Ehrung

Prof. Klaus Kowalski - Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2017

  „Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst” 2017 für Prof. Klaus Kowalski
 
     
  NNB 4/2017  
 

 

Der Hilde-Broёr-Preis 2017 wird an Prof. Klaus Kowalski verliehen. Damit wird ein Künstler geehrt, der in seinem langen Leben den weiten Weg vom Geburtsort Allenstein in Ostpreußen über den Studienort Stuttgart zur Professur für Bildende Kunst in Hannover beschritten hat.

 

Die Medaillenkunst verdankt ihm Arbeiten, die von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Darstellung des menschlichen Körpers im Relief geprägt sind und in denen ein unerschöpfliches Maß sinnlicher Empfindungen zu entdecken ist.


Der Preis an Herrn Kowalski wird am 30. September 2017 im Rahmen des Jahrestreffens der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden übergeben.

Martin Hirsch

 
     

 

 

Konrad Schneider - Saalburgpreis für Geschichts- und Heimatpflege 2016

  Konrad Schneider - Saalburgpreis für Geschichts- und Heimatpflege 2016
 
     
  Personalia NNB 1/2017  
 

Auch nach seiner Pensionierung ist der Archivar, Historiker, und Numismatiker Dr. Konrad Schneider unvermindert publizistisch aktiv. Aktuell widmet sich der vormalige Archivdirektor und stellvertretende Leiter des Instituts für Stadtgeschichte in Frankfurt nicht zuletzt als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Liebenstein-Gesellschaft der Publikation von Münzschatzfunden aus Rheinland-Pfalz (MFRP) in dieser Zeitschrift.

Seine herausragenden Leistungen um lokale Forschungen im Hochtaunuskreis fanden jetzt durch die Verleihung des Saalburgpreises für Geschichts- und Heimatpflege eine sichtbare Anerkennung. Kernpunkt der überfüllten Veranstaltung war die Laudatio des ehemaligen Direktors des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden, Prof. Dr. Klaus Eiler. Schneider hatte u.a bereits 1997 den Eligiuspreis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft gemeinsam mit seinem Jugendfreund und numismatischen Weggefährten Gerd Martin Forneck erhalten. Die Laudatio stellte schon vor 20 Jahren treffend fest, damit werde,,(...) ein Archivar und Historikergeehrt, der aus der Souveränität seines Berufes Numismatik und Geldgeschichte um zahlreiche grundlegende Arbeiten bereichert und bei systematischer Heranziehung schriftlicher Quellen die Rolle des Fachs in der Kulturgeschichte nachhaltig vertreten hat."

Während die inhaltliche Würdigung durch seine weiteren Arbeiten die erwartete Bestätigung fand, wirkt das Adjektiv "zahlreich" im Hinblick auf die Fülle von Schneiders Veröffentlichungen hingegen mittlerweile wie eine maßlose Untertreibung. Frank Berger musste sich schon bei seiner Würdigung zum 65. Geburtstag bei der Publikationsliste aus Platzgründen auf die Monographien beschränken. 2001 folgte der Ehrenpreis der Gesellschaft für internationale Geldgeschichte.

Das mithin gleichermaßen in Qualität und Quantität herausragende sowie stetig wachsende Gesamtwerk Konrad Schneiders hat mit dem Saalburgpreis eine erneute Würdigung gefunden, zu der wir herzlich gratulieren.

Dr. Dr. Axel von Berg Landesarchäologe Rheinland-Pfalz
 
     

 

 

Albert Raff - Von Hessenthal-Preis für Phaleristik 2016

  Albert Raff - Von Hessenthal-Preis für Phaleristik 2016  
     
  Personalia NNB 12/2016  
 

Die Deutsche Gesellschaft für Ordenskunde (DGO) verlieh Albert Raff, dem Vorsitzenden der Eligiuspreis-Jury der DNG, den Von Hessenthal-Preis für Phaleristik, die höchste Auszeichnung der DGO, für seine hervorragenden, eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Phaleristik. In der Laudatio wird besonders die Bearbeitung der württembergischen Orden und Ehrenzeichen von 1797 bis 1933 in den (zusammen mit Ulrich Klein publizierten) Katalogen zu den württembergischen Medaillen hervorgehoben, aber auch auf verschiedene Aufsätze zur württembergischen Ordenskunde hingewiesen. Und zusammenfassend: „In der Summe vertritt Herr Raff als Forscher und Autor somit zwei hilfswissenschaftliche Disziplinen. Zum einen ist er anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der württembergischen Numismatik. Zum anderen ist er mit seinen ordenskundlichen Arbeiten Spezialist für das württembergische Auszeichnungswesen. Damit kann man ihn auch als eine Art Vermittler sehen, der weder ausschließlich Numismatiker, noch lupenreiner Phaleristiker ist.“
 
     

 

 

Prof. Eberhard Linke - Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2015

  „Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst” 2015 für Prof. Eberhard Linke  
     
  NNB 5/2015  
 

 

Am ersten Tag im Frühling 2015 versammelten sich Freunde und Mitglieder der „Stiftung Eberhard & Barbara Linke" und der „Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst" im schönen Pfälzer Weinort Flonheim bei Alzey zu einer besonderen Ehrung. Der seit einem Unfall im Jahre 2013 an den Rollstuhl gefesselte namhafte Bildhauermedailleur Eberhard Linke (geb. 1937, Lauban/ Schlesien) erhielt den mit 2000 Euro dotierten Hilde-Brëer-Preis für Medaillenkunst 2015 für das bisherige Lebenswerk auf dem Gebiet des Medaillenschaffens in seinem dortigen Atelier. Der renommierte Medaillenpreis wird seit 2005 hälftig von der DGMK und der Kulturgemeinschaft Kressbronn am Bodensee vergeben.


Linkes künstlerisches Gesamtschaffen ist in Ausstellungen vielfach gewürdigt worden. Prof. Dr. Dietrich Schubert hat es anlässlich einer Ausstellung 1998 treffend so zusammengefasst: „Eberhard Linke gehört zu den wenigen Künstlern im heutigen figürlichen Expressionismus, bei denen der Klang der Materialstimme, die Inhalte, die Formprozesse und der Ausdrucksgehalt in unauflöslicher Einheit der poetischen Gestalten wirken."

Vor 25 Jahren hat Eberhard Linke mit einer plakettenförmigen Medaille „Versuchte Einheit" eindrucksvoll die damals erregenden Zeitereignisse auf den Punkt gebracht, oder anders ausgedrückt, in eindrucksvoll reliefplastischer Formensprache auf eine Scheibe gebannt. Zwei aus der Anonymität halbkreisförmiger Scheiben herausragende menschliche Körper versuchen mit ihren Armen den Kreis zu schließen. Vision, Wunsch und Wagnis, aber auch Realität zugleich.

Zehn Jahre später schuf der Künstler die Ehrenmedaille zum XXVII. Internationalen Medaillenkongress der FIDEM 2000 in Weimar. Zur harmonisch gebetteten Komposition mit der geschützten Taube kontrastiert die schollenartig kantige, frakturierte Körper assoziierende Bruchfläche der Rückseite, Harmonie und Gefährdung ausdrückend.

Linke hat Skulpturen, Reliefs und Medaillenplaketten in Ton geformt und gebrannt und damit ein Material für sich erschlossen, das ganz am Anfang menschlicher Tätigkeit schon in der Jungsteinzeit stand. Seine Terrakotten in einer archaisch anmutenden Technik der Formung assoziieren eine natürliche, erdverbundene Ursprünglichkeit, wie man sie etwa in einem Steinbruch findet oder beim Berühren von Baumrinde empfindet. Die Medaille wird über ihren thematischen Bezug so zur haptischen Erfahrung.

Linke hat sich durch seinen Unfall künstlerisch nicht aus der Bahn werfen lassen. Die Jahresplakette für 2014 „Weiter rollen“ gibt den Liebhabern der besonderen Ausdruckskunst Eberhard Linkes Hoffnung auf weitere Preziosen in gebranntem Ton.

Wolfgang Steguweit

 
     

 

 

Bernhard Prokisch - Wolfgang Hahn-Medaille für Verdienste um das Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien

  Bernhard Prokisch   
     
  Personalia NNB 3/2015  
 

Am 1. Dezember 2014, dem Tag des Hl. Eligius, bekam Privatdoz. Dr. Bernhard Prokisch die vierte Wolfgang Hahn-Medaille für Verdienste um das Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien" (von Helmut Zobl, 2010) verliehen. Nach einer kurzen Einführung von Hubert Emmerig sprach Wolfgang Szaivert die Laudatio, worauf zwei weitere Laudationes der Studentinnen Hanna-Lisa Karasch und Elisabeth Preisinger folgten. Nach der Überreichung der Medaille ergriff Bernhard Prokisch das Wort und bedankte sich mit einer Rede, in der er u.a. auf die Probleme und Herausforderungen der numismatischen Lehre einging. Bernhard Prokisch war von 1990 bis 1992 Assistent am Institut; in dieser Zeit begründete er das Mitteilungsblatt des Instituts, dessen 50. Ausgabe im Jahr 2015 erscheinen wird. Seit 1992 ist er am Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz beschäftigt, wo er nicht nur die numismatische Sammlung betreut, sondern auch Leiter des Schlossmuseums und Bereichsleiter der Kulturwissenschaften ist. Bereits seit 1986 lehrt Bernhard Prokisch am Institut ohne Unterbrechung bis heute, und zwar neben seiner Tätigkeit in Linz. Im Jahr 2008 erfolgte die Habilitation und die Verleihung der Lehrbefugnis für das Fach Numismatik. In der Reihe der Veröffentlichungen des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte" (VIN) ist Bernhard Prokisch der aktivste Autor: Nach den Grunddaten (1992) erschienen ein Sammlungskatalog des Stiftes Wilhering (1996), drei Bände des Repertoriums zur Neuzeitlichen Münzprägung Europas (1996, 1999, 2004) sowie zwei Monographien zu den Münzen und Medaillen des Deutschen Ordens in der Neuzeit (2006)e und zur österreichischen Raitpfennigprägung (2009). Seit Jahrzehnten trägt Bernhard Prokisch also in Lehre wie Forschung ganz wesentlich zum Profil des Instituts bei, das ihm durch die Verleihung der Medaille seinen Dank abstattete. Anlässlich der Verleihung der Wolfgang Hahn-Medaille wurde ein Sonderheft des Mitteilungsblatts (Nr. 49a) herausgegeben, das unter anderem die Laudationes und ein Schriftenverzeichnis von Bernhard Prokisch enthält. Das Sonderheft kann am Institut bezogen werden und ist auf der Homepage des Instituts online verfügbar (http://numismatik. univie.ac.at/mitteilungsblatt).

Andrea Casoli und Hubert Emmerig

 
     

 

Peter Illisch - Wahl zum Ehrenmitglied der Koninklijk Genootschap voor Munten Penningkunde

  Peter Ilisch
 
     
  Personalia NNB 11/2014  
 

Im Rahmen der Herbstversammlung der Koninklijk Genootschap voor Munten Penningkunde am 27. September 2014 in Middelburg ist Dr. Peter Ilisch zum Ehrenmitglied der Genootschap gewählt worden. In zahlreichen Publikationen und Vorträgen hat Ilisch, seit 1982 Mitglied, wesentliche Grudlagenforschungen zur niederländischen Numismatik des Hochmittelalters geleistet, zuletzt durch seine Neubearbeitung des „Dannenberg" für das südliche Niederlothringen und Aachen, die als Sonderband („100 Special") des Jaarboek voor Munten Penningkunde zur Tagung erschien.

 
     

 

Alexa Küter - Preisträgerin des Walter-Hävernick-Preises 2014

  Verleihung des Walter-Hävernick-Preises 2014  
     
  NNB 07/2014, S. 281 f
 
 

Laudatio für Alexa Küter

Dietrich 0. A. Klose

 

Die Preisträgerin des Jahres 2014 ist Frau Alexa Küter, die für ihre Dissertation mit dem Thema „Die Augusteische Münzmeisterprägung" ausgezeichnet wird. Frau Alexa Küter hat von 1997 bis 2000 in Marburg Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Romanische Philologie (Spanisch) und zwei Semester Medienwissenschaft studiert. Von 2000 bis 2004 setzte sie ihr Studium in Tübingen fort, unterbrochen von einem einjährigen Studienaufenthalt in Spanien. Nach dem Magister begann Frau Küter dann mit der Promotion im Fach Klassische Archäologie, bei Prof. Reinhard Wolters in Tübingen und bei Prof. Thomas Schäfer in Berlin. 2008 war die Arbeit abgeschlossen, im Januar 2009 schloss Frau Küter dann auch das Promotionsverfahren in Tübingen ab - mit Bestnote für Arbeit und Prüfung. So hat sie dafür auch bereits einen Preis bekommen - den „Promotionspreis 2009" der Tübinger Fakultät für Kulturwissenschaften. 2005 bis 2006 war Frau Küter wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem von Prof. Wolters geleiteten numismatischen Projekt „Überprüfung der numismatischen Datierung okkupationszeitlicher Militärkomplexe in Germanien in augusteischer Zeit". 2008 bekam sie im Berliner Münzkabinett einen Werkvertrag zur Erfassung und Dokumentation antiker römischer Bleimarken (tesserae) und augusteischer Münzmeisterprägungen in der interaktiven Datenbank des Münzkabinetts. Von 2009 bis 2012 war Frau Küter im Deutschen Historischen Museum mit der Inventarisierung der numismatischen Sammlung und anderer Bestände beschäftigt, seit Januar 2013 bis Frühjahr 2014 war sie beim Berliner Münzkabinett als wissenschaftliche Angestellte am Projekt „Zeitenwende. Die Parther in augusteischer Zeit" beschäftigt.

