte ein Präsent. Auf Vorschlag des neuen 1. Vorsitzenden wurde Dr. Helmut Schubert von der Jahreshauptversammlung zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt.

Der neu gewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Dr. Frank Berger, 2. Vorsitzender Eckehard Gottwald, 1. Schriftführer Lutz Schöne, 2. Schriftführer Walter Weise, Kassenwart Rüdiger Kaiser, Beisitzer Rolf-Bernd Bartel, Horst-Dieter Müller und Joachim Reichel.

 

„Tandem bona causa triumphat - ein Taler von 1567 erzählt“ – „Endlich triumphiert die gute Sache“

„Tandem bona causa triumphat - ein Taler von 1567 erzählt“ – „Endlich triumphiert die gute Sache“. Joachim Töppel aus Frankfurt erklärte uns am 16. Dezember 2015, wer oder was da triumphiert hat. Der erste im Jahr 1567 durch Kurfürst August von Sachsen geschlagene sächsische Gedenktaler soll an die Einnahme der Stadt Gotha und der zugehörigen Burg Grimmenstein erinnern. Neben einer ausführlichen Beschreibung der Münze ließ Herr Töppel vor allem Vorgeschichte und Ablauf der Belagerung Revue passieren. Im 16. Jh. konkurrierten die ernestinischen und die albertinischen Wettiner um die Vorherrschaft in Mitteldeutschland. Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 kämpfte der Albertiner Moritz auf Seiten des Kaisers gegen seine protestantischen Glaubensbrüder unter Führung des ernestinischen Kurfürsten. Nach dem Sieg des Kaisers erhielt Moritz die sächsische Kurwürde übertragen. Sein Nachfolger August von Sachsen konnte nie wirklich sicher sein, sie eines Tages nicht doch wieder an die ernestinische Verwandtschaft zu verlieren... Im Jahr 1563 nahm der Ernestiner Johann Friedrich II. trotz Verbotes durch den Kaiser den geächteten Wilhelm von Grumbach in Gotha auf. Diplomatische Bemühungen zur Auslieferung des Geächteten schlugen fehl. So wurde Kurfürst August beauftragt, die Reichsacht zu vollstrecken. Er belagerte und eroberte 1567 Gotha- und Burg Grimmenstein. Wilhelm von Grumbach und weitere Beteiligte wurden hingerichtet, Herzog Johann Friedrich II. in Haft genommen. Nach dessen Tod wurde seine Herrschaft geteilt; die diversen Nebenlinien der Ernestiner verloren an Bedeutung und August konnte sich nun der Kurwürde sicher sein. In seinen Augen „triumphierte die gute Sache“ - er hatte im kaiserlichen Auftrag die Störer des Landfriedens bestraft und die Kurwürde für sich und seine Nachfolger gesichert!

„Demos und Boule. Lokalpolitik in Kleinasien im Spiegel der Münzen“

2. Dezember 2015, Eligius-Vortrag: Frau Dr. Katharina Martin aus Münster sprach über „Demos und Boule. Lokalpolitik in Kleinasien im Spiegel der Münzen“. In der römischen Provinz Asia gab es neben großen Städten wie Ephesos und Pergamon viele kleinere griechische Städte mit kommunaler Selbstverwaltung und Münzrecht. Während der römischen Kaiserzeit, vor allem im 2. und 3. Jh., wurde dieses Recht umfangreich ausgeübt, viele Städte prägten lokales Kupfer-Kleingeld. Die Münzen zeigten oft klassische römische Bildmotive (z.B. Kaiserporträts), kombiniert mit Abbildungen mit lokalen Bezügen (Gebäude, lokale Götter o.ä.). Es gab aber auch Münzen mit ausschließlich lokalen Themen - in der Nominalkette oft die kleinsten Stücke. Gerade auf diesen Stücken wurde häufiger die aus dem Theater bekannte Personifikation des Volkes gezeigt, „Herr Demos“ mit Bart, Hüftmantel und Stock. Beinahe genauso oft kommt „Frau Boule“ vor, die Personifikation des Stadtrats und Sinnbild für die kommunale Selbstverwaltung. Wann genau und vor allem warum die beiden Motive Demos und Boule (z.T. gemeinsam und interagierend, z.T. auch allein) in das Bildprogramm der Münzen aufgenommen wurden, ist heute kaum noch zu klären. Gerade weil es meist kleine und kleinste Städte waren, gibt es kaum schriftliche Überlieferungen. Ungeklärt auch die Umlauffähigkeit dieses lokalen Geldes: war es nur in der ausgebenden Stadt gültig oder auch in anderen? Die wenigen Fundnachweise reichen nicht für belastbare Thesen.

 

„Die numismatische Sammlung der Deutschen Bundesbank“

Am 18. November sprach Dr. Alexander Ruske aus Frankfurt über „Die numismatische Sammlung der Deutschen Bundesbank“. Während des Ersten Weltkrieges wurden im Rahmen der Aktion „Gold gab ich für Eisen“ auch numismatische Raritäten bei den Sammelstellen abgegeben, welche nicht im Schmelztiegel landeten, sondern bei der Reichsbank gesammelt wurden. Im Jahr 1935 wurde die Abteilung „Sammlung“ gegründet und noch im gleichen Jahr erfolgte eine erste Präsentation für die Öffentlichkeit. In den Jahren bis zum Kriegsende wurde die Sammlung durch Zukäufe laufend erweitert Im Februar 1945 wurden besonders wichtige Bestandteile der Sammlung ausgelagert; diese wurden von den Amerikanern geborgen und nach Wiesbaden gebracht Diese rund 23.000 Münzen und Medaillen bildeten später den Grundstock der Sammlung der Bundesbank. Der größere Teil der Sammlung verblieb bis Kriegsende in Berlin. Die umfangreiche Papiergeldsammlung wurde zunächst in die Sowjetunion verbracht, später aber nach Berlin zurückgegeben. Sie befindet sich heute im Berliner Münzkabinett. Die restlichen rund 150.000 Münzen und Medaillen gelten heute noch als verschollen, befinden sich aber vermutlich in einem Moskauer Museum. Vielleicht bringen hier die nächsten Jahre noch Aufklärung. Die Sammlung der Deutschen Bundesbank wurde laufend erweitert, unter anderem durch Ankauf der Papiergeldsammlung von Keller. Heute umfasst sie rund 90.000 Münzen und Medaillen und 260.000 Geldscheine. Seit 1999 wurde die Sammlung im „Geldmuseum“ einer breiten Öffentlichkeit präsentiert, aktuell wird das Museum umgebaut Das neue Museumskonzept wird voraussichtlich ab Ende 2016 zu begutachten sein.

