Gesellschaft

Vorsitzender:
Kristian N. Worbs (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Geschäftsstelle:
Staatl. Münzsammlung
Residenzstr. 1
80333 München
Tel. (089) 227221

Internet:
www.bngev.de

 

Sitzungen:
in der Regel jeden 3. Dienstag im Monat im Künstlerhaus oder im Münzkabinett ab 18.00 Uhr.

 

 

 

Bayerische Numismatische Gesellschaft e. V., gegründet 1881

Geschäftsstelle: Staatl. Münzsammlung, Residenzstr. 1, 80333 München, Tel. 089/227221, Internet: www.bngev.de / Vorsitzender: Kristian N. Worbs (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) / Sitzungen in der Regel jeden 3. Dienstag im Monat in der Bibliothek des Staatl. Münzsammlung ab 18 Uhr.

 

Aktuell

 

Die nächste Versammlung findet  am 15. Mai 2018 um 18.15 Uhr in der Bibliothek der Staatlichen Münzsammlung München, Residenzstraße 1, statt.

 

Unser Vorstandsmitglied Wolfram Tillack, München, wird folgenden Vortrag halten:

 

"Alexandria - der holprige Abschied von der Provinzialprägung"    

 

Im Anschluß laden wir Sie zum  numismatischen Gedankenaustausch in unser „Münzbistro“ ein.

 

Wir freuen uns auf angeregte numismatische Gespräche und heissen Gäste wie immer herzlich willkommen.

 

 

Vortragsprogramm

Vortragsprogramm 2018

BNG Vorträge 2018

 

16. Januar 2018

Prof. Dr. phil. Dr. med. Andreas Hillert: Privates Sammeln von Antiken im 20. und 21. Jahrhundert: anachronistisch, destruktiv und/oder zukunftsträchtig?

 

20. Februar 2018

Dr. Hans Christoph von Mosch, München: „Perseus und Andromeda in Ikonion“

 

20. März 2018

Prof. Dr. Stephen Mitchel, „Die makedonische Besiedlung in Kleinasien“

 

17. April 2018

Dr. Ulrich Klein, Stuttgart: „Vom zweiten Triumvirat bis zur Tetrarchie. Römische Provinzialprägungen aus der Münzsammlung der Herzöge von Württemberg-Neuenstadt“

 

15. Mai 2018

Wolfram Tillack, München: „Alexandria – der holprige Abschied von der Provinzialprägung“

 

19. Juni 2018

Prof. Dr. W. Leschhorn, Braunschweig: „Heinrich der Löwe“

 

 

Vortragsprogramm 2017

BNG Vorträge 2017

 

Prof. Dr. Stefan Ritter, München: Bauten auf römischen Münzen: Identifikationsprobleme.

Dr. Hartmut Kreutzer, München: Heroen als Schutzpatrone der Polis - Heldenmythen im Spiegel antiker Münzbilder.

Prof. Dr. Peter Weiß, Kiel: Antinoos' zweites Ende. Der Paradigmenwechsel unter Antoninus Pius auf Münzen von Tarsos.

Frau Dr. Spoerri - Butcher, Research Assistant, Ashmolean Museum, Oxford: Pseudo-autonome Münzen der römischen Kaiserzeit. Ausdruck einer autonomen Politik der kleinasiatischen Städte?

Dr. Margret Nollé, München:  Starke Frauen - Amazonen als Städtegründerinnen in Kleinasien'.

Dr. Claudia Klages, Rheinisches Landesmuseum, Bonn: Die Münzprägung in der Münzstätte Trier zur Zeit der ersten Tetrarchie.

Elke Krengel M.A., Berlin: Das Horn des Elagabal, 20 Years after. Forschungsgeschichte und neues Material.

Dr. Sebastian Steinbach, Universität Osnabrück: Zur stauferzeitlichen (Geld-) Wirtschaft und Münzprägung.

Dr. Ulrike Peter, Berlin: Zur Münzprägung Thrakiens.

Prof. Dr. Bernhard Weisser, Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin: „Auf der Suche nach der Klassik. Johann Joachim Winckelmann und die Numismatik".

 

Vortragsprogramm 2016

BNG Vorträge 2016

 

Dr. Andreas Pangerl, München: Kaiserporträts auf römischen Münzen.

Prof. Dr. Johannes Noll, München: Sagalassos, Münzprägung und Stadtgeschichte.

Dr. Michael Matzke, Kurator Münzkabinett, Historisches Museum Basel: Gefälschte Antike. Die Paduaner oder was ist die Renaissance?

Prof. Dr. Hubert Emmerig, Wien: Geld in der bayerischen Ostmark: von den Römern bis zum Beginn einer eigenen Münzprägung im 12. Jahrhundert.