Die hier ausgezeichnete Arbeit widmet sich einem historisch besonders interessanten Bereich der Münzprägung des Augustus, den Prägungen im Namen der Münzmeister aus der Münzstätte in Rom. Die Münzprägung in Rom wurde erst eine Reihe von Jahren nach dem Ende des Bürgerkrieges und dem endgültigen Sieg des Octavian/Augustus wieder aufgenommen. Die Prägungen im Namen der Münzmeister umfassen knapp 200 Typen. Angesichts der Chancen, die dieses Material für die Augustusforschung bietet, ist es erstaunlich, dass es bislang noch keine zusammenhängende Analyse erfahren hat. So besteht ein primäres Anliegen von Küters Arbeit darin, die in weiten Teilen ohne numismatische Methodik nur schwer zu erschließenden Bilder historisch und ikonographisch aufzuarbeiten. Grundlegend für die Auswertung der Münzmeisterprägungen ist ihre exakte Datierung. Diese war bislang strittig. Unter Einbeziehung aller Gesichtspunkte datiert Küter diese Prägungen nunmehr in die Jahre von 23 bis 6 v. Chr. und kann auch die Chronologie innerhalb dieser Prägungen revidieren. Die Münzmeisterprägungen greifen die alte, schon anachronistisch gewordene republikanische Prägetradition mit der Nennung der Münzbeamten auf. Küter revidiert die herkömmliche Auffassung, dass die Münzmeister - trotz anfänglicher Werbung für ihre Geschlechter auf ihren Prägungen - im Grunde Handlanger des Princeps waren, die sich schnell auf das Lob des Augustus konzentrierten und auf die Verfolgung eigener Interessen verzichteten. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass die Münzmeisterprägungen administrativ wie inhaltlich stark der republikanischen Praxis verpflichtet waren. Die Magistrate wählten die Motive und Bilder eigenständig aus. Oftmals offen, oftmals aber auch verschlüsselt setzten sie ihre eigene Familie ins Bild.

Eine Prägung, die Frau Küter selbst als besonders auffälliges Beispiel hierfür anführt, sei hier pars pro toto vorgestellt. Es ist der Denar des Münzmeisters L. Cornelius Lentulus von 12. v. Chr., aus dem letzten Jahr der Edelmetallprägungen im Namen der Münzmeister. Auf der Rückseite sehen wir links eine männliche Figur mit Speer in der Linken und einer Victoria auf Globus auf der Rechten. Über ihrem Kopf schwebt ein Stern oder Komet. Rechts neben ihm steht eine Figur in Tunika und Toga, mit Kranz im Haar, die die rechte Hand zum Kopf der anderen Figur bzw. zu dem Gestirn ausstreckt und die Linke auf einen runden Schild mit den Buchstaben C und V stützt. Offensichtlich ist es der Tugendschild, der clipeus virtutis, der dem Octavian zusammen mit dem Augustus-Titel im Jahr 27 v. Chr. vom Senat verliehen worden war. Es handelt sich bei dieser Figur also sicher um Augustus, die andere mit dem Stern über dem Kopf wäre dann sicher der vergöttlichte Julius Caesar. Diese Beschreibung des Münzbildes ist zwar weitgehend unumstritten, die Interpretationen waren jedoch sehr unterschiedlich.

Mit der Datierung ins Jahr 12 v. Chr. ist Küter nun eine überzeugende Einordnung gelungen. Sie bezieht das Stück auf die am 6. März 12 v. Chr. erfolgte Wahl des Augustus zum pontifex maximus. In diesem Kontext erklären sich die Darstellung des Tugendschilds wie von Julius Caesar: Beides weist darauf hin, dass diese Würde dem Augustus doppelt zustand, einmal durch seine Abstammung von Julius Caesar, der ja ebenfalls pontifex maximus gewesen war, und durch seine eigene Tugendhaftigkeit. Augustus war aber erst nach dem Tod des bisherigen pontifex maximus, M. Aemilius Lepidus, zur Annahme dieser Würde bereit gewesen.

Das ist sozusagen die übergeordnete Bedeutungsebene, die auf Augustus Bezug nimmt. Darunter gibt es jedoch noch eine damit verbundene zweite, und die bringt nach alter republikanischer Tradition den Münzmeister selbst und sein Geschlecht ins Spiel. Ganz ungewöhnlich ist, dass er sich nicht nur wie sonst üblich als III vir, eben zur Bezeichnung des Münzmeisteramtes, sondern auch noch als flamen Martialis, als Priester des Mars, bezeichnet. Damit wird die Legende zu einem Mittel der Eigenwerbung für den Münzbeamten. Lentulus parallelisiert hier die Priesterwürde des Augustus mit seiner eigenen. Die höhere

Würde des Princeps wird im Bild ausgedrückt, die niederere des Münzmeisters in der Legende. Zwischen den beiden Priesterämtern muss freilich ein engerer Zusammenhang bestehen. Ein flamen konnte nur vom pontifex maximus ernannt werden, und Lepidus als der letzte Inhaber der Oberpriesterwürde hatte die vergangenen 24 Jahre im Exil in Circeii verbracht und Rom nicht betreten. Der Münzmeister, der in seinem Amtsjahr etwa 25 Jahre alt gewesen sein muss, kann die Priesterwürde also nur von Augustus gleich nach dessen Antritt des Oberpontifikats empfangen haben.

Es bleibt die Frage, warum im Münzbild Augustus nicht eindeutig als Priester charakterisiert wird und das (Handlungs-) Motiv derart statisch und allgemein bleibt. Und hier bietet sich die republikanische Tradition der Familienpropaganda durch die Münzmeister an. Es gibt mehrere republikanische Münzbilder, die als Vorbild für diese Rückseite in Frage kommen, und hierbei findet sich auch ein Denar eines Vorfahren des Münzmeisters, um 100 v. Chr. ausgegeben von P. Cornelius Lentulus Marcellinus. Hier setzt der Genius des römischen Volkes der Göttin Roma einen Kranz auf. Die motivischen Übereinstimmungen sind deutlich. Auf beiden Bildern ist die linke Figur vorwiegend militärisch, die rechte eher zivil charakterisiert. Caesar mit der Siegesgöttin entspricht der Roma in Uniform mit Lanze, Augustus mit Tugendschild dem Genius mit Füllhorn. In beiden Fällen sollen die Attribute vor allem die dargestellten Figuren kenntlich machen, sie besitzen keine Funktion innerhalb der Handlung. Die Münze demonstriert also die bewusste Anknüpfung an die ältere zur Familientradition des Münzbeamten gehörende Münze. Der Denar des L. Cornelius Lentulus zeigt damit ein eigentümliches Spannungsverhältnis zwischen dem Lob des Augustus, das die Münze auf den ersten Blick propagiert, und der eingewobenen Eigen- bzw. Familienwerbung, die die alte republikanische Tradition weiterführen.

Aber auch in der Eigenwerbung ist ja ganz geschickt das Lob des Augustus platziert, verdankte Lentulus doch sein Priesteramt direkt dem Herrscher. Lentulus besaß also einen Grund, um gerade die Wahl des Augustus zum pontifex maximus zu thematisieren: Auf diese Weise konnte er gleichzeitig sein eigenes Priesteramt herausheben und dem Princeps seinen Dank abstatten. Am Beispiel des Lentulus-Denars lässt sich deutlich machen, dass die Münzmeister die Münzbilder sehr individuell gestalten konnten. Mit der Münzmeisterprägung blieb, von Augustus wohl gebilligt oder sogar bewusst gefördert, ein Rest republikanischer Tradition der den Staat repräsentierenden Herrschaft der adeligen Geschlechter erhalten. Die Herrschaft des Augustus war in dieser Zeit noch keineswegs unangreifbar und unangefochten. Auch mit Blick auf das Schicksal Caesars hielt es der Princeps für notwendig, auf die Nobilität zuzugehen und zumindest nach außen hin das Bild einer Wiederherstellung der republikanischen Adelsherrschaft zu vermitteln. Die Münzmeisterprägung war nur ein Teil dieser konsequenten Politik. Augustus verschaffte sich dadurch die Zustimmung zu seiner tatsächlich überragenden Stellung. Die Gewährung von Freiheit (auch in Form der Münzmeisterprägung) diente damit genau ihrem Gegenteil, nämlich der Festigung seiner Herrschaft. Die Rückkehr zur alten Republik war freilich nur vorgeblich. Die Münzmeisterprägung war also ein bewusst eingesetztes politisches Instrument des Augustus zur Absicherung seiner Herrschaft in der Anfangsphase. Und damit wird auch verständlich, warum sie nach 17 Jahren nicht mehr weitergeführt zu werden brauchte und auch später kein Nachfolger Derartiges noch einmal zugestand.

Bei der Vorstellung einer Arbeit von dem Umfang der Dissertation von Frau Küter ließe sich natürlich noch viel mehr berichten. Lassen Sie mich jetzt nur noch einmal zusammenfassen. Frau Küter hat das Thema umfassend aufgearbeitet. Klarer Aufbau, flüssiger Stil, wissenschaftliche Präzision und eine sehr gute Sichtung und Auswertung der Literatur zeichnen ihre Arbeit aus. Die Arbeit ermöglicht es dem Numismatiker, dem Historiker, dem Archäologen, sehr gut in die Problematik und den Diskussionsstand einzudringen sowie verlässliche und präzise Informationen zu erhalten. Sie bringt mit vielen gut nachvollziehbaren, weiterführenden Ergebnissen die wissenschaftliche Numismatik voran und hat für diesen gerade historisch so bedeutenden Teil der römischen Münzprägung am Beginn der Kaiserzeit den Charakter eines Handbuchs.

 

Alexa Küter: Zwischen Republik und Kaiserzeit. Die Münzmeisterprägung unter Augustus (Berliner Numismatische Forschungen, Neue Folge, Band 11). Gebr. Mann-Verlag, Berlin 2014. ISBN 978-3-7861-2708-6, ca. 79,00 € (erscheint Juni 2014).

 
     

 

 

Andreas A. Jähnig - Deutscher Medailleurpreis 2014

  Deutscher Medailleurpreis 2014
 
     
  Kurznachrichten NNB 3/2014  
 

Die Jury für den Deutschen Medailleurpreis tagte am 21. Januar 2014 im Dresdner Münzkabinett. Sie hat die Entscheidung über diesen bedeutenden deutschen Kunstpreis getroffen, der im November 2014 in Suhl vergeben wird.

Zum fünften Mal vergeben die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst und die Stadt Suhl 2014 den Deutschen Medailleurpreis. Die Jury wählte den Medailleurpreis aus dem deutschen FIDEM-Beitrag für Sofia 2014 aus, der am 20. Januar 2014 ebenfalls in Dresden juriert wurde. Zur Jury gehörten u.a. neben den Ständigen Mitgliedern wie dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst (DGMK) Prof. Dr. Bernhard Weisser, dem Oberbürgermeister der Stadt Suhl Dr. Jens Triebel und dem deutschen FIDEM-Delegierten Dr. Rainer Grund diesmal als Vertreter der Künstler Frau Anna Franziska Schwarzbach und als Vertreter der Sammlerschaft Reinhard Laufen an. Die Jury wählte aus insgesamt 100 Arbeiten von 38 Künstlern aus.

Mit großer Mehrheit entschied sich die Jury für die Arbeit „Freiheit im Netz?" von Andreas A. Jähnig.

Andreas A. Jähnig, geboren 1951, studierte an der Bauhochschule in Leipzig und parallel im Abendstudium Bildhauerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 1978-1983 schloss er ein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Karl-Heinz Schamal, Wilfried Fitzenreiter und Jo Jastram an. Seitdem ist er freischaffend als Bildhauer tätig. In dem von der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst und dem nationalen FIDEM-Delegierten ausgelobten Wettbewerb »Passages to Reconstruction« errang der Künstler im Jahr 2007 einen dritten Preis. Jähnig lebt heute als Bildhauer und Medailleur in Baruth.

Die preisgekrönte Arbeit zeigt Menschen in der Aufsicht, die von einem Netz umgeben sind. Mit ihren Händen agieren sie in den Fäden des Netzes. Mit seiner Medaille „Freiheit im Netz?" reflektiert Jähnig die aktuelle Diskussion um die Sicherheit und Freiheit im Internet. Auch ohne den Titel zu kennen, kann jeder Betrachter das Thema schnell erschließen und trotzdem ist das Bild, das Jähnig gefunden hat, voller Tiefe und reich an Assoziationen. Die Preisverleihung findet im November 2014 in Suhl statt
 
   

 

 

Victor Huster - Deutscher Medailleurpreis 2012

  Deutscher Medailleurpreis 2012
 
     
  Deutscher Medailleurpreis wurde erstmals im Bode-Museum Berlin vergeben  
 
Am 6. Oktober 2012 wurde aus Anlass des Deutschen Numismatikertages der Deutsche Medailleurpreis erstmals in der Hauptstadt Berlin vergeben.

Alle zwei Jahre wird aus dem deutschen FIDEM-Beitrag (in diesem Jahr Glasgow) der Deutsche Medailleurpreis juriert. Träger dieses besonderen deutschen Kunstpreises sind die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst und die Stadt Suhl. Der Preis wurde bisher viermal vergeben.

Am 1.12.2011 hatte eine hochkarätige Jury im Münzkabinett Dresden die Auswahl aus 53 Arbeiten von 33 Künstlern getroffen. Mit großer Mehrheit entschied sich die Jury für die beeindruckende Luther-Medaille von Victor Huster. Victor Huster, 1955 in Baden-Baden geboren, durchlief von 1971 bis 1976 Ausbildungen und Studien zu Schmuckdesign, Plastik, Gravur, Goldschmieden, Werkzeugbau und industrieller Prägetechnik. Seit 1976 ist er selbständiger Medailleur mit eigenem Atelier in Baden-Baden. Von 1979 bis 2010 wurden seine Entwürfe 25 mal bei Münz- und Medaillenwettbewerben in Deutschland prämiert. Seine Luther-Medaille entstand für die IARCM (International Association of reformation coins and medals).