„Frankfurter Orden und Ehrenzeichen von 1806 bis 1866“

Am 21. Oktober stellte Volker Löbner aus Frankfurt sein Buch „Frankfurter Orden und Ehrenzeichen von 1806 bis 1866“ vor. Durch Napoleon wurde im Jahr 1804 die Ehrenlegion gegründet, ebenfalls im Jahr 1804 stiftete Kaiser Franz II. zwei Orden für Verdienste um Kaiser und Reich für Frankfurter Adelsgesellschaften (Alten-Limpurg und Frauenstein). Karl Theodor von Dalberg, Fürstprimas und Herrscher über das Großherzogtum Frankfurt, stiftete im Jahr 1809 eine Ehrenmedaille für Frankfurter, die an den Feldzügen seines Verbündeten Napoleon in Spanien teilnahmen. Auf die Teilnahme an den Befreiungskriegen 1813 bis 1814 wurden verschiedene Medaillen verliehen; im Juli 1814 wurde durch den Frankfurter Senat eine silberne Kriegsgedenkmedaille für alle Freiwilligen der Stadt und ihres Umfeldes gestiftet, unabhängig von ihrem militärischen Rang. Der noch Anfang 1813 durch von Dalberg gestiftete Concordien-Orden als Zivil- und Militärorden verlor mit dem Untergang der Fürstprimatischen Staaten alsbald seine Bedeutung. Durch Napoleon III. wurden 1857 die noch lebenden Soldaten, welche unter seinem Onkel Napoleon I. für Frankreich gekämpft hatten, mit der St-Helena-Medaille geehrt - eine Ehrung, die auch Frankfurtern zukam. Beim Frankfurter Militär kamen Dienstalterabzeichen für Soldaten in Gebrauch, Orden wurden nicht verliehen. Mit der Besetzung der freien Reichsstadt durch Preußen im Jahre 1866 endete auch die Zeit Frankfurter Orden und Ehrenzeichen.

 

„Die Lateinische Münzunion von 1865 bis 1926“

Am 16. September sprach Karl Heinz Fröhner aus Darmstadt über „Die Lateinische Münzunion von 1865 bis 1926“. Im Jahr 1865 beschlossen Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz, ihre ohnehin sehr ähnlichen Münzsysteme vertraglich anzugleichen. 1868 wurde Griechenland aufgrund politischer Erwägungen (man beachte die Parallele zur Euro-Einführung!) Mitglied der Münzunion. Verhandlungen zu weiteren Beitritten (z. B. England oder Preußen) führten zu keinem Ergebnis, andere Länder schlossen sich den Regelungen an, ohne Mitglied der Union zu werden (wie Spanien, Österreich-Ungarn, Bulgarien). In den 1870er Jahren verbilligte sich das Silber im Verhältnis zum Gold. Dies führte zu vermehrter Silber-Prägung, die Goldmünzen drohten aus dem Umlauf zu verschwinden. Ein neuer Vertrag führte 1885 den Goldstandard ein, Silbermünzen wurden zu Scheidemünzen. Ein noch größeres Problem stellte die umfangreiche Papiergeldemission (vor allem durch Italien und Griechenland) dar, welche zu einer Inflation führte. Die Silber-Kleinmünzen aus diesen beiden Staaten flossen in die nördlichen Mitgliedsländer ab, wo sie bald nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert wurden. Diese Entwicklungen belasteten die Münzunion, die wirtschaftlichen Probleme im Gefolge des ersten Weltkrieges und der Folgejahre führten letztlich zu ihrem Ende im Jahr 1926.

 

Aus der eigenen Sammlung (Kurzvorträge von Mitgliedern

Zu unserem letzten Treffen vor der Sommerpause am 17. Juni 2015 stellten Mitglieder unserer Gesellschaft Stücke aus ihren Sammlungen vor.

Den Anfang machte „Frühe Frankfurter Stadtansichten in Metall“. Im Frankfurter Münzkabinett befindet sich ein recht kleines, in Ebenholz gefasstes und vergoldetes Metallplättchen aus dem Jahr 1611. Dieses zeigt eine Frankfurter Stadtansicht von Süden, im Vordergrund Sachsenhausen und im Hintergrund sind die Berge des Taunus zu sehen. Es gibt noch ein zweites Exemplar mit gleicher Stadtansicht, aber einem breiteren Rand mit Wappen und Elfenbeineinfassung. Die Darstellung der Stadt war wohl eine neue Mode, es existieren z.B. noch eine silberne Schöffenmedaille und zwei Schautaler aus jener Zeit, welche ebenfalls verschiedene Stadtansichten zeigen.

Als zweites wurde ein „Fremder Ptolemaier" vorgestellt. Die fragliche Münze gleicht einem bronzenen Diobol, wie er unter Ptolemaios II. (284-246 v. Chr.) gebräuchlich war. Das vorgestellte Stück aber weist einige stilistische Abweichungen auf, die es nicht als originäre Prägung des Ptolemaios ausweisen. Bisher wurde dieser Münztyp nur an der Ostküste Siziliens gefunden, was den Weg zu seiner möglichen Herkunft weist. Der Syrakuser Herrscher Hieron II. befand sich seit etwa 270 v. Chr. im Krieg mit den Marmertinern, die Messina besetzt hatten und die Römische Republik um Hilfe baten. Hieron seinerseits suchte Unterstützung bei Ptolemaios, der Münzmetall sandte und ihm erlaubte, in einer sizilianischen Münzstätte ptolemäische Münzen zu prägen. Nach dem Seitenwechsel Hierons II. zu den Römern im Jahr 263 v. Chr. endete das Bündnis mit Ptolemaios II., aber es wurden wohl weitere, nun nicht mehr autorisierte ptolemäische Gepräge hergestellt. Vermutlich stammt das vorgestellte Stück aus jener Quelle.

