Gesellschaft

Vorsitzender:
Dr. Christoph Stadler

28209 Bremen
Parkallee 42
Tel. (0421) 3039395
Fax (0421) 3039564
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Internet: https://www.bng-bremen.de

 



Sitzung:
jeden 1. Dienstag im Monat, ab 18.30 Uhr, Focke-Museum (Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte), Haus Riensberg, 1. Stock, Schwachhauser Heerstr. 240.

Termine

7. November 2017

Dr. Burkhard Traeger:

Die Münzgeschichte des antiken Phliasia, des kleinsten Stadtstaates der Peloponnes

 

im Focke-Museum in Bremen

59. NMT

59. Norddeutsches Münzsammlertreffen in Bremen

Nachlese

Am 23. und 24. Mai 2014 fand in ..Bremen unter dem Motto „navigare necesse est" das 59. Norddeutsche Münzsammlertreffen mit ca. 100 Teilnehmern statt. Die Bremer Numismatische Gesellschaft richtete das Treffen mit Hilfe vieler Helfer aus dem Verein und mit großer logistischer Unterstützung des Bremer Fockemuseums aus. Sowohl im Bremer Rathaus (dort mit Verleihung des Walter-Hävernick-Preises, siehe Extrabericht in diesem NNB) als auch in einem im Parkgelände des Fockemuseums wiederaufgerichteten alten Bauernhaus lief ruhig und entspannt und von den Bremer Freunden immer bestens umsorgt das beachtliche Tagungsprogramm ab (abgedruckt im NNB 4/2014, S. 127 f.). Unter den Gästen war auch der Dresdner Medailleur Peter-Götz Güttler, der in seinem Gepräck die Tagungsmedaille mitbrachte, auf der er Tagungsthema und Ausrichter ins rechte Licht setzte.

 

Auf der Vorderseite ist das Thema „NA-VIGARE NECESSE EST ..." als Umschrift zu lesen, dazu „1661 BREMEN", was darauf hinweist, dass dieses Plutarch-Zitat 1661 bereits ein Bremer Stadttor schmückte. Als weiteren Umschriftteil liest man noch „SEGELSCHIFF RAINBOW-WARRIOR 3". Die Rainbow Warrior III ist das jüngste, erst 2011 in Dienst gestellte Motorsegelschiff der Umweltorganisation Greenpeace. Das hochmoderne Schiff mit Helikopterlandeplatz kann mehrere Monate auf See bleiben. Nach dem Rohbau in Danzig erhielt es den Motor und seine komplexe Ausstattung auf der Fassmer-Werft in Berne-Motzen an der Unterweser, wo es am 4. Juli 2011 erstmals zu Wasser gelassen wurde. Güttler zeigt das Schiff, dessen Einsatz dem Umweltschutz dient, unter vollen Segeln in kräftiger See am Leuchtturm Hohe Weg, mit 36 m das älteste feste Leuchtfeuer am westlichen Fahrwasserrand der Außenweser. Das der Schifffahrt dienende Leuchtfeuer hat Güttler als goldenen Lichtstrahl quer über die Medaille gezogen. Die andere Medaillenseite wird beherrscht von der Flagge der Hansestadt, sie weht vor einer Ansicht der Innenstadt mit dem Markt und seiner wunderschönen Bebauung, darunter angeführt von einer großen „59." in 5 Zeilen NORD-DEUTSCHES / MÜNZSAMMLER-TREFFEN / IN BREMEN / VOM 23.-24.5. / •2014• und als kleinen Umschriftbogen BREMER NUMISMATISCHE GESELLSCHAFT E.V. Im linken Abschnitt befindet sich das Logo der Deutschen Numismatischen Gesellschaft, es erinnert hier durch die umgebenden Buchstaben D N G fast an einen Kompass (durch die Welt der Münzensammler und Münzenforscher), wobei das N eben auch für Norden stehen könnte.

Rainer Albert

 

Programm

 

Freitag 23. Mai 2014

Bremen, Bremer Ratskeller

Empfang und kleiner Umtrunk

 

Festvortrag  Hans Kloft, Wittheit zu Bremen: Pecunia non olet - Von der sinnlichen Dimension des Geldes

 

Verleihung des Walter-Hävernick-Preises durch die Numismatische Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland

 

Abendessen, Buffet mit reicher Auswahl

 

Samstag, 24. Mai 2014

Bremen, Fockemuseum

 

Begrüßung und Eröffnung

 

Bernd Weisser, Staatliche Museen zu Berlin: Priene, eine hellenistische Hafenstadt an der Mäanderbucht in Kleinasien

 

Rainer Albert, Numismatische Gesellschaft Speyer: 31 v. Chr. oder Der Kampf um die Welt

 

   Führung durch das Fockemuseum

 

  Mittagsimbiss im Fockemuseum

 

Manfred Mehl, Verein der Münzfreunde in Hamburg: Prachtvolle Brakteaten und das Problem der Münzverrufung

 

Lutz Ilisch, Universität Tübingen; Forschungsstelle für Islamische Numismatik: Osmanisches Gold im Dreißigjährigen Krieg

 

Ulf Dräger: Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt: Medaillen der Wirtschaft

 

 Abendessen im Restaurant Gödekens

 

Sonntag, 25. Mai 2014

Hafenrundfahrt Es besteht die Möglichkeit an einer Hafenrundfahrt teilzunehmen. Abfahrt am Martinianleger am Schlachte-Ufer.