Die Preisverleihung fand am Samstag, dem 6. Oktober 2012 um 11 Uhr im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel statt. Die Laudatio hielt Herr Dr. Rainer Albert, Vizepräsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft. In seiner engagierten und kenntnisreichen Rede würdigte Dr. Albert den Preisträger Victor Huster als einen der besten und originellsten Medailleure der Gegenwart.

Der von der Rhön-Rennsteig-Sparkasse mit 2000 € dotierte Preis wurde durch den Oberbürgermeister der Stadt Suhl, Herrn Dr. Jens Triebel, den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst Herrn Dr. Wolfgang Steguweit und den Marketing-Leiter der Rhön-Rennsteig-Sparkasse Herrn Michael Kraus verliehen.

 

 
     

 

Geburtstag

Arnold Schwede zum 80. Geburtstag

  Arnold Schwede  
     
  Personalia NNB 8/2017  
 

 

Am 31. Juli 2017 vollendete Arnold Schwede in Paderborn sein 80. Lebensjahr. Aus Münster stammend, wirkte er als Vermessungsingenieur beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe für den Straßenbau in Ostwestfalen. Als Sammler Paderborner Münzen seit 1978 einer der Mitträger der Paderborner Münzfreunde, hat er seine als Sammler erworbenen Kenntnisse der Öffentlichkeit vermittelt, durch Vorträge ebenso wie durch Publikationen in landesgeschichtlichen Zeitschriften. Seine eigene Sammlung Paderborner Münzen überließ er dem Erzbischöflichen Diözesanmuseum, das damit den Grundstock für eine Dokumentation der bischöflichen Paderborner Münzen legte. Seit 1983 war er als „Münzwart“ Mitglied des Vorstandes des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens Abt. Paderborn e.V. (Altertumsverein) und hat die bedeutende Münzsammlung des Altertumsvereins im Jahre 2000 publiziert.

Bei der Ergänzung und Publikation der bedeutenden Münzsammlung der Volksbank Paderborn wirkte er beratend mit, auch bei der Präsentation der Sammlung in Ausstellungen und Publikationen, so zur Paderborner und Corveyer Münzgeschichte, zu Liborius-Darstellungen auf Münzen und Medaillen sowie zu Medaillen aus dem Paderborner Land.

Nach seiner Pensionierung hat sich Schwede verstärkt der numismatischen Wissenschaft gewidmet und - mit wesentlicher Unterstützung der Paderborner Volksbank, die seine Forschungsreisen an die wichtigsten europäischen Münzkabinette finanzierte - und in Kooperation mit dem Landesnumismatiker Dr. Peter Ilisch das Bild- und Textmanuskript zunächst der Münz- und Geldgeschichte des Fürstbistums Paderborn (2004) und dann der Fürstabtei Corvey (2007) verfasst. Beide umfangreichen Bücher sind als eine aus den Archiven erarbeitete Münz- und Geldgeschichte und eines aus Autopsie aller zugänglichen Stücke in öffentlichen und privaten Sammlungen erarbeiteten Kataloges die Ergebnisse höchst verdienstvoller Grundlagenforschung. Den Werken ist hohe Anerkennung in Rezensionen zuteil geworden; 2007 wurde ihm dafür der „Eligiuspreis“ der Deutschen Numismatischen Gesellschaft verliehen. In den folgenden Jahren sind weitere Grundlagenwerke aus seiner Feder erschienen, zu den neuzeitlichen Münzen der Grafschaft Rietberg (2012), der Stadt Marsberg (2015) sowie der Grafschaft Lippe (2016), wozu Heinrich Ihl den Katalogteil erarbeitete. Fünf teils umfangreiche Bücher - ein wirklich beachtliches Lebenswerk; viele Aufsätze und kleinere Hefte wären hier noch erwähnenswert. Auch im Vorstand des Westfälischen Münzvereins wirkte er als 2. Vorsitzender mit und wurde nach seinem Ausscheiden 2016 zum Ehrenmitglied gewählt. Für sein numismatisches Engagement sei auch hier herzlicher Dank gesagt. Dem Jubilar wünschen wir weiterhin viel Freude an der Numismatik (und auch Schaffensfreude für das eine oder andere kleinere Projekt). Ad multos annos!

Gerd Dethlefs

 
     

 

Silvia Klöde-Hoffmann zum 60. Geburtstag

  Silvia Klöde-Hoffmann  
     
  Personalia NNB 10/2016  
 

 

Die Bildhauerin und Medaillenkünstlerin Silvia Klöde-Hoffmann feiert am 15. Oktober 2016 ihren 60.Geburtstag. Die in Niederau bei Meißen lebende Künstlerin wurde 1956 im brandenburgischen Kleinmachnow geboren.

Nach einer Lehre in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, wo sie 1983 bei Prof. Gerd Jaeger das Diplom als Bildhauerin erwarb. Danach arbeitete sie lange Zeit, bis 2011, an der Meißner Manufaktur in der Abteilung „Neue künstlerische Entwicklung“. Zu den umfangreichen Tätigkeitsfeldern gehörten die Gestaltung von Figuren und Schmuck sowie von plastischen Arbeiten für die Wand und den Raum, die Mitarbeit an Service-Komplexen und nicht zuletzt die Kreation von Medaillen. Im Jahr 2012 vollzog die Künstlerin den Schritt in die Selbständigkeit und ist seitdem mit zunehmendem Erfolg freischaffend tätig.

Innerhalb des Gesamtwerkes von Silvia Klöde-Hoffmann nimmt die keramische Medaille einen beachtlichen Stellenwert ein. Seit Mitte der 1980er Jahre widmet sie sich dieser Sonderform der reliefplastischen Kleinkunst, wohl wissend, dass sie damit in einer Tradition steht, die an der Porzellanmanufaktur Meißen bis Anfang des 18. Jahrhunderts, besonders aber in die Zeit der Weimarer Republik zurückreicht. In den letzten drei Jahrzehnten entstand ein beachtliches Œvre an Medaillen in dunkelbraunem Böttgersteinzeug, Feinsteinzeug mit warmen Brauntönen sowie weißem Biskuitporzellan. Die Künstlerin schätzt die guten Modelliereigenschaften der flüssigen Steinzeugmasse und die Möglichkeiten, durch Flächenpolitur besondere Oberflächenwirkungen zu erzielen. Mit dem Reiz des Materials und der ganz eigenen, unverkennbaren Handschrift, die sich durch Leichtigkeit und Schwung auszeichnet, hat sie bei großer Motivvielfalt mit oder ohne Schrift unkonventionelle Kompositionen im Medaillenrund geschaffen.

Silvia Klöde-Hoffmann ist seit 1993 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst. Von 1990 bis 2014 war sie mit Beiträgen zu Ausstellungen der internationalen Medaillenföderation (FIDEM) vertreten. Auch auf anderen Gebieten ihres Schaffens ist sie vielfach bei Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt, hat auch schon Personalausstellungen präsentiert. Werke der Künstlerin befinden sich in mehreren Museen bzw. Münzsammlungen in Deutschland und im Britischen Museum London. Über die keramische Medaille hinaus hat Silvia Klöde-Hoffmann auch beachtenswerte Entwürfe für Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland geliefert und einige vordere Preise erreicht. Erwähnenswert ist außerdem der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf im Wettbewerb „Arche 2000“ der als Teilnehmermedaille für den 37. FIDEM-Kongress in Weimar in Böttgersteinzeug und als Silberprägung umgesetzt wurde. Der Jubilarin ist anlässlich des runden Geburtstages alles Gute, Gesundheit sowie weiterhin Ideenreichtum und Originalität im Schaffen zu wünschen! Auf Kommendes dürfen Freunde ihrer Kunst gespannt sein.

Rainer Grund

 
     

 

Heinrich Gietl zum 60. Geburtstag

  Heinrich Gietl
 
     
  Personalia NNB 1/2016  
 

 

Numismatik in Deutschland, insbesondere numismatische Publikationen, das ist seit vielen Jahren ganz automatisch mit dem Namen Gietl verbunden. Jetzt mal abgesehen von einer riesigen Zahl monografischer Titel, die im Gietl Verlag erschienen sind, auch die wichtige Standardliteratur ist nach und nach in den Gietl Verlag abgewandert – und dies immer zu ihrem Vorteil, denn anschließend lagen diese Werke in bester Bebilderung and Layout wieder vor. Das gilt für den Jaeger und den Rosenberg, den AIDS, die Weltmünzkataloge. In den numismatischen Landbereichen gibt es den Oswald für die Heraldik und den Nimmergut für die Orden. Dazu traten dann ganz neue numismatische Projekte wie ein Lexikon der Numismatik, die Sachsen-Kataloge und eine Reihe zur römischen und byzantinischen Numismatik sowie Euro-Kataloge. Und dann gibt der Gietl Verlag noch die führenden deutschen Sammlerzeitschriften heraus, die MünzenRevue and Münzen&Sammeln . So weit, so gut.

Aber was bei all den Aufzählungen der erfolgreichen Gietl-Verlagsprojekte nicht fehlen darf, das ist die lapidare Feststellung, dass es das Numismatische Nachrichtenblatt wohl nicht mehr gäbe, wenn 1995 der Verleger Heinrich Gietl in schwierigster Lage nicht das Angebot gemacht hätte, das NNB in seinem Verlag herstellen zu lassen, und zwar ohne dass die Deutsche Numismatische Gesellschaft ihre (Besitz-) Rechte aufgab und ohne jede redaktionelle Einflussnahme des Verlags. Von jetzt auf nachher änderte das NNB sein Gesicht und fand ab der Januar-Nummer 1996 wieder den Anschluss an moderne Zeitschriftengestaltung.

Dafür gebührt Heinrich Gietl großer Dank! Sein 60. Geburtstag im Dezember 2015 ist dafür willkommener Anlass, fällt dieser runde Geburtstag doch auch zusammen mit 20 Jahre NNB in der verlegerischen Betreuung durch den Gietl Verlag.

Peter Götz Güttler hat zum Geburtstag eine Medaille geschaffen, die den erfolgreichen Verleger würdigt. Sein Porträt erscheint auf der Vorderseite zusammen mit der Zeitschrift, die seinen Einstieg in das numismatische Schrifttum begründete. 1986 begann „Der Geldscheinsammler - Zeitschrift für Papiergeld“ im Gietl Verlag zu erscheinen. Sie ist heute Teil der Sammlerzeitschrift „Münzen & Sammeln“, die unter dem Titel „Münzen & Papiergeld“ 1993 von einem Nürnberger Händler aus der Taufe gehoben wurde, schnell dahin dümpelte, darauf 1995 vom Gietl Verlag gekauft und zum Erfolg geführt wurde.

2001 kaufte der Gietl Verlag auch die MünzenRevue, die bis dahin in der Schweiz erscheinende bedeutende Sammlerzeitschrift, und 2005 den Battenberg-Verlag mit seine wichtigen (Münzen-) Sammlerprogramm. Inzwischen sind noch die nicht-numismatischen Verlage Süd-Ost- und MZ-Buchverlag als weitere Standbeine hinzugekommen. Dies alles zeigt Güttler auf der Rückseite seiner Geburtstagsmedaille unter dem neuen Dach „Gietl Verlage“.

Diese Erfolgsstory hatte viele Voraussetzungen, eine sei als vielleicht wichtigste genannt: Heinrich Gietl ist nicht nur ein guter Unternehmer, er ist ein Menschenkenner und Motivator, der mit unglaublicher Beharrlichkeit ein Ziel im Auge behalten kann. Er weiß, dass ein Projekt nichts taugt, wenn man nicht die richtigen Mitstreiter und Mitarbeiter hat - und die hat er immer wieder gefunden und eben motiviert, in langen Telefonaten, im persönlichen Gespräch, beharrlich. An prominentester Stelle ist Josef Roidl zu nennen, den er früh in den Verlag holte und zu seinem Partner machte, der die riesige Arbeitslast mitgetragen hat und nun das operative Geschäft allein übernehmen wird, weil Heinrich Gietl sich zurücknehmen will. Oder andere Ideen hat? Wie auch immer, zuerst herzliche Glückwünsche zum Geburtstag, alles Gute für die Zukunft, was es auch sein soll! Lieber Heiner Gietl, ad multos annos!