Medaillen im Zusammenhang mit der „Schlacht von Hanau“ waren Gegenstand des nächsten Vortrages. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 stellten sich verbündete bayerische und österreichische Truppen den abziehenden französischen Truppen bei Hanau in den Weg. Die Schlacht bei Hanau am 30. und 31. Oktober endete letztlich mit einem Sieg Napoleons, seinem letzten auf deutschem Boden. Trotzdem wird die Schlacht oft auch im Zusammenhang mit den verschiedenen Siegen der verbündeten Truppen genannt, es gibt Medaillen auf die Schlacht und auf den Oberkommandierenden Carl Philipp von Wrede. Auch ein Gemälde und einige Kupferstiche wurden angefertigt.

Den Abschluss bildeten „Zwei Notgeldschein-Unikate“. Beide stammen aus der Zeit des ersten Weltkriegs bzw. der Folgejahre vor der Inflation aus dem Örtchen Outscheid in der Süd-Eifel im heutigen Landkreis Bitburg-Prüm. Ein 5-Pfennig-Schein der „Kolonialwarenhandlung Theodor Bartheil“ und ein 25-Pfennig-Schein der „Gastwirtschaft Wagner“. Von beiden Geschäften und deren damaligen Betreibern gibt es kaum noch Informationen, auch von den Notgeldscheinen war bisher nichts mehr bekannt. Sie sind wohl Unikate, von denen sich in keinem der bekannten Nachschlagewerke Abbildungen oder Beschreibungen finden.

 

"Die Außenpolitik des Augustus im Spiegel seiner Münzprägung"

Am 20. Mai 2015 sprach Frau Dr. Barbara Simon aus Ludwigshafen über „Die Außenpolitik des Augustus im Spiegel seiner Münzprägung". Nach den Wirren des Bürgerkriegs im Gefolge der Ermordung Caesars versuchte der Sieger Octavian nicht, eine „königsgleiche" Stellung in Rom zu erlangen, sondern er gab die Macht formell an den Senat zurück und stellte so offiziell die alte Republik wieder her. Tatsächlich aber sicherte er sich alle maßgeblichen Machtbefugnisse, vor allem die Kontrolle über die Legionen. Er bekam den Ehrentitel „Au-gustus“ verliehen und in regelmäßiger Folge wurden seine außerordentlichen Vollmachten vom Senat bestätigt. Vor dem Hintergrund dieser regelmäßig wiederkehrenden Bestätigung seiner besonderen Stellung spielten seine militärischen und außenpolitischen Erfolge eine große Rolle. Münzen stellten ein wichtiges Mittel der Information und der Propaganda dar, welches durch Augustus auch intensiv benutzt wurde. Die meisten der auf Münzen dargestellten Ereignisse beziehen sich auf Erfolge im Osten, seltener sind solche Münzen wie die auf die Unterwerfung der spanischen Provinzen. Zum Ende seiner Regierungszeit, als die Macht des Augustus völlig unbestritten war, wurden nur noch wenige Prägungen über seine militärischen und außenpolitischen Erfolge geprägt. Sie waren zur Bestätigung seiner außerordentlichen Machtfülle auch nicht mehr nötig.

 

"Carl von Dalberg (1744-1817) - ein Kirchenfürst in der Zeit des Übergangs"

„Carl von Dalberg (1744-1817) - ein Kirchenfürst in der Zeit des Übergangs" war Gegenstand des Vortrages von Winfried Stein aus Nürnberg am 15. April 2015. Die Dalbergs stellten viele weltliche und kirchliche Würdenträger im Reich. Carl von Dalberg trat im Jahr 1765 in kurmainzische Dienste. Von 1771 bis 1802 war er als Statthalter der Mainzer Erzbischöfe in Erfurt tätig. Als er im Jahr 1800 Fürstbischof von Konstanz und 1802 Erzbischof von Mainz und Bischof von Worms wurde, war die alte Reichsordnung bereits im Untergang begriffen. Die linksrheinischen Gebiete waren verloren, seine Mainzer Residenz seit 1797 von französischen Truppen besetzt. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die alten geistlichen Herrschaftsgebiete aufgelöst. Carl von Dalberg wurde das Bistum Regensburg zusammen mit der Kurwürde und dem Amt des Reichserzkanzlers übertragen. Als Fürstprimas führte er den Rheinbund, er erhielt zusätzlich die Herrschaft über das Fürstentum Aschaffenburg und die Reichsstädte Wetzlar und Frankfurt am Main. Im Jahr 1810 entstand das Großherzogtum Frankfurt unter seiner Herrschaft. Nach der Niederlage Napoleons trat Carl von Dalberg von all seinen Ämtern zurück. Mit der Neuordnung Deutschlands wurden die Fürstprimatischen Staaten aufgelöst und neu aufgeteilt. Dalberg verbrachte seine letzten Lebensjahre in seinem geistlichen Amt als Bischof in Regensburg, wo er im Jahr 1817 verstarb. Seine numismatische Hinterlassenschaft ist vielfältig. Viele Ereignisse seines Lebens wurden durch die Ausgabe von Medaillen begleitet. In den Fürstprimatischen Staaten am Main wurden einige Münztypen geprägt, für das Regensburger Gebiet allerdings nur sehr wenige Repräsentationsstücke, die heute sehr selten sind.

 

"Moderne polnische Medaillen"

 

Am 18. März 2015 führte uns Jacek Strzalkowski in das Thema „Moderne polnische Medaillen" ein. Herr Strzalkowski beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit polnischen Medaillen des 20. Jhs. Gegenstand seines Vortrages waren polnische Medaillen seit etwa 1960. Von einigen polnischen Künstlern wurden neue Wege im Medaillenschaffen beschritten. Neben der klassisch runden Form wurden eckige und unregelmäßige Medaillen geschaffen oder auch Medaillen, die sich aus verschiedenen Stücken zusammensetzen. Sie ähneln damit manchmal mehr Kleinplastiken als der klassischen Medaille. Nicht nur die zu erwartenden „klassischen" Themen wurden behandelt (zeitgeschichtliche Ereignisse, runde Geburtstage von Institutionen und Persönlichkeiten); auch mythologische Themen oder einfach Gefühle und Impressionen der Künstler wurden auf Medaillen festgehalten. Viele der Werke sind sehr selten und finden sich oft nur in polnischen Museen. Seit diese jedoch solche Medaillen aus Geldmangel nicht mehr ankaufen können, fehlen diesem künstlerischen Gebiet die (materiellen) Impulse. Es werden nur noch wenige Medaillen neu erschaffen.