 

Berichte

Rückblick:

Im Januar 2012 berichtete Frank-Jürgen Hentze, Bremen, über zwei Begriffe in der Numismatik, „Obryzum“ und „Pusulatum“, die ihm beim Besuch des Bode-Museums Berlin auffielen. Beim „Obryzum“ handelt es sich um einen Vorgang der Läuterung des Goldes, beim „Pusulatum“ um einen Vorgang, um den Feingehalt des Silbers zu erhöhen. Mit Hilfe des „Wörterbuchs der Münzkunde“ von Friedrich Freiherr von Schrötter (1930) wurden die genaueren Erläuterungen diskutiert; ebenso die Bedeutung OB und PS auf spätrömischen Münzen.

 

Im Februar sprach Fred Werner, Weyhe, über „Der Niedergang des römischen Münzsystems am Beispiel des Sesterzen“. Der Vortragende zeigte anhand einer Reihe von Beispielen die allmähliche Verschlechterung des Sesterzen zwischen 222 und 260 n. Chr. Münzen diverser Kaiser, Thronfolger und Kaisergattinnen belegen eindrucksvoll die fortlaufende Reduzierung der Münzen von einer 25 g schweren und über 30 mm großen Messingmünze zu einer kaum noch 10 g wiegenden Kupfermünze mit einem Durchmesser von nur noch 25 mm. Die Münzverschlechterung zeigte sich wie folgt: aus den Messingmünzen Dupondius und Sesterz wurden allmählich reine Kupfermünzen; das Gewicht des Sesterzen wurde kontinuierlich verschlechtert; der Denar wurde durch den Doppeldenar (Antoninian) ersetzt und dessen Silbergehalt drastisch reduziert; der Aureus verlor an Gewicht, die Prägung ging insgesamt erheblich zurück. Gleichzeitig ließ die künstlerische Qualität der Prägungen deutlich nach, zierten die frühen Ausgaben noch naturalistische Porträts des jeweiligen Kaisers, so zeigen die späten Prägungen im Grunde schematisierte Abbilder des Herrschers.

 

Dirham der Umayyaden-Dynastie

Dirham der Umayyaden-Dynastie (Postreform). Avers: Innen das islamische Glaubensbekenntnis (Kalima), Umschrift: „Im Namen Allahs, …“ (Bismillah) „geprägt wurde dieser Dirham in Wasit im Jahre drei und neunzig“; Revers: Innen Sure 112 (ein Vers aus dem Koran), Umschrift: Sure 48:29.1 und 9:33

 

Im März gab Christian Bruennlein, Bremen, eine „Einführung in die islamische Numismatik“. Er gab in seinem ersten Vortrag eine fundierte Einführung in sein Sammelgebiet. Natürlich benötigt man zum Verständnis der islamischen Numismatik einige geschichtliche, kulturelle und sprachliche Grundlagen. Die frühen islamischen Münzen orientierten sich noch in Material, Gewicht und Aussehen an den Münzen anderer Reiche und Herrscher. So finden sich islamische Münzen, die auf den ersten Blick sasanidisch oder byzantinisch wirken. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man die arabische Inschrift. Diese Münzen zeigen auch noch bildliche Darstellungen, die nach späterer islamischer Auffassung nicht mehr zulässig sind. Unter dem Kalifen Abd al-Malik fand in den Jahren 77 H-84 H (696-703 n. Chr.) eine Münzreform statt. Ab dieser Zeit finden sich nur noch ,echte‘ islamische Münzen. Diese Postreformmünzen zeigen keine bildlichen Darstellungen mehr. Den so freigeworden Platz füllte man mit Schrift und schuf so einen Münztyp, der bis heute existiert.

 

        Erzbischöflicher Bremer Dreier 1562 AV        Erzbischöflicher Bremer Dreier 1562 REV    

   Erzbischöflicher Bremer Dreier 1562, ohne Münzstättenangabe, Münzmeister Konrad Hundt.

 

 Im April nach der Jahreshauptversammlung stellte Heiko Donau, Bremen, „Kleinmünzen der Braunschweiger Münzgenossen“ vor, Dreier (3-Pfennig-Stücke) der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg. Diese Münzen wurden von 1555 bis 1569 durch den Niedersächsischen Reichskreis emittiert. Besonders interessant war ein Dreier aus dem Jahre 1562, der bei Welter Heinrich dem Jüngeren von Wolfenbüttel zugewiesen ist. Bei der Herstellung der Stempel wurde eine Punze benutzt, die Heiko Donau dem Münzmeister Konrad Hundt zuweist. Da Konrad Hundt zu dieser Zeit nachweislich für den Bremer Erzbischoff tätig war, legt Heiko Donau das Stück nach Bremen. Sollte sich diese Zuweisung durch weitere Belege erhärten, wäre es eine kleine Sensation.