 

Rainer Albert

 
     

 

Peter-Hugo Martin zum 70. Geburtstag

  Peter-Hugo Martin
 
     
  Personalia NNB 7/2015  
 

 

Um wirklich glücklich zu sein, braucht man einen Menschen, den man liebt, eine Aufgabe und eine große Hoffnung“, schrieb einmal Ricarda Huch. Zumindest zwei von den drei Kriterien (geliebte Frau und Aufgabe) kann Peter-Hugo Martin an seinem siebzigsten Geburtstag für sich beanspruchen. Peter-Hugo Martin, geb. am 12. Mai 1945 in Potsdam, aufgewachsen in Berlin, ist ein Numismatiker, wie es sie heute nur noch wenige gibt. Er studierte in Frankfurt am Main Alte Geschichte und Numismatik bei Maria R.-Alföldi und Konrad Kraft. Mit Hans Roland Baldus und Angelo Geißen bildete er die „Trias der jungen Wilden“, und man wäre gerne Mäuschen in jener Zeit großer Produktivität im Frankfurter Institut gewesen. Martin promovierte im Wintersemester 1970/71 mit dem Thema „Die anonymen Prägungen des Jahres 68 n. Chr.“ und übernahm direkt anschließend 1971 als Nachfolger von Friedrich Wielandt das Münzkabinett des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Er hat es bis zu seinem Ausscheiden aus dem Museumsdienst 2008 geleitet. In diesen 37 Jahren als numismatischer Einzelkämpfer gelangen ihm einige spektakuläre Neuerwerbungen für das Museum: man denke etwa an die Sammlung Bodenstedt mit einer vollständigen Typenfolge der Elektronmünzen von Phokaia und Mytilene, die Münze auf den Satrapen Pharnabazes, die persische Tetradrachme im Stil der Athener Tetradrachmen (Vs. Athenakopf / Rs. Eule in Dreiviertelansicht) mit dem Kopf des persischen Großkönigs als Beizeichen oder eine seltene siculo-punische Tetradrachme, die er 2005 in der Karlsruher Landesausstellung ‚Hannibal ad portas‘ präsentierte. In dem großen Unternehmen der Mainzer Akademie zur Aufnahme der römischen Fundmünzen in Deutschland (FMRD) hat er am Band Südbaden mitgearbeitet. Die Fundmünzenbestimmung für Baden wurde von ihm durchgeführt. Nicht nur die antike Numismatik bildete seinen Arbeitsschwerpunkt, auch auf dem Gebiet der Gemmenkunde machte er sich einen Namen. Für Karlsruhe konnte er bedeutende Gemmensammlungen erwerben. Auch in die Erforschung von Themen des Mittelalters und in der Neuzeit führten ihn Tätigkeiten und Interessen. Die Sammlung hat er um mittelalterliche Prägungen des südwestdeutschen Raumes erweitert, aber auch um bedeutende Stücke der Renaissance. Dazu gehören etwa ein Siegelabguss mit der Darstellung des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz (1556) und eine Porträtmedaille auf Albrecht Dürer von Hans Schwarz (um 1520). Seit 1972 war Peter-Hugo Martin als Landesvertreter für Baden Mitglied der Numismatischen Kommission der Länder. Peter-Hugo Martin trug wesentlich zur Entstehung der „Gitta-Kastner-Stiftung zur Erforschung der Medaillenkunst in Deutschland ab 1871“ bei. Die ersten Ideen des Initiators Egon Beckenbauer referierte er 1982 der Numismatischen Kommission. Bis heute bildet diese Stiftung die ertragreichste Unterstützung der medaillenkundlichen Forschung durch die Numismatische Kommission der Länder. Martin als Kurator ist auch die erste Ausstellung auf Johannes Henke zu verdanken, die diesen Berliner Medaillenkünstler erstmals einem größeren Publikum vorstellte. Henke schuf in einer von ihm erst spät entwickelten Tiefschnitttechnik 2004 eine sehr treffende Porträtmedaille. Die Ausstellung im Zusammenhang mit der Gitta-Kastner-Stiftung ist nur eine von vielen Ausstellungen, die Peter-Hugo Martin durchführte und an denen er sich mit Texten und Leihgaben beteiligte. An zahlreichen Wettbewerben zur Gestaltung der bundesdeutschen Gedenkmünzen nahm er als numismatischer Gutachter teil. Viele Jahre lehrte er Numismatik an der Universität Heidelberg und war er Präsident der Badischen Gesellschaft für Münzkunde. Privat engagiert sich Martin bis heute für die Numismatik und Sammlerschaft.

 

Nach seiner Pensionierung kehrte Peter-Hugo Martin zusammen mit seiner Ehefrau Heidemarie wieder in seine Heimat Berlin zurück. Das Ehepaar bereut diesen Entschluss, der die Entfernung ins geliebte Frankreich deutlich verlängerte, nicht. Nach einem kurzen numismatischen Sabbatical ließ sich Martin gerne überreden, für fünf Jahre als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin tätig zu werden. Sein genaues Auge und ruhiges Urteil trugen zur Verbesserung unserer Publikationen bei. Großzügig und gelegentlich mit sarkastischem Witz gab und gibt er sein Wissen an uns Mitarbeiter, die Besucher und Studierenden weiter. Eine in Berlin geschriebene Masterarbeit unterstützte er substantiell. Seit Januar 2010 ist er zudem zweiter Vorsitzender der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin. Numismatiker ist man meist lebenslänglich, und es ist keine kühne Prophezeiung, auch Peter-Hugo Martin dieses vorherzusagen. Hierfür wünsche ich Gesundheit, Freude und frohe Schaffenskraft. Kommen wir noch einmal zu Ricarda Huch zurück. Es fehlte ja noch das dritte Kriterium, die Hoffnung. Welche Hoffnung macht einen Numismatiker glücklich? Vielleicht diejenige, dass die numismatische Flamme weiter brennt und lodert? Chairete, Peter-Hugo Martin!

Bernhard Weisser

 
     

 

Lutz Illisch zum 65. Geburtstag

  Lutz Ilisch
 
     
  Personalia NNB 7/2015  
 

 

Dr. Lutz Ilisch, Leiter der Forschungsstelle für Islamische Numismatik am Orientalischen Seminar der Universität Tübingen, vollendet am 2. Juli 2015 sein 65. Lebensjahr. Aufgewachsen in Billerbeck, faszinierten ihn und seinen älteren Bruder Peter schon früh alte Münzen; 1963 war er erstmals Gast der Münzfreunde Münster und seit spätestens 1966 Vereinsmitglied. Als Schüler interessierte er sich schon für arabische Münzen, und nach dem Abitur auf dem Schlaun-Gymnasium in Münster begann er das Studium der Arabistik und Historischen Hilfswissenschaften in Münster. Schüler von Peter Berghaus, hatte er einen Nebenjob bei der Münzenhandlung Holger Dombrowski und betreute dort 1978-1985 als Redakteur die „Münstersche Numismatische Zeitung“; dort veröffentlichte er in Fortsetzungen seine 1979 eingereichte Magisterarbeit „Münzgeschenke und Geschenkmünzen in der mittelalterlichen islamischen Welt“. 1984 folgte die Promotion über „Die Geschichte der Artuqidenherrschaft von Mardin zwischen Mamluken und Mongolen 1260-1410 AD“. Im folgenden Jahr ging er zur Münzen und Medaillen AG nach Basel, bis er 1990 seine Lebensaufgabe fand: Als die Universität Tübingen die Sammlung islamischer Münzen des amerikanischen Sammlers und Händlers Stephen Album erwarb, berief man ihn zu deren Leiter. Ilisch baute in diesen 25 Jahren die Sammlung trotz bescheidener Mittel systematisch aus; zahlreiche Publikationen entstanden. Seit vielen Jahr ein Mitglied der Numismatischen Kommission als Beisitzer für islamische Numismatik, hat er sich u.a. um die Bestimmung islamischer Fundmünzen in Mecklenburg verdient gemacht. Dass er den westfälischen Münzfreunden treu angehört, sei dankbar vermerkt. Wir wünschen ihm viele Jahre wissenschaftlicher „Ernte“!

Gerd Dethlefs

 
     

 

Helmut Kahnt zum 70. Geburtstag

  Helmut Kahnt  
     
  Personalia NNB 3/2015  
 

Der Numismatik-Virus befiel den am 8. März 1945 geborenen Helmut Kahnt schon im Alter von sechs Jahren, da gab es erste Berührungen mit ausländischen Münzen, die ihn erstaunten und seine Neugierde weckten. Das so hervorgerufene Interesse hat dann nie nachgelassen und macht auch aus dem nun 70-Jährigen immer wieder einen strahlenden Jungen, sobald er eine schöne oder interessante Münze oder Medaille sieht oder mit einem numismatischen Problem befasst wird. Es fasziniert ihn nach wie vor, die Geschichte hinter den Münzen und Medaillen zum Sprechen zu bringen. Den Zugang zu einem Münz-Verein fand er erst mit über 30 Jahren. Dadurch wurde aber zugleich das Bestreben gefördert, andere Sammler durch Vorträge und Veröffentlichungen an den eigenen Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Nachdem er in der DDR nicht mehr bleiben wollte, fand er eine neue Heimat in Mannheim und hat sich der Numismatischen Gesellschaft Speyer, deren Mitglied er bis heute ist, und den Münzenfreunden Mannheim-Ludwigshafen angeschlossen, von Februar 1991 bis Februar 1993 war er auch deren Vorsitzender, bis es ihn, unter geänderten politischen Verhältnissen, wieder nach Sachsen zog. Ab 1989 bekam Helmut Kahnt Kontakt zur Zeitschrift „money trend", deren Chefredakteur er dann von 1990 bis 1996 war. In dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Artikel für diese Zeitschrift. 1996 begann die bis heute währende Zusammenarbeit mit dem H. Gietl Verlag in Regenstauf, zuerst mit der Übernahme der Chefredaktion der Zeitschrift „Münzen & Papiergeld" (heute „Münzen & Sammeln"), auch hier veröffentlichte er zahlreiche Beiträge und ist immer noch der Chefredakteur. Nachdem der Gietl Verlag die Zeitschrift „MünzenRevue" übernommen hatte, war er von 2000 bis 2002 auch deren Chefredakteur. Zudem ist er Initiator der Reihe der „Sachsen-Kataloge" des Gietl Verlags. Aus seinen Buch- und Katalogveröffentlichungen hier eine Auswahl:

• 1986 Lexikon alte Maße, Münzen und Gewichte

• 2005 Das große Münzlexikon von A bis Z

• 2005 Mitarbeit am Katalog „Die sächsisch-albertinischen Münzen von 1547 bis 1611" (zusammen mit Claus Keilitz)

• 2006 Katalog „Die sächsisch-albertinischen Münzen von 1611 bis 1694" (zusammen mit Wieland Clauß)

• 2009 Katalog „Die Münzen Augusts des Starken 1694 - 1733"

• 2010 Mitarbeit an der 2. Auflage des Katalogs „Die sächsischen Münzen 1500 - 1547" (zusammen mit Claus Keilitz)

• 2010 Katalog „Die Münzen Friedrich Augusts II. von Sachsen/ Polen 1733 - 1763"

• 2014 Katalog „Die sächsischen Münzen 1763 - 1827"

• Bearbeiter des „Jaeger" von der 15. bis zur 20. Auflage

• Bearbeiter der 16. Auflage des Weltmünzkatalogs 19. Jahrhundert

Rainer Albert

 
     

 

Helmut König zum 80. Geburtstag

  Helmut König  
     
  Personalia NNB 11/2014  
 
Anlässlich des 80. Geburtstages von Helmut König am 1. Oktober 2014 überbrachte Hans-Jürgen Gromzig dem Jubilar die Glückwünsche des Freundeskreises Thüringer Münz- und Medaillen-ammler und überreichte ihm eine eigens zu diesem Anlass geschaffene Medaille. Die Prägung übernahm Ralf Exner, Inhaber der I. Dresdner Medaillenmünze Glaser & Sohn GmbH, der nach einer Vorlage von Hans-Jürgen Gromzig auch den Vorderseitenstempel geschnitten hat. Im Lorbeerkranz steht unter einer Krone der Name des Jubilars mit der Jahresangabe LXXX, darunter das Datum des Geburtstages. Die Krone steht symbolisch für das bekannte Signet der Prägeanstalt Helmut König in Zella-Mehlis, wobei die acht Fleurons Medaillen für die acht Lebensjahrzehnte des Medailleurs stehen sollen. Der Rückseitenstempel mit dem Signet des Freundeskreises Thüringer Münz- und Medaillensammler stammt vom Jubilar selbst. Zum alljährlich stattfindenden Stammtisch gibt der Freundeskreis seit 2006 anlassbezogene Medaillen heraus. Dank umfangreicher Publikationen von Arist Engler () über die Prägungen von Helmut König - die früher themenbezogenen Kataloge konnte Engler bis zu seinem viel zu frühen Tod durch Spezialkataloge über Kulturbundmedaillen ergänzen - sowie durch jüngst von Konrad Dienel herausgegebene Editionen sind „Königmedaillen" heute ein beliebtes Sammelgebiet. Man kann heimat-, regional- oder themenbezogen mit vertretbarem Aufwand eine interessante Sammlung aufbauen. Wir würden uns freuen, wenn Helmut König die Numismatik weiterhin mit Früchten seiner Arbeit bereichert und wünschen ihm dazu noch viele produktive Schaffensjahre bei bester Gesundheit.
Matthias Grimm
 
     

 

Bernd Kluge zum 65. Geburtstag

  In honorem Bernd Kluge  
     
  NNB 6/2014  
 
In honorem Bernd Kluge Verdienste sind manchmal wie Perlen: Sie werden betrachtet, gelobt und weggelegt. Aber wo viele Verdienste sind, da reihen sich die Perlen zur Kette, ein Schmuckstück, das wir gerne bei passenden Gelegenheiten zeigen. Ein 65. Geburtstag ist eine solche Gelegenheit, signalisiert er doch auch nahende Pensionierung und damit berufliche Veränderungen. Bernd Kluge, Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, kann am 18. Juni 2014 seinen 65. Geburtstag feiern. Die Deutsche Numismatische Gesellschaft und ihr Numismatisches Nachrichtenblatt sind Bernd Kluge vielfach zu Dank verpflichtet. Einige wenige, sehr wertvolle Perlen aus der großen Perlenkette seien genannt: 1997 fand der XII. Internationale Numismatische Kongress in Berlin statt und Bernd Kluge ermöglichte der DNG dabei repräsentative und nachhaltige Auftritte. 2012 war er für den 21. Deutschen Numismatikertag in Berlin verantwortlich, der mit einem Programm auf Spitzenniveau und einer freundlichen Gastlichkeit im Gedächtnis bleiben wird.



Prof. Dr. Bernd Kluge, Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin.

Foto: Axel Obdenbusch (Duisburg 2012), Repro NNB.