„Albrecht Dürers Reise in die Niederlande (1520–1521)“

Am 18. Februar 2015 sprach Klaus Giesen aus Damme über „Albrecht Dürers Reise in die Niederlande (1520–1521)“. Durch den Tod Kaiser Maximilians im Januar 1519 verlor Albrecht Dürer nicht nur einen wichtigen Auftraggeber, sondern auch einen Mäzen, der ihn mit einer jährlichen Zuwendung von 100 Gulden förderte. Anlässlich der Krönung des neuen Kaisers Karl V. im Herbst 1520 reiste Dürer nach Aachen, um sich sein Privileg erneuern zu lassen. Über diese Reise, welche er mit einer Bildungsreise in die Niederlande verband, führte Dürer Tagebuch. Die finanziellen Aspekte – Ausgaben und Einnahmen während der Reise – sind aus numismatischem Blickwinkel durchaus interessant. Der Vortragende zeigte die Stationen der Reise auf und stellte uns die in den jeweiligen Orten üblichen Zahlungsmittel vor. Beispielhaft wurden Ausgaben, Preise für Waren und Dienstleistungen während der Reise genannt. Ende Juni 1521 kehre Dürer von seiner Reise zurück nach Nürnberg. In der Gesamtrechnung standen letztlich Reisekosten in Höhe von 405 Gulden, denen Einnahmen von 221 Gulden gegenüberstanden. Da er aber aufgrund des neuen Privilegs des Kaisers gleich für drei Jahre Zuwendungen in Höhe von insgesamt 300 Gulden ausgezahlt bekam, hatte sich die Reise finanziell in jedem Fall gelohnt.

 

„Medaillen auf eine besondere Ausstellung – Erinnerung an die Saxonia Numismatica ’89“

Am 17. Dezember 2014 sprach Joachim Töppel über „Medaillen auf eine besondere Ausstellung – Erinnerung an die Saxonia Numismatica ’89“. Im Jahr 1089 wurde der Wettiner Heinrich I. mit der Markgrafschaft Meißen belehnt. In diesem Zusammenhang entstand in Kreisen der sächsischen Numismatik der Plan einer numismatischen Ausstellung zum Thema „900 Jahre Haus Wettin“ – in der DDR ein durchaus ungewöhnliches Vorhaben. Schon bei der Festlegung eines offiziellen Signets wurde lange diskutiert, auch bei einem solchen historisch motivierten Ereignis wurde ein Bezug zur DDR von den politisch Verantwortlichen eingefordert. Die Ausstellung fand im Sommer 1989 auf der Albrechtsburg in Meißen statt, in den zehn Wochen kamen rund 48.000 Besucher. Jede Herrschaftsperiode und wichtige Ereignisse wurden durch Münzen und Medaillen dokumentiert. Beispielhaft war eine Vitrine, die den Dresdner Fürstenzug zeigte und unter den Abgebildeten die jeweils charakteristischen Zahlungsmittel ihrer Zeit zeigten. Die offizielle Ausstellungsmedaille wurde in Böttger-Steinzeug ausgeführt, zum Teil mit Einlagen in verschiedenen Metallen, was eine damals neuartige Technik darstellte. Die Medaillen waren sehr schnell vergriffen, es wurden „Wochenkontingente“ festgelegt, damit auch Besucher am Ende der Ausstellungszeit noch ein solches Erinnerungsstück erwerben konnten. Es gab weitere Medaillen zum Ausstellungsthema, so eine ganze Serie von Pirnaer Medaillen. Mit dem Mauerfall änderten sich die Rahmenbedingungen für die Numismatik massiv. Manche Gruppe löste sich auf, wieder andere gründeten sich als Vereine neu. Im Februar 1990 wurde die Gründung der Sächsischen Numismatischen Gesellschaft vorbereitet und am 23. Juni traditionsbewusst auf der Albrechtsburg in Meißen vollzogen. Peter-Götz Güttler schuf dazu eine Gründungsmedaille.

 

„Das Weltreich der Kushan im Spiegel der Münzen“

Thema unseres Vortrages, am 3. Dezember 2014 gehalten durch Dr. Michael Alram, war „Das Weltreich der Kushan im Spiegel der Münzen“. Die Kushan waren ein Nomadenstamm, der aus Nordwestchina kommend nach Mittelasien eindrang und das hellenistische Königreich Baktrien um 130 v. Chr. eroberte. Die Eroberer übernahmen die in Baktrien vorhandene Verwaltungsstruktur und gaben eigene Münzen heraus, welche die bekannten Münztypen imitierten. Die Könignamen der Kushan sind uns von einer Steintafel bekannt, die 1993 bei Rabatak in Nordafghanistan gefunden wurde. Mit deren Hilfe lassen sich die Münzen dem jeweiligen Herrscher zuordnen. Schon von den ersten Königen sind Münzen überliefert, überwiegend mit griechischer Beschriftung, aber im Münzbild auch mit Anlehnung an römische Vorbilder. Während ursprünglich nur Silber und Bronze vermünzt wurde, begann um 100 n. Chr. eine umfangreiche Goldprägung, Zeichen gewachsenen Wohlstandes im Reich. Das Reich erreichte um 130 n. Chr. seine größte räumliche Ausdehnung. Enge Handelsbeziehungen bestanden bis in den Mittelmeerraum und nach Rom. Die Münzen der Kushan haben Bildprogramme der Griechen einschließlich ihrer Götterdarstellungen übernommen und weiterentwickelt. Auch wurden indische Gottheiten aufgenommen und römische Einflüsse verarbeitet. Innere Streitigkeiten führten zur Schwächung des Reiches, es wurde in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. von indischen und sassanidischen Herrschern erobert und aufgeteilt.