Leonhard Stopfer, Wien: Forschungen zu den Kroisbacher Prägungen

Alexandra Hylla, München: Die Münzbilder der bayerischen Münzen des Hochmittelalters

Prof. Dr. Peter Franz Mittag, Universität zu Köln, Historisches Institut, Abt. Alte Geschichte: Zu den Medaillons des Antoninus Pius.

Dr. Wolfgang Fischer - Bossert, Wien: Zur Elektronprägung des Phanes.

W. Tillack, München: Die römische Münzstätte Karthago - Spiegelbild des tetrarchischen Herrschaftssystems und Sonderweg.

Dr. Alena Tenchova-Janzik, München: Zur Verbreitung Byzantinischer Münzen vornehmlich des 6. Jahrhunderts in Deutschland.

Dr. Martin Hirsch, München: Die silberne Stadt: Rom im Spiegel seiner Medaillen.

 

Vortragsprogramm 2015

BNG Vorträge 2015

 

Michael Herrmann M.A. , München: Münzprägung der Herzöge von Andechs Meranien 1180-1248.

Dr. Stefan Krmnicek, Tübingen: Nummi loquuntur — Roms sprechende Münzen?

Dr. Hartmut Kreutzer, München: Große Münzkunst im Kleinformat. Syrakusanisches Kleinsilber aus der Zeit der signierenden Künstler.

Prof. Dr. med. Ingo Sobottka, Geesthacht: Infektionen bei römischen Kaisern.

Dr. Wolfgang Becker: Von M. Palatinus zur Pfalz. Die "Pfalz"gepräge -ein Streifzug

Christian Stöss, Frankfurt: Die Münzen des Bistums Mainz.

Dr. Dietrich Klose, München: Von Raubmord, gehortetem Reichtum, einer Liebeserklärung und Kriegsgefangenen: Blicke auf lokale Geldgeschichte am Beispiel Garmisch-Partenkirchen.

Achim Feldmann, BNG: Karl May (1884-1961), Bildhauer und Medailleur in München und Erlangen

Eberhard Friedrich, Dresden: Keramikmedaillen der Manufakturen Meissen, Nymphenburg, etc.

Prof. Dr. Jean Hourmouziadis, Berlin: Geld der Skythen an den Küsten des Schwarzen Meeres (5.-2. Jh. v. Chr.)

Dr. Hans Christoph von Mosch, München: Von Lavinium nach Konstantinopolis. Tierstatuen, Gründungsprodigien und die caesarische Münzprägung

 

Berichte

„Generalversammlung der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft 2017“

Am 21. Februar 2017 fand im großen Bibliothekssaal der Staatlichen Münzsammlung in München die diesjährige Generalversammlung der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft statt. Die gut besuchte Sitzung wurde vom Vorsitzenden, Kristian Nicol Worbs, geleitet, der einen Bericht über die Aktivitäten des Vereins im Jahre 2016 gab. Nach Berichten des Kassenvorstands und der Kassenprüfer wurde der gesamte Vorstand entlastet.

In Rahmen seines Tätigkeitsberichtes stellten der Vorsitzende und Christoph von Mosch den Entwurf einer neuen Medaille des Vereins vor, für die die BNG die international arbeitende und anerkannte Künstlerin Ulla M. Scholl gewinnen konnte. Frau Scholl, die gleichermaßen als Malerin, Graphikerin und Bildhauerin international tätig ist, hat für den Entwurf der Medaille sinnfällig auf eine von ihr geschaffene Bronzeplastik zurückgegriffen, die vor der Filiale der Bundesbank in München steht und den Titel „Balance" trägt. Der weibliche Torso trägt auf seinen Schultern eine an beiden Enden nach unten gekrümmte Stange, die den Betrachter an eine Wasserträgerin erinnert: Unweigerlich denkt man daran, wie schwierig es ist, bei einer schweren Last die „Balance“ zu halten. Auf der Medaille der BNG hat die Künstlerin dieser schönen weiblichen Gestalt noch eine gegenläufige gekrümmte Linie unter ihre Füße gesetzt. Dies verleiht ihr, indem sie sich einer auf der Mondsichel stehenden Madonna annähert, einen Hauch von Transzendenz. Der Vorstand der BNG fand in dieser Medaille Aspekte der gegenwärtigen und auch zukünftigen Aufgaben der Gesellschaft reflektiert, insbesondere jene Schwierigkeit, in einer sich immer schneller wandelnden Welt mit ständig neuen Herausforderungen die Balance zu halten zwischen dem Bewahren guter alter Traditionen und den Zwängen, mit der Zeit zu gehen und neue Entwicklungen in das eigene Handeln zu integrieren. Beides in Harmonie zu bringen und zuhalten, ist eine zentrale Aufgabe einer bedeutenden kulturellen Institution, wie es die BNG ist. Insbesondere ist sie für die Herausgabe der einzigen deutschen wissenschaftlichen numismatischen Zeitschrift mit internationaler Geltung verantwortlich, unterstützt gemäß ihrer Satzung die Veröffentlichung wissenschaftlich wertvoller Publikationen und trägt zum harmonischen Miteinander von Sammlern, Wissenschaftlern und Münzhändlern bei. Gemäß Vorstandsbeschluss wird die Medaille in begrenzter Auflage in Bronze (120 nummerierte Exemplare zum Preis von 60 Euro) und in Silber (50 Exemplare) geprägt. Die Bronzeversion wird zum Verkauf stehen, die silberne Ausführung kann nur auf Vorstandsbeschluss für Verdienste um den Verein verliehen werden.