 

Im NNB war und ist er immer wieder mit wichtigen, weit über den Tag hinausgehenden Aufsätzen vertreten, aber einen unerreichten Höhepunkt setzte er mit einem umfänglichen Themenheft „Friedrich der Große" (NNB 9/2012), für das er Beiträge beschaffte und schrieb. Dass er die Numismatische Gesellschaft zu Berlin einige Jahre leitete und nach wie vor unterstützt, das sei aus DNG-Sicht noch angemerkt. An einige wenige Werke Bernd Kluges sei noch aus Sammlersicht erinnert: - Die Salier. Deutsche Münzgeschichte von der späten Karolingerzeit bis zum Ende der Salier. Sigmaringen 1991. - Numismatik des Mittelalters. Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi. Berlin und Wien 2007. - Suum cuique. Medaillenkunst und Münzprägung in Brandenburg-Preußen. Berlin 2008. Zusammen mit Wolfgang Steguweit. - Die Münzen König Friedrichs II. von Preußen 1740 -1786. Berlin 2012. Unter Mitarbeit von Elke Bannicke und Renate Vogel. - Für 8 Groschen ist's genug. Friedrich der Große in seinen Münzen und Medaillen. Berlin 2012. Zusammen mit Elke Bannicke. - Gold gab ich für Eisen. Der Erste Weltkrieg im Medium der Medaille. Berlin 2014. Herausgegeben zusammen mit Bernhard Weisser. Seine Arbeit als Wissenschaftler, als Museumsleiter, in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland usw. wird an anderer Stelle zu würdigen sein, ebenso wie ein Gesamtschriftenverzeichnis Bernd Kluges natürlich erwünscht ist. Für dieses NNB haben einige Fachkollegen Bernd Kluges (Peter Ilisch ist für seine Unterstützung und Koordinierung dabei zu danken) Beiträge verfasst, die den großen Einfluss Bernd Kluges auf die numismatische Forschung, besonders des Mittelalters, erahnen lassen. Sie gratulieren damit Bernd Kluge zum 65. Geburtstag. Die Redaktion des Numismatischen Nachrichtenblattes schließt sich dieser Gratulation an und dankt - sicher auch im Namen vieler anderer Kollegen und Sammler - herzlich für sein Wirken, seine Kritik, seine Einsichten, seine Unterstützung. Weiterhin alles Gute - wir freuen uns auf viele weitere gemeinsame Aktionen!
 
Rainer Albert
 
     

 

 

Peter- Götz Güttler zum 75. Geburtstag

  Peter-Götz Güttler.  
     
  Personalia NNB 6/2014  
 
Am 8. Juni 2014 feiert Peter-Götz Güttler seinen 75. Geburtstag. Sein unerhört vielfältiges und originelles Medaillenschaffen begeistert seit Jahren eine stetig wachsende Zahl von Numismatikern und Kunstfreunden und ist im NNB immer wieder zu bestaunen. Eine ausführliche Würdigung findet sich z.B. im NNB 7/2009 im Zusammenhang mit der Verleihung des Hilde-Bror-Preises für Medaillenkunst 2009 an ihn oder in dem 2012 erschienenen Werkkatalog [Wolfgang Steguweit und Rainer Grund (Hrsg.): Peter Götz Güttler, Gegossene Sichten und Welten. Medaillen 1971 bis 2011 (= Die Kunstmedaille in Deutschland, Bd. 27). Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-95498-002-4. Bespre-chung in NNB 12/2012, S. 519]. Um nun Wiederholungen der verschiedenen bereits erschienenen Würdigungen zu vermeiden, sei hier eine sehr frühe und vielleicht weniger bekannte Medaille von ihm vorgestellt, an Hand derer die Person Peter-Götz Güttler in ihrer Unverwechselbarkeit und Beständigkeit zu zeigen ist.



1973 entstand als seine elfte Medaille insgesamt (im Werkkatalog trägt sie die Nummer 1973.7) „NIE WIEDER" zum Andenken an die Zerstörung Dresdens 1945. Eine Friedenstaube symbolisiert die Forderung nach Frieden, nach einer Politik zum Nutzen der Menschen (vielleicht hat die Entspannungspolitik der Zeit Erwartungen geweckt, am 21. Dezember 1972 z. B. wurde der Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland in Berlin unterzeichnet, von dem dann weitere Öffnungen ausgingen). Aber Peter-Götz Güttler lässt es nicht bei einer allgemeinen, blumigen Forderung, er konkretisiert auf eine fast schon furchtbare Weise: NIE WIEDER 13.2.1945. Das Datum verweist auf die brutale Bombardierung und Zerstörung Dresdens und den Flammentod Abertausender Menschen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Es geht für ihn nicht um die Friedensparolen der Politiker, es geht um konkretes Handeln. Es geht um das Leben und den Lebensraum der Menschen, es geht z.B. um Dresden. Er bildet deshalb auf der anderen Medaillenseite ab, was schön ist, aber auch verloren gehen kann, wenn die Forderung NIE WIEDER 13.2.1945 nicht ernst genommen wird. Er bildet Dresden ab — es sollte eines seiner häufigsten Motive werden. Aber seine Stadtansicht ist 1973 zur Fiktion geworden, denn er zeigt das unzerstörte Dresden (rechts z.B. ist die Semperoper zu sehen, die erst 1985 neu aufgebaut wiedereröffnet wurde und nun wieder das Stadtbild mitbestimmt). Peter-Götz Güttler engagiert sich mit seiner Kunst für die Menschen und für eine verantwortungsvolle Politik (dass das unendlich wichtig ist, müssen wir gerade wieder erleben), auch das macht ihn so liebenswert. Und so wünschen ihm viele Freunde und Bewunderer Alles Gute zum Geburtstag! Lieber Peter, bleibe gesund und bewahre Dir Lebensfreude und Schaffenskraft an der Seite Deiner lieben Frau Heidi und im Kreise Deiner Familie! Rainer Albert
 
     

 

 

Dieter Raab zum 75. Geburtstag

  Dieter Raab zum 75. Geburtstag  
     
  Personalia NNB 2/2014  
 

Der Münzhandel und die Numismatik in Deutschland wurden nach dem 2. Weltkrieg in allen ihren Facetten nachdrücklich und wie von wenigen anderen von ihm geprägt: Dieter Raab feierte am 11. Dezember 2013 seinen 75. Geburtstag.

Dieter Raab wurde am 11. Dezember 1938 in Steinhöring/Bayern geboren. In jungen Jahren zog er nach Stuttgart, wo sein Vater eines der ersten und auch bekanntesten deutschen Jazzlokale betrieb, und begann das Münzensammeln im Alter von 12 Jahren. Nach dem Abitur und einem angefangenen Studium der Betriebswirtschaft wurde er von Kurt Jaeger für einen Ferienjob an die Münzen & Medaillen AG in Basel vermittelt. Es gefiel ihm so gut, dass er das Studium aufgab und dafür eine feste Anstellung bei den Cahns annahm. Hier lernte er auch seine Frau Lilo kennen. Dort arbeitete er von 1960 bis 1967.

1966 ergab sich die Chance, die Firma Dr. Busso Peus in Frankfurt zu übernehmen. Mit Peter Schulten gründete er deshalb 1967 die Firma Dr. Busso Peus Nachfolger. Diese Firma war vor dem Krieg die Firma Adolph Hess bzw. Adolph Hess Nachf., das wohl bedeutendste deutsche Münzauktionshaus.

Als erste Auktion versteigerte die neue Firma eine bedeutende numismatische Bibliothek. Dadurch wurde man auf die neue Firma aufmerksam und 1970 bekam Peus Nachf. die Sammlung Dr. Werner Koch, die wegen ihrer Größe in 2 Teilen versteigert wurde. 1971 folgte die bedeutende Mainz Sammlung Dr. Rudolph Walther und danach weitere große Einlieferungen. War die Firma anfänglich in bescheidenen Büros in der Neuhauss Straße, so zog sie 1970 um in den Bornwiesenweg 34, wo sie noch heute zu finden ist. 1973 trennten sich Raab und Schulten und Dieter Raab führte die Firma allein weiter.

Die bedeutendste Mittelaltersammlung der Nachkriegszeit, die Slg. Friedrich Bonhoff I und II, wurde 1977 versteigert. Große Aufmerksamkeit erregte 1982 die Versteigerung eines bisher eher unbekannten Gebietes durch Peus Nachf. - die Verauktionierung der Wallfahrtsmedaillensammlung von Dr. Busso Peus. Sammler, Museumsleiter von Bistümern, Klöstern und Kirchen kamen zu dieser Auktion. Ein völlig unbekanntes Publikum füllte den Saal.

1993 wurden Dieter Raab die Dubletten des Münzkabinetts Berlin zur Auktion anvertraut. Daraufhin folgte ein geschäftlicher Riesenerfolg: die Versteigerung der Restbestände der Staatsbank Berlin (Nationalbank der DDR) in 12 Auktionen von 1994 bis 2000 in Berlin. Raab sagte damals „Ich habe die DDR versteigert".

Und jetzt kam noch ein weiterer Triumph. Die Berliner Bundesämter waren so zufrieden mit dem Resultat und der Abwicklung der Staatsbankauktionen, dass sie Dieter Raab 2002 baten, die alten „non-valeur"-Aktien und Wertpapiere, die im Besitz der DDR gewesen waren, als Sammlerstücke zu versteigern. Es wurde nicht lang diskutiert. Ein Experte für alte Wertpapiere wurde angestellt und der Peus-Apparat lief auf Hochtouren. 2002 bis 2009 wurden 5 Auktionen in Berlin durchgeführt.

Im Jahr 2007 übergab Dieter Raab die Leitung seiner Firma an seinen Sohn Christoph. In den letzten Jahren genießt er die Ruhe seiner „Pensionierung", ist aber fast täglich im Büro zu finden, wo er Münzen bestimmt, alte Kunden empfängt und mit Rat und Tat seinem Sohn behilflich ist.

Dieter und Lilo Raab haben zwei Söhne, Christoph, den Numismatiker, und Stephan, den Rechtsanwalt und Steuerberater. Lilo arbeitet wie schon immer im „backoffice", macht die Buchhaltung und Kataloglayout. Sie erfreuen sich an ihren Enkelkindern und wissen das Leben zu genießen.

Dieter Raab war jahrelang die Gelenkstelle zwischen Münzhandel und Numismatischer Kommission, immer hat er die Interessen der Deutschen Numismatischen Gesellschaft und der Münzvereine unterstützt, die Anliegen der Sammler machte er zu seinen. Dafür sei ihm auch hier wieder gedankt! Lieber Herr Raab: Ad multos annos!

Rainer Albert

 
     

Sonstiges

Wolfgang Haney - 30 Jahre Vorsitzender der Berliner Münzfreunde

  Wolfgang Haney  
     
  Personalia NNB 7/2017  
 

Wolfgang Haney übernahm 1987 nach dem Tod von Günther Schlüter den Vorsitz der Berliner Münzfreunde, man kann ihm heute also zum 30-jährigen Jubiläum gratulieren. Das ist noch kein Rekord, aber außergewöhnlich ist sicher, dass die Gratulation sich an einen 93-Jährigen richtet, der immer noch numismatisch sehr aktiv ist und zugleich auf ein bewegtes Leben blicken kann:

Obwohl er wegen der Nürnberger Rassegesetze die Schule vorzeitig verlassen musste, konnte er nach einer Maurerlehre und einer Hochbegabten-Sonderreifeprüfung studieren und wurde 1944 Diplom-Ingenieur und Sprengmeister und arbeitete als Bauleiter. Nach dem Krieg wurde er Leiter des Tiefbauamtes Berlin-Charlottenburg und kaufte später eine Großtischlerei und betrieb noch zusätzlich ein Sprengunternehmen. Nach 35 Jahren Haus- und Grundstücksverwaltung ging er in Pension.

1948 beginnend veröffentlichte er mehrere Bücher über Berlin und über Belege zum Schicksal der Juden im Dritten Reich, so erschienen z.B. im Battenberg Gietl Verlag (jeweils zusammen mit Hans-Ludwig Grabowski) 2008 „Das Geld des Terrors. Geld und Geldersatz in deutschen Konzentrationslagern und Gettos“ 2014 „Kennzeichen Jude. Antisemitismus, Entrechtung, Verfolgung, Vernichtung" und 2015 „Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck... Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs“.

Zahlreiche Ausstellungen in Europa (allein 66 in Deutschland) und den USA und über 150 Vorträge zeugen von einem ungewöhnlichen Numismatikerleben, für das er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Wolfgang Haney, vielen Dank für alles, herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Elan beim Sammeln!

Rainer Albert

 
     

 

Ulrich Künker - übernimmt den Vorsitz der FENAP

  Ulrich Künker  
     
  Personalia NNB 5/2017  
 

Ulrich Künker, Geschäftsführender Gesellschafter der Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG in Osnabrück, übernahm von Dr. Hubert Lanz den Vorsitz der FENAP, der Föderation Europäischer Münzenhändlerverbände. Ulrich Künker hat sich in den letzten Jahren stark für die Händler und die Sammlerschaft engagiert, nicht zuletzt im Kampf gegen das neue Kulturgüterschutzgesetz. Da die FENAP die Verbände der Münzhändler von Belgien und Luxemburg, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Irland, Italien, der Niederlande, Österreich, Schweden, Spanien und der Schweiz vereinigt, kann Ulrich Künker diese Arbeit nun verstärkt fortsetzen und die Anliegen der Numismatik den Politikern zu Gehör bringen.