 

„Zur Lokalisierung und Datierung des Denars des Publius Ventidius (Bassus)"

Dr. Florian Haymann aus Dresden sprach am 19. November „Zur Lokalisierung und Datierung des Denars des Publius Ventidius (Bassus)". Publius Ventidius war ein bedeutender Feldherr der späten römischen Republik. Seine steile Karriere verdankte er seiner Nähe zu Gaius Julius Caesar. In den Bürgerkriegen nach dessen Ermordung im Jahr 44 v. Chr. war er Marcus Antonius eine verlässliche Stütze als Feldherr. Im Jahr 40 v. Chr. wurde Ventidius beauftragt, die in Syrien und Kleinasien eingefallenen Parther zu vertreiben. Nach mehreren erfolgreichen Gefechten gelang ihm im Jahr 38 v. Chr. der entscheidende Sieg bei Gindaros. Im November desselben Jahres konnte er in Rom den Triumph über die Parther feiern. Von dem zu betrachtenden Denar des Ventidius (Crawford 531) sind derzeit nur 19 Stücke bekannt, Entstehungsort und -Zeitpunkt sind umstritten. Auf der Vorderseite findet sich ein bärtiger Antoniuskopf, auf der Rückseite eine stehende männliche Gestalt mit eindeutiger Titulatur des Ventidius als Pontifex und Imperator. Letzteres wurde als Hinweis gesehen, dass die Münze im örtlichen und zeitlichen Zusammenhang mit dem Parthersieg stehen könnte. Dagegen spricht der bärtige Antonius, da dieser seinen Trauerbart nach dem Sieg über die Caesar-Mörder in der Schlacht bei Philippi nicht mehr trug. Die meisten Indizien sprechen für eine Entstehung im Jahr 42 v. Chr., entweder wurde die Münze als „Handgeld" für Rekrutierungsmaßnahmen in Mittelitalien geprägt oder in einer Heeresmünzstätte in Gallien. Eher unwahrscheinlich bleibt eine Prägung nach der Schlacht von Philippi Ende 42 v. Chr., also auch eine Prägung im Zusammenhang mit dem Partherfeldzug.

 

Am 15. Oktober 2014 sprach Dr. Frank Berger aus Frankfurt/Main über „Potosi. Auf den Spuren des spanischen Silbers". Ein Bericht dazu wurde bereits im NNB vom Oktober 2014 auf Seite 436 veröffentlicht.

„Wie sich das 1567 geteilte Haus Hessen im 19. und 20. Jahrhundert wieder vereinte"

Am 17. September 2014 schilderte uns Horst-Dieter Müller aus Friedrichsdorf „Wie sich das 1567 geteilte Haus Hessen im 19. und 20. Jahrhundert wieder vereinte". Im Jahr 1567 teilte der Landgraf Philipp der Großmütige die Landgrafschaft Hessen unter seinen vier Söhnen auf, nach 1604 verblieben nur noch die Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Die wechselvolle Geschichte beider Hessen erfuhr ihren Höhepunkt, als im Zuge der Napoleonischen Kriege Hessen-Kassel zum Kurfürstentum und Hessen-Darmstadt zum Großherzogtum erhoben wurden. Im preußisch-österreichischen Krieg von 1866 stand Hessen-Kassel auf österreichischer Seite, Kurfürst Friedrich Wilhelm verlor seine Herrschaft und die meisten persönlichen Güter. Erst nach der Reichsgründung 1871 bekam das Haus Hessen-Kassel einige Besitzungen zurück. Die Darmstädter Linie verlor im Zuge der Revolution von 1918 ihre Herrschaft. Im Jahr 1937 kam bei einem Flugzeugabsturz fast die gesamte Familie ums Leben. Der einzige Überlebende des Unglücks, Landgraf Ludwig, verstarb 1968 kinderlos. Er hatte das Oberhaupt des Hauses Hessen-Kassel, den Landgrafen Moritz, adoptiert und zum Erben bestimmt. So wurde nach 300 Jahren Teilung das Haus Hessen wieder vereint.

„Rappenmünzbund"

 Am 18. Juni 2014 sprach Reinhard Goldschmidt aus Karlsruhe über den „Rappenmünzbund". Im 14. Jh. herrschte am Oberrhein, wie auch in anderen Teilen Deutschlands, ein wahrer Münz-Wirrwarr. Viele minderwertige Pfennige verschiedener Herrschaften erschwerten den Handel. In einem ersten Vertrag 1344 gab es (u. a. durch Basel und Zürich) erste Bemühungen um einen einheitlichen Silbergehalt bei weiterhin unterschiedlichem Aussehen der Münzen. 1377 wurde die Münzkonvention von Schaffhausen geschlossen. Es beteiligten sich rund 80 Städte und Herrschaften am Vertrag, die Münzen blieben bei einheitlichem Feingehalt im Aussehen weiter vielfältig, eine gewisse Münzverwirrung blieb. Nachdem zwischenzeitlich der Feingehalt der Münzen vertraglich abgesenkt wurde, wurde im Februar 1403 der „Rappenmünzbund" geschlossen, der „Rappenpfennig" in der charakteristischen „vierzipfligen" Form wurde zur Bundesmünze. In den Folgejahren kamen weitere Münzsorten hinzu, so ab 1425 die Plapperte und ab 1462 die Vierer. Ab 1498 wurden wegen akuten Kleingeldmangels wieder Stäbler und Rappen geprägt, neue Großsilbermünzen kamen hinzu (Doppelvierer und Groschen). Jahreszahlen tauchen erstmals auf den Münzen auf. Ab 1520 überschwemmten geringhaltige sogenannte „Rollbatzen" das Bundesgebiet, der Feingehalt der Kleinmünzen sinkt. Aus dem Jahr 1542 stammt das Recht, eigene Taler zu prägen. Mit der Reichsmünzordnung von 1559 wird das Ende des Münzbundes eingeleitet. Im Jahr 1564 unterstellen sich die Mitglieder der Reichsmünzordnung, nach welcher Gulden und Kreuzer die zu prägenden Sorten sind. Steigende Silberpreise verursachen Probleme, die Kleinmünzen ordnungsgemäß auszubringen, durch die Reichsmünzordnung hatte der Bund seine Bedeutung verloren. In einem letzten Treffen in Colmar im Jahr 1584 erfolgten eine Endabrechnung und die Auflösung des Rappenmünzbundes.