Einer der Höhepunkte der diesjährigen Generalversammlung war die Berufung von Prof. Dr. Peter-Robert Franke in den Kreis der Ehrenmitglieder der BNG. Anlässlich des 90-jährigen Geburtstags des Geehrten hatte der Vorstand der BNG beschlossen, ihn wegen seiner großen Verdienste um die Numismatik mit dieser selten verliehenen Auszeichnung zu ehren. Prof. Franke ist seit 1988 Mitglied der Gesellschaft. Er war Schüler des bedeutenden Althistorikers Helmut Berve und wurde 1955 an der Universität Erlangen mit einer Dissertation zum Thema »Alt-Epirus und das Königreich der Molosser« promoviert; 1961 habilitierte er sich mit einem grundlegenden Werk über die Münzen von Epirus. Nach beruflichen Stationen an der Münzsammlung in München und als Referent des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen wurde er 1967 auf den althistorischen Lehrstuhl in Saarbrücken berufen, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1994 innehatte. In dieser Zeit hat er viele deutsche und ausländische Schüler an die Numismatik herangeführt und in ihr ausgebildet. 17 Doktorarbeiten hat er betreut, 7 seiner Schüler bekleideten oder bekleiden noch heute Professuren. Professor Franke hat an der Herausgabe der Sylloge Nummorum Graecorum von Aulock mitgewirkt; unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen ist der Prachtband »Die griechische Münze« mit den exzellenten Fotos von Max Hirmer die verbreiteteste und bekannteste.

Nach der Ehrung fand satzungsgemäß die Wahl des Vorstandes für die nächste Amtsperiode statt. Die Generalversammlung konstituierte folgenden Vorstand: Kristian Nicol Worbs als Vorsitzenden, Dr. Dietrich Klose als stellvertretenden Vorsitzenden, Kay Loger als Kassenwart, Prof. Dr. Johannes Nollé als Schriftführer; als Beisitzer Peter Fleige, Dr. Andreas Pangerl, Gerd Jung, Wolfram Tillack und Dr. Christoph von Mosch.

Nach dem Abschluss der Generalversammlung hielt Prof. Dr. Stefan Ritter, Ordinarius der Klassischen Archäologie an der Ludwig Maximilians-Universität München, einen grundlegenden Vortrag über das Thema „Bauten auf römischen Münzen: Identiflkationsprobleme“. Das wissenschaftliche Verdienst dieses Vortrags war es, methodische Klarheit über den Umgang mit Baudarstellungen auf römischen Münzen geschaffen zu haben. Nachdem Prof. Ritter zahlreiche irrige Interpretationsansätze überzeugend zurückgewiesen hatte, zeigte er auf, dass vor der Verwendung derartiger Darstellungen für die Rekonstruktion antiker Bauten zunächst eine - nicht immer einfache - Klassifizierung in drei Klassen vorgenommen werden muss: 1. Gruppe: Baudarstellungen geben die wichtigsten Merkmale eines Baus naturalistisch wieder, soweit das bei der Kleinheit einer Münze möglich ist. In diesem Fall spielt der Bau eine zentrale Rolle. 2. Gruppe: Ein Bau wird nur summarisch oder abstrahiert kondensiert wiedergegeben und oft nur durch eine Legende identifizierbar gemacht. Sehr oft ist es nicht möglich, aus der Darstellung ein reales Bild von dem Bau zu gewinnen. In diesem Fall spielt der Bau nur eine Nebenrolle; meist geht es um die Bauaktivität eines Kaisers. 3. Gruppe: Architekturelemente dienen nur als Hintergrund von anderen Szenerien; es ist kein bestimmter Bau gemeint.

Mit einem Buffet und interessanten Gesprächen aller Teilnehmer miteinander endete die diesjährige Generalversammlung der BNG.