 
     

 

Wilhelm Müseler - geht in den Ruhestand

  Wilhelm Müseler
 
     
  Personalia NNB 10/2016  
 

 

In diesen Wochen geht Wilhelm Müseler in den Ruhestand. Am 21.September 2016 hielt er seinen Abschiedsvortrag bei der Frankfurter Numismatischen Gesellschaft über neue Aspekte der lykischen Münzprägung. Seit 1984 war er im Frankfurter Münzhandel tätig. Seit 1997 betreute er zusammen mit Eike Druckrey, Ulrich Werz und Frank Berger einen informellen Arbeitskreis „Antike Numismatik“ in Frankfurt.

Geboren wurde Wilhelm Müseler am 17. September 1952 in Hannover als Sohn des Rechtsanwaltes Karl Müseler und seiner Frau Marianne. Im gleichen Jahr wurden dem Vater als jungem Rechtsanwalt die Betreuung und der Wiederaufbau der im Kriege arg beeinträchtigten Münzsammlung der Preussag übertragen.

Nach Jugend und Schulzeit in Hannover machte er 1972 das Abitur. Von 1972 bis 1979 studierte Wilhelm Müseler (alte) Geschichte und der Philosophie sowie verschiedene Nebenfächer (Empirische Kulturwissenschaften, Allgemeine Rhetorik bei Walter Jens, Anglistik und Amerikanistik) in Tübingen, Saarbrücken (Numismatik bei P. R. Franke) und Konstanz. Schon während des Studiums bereiste er intensiv den Mittelmeerraum und Vorderen Orient. Der Abschluss des Studiums erfolgte 1979 mit dem Magistergrad an der Universität Konstanz. Anschließend war er bis 1983 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Alte Geschichte daselbst. In dieser Zeit nahm er an Ausgrabungen in Petra! Jordanien im Auftrag der Universität Amman teil.

1984 trat er in das Frankfurter Auktionshaus Dr. Busso Peus Nachfolger als Sachbearbeiter für Münzen des Klassischen Altertums ein. Binnen 33 Jahren war er an der Herstellung von 109 Auktionskatalogen beteiligt. Trotz oder wegen der sammlerischen Aktivitäten seines Vaters ist Müseler privat nie ein Sammler von Münzen gewesen, oft zur Verblüffung einiger Kunden. Er schätzte Münzen stets als ästhetische Objekte und höchst gewichtige Quelle für das Studium der Geschichte untergegangener Zivilisationen. Daher konzentrierte sich seine Aktivität als Forscher vor allem auf Gebiete und Zeitabschnitte, für die Münzen die wichtigste, wenn nicht sogar die einzige noch vorhandene Quelle darstellen: Persepolis nach der Eroberung durch Alexander den Großen sowie Kilikien und vor allem Lykien im 5. und 4. Jh. v. Chr. im Spannungsfeld zwischen persischen und griechischen Einflüssen.

Seine Erkenntnisse legte er in einer Reihe von Aufsätzen und einer Unzahl von Bemerkung und Notizen in den Auktionskatalogen der Firma Peus Nachfolger vor. Mit Dietrich Klose verfasste er den Katalog der persepolitanischen Münzen in der Bayerischen Staatssammlung (München 2006). In Istanbul erschien 2016 sein Buch über „Lykische Münzen in europäischen Privatsammlungen“. Wilhelm Müseler wird sich auch nach seinem Rückzug aus dem aktuellen Geschäftsleben und der Übersiedlung nach Frankreich bzw. in die Schweiz weiterhin numismatischen Studien widmen.

Frank Berger

 
     

 

Christian Stoess - ab Juni 2016 Kurator für die Sammlungsbereiche Mittelalter und frühe Neuzeit am Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin

  Christian Stoess
 
     
  Personalia NNB 6/2016  
 

 

Am 1. Juni 2016 tritt Christian Stoess seinen Dienst als Kurator für die Sammlungsbereiche Mittelalter und frühe Neuzeit am Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin an. Nach seinem sehr gut bewerteten Magister Artium bei Peter Berghaus in Münster und Tätigkeiten für Museen, Münzfundvorhaben und Ausstellungen wurde er 1988 im Auktionshaus Peus Nachf. für die Aufgabenbereiche Mittelalter und Neuzeit angestellt, in dem er die letzten Jahre die Position eines Prokuristen innehatte. Seit 1992 ist er Präsident der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte und Herausgeber der Geldgeschichtlichen Nachrichten. Seit 2008 ist er Vorstandsmitglied in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Gerade die fachliche Anerkennung, denen er seine Positionen in diesen Organisationen verdankt, zeigt den hohen Grad seines Ansehens bei den Numismatikern. Hinsichtlich der wissenschaftlichen Digitalisierung der Bestände, einer Kernaufgabe des Münzkabinetts in den nächsten Jahren, hat er umfassende Kenntnisse in Organisation und effektiver Münzdatenbankverwaltung vorzuweisen. Er hat selbst Digitalisierungsprojekte wie die Web-Site der Numismatischen Kommission eigenverantwortlich entwickelt. Nicht zuletzt liegt Christian Stoess die Nachwuchsarbeit im Bereich Mittelalter am Herzen. Das Münzkabinett erwartet von Christian Stoess als Mitarbeiter neue Impulse für die Numismatik des Mittelalters und der Neuzeit.

Bernhard Weisser

 
     

 

Bernhard Weisser Ernennung zum Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin — Preußischer Kulturbesitz

  Bernhard Weisser
 
     
  Personalia NNB 2/2015  
 

Prof. Dr. Bernhard Weisser wird zum 1. Juni 2015 Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin — Preußischer Kulturbesitz. Das hat der Stiftungsrat der SPK heute einstimmig beschlossen. Weisser nimmt bereits seit Ende der Amtszeit von Prof. Dr. Bernd Kluge am 30. September 2014 kommissarisch die Leitung des Münzkabinetts wahr. Weisser studierte Klassische Archäologie, Alte Geschichte sowie Ur- und Frühgeschichte. 1996 promovierte er zu dem numismatischen Thema „Die kaiserzeitliche Münzprägung von Pergamon«. Für diese Arbeit erhielt er das einjährige Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts. In der numismatischen Wissenschaftswelt hat er einen exzellenten Ruf und ist hervorragend vernetzt. 2009 wurde er zum Honorarprofessor am Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin ernannt. Ebenfalls seit 2009 ist er Sprecher des Landes Berlins in der Numismatischen Kommission der Länder. Daneben ist Weisser numismatischer Sachverständiger bei künstlerischen Wettbewerben für die Gestaltung von Sonderprägungen und Gedenkmünzen und Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst. 2013 erhielt er den Ehrenpreis der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte. Seine berufliche Laufbahn am Münzkabinett begann Bernhard Weisser bereits 1996, zunächst als Museumsassistent in Fortbildung, im Anschluss als wissenschaftlicher Mitarbeiter. 2003 wurde er zum Kustos am Münzkabinett ernannt, 2009 zum Stellvertretenden Direktor. Er betreute in dieser Zeit zahlreiche hochkarätige Ausstellungen und leitete mehrere Forschungsprojekte. Besonders hervorzuheben ist der von ihm entwickelte interaktive Katalog von Beständen des Münzkabinetts, der die umfassendste Onlinepublikation einer Münzsammlung im deutschsprachigen Raum ist. Weisser sieht neben der Erarbeitung von Ausstellungen die Digitalisierung aller Bestände des Münzkabinetts und deren Präsentation im Internet als wichtigen Schritt dazu, die führende Rolle des Münzkabinetts in der deutschen Numismatik weiter auszubauen. Gleichzeitig soll die objektbezogene Forschung weiter gestärkt werden. Wenig aufgearbeitet ist bisher etwa der Bereich islamischer Münzen. Als eine weitere wesentliche Aufgabe versteht er die Nachwuchsförderung im Bereich der Numismatik.

 
     

 

Professor Dr. Bernd Ulrich Kluge - Museumsdirektor i. R.

  Professor Dr. Bernd Ulrich Kluge  
     
  Personalia NNB 10/2014  
 

Professor Dr. Bernd Ulrich Kluge zum 4. Oktober 2014

Seit 1. Oktober 1972 lautet die Dienstadresse von Bernd Kluge: Münzkabinett im Bode-Museum, Berlin. Während diese Zeilen geschrieben werden, nähert sich ein zweiundvierzigjähriges Berufsleben seinem Ende, in dem Bernd Kluge, und dies nicht erst in den zweiundzwanzig Jahren seit 1992 als Direktor, die Geschicke des Münzkabinetts geprägt hat.

 

Maxima res effecta. Gedenkmedaille zum 4. Oktober 2014 von Heinz Hoyer und Sneschana Russewa-Hoyer

 

Geboren wurde Bernd Ulrich Kluge am 18. Juni 1949 in Cottbus (Brandenburg). Er wuchs als zweites von vier Kindern in der DDR in einem katholischen Elternhaus auf. Der aktive junge Katholik entwickelte früh Skepsis und weltanschauliche Distanz zum sozialistischen Staat. Nach seinem Abitur 1968 in Cottbus gelang ihm die Aufnahme in das Studium der Geschichte und Bibliothekswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Studienschwerpunkt war das Mittelalter, und besonders die mittelalterliche Kirchengeschichte interessierte Kluge. In Bernhard Töpfer fand er den geistesverwandten Hochschullehrer. 1972 schloss er sein Studium mit dem Diplom ab. Das Jahr 1972 brachte nicht nur den Studienabschluss, sondern er heiratete (die richtige Reihenfolge musste es schon sein: erst Studienabschluss und Aussicht auf eine Stelle, dann Heirat) auch seine langjährige Schulfreundin Christina (geb. Klink), die damals bereits seit einigen Jahren berufstätig war. In den folgenden Jahren wurden dem Ehepaar die vier Kinder Ricarda (*1975), Fabian (*1977), Ferdinand (*1981) und Maximilian (*1993) geboren. Mittlerweile gibt es das erste Enkelkind, für das sich der frischgebackene Großvater inzwischen jeden Montagnachmittag freihält. Die Neigung zum Mittelalter führte 1972 zum Eintritt in das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Zuständigkeit für die Mittelaltersammlung in der Nachfolge von Prof. Dr. Arthur Suhle. Mit der Museumstätigkeit begann die Spezialisierung auf die Numismatik, die erste numismatische Publikation zu Brakteaten des Mittelalters erschien 1976. 1981 erfolgte die berufsbegleitende Promotion zum Dr. phil. Eine Promotion aus der Museumstätigkeit heraus war damals in den Museen keine Notwendigkeit und auch keine Selbstverständlichkeit, sondern erforderte besonderes Engagement neben dienstlichen Aufgaben und Familienpflichten. Schwerpunkte der Museumsarbeit und Forschung lagen und liegen für Bernd Kluge in der Münzkunde und Geldgeschichte des frühen und hohen Mittelalters, Brandenburg-Preußens und der Bearbeitung von Münzfunden. Mit der deutschen Wiedervereinigung vor 25 Jahren ergaben sich für einen in der DDR abseits der Politik und Partei in der Museumsnische forschenden Wissenschaftler neue Möglichkeiten und Anerkennung.

Mehr noch als bei den meisten anderen Museumskollegen, die ich kenne, gehört das wissenschaftliche Publizieren zum Selbstverständnis von Bernd Kluge. Sein Schriftenverzeichnis umfasst gegenwärtig 216 Positionen. Allein das Jahr 2014 ist mit acht Titeln vertreten, was die unermüdliche Schaffenskraft beweist. Unter den eigenen Büchern greife ich als die sechs wichtigsten in chronologischer Reihenfolge heraus: State Museum Berlin, Coin Cabinet. Anglo-Saxon, Anglo-Norman and Hiberno-Norse Coins (Sylloge of Coins of the British Isles 36), London /Berlin 1987; Deutsche Münzgeschichte von der späten Karolingerzeit bis zum Ende der Salier, ca. 900 bis 1125, (Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Monographien 29. Publikationen zur Ausstellung „Die Salier und ihr Reich"). Sigmaringen 1991; (mit H. Buck und A. Büttner:) Die Münzen der Reichsstadt Goslar 1290 bis 1764. Münzgeschichte und Geprägekatalog (Berliner Numismatische Forschungen. Neue Folge 4), Berlin 1995; Das Münzkabinett. Museum und Wissenschaftsinstitut (Das Kabinett 9), 2. bearb. Aufl., Berlin 2005; Numismatik des Mittelalters. Band I: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi (Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Sitzungsberichte 769, Veröffentlichungen der Numismatischen Kommission 45), Berlin/Wien 2007 und Die Münzen König Friedrichs 11. von Preußen 1740-1786. Auf Grundlage der Werke Friedrich Freiherr von Schrötters neu bearbeitet. Unter Mitarbeit von Elke Bannicke und Renate Vogel (Berliner Numismatische Forschungen NF 10), Berlin 2012. Das letzte Buch ist immer das wichtigste. Gegenwärtig im Druck ist Am Beginn des Mittelalters. Die Münzen des karolingischen Frankenreiches 751-814 (Das Kabinett 15), Berlin 2014.

Seit 1987 gehört auch eine umfangreiche Herausgebertätigkeit zu seinem publizistischen Wirken, für das er drei eigene Schriftenreihen begründet hat. Die Reihe Berliner Numismatische Forschungen erschien als Jahrbuch in fünf Bänden von 1987-1991. Seit 1992 gibt es im Anschluss daran die bislang in zehn Bänden erschienenen Berliner Numismatische Forschungen. Neue Folge als Monographienreihe, Band elf ist im Druck und erscheint noch 2014. Als publizistisches Begleitmedium für Ausstellungen und Bestandspublikationen hat Bernd Kluge die Reihe Das Kabinett ins Leben gerufen. Seit 1994 sind 14 Bände erschienen, Band 15 ist im Druck. Die Tätigkeit als Herausgeber ist für Bernd Kluge immer mehr als ein Ehrentitel gewesen. Kein Buch erscheint unter seiner Herausgeberschaft, das nicht bis in das Detail seinen fachlichen und ästhetischen Ansprüchen genügt. Dies gilt auch für die 1.488 Seiten umfassenden Akten zum XII. Internationalen Numismatischen Kongress in Berlin von 1997, die wir überwiegend an Nachmittagen und Abenden in der Situation einer Großbau-stelle bis zum Jahr 2000 redaktionell bearbeiteten und zum Druck beförderten.