 

Zu unserem Treffen am 21. Mai 2014 ließen wir eine alte Tradition unserer Gesellschaft wieder aufleben, Mitglieder der Gesellschaft legen Stücke aus ihren Sammlungen vor. Einige Stücke wurden im Rahmen kurzer Vorträge vorgestellt, begleitet von regen numismatischen Diskussionen. Andere wurden zum Betrachten und Bewundern herumgereicht. Die Beteiligten hatten viel Freude daran, so dass eine Wiederholung sehr wahrscheinlich ist.

 

„Die Geldgeschichtliche Sammlung der Kreissparkasse Köln"


„Die Geldgeschichtliche Sammlung der Kreissparkasse Köln"  stellte Norbert Mersch am 16. April 2014 vor. Im Jahr 1935 wurde bei Bauarbeiten auf dem Gelände der Kreissparkasse Köln eine Reihe gut erhaltener römischer Spardosen gefunden. Diese bildeten den Grundstock für eine Sammlung der Sparkasse zu Geld und Geldgeschichte. Bis auf wenige Stücke ging diese Sammlung allerdings im Krieg verloren. Bei der Neueröffnung der Kassenhalle der Kreissparkasse im Jahr 1953 wurde aber bereits wieder eine Ausstellung zu geldgeschichtlichen Themen präsentiert. Bis heute ist die Verbindung von Bankgeschäft und musealer Präsentation zur Geldgeschichte ein besonderes Merkmal der Kölner Kreissparkasse. Die Sammlung umfasst von griechischen und römischen Münzen der Antike alle Jahrhunderte bis hin zu Münzen der Neuzeit, bevorzugt auch Münzen mit lokalem Bezug. In der Sammlung finden sich auch vormünzliche Zahlungsmittel wie keltische Eisenbarren oder kupferne Schmuckringe, ebenso Glasperlen, Kaurimuscheln und Gerätegeld. Wie schon zur Begründung der Sammlung können weiterhin Spardosen aus vielen Jahrhunderten gezeigt werden. Auch Sparbücher und Pläne zum Schulsparen erzählen über die Geschichte des Sparens. In Köln wurden lange Zeit Münzwaagen hergestellt und auch exportiert; so liegt es nahe, dass auch solche Exponate gesammelt werden. Banknoten aus aller Welt und Notgeldscheine sind ebenso vorhanden wie Münzfälschungen aus allen Zeiten. Heute gibt es in 28 Vitrinen eine feste Ausstellung zu den verschiedenen geldgeschichtlichen Themen. In weiteren 8 Vitrinen werden wechselnde Sonderausstellungen unter dem Titel „Das Fenster" präsentiert.

„Albert de Jaeger (1908-1992)"

 Am 19. März 2014 sprach Dr. Joachim Zeitz aus Bad Homburg über „Albert de Jaeger (1908-1992)". Der französische Künstler Albert de Jaeger war sehr vielseitig als Bildhauer, Medailleur, Graveur, Gießer, Architekt und Buchbinder tätig. Er wurde 1908 in Nordfrankreich geboren. Schon in den 1930er Jahren erhielt er für seine Arbeiten Preise, unter anderem gewann er einen dreijährigen Studienaufenthalt in Rom. Seit 1938 bis zu seinem Tod im Jahr 1992 wohnte er am Stadtrand von Paris, wo er Wohnung und Atelier unter einem Dach hatte. Themen seines umfangreichen Medaillenschaffens waren historische Ereignisse und Jubiläen sowie Persönlichkeiten aus Politik und Militär ebenso wie aus Kunst und Wissenschaft. Charles de Gaulle hat er mindestens fünfmal porträtiert. Es gibt von ihm Medaillen auf Eisenhower und John F. Kennedy, ebenso auf Juri Gagarin und auf den französischen Archäologen Roland Martin. Eine von de Jaeger realisierte Medaille auf den Rotary Club brachte ihn in Kontakt zum vortragenden Dr. Zeitz, was zu einer langjährigen persönlichen Beziehung führte. Von den besonderen künstlerischen Elementen im Medaillenschaffen de Jaegers, welche in hohen Reliefs und Randperlen, ausgeprägter Ziselierung, verschiedener Patinierung und intensiver Nutzung von Schriftelementen bestanden, konnten sich die Anwesenden anhand der mitgebrachten Medaillen selbst überzeugen.

„Die Sammlung Dr. Hans Maag"

Am 19. Februar stellte uns Wilhelm Müseler von der Münzhandlung Dr. Busso Peus Nachf. „Die Sammlung Dr. Hans Maag" vor. Ende der 1960er Jahre begann der Zahnarzt Dr. Hans Maag mit dem Sammeln antiker griechischer Münzen. Anfangs tätigte er hauptsächlich Käufe von Sammlerlots auf der Suche nach noch unentdeckten Schätzen. Dabei kamen zum Teil hervorragend erhaltene Stücke und große Seltenheiten in seine Sammlung. Schon bald kaufte er auch schöne Einzelstücke auf Auktionen. So kam im Laufe der Jahre eine beachtliche Sammlung antiker Münzen zusammen. Im Jahr 1996 verlor Dr. Maag bei einem Raubüberfall einen beträchtlichen Teil seiner Münzsammlung, viele wertvolle Einzelstücke gingen ihm verloren. Nach diesem herben Rückschlag machte er sich, auch unter Verwendung der von der Versicherung ausgezahlten finanziellen Entschädigung, tatkräftig an den Neuaufbau seiner Sammlung. Im Jahr 1999 konnte er große Teile einer Sammlung lykischer Münzen ersteigern, in der Folge hat Dr. Maag sich mit hohem zeitlichem und finanziellem Aufwand auf das Sammeln lykischer Münzen konzentriert. Er brachte sein Vermögen in eine Stiftung ein, die sich der Erhaltung seiner verschiedenen Sammlungen widmet, so auch eines sehr umfangreichen Archivs zur regionalen Geschichte seines Heimatortes Bad Nauheim. Da eine museale Präsentation der Münzen umfangreiche bauliche Maßnahmen erfordert hätte und ein ausreichender Versicherungsschutz kaum bezahlbar wäre, entschied die Stiftung, sich von der Münzsammlung zu trennen. So wurde im Jahr 2012 eine der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen lykischer Münzen versteigert. Im Vortrag wurde eine ganze Reihe Silber- und Bronzemünzen gezeigt. Faszinierende Erhaltungen und große Seltenheiten ließen den numismatischen Wert der Sammlung erahnen.