K.N. Worbs, J. Nollé

Vorträge 2015

„Karl May (1884-1961), Bildhauer und Medailleur in München und Erlangen“

Am 15. September 2015 hielt unser Mitglied Achim Feldmann vor 43 Teilnehmern einen lebhaften Vortrag über das Thema „Karl May (1884-1961), Bildhauer und Medailleur in München und Erlangen“. Karl May wurde am 31. Januar 1884 in Frauenaurach geboren und wuchs mit vier Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach seiner Gesellenprüfung und ersten Arbeiten in verschiedenen Ateliers übersiedelte er im Herbst 1908 nach München und begann 1911 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste. Während des Ersten Weltkriegs schuf Karl May einige ovale eiserne Kriegsmedaillen, durch die er bis heute bei Liebhabern der Kriegsmedaillenkunst bekannt ist 1919 verließ er die Akademie und machte sich selbstständig. Besonders wichtig war für ihn die Teilnahme an den Kunstausstellungen im Glaspalast zwischen 1910 und 1931, später dann bis 1943 in der Neuen Pinakothek und im Maximilianeum. Parallel war er auch an den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Haus der Deutschen Kunst zwischen 1938 und 1944 beteiligt. Karl May hat im Laufe seines künstlerischen Wirkens eine große Anzahl kleinplastischer Arbeiten, Reliefs, Schmuck und Medaillen in Stein, Keramik, Porzellan, Majolika und Metall geschaffen. In den 1920er- und 1930er-jahren entstanden mehrere Friedhofsgrabmäler; daneben schuf er eine Reihe von Kriegerdenkmälern, zumeist für die Gemeinden seiner Heimat um Erlangen herum. Da er von Mai 1933 bis April 1945 Mitglied der NSDAP und hierin zwischen 1937 und 1945 Blockleiter der Ortsgruppe Gern gewesen ist, wurde nach dem Krieg ein Verfahren gegen ihn eröffnet, das jedoch schließlich aufgrund einer Amnestie am 1. Juni 1948 eingestellt wurde. Karl May ist am 2. September 1961 gestorben, begraben wurde er auf dem Waldfriedhof in München. Feldmann berichtete in Form eines Fotovortrags, was der Anlass für die Beschäftigung mit dem Künstler gewesen war, seine Vorgehensweise zur Auffindung neuer Fakten und die Arbeit mit dem erhalten gebliebenen Nachlass des Künstlers im Stadtarchiv und im Stadtmuseum Erlangen. Dort ist auch eine Vielzahl von Medaillen vor allem aus der Zeit des Ersten Weltkriegs vorhanden, die mit ihren Totentanzmotiven einen eher nachdenklich-kritischen Ton in das sonst so stark von nationalistisch- propagandistischen Themen beherrschte Feld der deutschen Kriegsmedaillen bringen.

Achim Feldmann

„ Forschungsprojekt zur medialen Kommunikationsebenen von Münzbildern und zugehörigen Legenden“

In seinem Vortrag im Mai 2015 präsentierte Dr. Stefan Krmnicek die ersten vorläufigen Ergebnisse eines Forschungsprojektes, welches die medialen Kommunikationsebenen von Münzbildern und zugehörigen Legenden untersucht. Die Grundlage der Studie beruht auf einer Auswertung der Münzbilder und Legenden von mehreren tausend Fundmünzen des 1. -3. Jhs. aus den germanischen Provinzen. Das Fundaufkommen - als Spiegel des einst zirkulierenden Geldes - weist auf einen überproportional hohen Anteil an Prägungen mit Dativ-Legenden im Umlauf, wobei jene Legenden inhaltlich auf die kaiserlichen virtutes Bezug nehmen. K. argumentiert überzeugend, dass dieses Formular vermutlich in Verbindung zur zeitgenössischen Panegyrik entstanden ist und syntaktisch betrachtet aus Gelübden entwickelt wurde. Damit eröffneten diese Legenden Möglichkeiten einer akustischen Wiedergabe und spielten vermutlich bewusst mit den unterschiedlichen literalen Kompetenzen der Leser, wie im Vergleich mit Erkenntnissen aus der modernen Kognitionspsychologie und unter Hinzuziehung der aktuellen Diskussion zu antiken Lesekulturen (Johnson 2000; 2010; Vatri 2012) aufgezeigt werden kann. Der Vergleich der unterschiedlichen Kommunikationsstränge in Legende und Bild macht deutlich, dass die in der Forschung gängige Fokussierung ausschließlich auf Münzbilder bei der Frage nach der medialen Funktion von Münzen einer Revision bedarf. K.