Als Organisator des 1997 in Berlin veranstalteten XII. Internationalen Numismatischen Kongresses war er genauso erfolgreich wie als Bauherr (vulgo Nutzer) der grundlegenden Sanierung des Münzkabinetts und Bode-Museums zwischen 1998 und 2006. Die Baubegleitung nahm er aus gesprochen ernst, er ließ keine der vielen Bausitzungen aus. Erfolgreich war er in dem Bestreben, den historischen Bestand an Ausstattung und Möbeln zu sanieren und behutsam stilgerecht ergänzen zu lassen. Das Münzkabinett konnte als ein eigener Bauabschnitt ein Jahr früher als der Rest des Bode-Museums wieder vollumfänglich in Betrieb genommen werden. Die im Oktober 2004, zum einhundertjährigen Jubiläum des Bode-Museums (vormals Kaiser Friedrich-Museum), präsentierte Straße aus Gold und Silber mit einer einmaligen Öffnung des 60 m langen Tresors produzierte Besucherschlangen bis zur Monbijoubrücke und wird allen, die daran beteiligt waren, unvergesslich bleiben. Mit diesem Ereignis verbunden war die Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Erivan und Helga Haub-Stiftung durch Erivan Haub und dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Dieter Lehmann unter Anwesenheit des Bundesfinanzministers Hans Eichel. Die enge persönliche Beziehung zu Erivan und Helga Haub, die auf gegenseitiger Wertschätzung beruht, hat sich in den letzten zehn Jahren immer weiter vertieft.

Die Notwendigkeit von wissenschaftsorganisierenden Tätigkeiten sieht Bernd Kluge zwar ein, und er übernahm zwischen 1993 bis 1999 als Vorsitzender der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland auch Verantwortung. Die zuweilen zähen, von Partikularinteressen geleiteten und wenig effektiven Kommunikationsprozesse stießen ihn aber immer ab. Wichtig dagegen ist ihm die enge und gute Zusammenarbeit mit der bereits 1843 gegründeten Numismatischen Gesellschaft zu Berlin. Existierte diese vor 1989 nur noch in Westberlin und abgeschnitten von dem großen Kabinett, so sah er es als seine Aufgabe an, das früher enge Verhältnis von Gesellschaft und Kabinett zu erneuern. Diesen Prozess befördert er bis heute als Vorsitzender (1993-2004) und Vorstandsmitglied. Die Numismatische Gesellschaft leistet als Förderverein des Münzkabinetts substantielle Unterstützung, das Münzkabinett bietet der Gesellschaft die auf die Traditionen beider Institutionen stolze Heimstatt. In der Veranstaltung von Vorträgen und Symposien, in der gemeinsamen Förderung des numismatischen Nachwuchses und von numismatischen Publikationen entfalten Kabinett und Gesellschaft eine weit über Berlin hinaus reichende Wirkung. Seit 1993 gibt es wieder eine Lehre an der Humboldt-Universität mit dem Bemühen zur Verwurzelung der Numismatik in der Historikerausbildung und zur Ausbildung numismatischen Nachwuchses. Auch hiermit knüpfte Bernd Kluge an eine unterbrochene Verbindung an, denkt man daran, dass vor ihm zuletzt Arthur Suhle in den 1960er Jahren als Dozent an der Humboldt-Universität lehrte. 1995 wurde Bernd Kluge zum Honorarprofessor für das Fach Numismatik ernannt. Erfolgreich Studierende tragen seitdem über Praktika, Werkverträge oder als Projektangestellte zur lebendigen Arbeitsatmosphäre am Münzkabinett bei. Bernd Kluge war in den Staatlichen Museen in zwei unterschiedlichen Staatsgebilden und unter fünf Generaldirektoren tätig, er hat die Numismatik in nahezu jede große Mittelalterausstellung eingebracht, hat eigene Ausstellungen durchgeführt und in Zeiten schwieriger Finanzmittel bemerkenswerte Erwerbungen getätigt. Dass das Münzkabinett international wieder stärker seiner Bedeutung gemäß wahrgenommen wird, haben wir Bernd Kluge zu verdanken. Er ist dafür verschiedentlich geehrt worden: er ist Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts, Ehrenmitglied der Internationalen Numismatischen Kommission, Ehrenmitglied der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, und er erhielt sowohl den Ehrenpreis der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte als auch den Huntington Medal Award der American Numismatic Society.

‚Maxima res effecta, unter dieses Motto stellen wir die Abschiedsveranstaltung für Bernd Kluge als Direktor am Münzkabinett am 4. Oktober 2014. Das einem Vers von Vergil entnommene Zitat und einer Medaille auf Friedrich II. entlehnte Motto ist im übertragenen Sinne als Bündelung aller Kräfte auf ein gemeinsames Ziel hin zu verstehen. Unter den jeweiligen Bedingungen der Zeit hat Bernd Kluge höchst effektiv das Maximale für Kabinett und Numismatik geleistet. Wie es eine Ära Beger, Friedländer, Regling und Suhle gegeben hat, so gibt es nun eine Ära Kluge für das Münzkabinett. Ich habe Bernd Kluge seit 1996 als Direktor, wissenschaftlichen Kollegen und Freund erleben dürfen. Als Vorgesetzter hat Bernd Kluge immer klare Visionen, die er vorbildlich vorlebt. Es war nicht immer leicht, ihm Arbeit abzunehmen, die Kontrolle gibt er ungern aus der Hand. Den Mitarbeitern begegnete er mit der Fürsorge eines Pater Familias und mit echtem Interesse an deren Wohlergehen. Als wissenschaftlichen Kollegen kennzeichnen ihn Skepsis (eine bewundernswerte Haltung, die seine Gesprächspartner zwingt, sich tüchtig an ihm abzuarbeiten), sein unaufgeregter Fleiß und absolute Redlichkeit. Er hat wissenschaftliche Interessen der Kollegen an bestandsbezogener Forschung und Lehre unterstützt, als dieses Arbeitsfeld der Museen noch nicht so selbstverständlich war wie heute. An dem Freund schätze ich die Nachdenklichkeit, die Verlässlichkeit und das offene Visier, mit dem er seinem Gegenüber begegnet. Das Münzkabinett freut sich auf den neuen freiwilligen Mitarbeiter, der ab 1. Oktober unter folgender Adresse zu erreichen sein wird: Prof. Dr. Bernd Kluge, Museumsdirektor i. R., Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett, Geschwister-Scholl-Str. 6, 10117 Berlin.

Bernhard Weisser

 
     

 

Arne Kirsch - Firma Sincona Zürich

  Arne Kirsch  
     
  Personalia NNB 9/2014  
 
Die Firma Sincona AG in Zürich, entstanden aus der ehemaligen Numismatischen Abteilung der UBS, freut sich seit Anfang August 2014 über einen neuen und versierten Mitarbeiter. In der numismatischen Welt ist das „neue Gesicht" allerdings ein längst schon bekannter und erfahrener Fachmann. Seit über dreißig Jahren beschäftigt sich Arne Kirsch mit Numismatik, der schon als Jugendlicher mit der Bestimmung von Münzen für Kataloge der Münzenauktion Essen begann. Weitere Stationen waren für viele Jahre die „Münzen und Medaillen AG" in Basel, dann die von ihm gegründete „Münzen und Medaillen Deutschland GmbH" sowie in den letzten gut 16 Jahren das bekannte Auktionshaus Fritz Rudolf Künker in Osnabrück. Mit Arne Kirsch bekommt die Firma Sincona AG nicht nur einen erfahrenen Numismatiker und Organisator, sondern auch einen seit über 10 Jahren von der IHK öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für die Numismatik, von denen es in Deutschland nur sehr wenige gibt. Ein weiteres Fachgebiet ist bei ihm die „Fälschungsbekämpfung", in diesem Zusammenhang ist er schon seit vielen Jahren Mitglied des IBSCC, dem Fälschungskomitee des Internationalen Münzhändlerverbandes IAPN, dessen Präsident er ebenfalls seit 2013 ist. Arne Kirschs Kontaktdaten als neuer Mitarbeiter der Sincona AG, aber auch als Präsidenten der IAPN, sind ab sofort wie folgt: Sincona AG, Arne Kirsch, Pelikanstrasse 11, CH - 8001 Zürich, Tel.: +41-44-215 10 98, Mail: arne.kirsch@ sincona.com


 
     

 

 

Stefan Kötz - Landesnumismatiker am LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum in Münster

  Stefan Kötz Landesnumismatiker
 
     
  LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum Pressemitteilung vom 31. März 2014
 
 

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum in Münster hat als Nachfolger für den langjährigen Landesnumismatiker Dr. Peter Ilisch den Numismatiker Stefan Kötz M.A., Rottenburg/Neckar, berufen.


Geboren 1980 und aufgewachsen in Grimma (Sachsen), studierte Stefan Kötz ab 2000 an der Universität Tübingen Mittelalterliche Geschichte, Historische Hilfswissenschaften und Mittellateinische Philologie und schloss das Studium 2007 mit einer Arbeit zur Diplomatik (Urkundenlehre) Südwestdeutschlands im Hochmittelalter ab. Seine Dissertation beschäftigt sich in interdisziplinärem Zugriff mit der hochmittelalterlichen Münzprägung und Münzgeschichte am nördlichen Oberrhein (bes. Speyer und Lorsch).


Daneben war Stefan Kötz in verschiedenen kleineren Projekten tätig und war Lehrbeauftragter für Historische Hilfswissenschaften an den Universitäten Tübingen und Freiburg. Zudem hat er in Hinsicht an mehreren wissenschaftlichen Ausstellungen mitgewirkt, insbesondere bei der Sonderausstellung "Die Salier - Macht im Wandel" am Historischen Museum der Pfalz in Speyer 2011. Seit 2008 gehört er der Numismatischen Gesellschaft Speyer an.


Seine Forschungsinteressen und Veröffentlichungen gelten neben der Numismatik auch der Landesgeschichte, der Bildungs- und Universitätsgeschichte sowie den Historischen Hilfswissenschaften in ihrer Gesamtheit. Eine Publikationsliste (Stand Juni 2013) ist noch auf
der Website der Universität Freiburg einsehbar (http://www.mittelalter1.unifreiburg.de/personal/lehrbeauftragte/stefan-koetz).


Stefan Kötz wird seinen Dienst zum 1. Mai 2014 aufnehmen; in seine Zuständigkeit fällt auch die Bearbeitung der in Westfalen geborgenen Münzfunde und Fundmünzen.

Er ist ab 2. Mai 2014 erreichbar unter der

Tel.-Nr. 0251-5907-258, Fax -210,

und per Mail Stefan.Koetz[at]lwl.org.

 

 
     

 

 

Dr. Stefan Krmnicek - Antike Numismatik in Tübingen nachbesetzt

 

Antike Numismatik in Tübingen nachbesetzt  
     
  Kurznachricht 06/2012  
 

Mit der Berufung von Prof. Dr. Reinhard Wolters auf den Lehrstuhl für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien im Oktober 2010 war die Numismatische Arbeitsstelle am Institut für Klassische Archäologie der Universität Tübingen erstmals in ihrer langjährigen Geschichte akut bedroht, aufgrund von Sparmaßnahmen nicht nachbesetzt und in weiterer Konsequenz vollständig eingestellt zu werden. Nicht zuletzt dank zahlreicher nationaler und internationaler Unterstützungserklärungen und Appelle der wichtigsten altertumskundlichen sowie fachnumismatischen Verbände und Vereine an die Universitätsleitung sowie dem Einsatz des Dekanats ist es zu verdanken, dass die zu befürchtende Schließung der antiken Numismatik in Tübingen vorerst abgewendet werden konnte. Das Rektorat der Universität hat eine Fortführung der Numismatischen Arbeitsstelle zunächst auf zwei Jahre befristet – mit Aussicht auf Verlängerung – gewährt. Das Institut für Klassische Archäologie und das Museum der Universität Tübingen sind in der glücklichen Lage zu vermelden, dass trotz der noch ungewissen Zukunft der antiken Numismatik in Tübingen die Numismatische Arbeitsstelle per 1. Mai 2012 in Person von Dr. Stefan Krmnicek wieder mit einem ausgewiesenen Numismatiker adäquat nachbesetzt wurde. Herr Krmnicek bringt durch seine wissenschaftliche Tätigkeit beim Projekt Fundmünzen der Antike der Mainzer Akademie der Wissenschaften, seine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Frankfurt und seine Stelle zuletzt an der School of Archaeology and Ancient Historyder University of Leicester (UK) ein numismatisch breit aufgestelltes und international geschärftes Profil mit, das der zukünftig angestrebten Intensivierung fach- und länderübergreifender Kooperationen von großem Nutzen sein wird. Durch die erfolgreiche Sicherstellung der numismatischen Forschung und Lehre an der Universität sowie der fachmännischen Betreuung der bedeutendsten numismatischen Universitätssammlung Deutschlands ist zu hoffen, dass die langjährige Tradition der Numismatik in Tübingen auch nach Ablauf der nächsten zwei Jahre in der gegenwärtigen Form weitergeführt wird. Kontakt: Universität Tübingen, Institut für Klassische Archäologie, Numismatische Arbeitsstelle, Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen.