 

Am 15. Januar 2014 fand die Jahreshauptversammlung der Frankfurter Numismatischen Gesellschaft statt. Im Rechenschaftsbericht wurde über die verschiedenen Aktivitäten des vergangenen Jahres berichtet. Der Vorstand wurde neu gewählt, wobei der alte Vorstand praktisch bestätigt wurde: Vorsitzender: Dr. Helmut Schubert, Stellvertreter: Dr. Frank Berger, Kassenwart: Rüdiger Kaiser, Schriftführer: Lutz Schöne, Walter Weise, Beiräte: Eckehard Gottwald und Joachim Reichel.

„Der numismatische Apparat des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom"

Frau Dr. Britta Rabe aus Frankfurt sprach am 18. Dezember 2013 zum Thema „Der numismatische Apparat des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom". Das Deutsche Archäologische Institut in Rom wurde im Jahr 1829 gegründet und zu einer Keimzelle der wissenschaftlichen Archäologie. Heute ist das Institut dem Auswärtigen Amt unterstellt. Es besitzt eine bedeutende Bibliothek mit einer großen Fotosammlung. In Ermangelung ausreichender antiker Originale dienten neben Kupferstichen und anderen Abbildungen auch Abgüsse von Kleinkunstwerken und Münzen schon früh als wichtige Informationsquellen über die Antike. Viele Materialien kamen dabei zum Einsatz: Siegellack, Gips, Schwefel und sogar Baumrinden. Kopien waren leichter und preisgünstiger zu beschaffen als die seltenen Originale. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Paris eine werkstattmäßig betriebene Herstellung von Münzkopien und einen Katalog zur Bestellung der gewünschten Kopien. Die Sammlung des Instituts umfasste letztlich 800 Münzkopien aus gegossenem Schwefel und 300 Metallabgüsse. Dazu kam eine weitere Anzahl aus Siegellack und anderen Materialien. Auch Galvanos, die Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt wurden, gab es in der Sammlung. Ein Teil der Kopien befindet sich heute als Dauerleihgabe in Frankfurt am Main. Leider waren die Stücke unsortiert und nur unzureichend beschrieben und dokumentiert. So sind aus heutiger Sicht wichtige Fragen zu klären: Welche Originale wurden kopiert? Aus welchen Sammlungen stammten die kopierten Originale? Gab es tatsächlich zu jeder Kopie ein entsprechendes Original oder wurden (zufällig oder absichtlich) Stempelkoppelungen hergestellt, die es im Original gar nicht gab? Die Aufarbeitung des Materials wird jedenfalls noch viel Zeit in Anspruch nehmen.

„Die Goldmünzen des Nektanebo"

Thema des durch Dr. Wolfgang Fischer-Bossert gehaltenen Eligius-Vortrages am 4. Dezember 2013 waren „Die Goldmünzen des Nektanebo". Nektanebo II. war der letzte einheimische ägyptische Pharao, der 359-341 v. Chr. regierte, bevor sein Land durch die Perser und später durch Alexander den Großen erobert wurde. Seit etwa 1900 tauchten erst vereinzelt, später auch in Hortfunden Goldstatere auf, die wohl Nektanebo II. zugeschrieben werden können. Sie zeigen auf der Vorderseite ein nach rechts laufendes Pferd und auf der Rückseite ägyptische Hieroglyphen, die am ehesten mit „gutes Gold" zu übersetzen sind. Von Stil und technischer Machart passen die ägyptischen Goldmünzen in das 4. vorchristliche Jahrhundert. Die bekanntgewordenen Fundumstände deuten auf eine Entstehung vor der Zeit Alexanders des Großen hin. Bekannt ist, dass Tachos, der Vorgänger Nektanebos, Goldmünzen schlagen ließ. Er hat Goldstatere mit seinem Namen im Münzbild prägen lassen. So ist es sehr wahrscheinlich, dass die betrachteten Goldmünzen unter Nektanebo II. geprägt wurden, auch wenn sie nicht seinen Namen tragen. Die Goldstatere beider Pharaonen fügen sich im Gewicht ins persische System der Dareiken ein, auch wenn sie vom Aussehen eher griechischen Vorbildern folgen. Wahrscheinlich waren diese Stücke nicht für den ägyptischen Markt gedacht, sondern zur Bezahlung griechischer Söldner Diese wurden in den Auseinandersetzungen der Pharaonen mit den persischen Eroberern eingesetzt und forderten zu ihrer Bezahlung wohl Münzen, deren Bild ihnen vertraut war und die in den persisch dominierten Küstenstrichen des östlichen Mittelmeeres problemlos akzeptiert würden.

 

„Der Schatz der Atocha, auf den Spuren der spanischen Silberflotte von 1622"

„Der Schatz der Atocha, auf den Spuren der spanischen Silberflotte von 1622". Robert Ebenem n von der Degussa führte uns am 13. November zurück in die Zeit der großen spanischen Silbertransporte. Im Jahr 1622 sank vor Florida die schwer beladene „Atocha", eine 1620 gebaute Galeone, in einem schweren Hurrikan. Der amerikanische Schatzsucher Mel Fisher fand nach vielen Rückschlägen im Jahr 1985 das Wrack. Er hob einen sagenhaften Schatz im Gesamtwert von rund 400 Mio. USD. Geborgen wurden hunderte Silberbarren und tausende Silbermünzen. Auch viele Gegenstände aus Gold wurden geborgen. Die meisten Silberbarren sind nummeriert und tragen darüber hinaus viele Stempel und Markierungen. Da heute noch eine komplette Ladungsliste der Atocha existiert, können viele Funde der Atocha genau identifiziert werden, gerade auch die nummerierten Barren.