Exkursion nach Amberg

Am 8. November 2014 führte die Exkursion zusammen mit den Müchner Münzfreunden nach Amberg. Während der Busfahrt gab Dr. Hirsch von der Staatlichen Münzsammlung in München eine städte- und geldgeschichtliche Einführung zum Zielort und seiner seit 1274 belegten Münzstätte. Nach Eintreffen in Amberg und dem Zustoßen weiterer BNG-Mitglieder fand eine Stadtführung statt. Herausragend waren dabei die ungewöhnliche Bauart der Basilika St. Martin und die Schulkirche mit beeindruckender Innenansicht im Rokokostil. Bei herbstlichen Temperaturen und herrlich blauem Himmel ging es vorbei an diversen anderen bemerkenswerten Gebäuden wie der „Alten Veste“, dem kurfürstlichen Schloss und Zeughaus, der Stadtbefestigung und der sog. Stadtbrille, einem Wassertorbau über die Vils. Nach dem Mittagessen stand das Stadtmuseum auf dem Programm, welches auch zwei bedeutende, im Jahr 1992 geborgene Münzschatzfunde mit einem Gesamtgewicht von 35 kg beherbergt. Von solchen Schatzfunden träumend, fuhren die Teilnehmer anschließend zurück nach München.

Zusammenfassungen der Vorträge 2014

„Bärtige Machthaber im Rom des ersten Jahrhunderts v. Chr.“

Am 16. Dezember referierte David Biedermann, M.A. vom Deutschen Institut für Archäologie in Berlin über das Thema „Bärtige Machthaber im Rom des ersten Jahrhunderts v. Chr.“. Bärte sind seit jeher eine Art Instrument der Selbstdarstellung. Trug man in der frühen Antike regelmäßig Bart, so war ab Alexander d. Großen die Rasur üblich. Trotzdem sind auf Münzen immer wieder Herrscher zu beobachten, die bärtig dargestellt werden. Die Literatur ging bisher stets davon aus, dass bärtige Porträts der Antike als Ausdruck einer Trauer gelten. In Münzbeschreibungen ist häufig der Ausdruck „Trauerbart“ zu finden. Anhand der Beispiele von Marcus Junius Brutus, Octavian und Marc Anton wies der Referent nach, dass die Theorie des Trauerbartes bei den Porträts dieser Herrscher nicht haltbar ist. Die Gründe der Darstellung mit Bart sind unterschiedlich: im Falle des Brutus dürfte er Ausdruck von dessen republikanisch freiheitlicher Gesinnung sein, im Falle des Octavian dient der Bart vielleicht der Unterstreichung seiner Jugendlichkeit und im Falle des Marc Anton könnte er als Rachebart interpretiert werden. Der Bart als Attribut vermittelt jedenfalls unterschiedliche Aussagen – die Bildsprache ist nicht eindeutig. Eine Monokausalität ist in keinem Fall gegeben. Nach dem Vortrag wurde die traditionelle Tombola der BNG zum Jahresabschluss durchgeführt. Es konnten zahlreiche, vom Münchner Münzhandel gestiftete Preise verlost werden. Der Abend klang mit einem kleinen Umtrunk und interessanten Gesprächen aus.

 

"Lykische Münzprägung"

Am 18. November erfreute Dr. Wilhelm Müseler von der Fa. Dr. Busso Peuss Nachf. in Frankfurt a.M. mit einem Vortrag zur lykischen Münzprägung. Der Vortragende widmete sich ausführlich den Münzprägungen im Westen der südanatolischen Landschaft Lykien in den letzten drei Jahrzehnten des 5. Jhs. v. Chr. Vor dem Hintergrund des Fehlens einer kohärenten literarischen Überlieferung

zur Geschichte der Region verglich er den sehr umfangreichen numismatischen Befund mit den Aussagen einer Reihe von historisch bedeutsamen Inschriften der fraglichen Zeit aus dem Xanthos-Tal. Im Ergebnis gelangte er zu einigen recht detaillierten Aussagen über die politischen Machtverhältnisse und die inneren Konflikte in Lykien als Ausdruck der Auseinandersetzung zwischen Athenern und Spartanern und der griechisch-persischen Rivalität gegen Ende des großen Peloponnesischen Krieges.