„Und das soll Geld sein?! Von bronzenen Barren und Brocken im antiken Italien"

Am 16. Oktober sprach Andreas Murgan aus Frankfurt/Main zum Thema „Und das soll Geld sein?! Von bronzenen Barren und Brocken im antiken Italien". Aus der Zeit des beginnenden ersten vorchristlichen Jahrtausends wurden in Italien sogenannte „Aes rude" gefunden, unregelmäßige Kupfer- oder Bronzebrocken, z.T. mit Markierungen versehen. Später wurden auch fladenförmige Barren hergestellt und ab ca. 600 v. Chr. tauchen Bronzebarren mit Mustern und mit figürlichen Darstellungen wie Tieren oder Geräten (Aes Signattun) auf. Die ersten gegossenen Münzen (Aes Grave) sind aus der Zeit um 300 v. Chr. nachgewiesen. Letztere sind ohne Zweifel Zahlungsmittel, nur wie ist es mit den früheren Formen der Bronzebarren? Wichtige Eigenschaften wie einheitliche Maße und Gewichte fehlen ihnen, trotzdem werden sie als Wertgegenstände und begehrte Rohstoffe durchaus für Tauschgeschäfte genutzt worden sein, ebenso als Geschenke oder Opfergaben an die Götter. Archäologische Funde praktisch jeden alten Heiligtums im Umfeld von Rom enthielten Aes Rude, Signatum und Grave. In Hortfunden wurden verschiedene Aes-Formen oft zusammen mit Münzen gefunden. Dies legt den Gedanken nahe, dass diese Bronzebrocken zumindest als geldähnliche Wertgegenstände angesehen und genutzt wurden. Bezeichnend ist, dass in Gegenden mit fortgeschrittenem Geldumlauf, wie z.B. in den griechischen Städten Süditaliens und Siziliens, Funde mit solchen Bronzebarren die Ausnahme darstellen - die Menschen also nicht auf solchen „Geldersatz" zurückgreifen mussten. Am Schluss des Vortrags wurde die Frage „Geld oder nicht Geld?" weiter diskutiert, hier besteht also durchaus noch Forschungsbedarf.

„Kaiser Otto IV. und seine Münzprägung"

Thema des Septembervortrages von Helmut Reiz aus Hannover war „Kaiser Otto IV. und seine Münzprägung". Nach dem unerwarteten Tod des Stauferkaisers Heinrich VI. wurde der Welfe Otto zum deutschen König gewählt. Nach seiner Kaiserkrönung in Rom im Oktober 1209 geriet Otto aufgrund seiner Machtpolitik in Italien in Konflikt mit dem Papst, welcher ihn schon 1210 exkommunizierte. 1211 wurde der Staufer Friedrich zum Gegenkönig gewählt. Otto verlor schnell seine Machtbasis und starb im Jahr 1218 auf der Harzburg. Zu Ottos Zeiten war die allgemein anerkannte Währung der Silberpfennig. In der Ausführung der Münze gab es erhebliche regionale Unterschiede, sowohl im Aussehen als auch im Gewicht. Es war die Zeit der Regionalpfennige mit einzelnen Währungsräumen (z.B. der des Kölner Pfennigs), innerhalb derer sich die Münzen in Aussehen und Gewicht ähnlich waren. Otto ließ sowohl zweiseitige Dünnpfennige als auch einseitige Brakteaten prägen - je nachdem welcher Münztyp im Umfeld seiner Prägestätte gebräuchlich war.

Exkursionen

 

Unser Jahresausflug führte uns am 5. September 2015 nach Oppenheim. Die Stadt am Rhein hat eine lange Geschichte, schon zur Römerzeit gab es hier ein Militärlager. Nach einer Blütezeit im Mittelalter verlor die Stadt an Bedeutung. Sehenswert ist die Stadt heute noch, herausragend dabei die Katharinenkirche, ein bedeutender gotischer Kirchenbau. Die Ruinen der Burg Landskron überragen die Stadt, während sich unter der Stadt das weit verzweigte Kellerlabyrinth erstreckt, welches in Jahrhunderten erschaffen, heute nur zum kleineren Teil erkundet und begehbar ist

 

Unser Jahresausflug führte uns am 20. September 2014 nach Kronberg am Taunus. Hier konnten wir einiges zuvor Gehörtes zur Geschichte des Hauses Hessen-Kassel vertiefen. Victoria, Frau des 99-Tage-Kaisers Friedrich III. und Mutter Kaiser Wilhelms II., nahm ihren Witwensitz im ab 1889 errichteten Schloss Friedrichshof in Kronberg. Nach ihrem Tod im Jahr 1901 vererbte sie ihren Kronberger Besitz ihrer jüngsten Tochter Margarethe, welche mit Friedrich Karl verheiratet war, dem damaligen Oberhaupt des Hauses Hessen-Kassel. Noch heute ist das Schloss im Besitz der „Hessischen Hausstiftung", nunmehr als Hotel betrieben.

Am 7. September 2013 führte uns unser Jahresausflug nach Seligenstadt. Eine Führung durch das Landschaftsmuseum machte uns mit der Geschichte der Einhardsbasilika und der Stadt Seligenstadt bekannt. Die im Museum ausgestellten Münzen gaben uns dabei einen Überblick über die - zugegebenermaßen kurze - Seligenstädter Münzgeschichte. Der anschießende Rundgang durch die Prälatur führte uns durch Wohn- und Repräsentationsräume des Klosters. Die Stadtführung am Nachmittag begann mit einem Besuch des berühmten Klostergartens. Unser Weg führte uns vorbei an der Ruine des Palatiums, einem staufischen Palast am Mainufer, und dem Romanischen Haus - ebenfalls ein Gebäude der Stauferzeit. Am Markt mit dem Blick auf das Einhardshaus - einem Fachwerkbau von 1596 - endete unser Stadtrundgang und mit einem Besuch im „Kleinen Brauhaus" dann unser Ausflug.