 

„Hannibal und Q. Fabius Maximus - Münzpropaganda zu Beginn des 2. Punischen Krieges"

Am 21. Oktober 2014 trug Dr. Wilhelm Hollstein, Stellvertreter des Direktors und Oberkonservator am Münzkabinett zu Dresden, zum Thema „Hannibal und Q. Fabius Maximus - Münzpropaganda zu Beginn des zweiten Punischen Krieges" vor. Dabei stellte er fest, dass der Fragenkomplex „Verantwortlichkeit für die Auswahl der Münzbilder" sowie „Aktualität der Münzbilder" für die römische Münzprägung des 3. Jhs. v. Chr. von der Forschung bisher weitgehend ausgeblendet wurde. Einerseits wird den Münzbildern keine große Bedeutung zugemessen und lediglich von „public types" gesprochen, andererseits soll aber einigen Konsuln, zumeist bedeutenden politischen Persönlichkeiten, aufgrund ihrer großartigen militärischen Leistungen das Recht zugestanden worden sein, die Themen der Münzbilder vorzugeben. Daher ist grundsätzlich in der frühen römischen Münzprägung des 3. Jhs. v. Chr. mit mehr personengebundener und aktueller Thematik zu rechnen als bisher angenommen. Dr. Hollstein arbeitete in seinen Ausführungen einen weiteren Beleg für diese These heraus. Auffälligerweise spielt auf in Spanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges geprägten karthagischen Münzen sowie auf römischen Bronzemünzen zu Beginn des 2. Punischen Krieges Herakles-Melqart bzw. Herkules eine herausragende Rolle. Schließlich wird die Hercules-Thematik mit Hannibal und Q. Fabius Maximus (Diktator 217) in Bedeutungszusammenhang gebracht und in die historische Situation eingebunden. Ein anspruchsvoller und interessanter Vortrag, der bei zahlreichem Publikum großes Interesse erweckte.

 

„Neugriechische Münzen und Banknoten seit Otto I."

Am 23. September 2014 trug Dr. Herta Schwarz, München, über „Neugriechische Münzen und Banknoten seit Otto I." vor. Nach einer kurzen historischen Einführung, bei der festgestellt wurde, dass Griechenland bis zu seiner Befreiung von den Osmanen in den zwanziger Jahren des 19. Jhs. nie über ein eigenständiges, nationales Staatsgebiet verfügte, wurde ein Überblick über die Chronologie der Münzprägung in der Neuzeit gegeben. Während die Münzen aus der Revolutionszeit Freiheitssymbole wie den dem Feuer entsteigenden Phönix zeigen, unterscheiden sich die Prägungen unter dem Wittelsbacher Otto in Stil und Form kaum von den damals in Europa kursierenden Münzen. Das blieb auch unter seinem Nachfolger Georg I. so. Ausnahmen bildeten die Prägungen während des Balkankrieges 1911/12, die mit ihren Reversdarstellungen mit Bezug auf die griechische Antike propagandistisch Gebietsansprüche manifestierten. In der 2. Republik werden Gebietsansprüche im Rahmen des Krieges gegen die Türkei in ähnlicher Weise durch Bezüge auf die Antike und Wiederholung des Phönix-Themas auf Münzen dargestellt. Während Paul I. weitgehend konservativ prägen ließ, weichen auf dem Revers der Münzen seines Nachfolgers Konstantin II. die anfänglichen Wappendarstellungen wieder dem Phönix. Die sog. „Obristenausgaben" und die Hochzeitsmünze Konstantins bilden bemerkenswerte Ausnahmen. Letztere zeigt mit dem orthodoxen Doppeladler den einzigen numismatischen Bezug auf die für Griechenland so wichtige Orthodoxie. Die Münzmotive der dritten Republik beziehen sich wieder auf Antike und Freiheitskampf. Man blendet ca. 1000 Jahre Geschichte, nämlich die von Byzanz, einfach aus. Ein 100-Drachmen-Stück mit dem Bildnis von Alexander d. Großen dient während der Makedonienkrise Anfang der 1990er Jahre wieder der Propaganda und der Manifestierung von Gebietsansprüchen. Auch die Europrägungen beziehen sich nur auf Antike und Freiheitskampf. Eine wesentliche Klammer des griechischen Volkes, die Orthodoxie, lassen sie einfach aus. So wenden sich diese Münzen genau wie die letzten Prägungen in Drachmenwährung nicht an die eigene Bevölkerung, sondern an Europa, um zu propagieren, wo die Demokratie ihren Ursprung hatte. Leider entspricht das nicht dem Empfinden der griechischen Bevölkerung, die nie eine Vorstellung von einem funktionierenden Staatswesen hatte, dem man verpflichtet war. Auch heute rangieren der Klan, die Familie und die Religion weit vor staatlichen Forderungen. Ein informativer Vortrag mit hoch aktuellem Bezug.

 

„Das Geld mit dem Maximinus seinen letzten Waffengang in Europa bezahlte?"

Am 22. Juli 2014 sprach Wolfram Tillack, Vorstandsmitglied der BNG und engagierter Sammler, über „Das Geld mit dem Maximinus seinen letzten Waffengang in Europa bezahlte?". Das Fragezeichen hinter dem Titel zeigt bereits, dass Herr Tillack mit seinen Ausführungen versuchte, die Frage des Auftraggebers der Münzprägung in der Münzstätte Heracleas zwischen 311 und 314 auf Grundlage neuerer Erkenntnisse neu zu bewerten. Die Münzstätte liegt am Rande Europas genau im geographischen Mittelpunkt der Interessenssphären des Ostens und des Westens und durchlebte somit die Bürgerkriegskämpfe zwischen Maximinus und Licinius in wechselnder Herrschaft. Dabei leistete die Münzstätte einen Beitrag zur Finanzierung der Heere dieser Zeit. Der Referent betrachtete die Zuordnung der selteneren Münzemissionen der angeblichen kurzen Besetzung durch Maximinus in einer Verschmelzung östlicher und westlicher Reversmotive und kam unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Analysemethoden u.a. zu dem Schluss, dass der Londoner Katalog „Roman Imperial Coinage" (RIC) zum betrachteten Zeitraum 25 neue Münztypen aufnehmen und die dort dargestellte Prägeabfolge korrigieren müsste. Ein interessanter und engagierter Vortrag für Kenner der Materie.

"Weinland Kleinasien -Anmerkungen zu Weinanbau und Weinkultur im antiken Kleinasien"

Am 24. Juni 2014 referierte Prof. Dr. Johannes Nollé aus München über das "Weinland Kleinasien -Anmerkungen zu Weinanbau und Weinkultur im antiken Kleinasien". Dass das antike Kleinasien eine der wichtigsten Weinregionen des Mittelmeerraumes war, bezeugen auch viele Münzen, die die dortigen Städte prägten. Diese Münzen geben Auskunft über wichtige Anbaugebiete und Weinexport, über die Verwendung von Wein, z.B. für medizinische Zwecke, über Schädlinge des Weinanbaus, über die gesellschaftliche Rolle, die der Wein und der mit ihm verbundene Dionysoskult in den Städten spielte und über die Rolle des Weins in der Religion. All diese Aspekte untermauerte Prof. Dr. Nolle mit Interpretationen von Darstellungen auf Münzen der antiken Städte Kleinasiens, zitierte aus Texten antiker Schriftsteller und gab Erläuterungen dazu. Ein gekonnt gehaltener, kurzweiliger und fundierter Vortrag!

 

"Frühe Münzprägung der Lyder"

Am 20. Mai 2014 kam der BNG eine ganz besondere Ehre zu. Frau Dr. Ute Wartenberg-Kagan, Direktorin der American Numismatic Society (ANS) aus New York referierte über die frühe Münzprägung der Lyder. Die gebürtige Saarbrückerin beschäftigte sich themeneinführend zunächst mit der Datierung der lydischen Elektronprägungen. Aufgrund von Ausgrabungen und Funden umfasst der chronologische Rahmen dieser Prägungen den Zeitraum von der 2. Hälfte des 7. Jhs. bis zur Mitte des 6. Jhs. v. Chr. Die Lyder gelten daher als die „Erfinder" von in Metall geprägten Zahlungsmitteln. Das Herrschaftsgebiet der Lyder entsprach dem Westen der heutigen Türkei mit einem Kernland um Sardis. Die Münztypen der frühen Prägungen sind vielfältig, wobei drei verschiedene Münzinschriften, deren Zuordnung sich sehr schwierig gestaltet, zu unterscheiden sind. Aufgrund der Tatsache, dass Elektron als natürliche Verbindung von Gold und Silber sehr selten vorkommt, dass in Sardis Reste von Schmelzöfen gefunden wurden, ist davon auszugehen, dass die Lyder über die Fähigkeit verfügten, Metalllegierungen herzustellen. Die Gewichte der Münzen sind sehr präzise, die verwendeten Stempel sind nicht auf bestimmte Nominale begrenzt. Man kann also nicht von einer primitiven Prägung der lydischen. Münzen reden. Die Forschungen zu lydischen Münzen haben sehr viele Fragen aufgeworfen, die mit heutigem Kenntnisstand nicht befriedigend beantwortet werden können.

 

„Augustus, Goethe und die Kuh des Myron. Zur Bedeutung von Kühen und Kälbern in der röm. Staatskunst"

Am 8. April 2014 referierte unser Vorstandsmitglied Dr. Hans-Christoph von Mosch sehr humorvoll und kurzweilig über „Augustus, Goethe und die Kuh des Myron. Zur Bedeutung von Kühen und Kälbern in der römischen Staatskunst". Im Jahr 1812 verfasste Goethe einen Aufsatz über die in zahlreichen antiken Schriftquellen gefeierte Kuh des Myron. Er glaubte, das Meisterwerk in der frühhellenistischen Münzprägung von Dyrrhachion wiedergefunden zu haben. Dort wird eine Kuh dargestellt, die ein Kalb säugt. Heutige Numismatiker glauben, das verlorene Bronzewerk des Athener Bildhauers Myron habe das Vorbild für eine prächtig gestaltete Kuh auf Aurei des Augustus gegeben, die im Jahr 27 v. Chr. geprägt wurden und aktuell zu den teuersten antiken Münzen überhaupt zählen. Unabhängig von der nicht mehr beweisbaren Frage nach dem Vorbild dieser Münzmotive ergab ein Überblick über die Bedeutung von Kühen und Kälbern in der römischen Mythologie und Staatskunst, dass das Motiv als Zeichen für Eroberungen und die Vorherrschaft im „Rinderland" Italia verstanden wurde. Insbesondere im Rückblick auf innerrömi-ehe Konflikte wurde das Kuhmotiv als verstecktes Siegeszeichen und prodigium imperii von Augustus und den Flaviern auf ihren Münzen abgebildet.

 

„Die Münzprägung des Marcus Antonius im Jahr 41"

Am 18. März 2014 setzte das BNG-Mitglied Dr. Florian Haymann aus Dresden die Vortragsreihe mit Themen aus der Antike fort. Mit seinem Vortrag „Die Münzprägung des Marcus Antonius im Jahr 41" zeigte er die Möglichkeit, die Stempelstellung als Kriterium für die Interpretation von Münzen der römischen Republik zu nutzen. Bereits mehrfach konnte anhand der Stempelstellung nachgewiesen werden, dass einige republikanische Münztypen nicht dort geprägt worden sein konnten, wo viele Forscher es vermutet hatten. Besonders fruchtbar ist dabei der Blick auf die Stempelstellung bei den imperatorischen Prägungen aus der Zeit des 2. Triumvirats, deren Lokalisierung kontrovers beurteilt wird. Anhand von Forschungen zu den umfangreichen Münzserien RRC 516 und 517, die Einblick geben in die Verwicklungen des Perusinischen Krieges und das Wirken Marc Antons in Kleinasien, kam der Referent zu dem Ergebnis, dass RRC 517 in zwei verschiedenen, östlich (Ephesos) und westlich gelegenen Prägestätten entstand. Aufgrund der Bildanalyse dieser Prägungen sind auch zwei verschiedene Verwendungszwecke dieser Münzen anzunehmen, und schließlich ist Marc Anton als loyaler Vertragspartner des Octavian anzusehen.

 

„Die Zeichen des Phanes: archaische Münzprägung Kleinasiens"

Am 18. Februar 2014 war zunächst die Generalversammlung der BNG zu bewältigen. Nach erfolgtem Jahresbericht des Vorstandes, Darstellung der Finanz- und Vermögenslage und Bericht der Kassenprüfer erfolgte die Entlastung des Vorstandes. Die in 2014 anstehende Neuwahl des Vorstandes erging sich in der Wiederwahl des alten Vorstandes in seiner grundlegenden personellen Zusammensetzung. Die Zahl der Beisitzer verringerte sich, indem ältere Beisitzer ihr Amt niederlegten und Jüngere sich zur Wahl stellten. Prof. Dr. Kellner wurde zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft gewählt.

Anschließend referierte das alte und neue Vorstandsmitglied Konstantin Olbrich zum Thema „Die Zeichen des Phanes: archaische Münzprägung Kleinasiens". Bei den Phanes-Stateren handelt es sich um sehr seltene Elektron-Statere des 6. Jhs. v. Chr., die einen äsenden Hirsch und die frühesten Schriftzeichen in Altgriechisch (Ich bin das Zeichen des Phanes) aufweisen. Über den Namen Phanes wurde in der Vergangenheit viel spekuliert. Verbirgt sich hinter Phanes ein Tyrann, ein Beamter einer prägenden Stadt, ein Bankier, ein Söldnerführer oder ein Verwalter eines Tempelschatzes? Schließlich wurde auch vermutet, dass mit Phanes die aus dem Ur-Ei entsprungene Gottheit der Theogonie des Orphizismus gemeint sein könnte. Herr Olbrich greift diesen Gedanken auf und entwickelt ihn unter Einbeziehung der Darstellung des Hirschen auf der Münze und mit Rückgriffen auf die griechische und römische Mythologie dergestalt weiter, dass er hinter Phanes keine Person, sondern einen Gott sieht, der durch den Hirsch symbolisiert wird. Diese These hatte eine rege Diskussion zu Folge.

Udo Willkens