 

 
     

 

 

Nachruf

Gert Hatz (1928-2017)

  Gert Hatz (1928-2017)
 
     
  NNB 11/2017  
 

Gert Hatz wurde am 4. Januar 1928 in Hamburg geboren. Nach dem Schulabschluss 1946 begann er 1947 sein Studium der Geschichte, Germanistik, Historische Hilfswissenschaften und Volkskunde in Hamburg. Für seinen weiteren Lebensweg sollte entscheidend die Begegnung mit Walter Hävernick sein, der 1945 aus Gotha nach Hamburg kam und seit 1947 zum Direktor des Museum für Hamburgische Geschichte berufen worden war. Hävernick, seit 1947 ebenfalls Ordinarius für Deutsche Altertums- und Volkskunde samt Numismatik, muss schnell auf den aufstrebenden Jungen Wissenschaftler aufmerksam geworden sein und versorgte ihn mit einem Dissertationsthema, das bislang ein Desiderat in der Erforschung der mittelalterlichen Stadt Hamburg und darüber hinaus darstellte: „Die Anfänge des Münzwesens in Holstein (Die Prägungen der Grafen von Schauenburg bis 1325)“. Hamburg war in diesen Jahren von einer ungeheuren Betriebsamkeit erfüllt. Es herrschte eine dynamische Aufbruchsstimmung, denn es galt, die durch den Krieg abgerissenen Kontakte wieder herzustellen sowie einen Überblick über den Bestand und die Verluste an numismatischen Sammlungen und Bibliotheken in (West-)Deutschland zu gewinnen. Diesem Ziel dienten drei numismatische Arbeitstagungen, die in den Jahren 1947 bis 1949 im Museum für Hamburgische Geschichte ausgerichtet wurden. Wichtige Numismatiker des In-und Auslandes reisten hierher, um an den Tagungen und Diskussionen teilzunehmen.

In dieser zwar immer noch schwierigen, aber auch anregenden und stimulierenden Nachkriegszeit machte sich der junge Gert Hatz mit Feuereifer an sein Studium. Bereits ab dem 1. Juli 1950 arbeitete er gelegentlich als studentischer „Museumshelfer“ am Münzkabinett. In Rekordzeit von acht Semestern bewältigte Gert Hatz nicht nur seine Studienzeit, sondern auch das anspruchsvolle Thema seiner Abschlussarbeit. Die Promotion erfolgte am 12. Januar 1952. Er reihte sich damit in eine Folge von weiteren Arbeiten ein, so Vera Jammer mit ihrer Arbeit „Die Anfänge der Münzprägung im Herzogtum Sachsen (10. und 11. Jahrhundert)“ im Jahr 1951 oder auch Peter Berghaus mit seiner Studie „Währungsgrenzen des westfälischen Oberwesergebietes im Spätmittelalter“ aus demselben Jahr. Walter Hävernick etablierte damit in den Nachkriegsjahren an der Universität Hamburg die später so benannte „Hamburger Schule“, die eine neue Richtung der mittelalterlichen Numismatik in Deutschland einschlug. Diese beruhte insbesondere auf der theoretischen Ausdeutung und praktischen Auswertung der Münzfunde als Geschichtsquelle mit einem ausgeprägten interdisziplinären Ansatz, der numismatische, prähistorische und wirtschaftsgeschichtliche Forschung vereinte. Schon Ahasver von Brandt führte in seinem „Werkzeug des Historikers“, das auch heute noch als maßgebliche Einführung in die historischen Hilfswissenschaften zählt, in diesem Zusammenhang verschiedene Arbeiten der Mitglieder der Hamburger Schule auf (1966, S. 179).

Die Leistungen von Gert Hatz waren offensichtlich so herausragend, dass er bereits am 14. Januar 1952 seinen Dienst im Museum für Hamburgische Geschichte antrat. Seine Dissertation erschien als „Heft“ 5 der vom Münzkabinett herausgegebenen Reihe „Numismatische Studien“ noch im selben Jahr. Selbst heute noch ist sie unverzichtbar für die Bestimmung der frühen Hamburger Brakteaten und stellt einen wichtigen Teil der Hamburger Münzgeschichte dar.

Mit dem Amtsantritt arbeitete Gert Hatz zur Entlastung Hävernicks in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Die Kommission, erst 1950 auf Initiative von Walter Hävernick gegründet, steckte noch in den Kinderschuhen und hatte unter anderem die Aufgabe, Vorschläge über die gesetzliche Regelung des Münzbesitzes und des Münzhandels zu machen, die numismatische Forschungstätigkeit wieder anzukurbeln und für die Heranbildung eines geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchses zu sorgen. Vordringliche Aufgabe war die schnelle und einheitliche Erfassung von neuen Münzfunden. Dazu wurde eine Fundkartei geschaffen, die alle mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzfunde enthalten sollte: der auch heute noch existierende Fundkatalog Mittelalter/Neuzeit. Konsequenterweise wurde Hatz von Hävernick mit der Hälfte seiner Arbeitszeit für eben diesen Fundkatalog eingesetzt. Seine Tätigkeiten erstreckten sich mit 25 Wochenstunden aber nicht nur auf den numismatischen Bereich, sondern auch auf andere Arbeitsfelder, nämlich auf „alles Laufende in Einzelblattsammlung und Museum“ (Hatz 2000, S. 59), mit immerhin noch 23 Stunden. Die 48-Stundenwoche schloss auch den Samstag mit ein!

Hävernick, der, sich besonders für die skandinavischen Schatzfunde interessierte, hatte die Funde des 10. und 11. Jahrhunderts in Schweden zu einem Hauptthema in seinen Seminaren und Übungen gemacht. Sein Ziel war die Überarbeitung des schon damals nahezu 100 Jahre alten Dannenberg. Inzwischen verhandelte die Numismatische Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und die Kungliga Vitterhetsakademie in Stockholm über einen Vertrag, der die Bearbeitung der deutschen Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts in den schwedischen Funden beinhaltete. Vera Jammer, die sich als ausgewiesene Spezialistin in diesem Feld hervorgetan hatte, übernahm ab dem 1. November 1954 die Bearbeitung dieses Materials im Historiska Museet in Stockholm (später Kgl. Münzkabinett). Zeitgleich mit dem Arbeitsantritt in Schweden wurde sie als Beisitzerin in die NK berufen. Nach Ablauf des ersten Arbeitsjahres trat sie allerdings aus persönlichen Gründen von ihrem Vertrag zurück. Inzwischen hatten sich die beiden jungen Wissenschaftler, Vera Jammer und Geil Hatz, die beide die Leidenschaft für die Mittelalternumismatik teilten, auch privat gefunden. 1956 heirateten sie, im Jahr 1957 wurde ihr erster, 1965 der zweite Sohn geboren.

Da man gerne den eingeschlagenen Weg fortführen wollte, beschloss man fortan die Fundaufnahme in Stockholm von der Ausfertigung der Fundlisten in Hamburg getrennt vorzunehmen. Zudem wurde mit Gert Hatz, ab 1956, ein zweiter Sachbearbeiter eingesetzt, der sich ab diesem Zeitpunkt an der systematischen Aufarbeitung der deutschen Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts in den schwedischen Funden der Wikingerzeit, die Walter Hävernick seit 1948 vorbereitete hatte, beteiligte. Es folgten regelmäßige Langzeitaufenthalte gemeinsam mit seiner Frau Vera und zeitweise auch mit Peter Berghaus in Schweden. Vision war die sukzessive Veröffentlichung der Fundlisten im Rahmen eines internationalen Projekts. Diesem Ziel ordnete Gert Hatz Einzeluntersuchungen zu Münztypen unter, die nach seiner Vorstellung der Veröffentlichung des Fundkorpus nachfolgen sollten. Die intensive Aufarbeitung der schwedischen Schatzfunde führte dann auch zum Thema seiner Habilitationsschrift: „Handel und Verkehr zwischen dem deutschen Reich und Schweden in der späten Wikingerzeit. Die deutschen Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts in Schweden“ (gedruckt in Lund 1974). 1971 erfolgte seine Habilitation an der Universität Hamburg, 1972 wurde er Privatdozent. Die umfangreiche Studie ist zu einem Standardwerk zur Münzgeschichte des 10./11. Jahrhunderts geworden und wird von vielen Autoren zitiert.

Daneben fiel Gert Hatz auch die Bearbeitung der von den deutschen Münzen beeinflussten Prägungen anderer europäischer Länder (Böhmen und Mähren) zu. Von den 375 Funden mit deutschen Münzen (Stand 1975) vom 10. bis frühen 12. Jahrhundert in Schweden wurden von dem Ehepaar Hatz die deutschen Fundanteile von 24 Funden bearbeitet. Gert Hatz bearbeitete die Serien von verschiedenen Münzstätten, nämlich von Tiel, Boppard und Alt-Lübeck. Er publizierte wichtige Materialvorlagen zur Münzprägung mancher Münzstätten, besonders detailliert für Andernach und Straßburg. Dies schlug sich direkt in dem von schwedischer Seite herausgegebenen, für die wikingerzeitliche Numismatik wegweisenden Münzfundkorpus nieder. Bislang sind von dem Corpus Nummorum Saeculorum IX-XI qui in Suecia reperti (CNS) ab 1975 insgesamt neun Bände erschienen (zuletzt 2010). Ohne Zweifel haben sich Vera und Gert Hatz um die Erforschung der Münzgeschichte des 10./11. Jahrhunderts außerordentlich verdient gemacht. Man kann sicherlich sagen, dass eine Beschäftigung mit diesem Themenkomplex ohne die Berücksichtigung ihrer Arbeiten nicht möglich ist. Die regelmäßigen Aufenthalte in Schweden führten zu intensiven Kontakten nach Schweden und waren durch enge und vielerlei freundschaftliche Verbindungen z. B. zu Bengt Thordeman, Nils L. Rasmusson und Brita Malmer geprägt. Dies lag sicherlich auch daran, dass Gert Hatz sehr gut Schwedisch sprach. Für die besonderen Verdienste um die schwedische Numismatik wurden Vera und Gert Hatz vom schwedische König Carl Gustaf am 17. September 1993 als Kommandeure des Königlichen Nordstjärne-Ordens ausgezeichnet.

Das wissenschaftliche Interesse erstreckte sich jedoch nicht nur nach Schweden. Gert Hatz machte sich auch um die regionale Fundnumismatik verdient. Da das fundarme Bundesland Hamburg nur wenige Neufunde erbrachte, dehnte er dabei sein eigentliches Arbeitsgebiet deutlich in die umliegenden Bundesländer aus, insbesondere nach Schleswig-Holstein und Niedersachen. Es entstand eine lange Reihe unterschiedlicher Aufsätze, die das Material vorstellten, prägnant beschrieben und bebilderten. Ob besondere Einzelfunde, Ansammlungen von Siedlungsfunden oder auch Depotfunde, immer verstand es Hatz nach dem aktuellen Forschungsstand den historischen Kontext zu umreißen und neue Perspektiven auf die jeweiligen Münzen und ihre Zeit zu gewinnen. Ob Miszellen oder längere Aufsätze, immer sind seine Texte mit großem Gewinn zu lesen und immer ist ein neuer Forschungsaspekt erkennbar. So ist sein Name auch untrennbar mit der lokalen Münzforschung zu verbinden.

Hervorzuheben ist, dass Gert Hatz eine beeindruckende Redaktions- und Rezensionstätigkeit entfaltete. Seit dem Heft 6/7, 1952/53 erscheint Gert Hatz als Mitarbeiter der Redaktion der „Hamburger Beiträge zur Numismatik“ seit Heft 12/13, 1958/59 übernahm er die Schriftleitung, seit 1961 war er ihr Mitherausgeber. Die „Hamburger Beiträge zur Numismatik“ wurden bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1994 zu eine der wichtigsten Numismatischen Zeitschriften Deutschlands. Durch die außerordentlich sorgfältige Redaktion, die weitgespannte Vernetzung in der numismatischen Fachwelt und das Vermögen, Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland für die Mitarbeit zu gewinnen, wurde die deutsche Numismatik auch im Ausland bekannt. Ein wichtiger Bestandteil der Zeitschrift war der umfangreiche Besprechungsteil, in dem sich nahezu geschlossen alle wichtigen numismatischen Publikationen des entsprechenden Zeitraumes finden lassen. Auch heute noch sind die Bände eine unerschöpfliche Fundgrube für manche Detailfrage und für mannigfache Literaturzugänge. Wünschenswert wäre allerdings ein Register, das vor allem den Rezensionsteil erschließt, schon deshalb, weil allein Gert Hatz die fast unglaubliche Anzahl von ca. 1000 Besprechungen und Anzeigen schrieb. Zwischen 1960 und 1967 übernahm er zudem die Bearbeitung des Abschnitts „Vorhansische Zeit“ im Besprechungsteil der Hansischen Geschichtsblätter. Darüber hinaus finden sich diverse Besprechungen von ihm in anderen Zeitschriften, so in: Beiträge zur Deutschen Volks-und Altertumskunde, Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bayerische Vorgeschichtsblätter, Zeitschrift des Vereins für Schleswig-Holsteinische Geschichte u.a.m. Dieses breit angelegte Spezialwissen konnte er nutzen, als er den Literaturbericht für Deutschland (Mittelalter) im „Survey of Numismatic Research 1960-1965“ (2, Kopenhagen 1967, S.122-147; 3, Kopenhagen 1967, S. 6877) übernahm.

In der Numismatischen Kommission der Länder war Gert Hatz zwischen 1961 und 1974 neben Walter Hävernick der zweite Vertreter für das Bundesland Hamburg. Nach dem Ausscheiden Hävernicks aus dem Berufsleben 1974 und damit auch aus der Numismatischen Kommission, wurde Hatz 1. Vertreter für Hamburg und zugleich Vorsitzender der Kommission. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993. So sind die Berichte der Kommission ab dem 12. Jahresbericht, Geschäftsjahr 1961 (NNB 11, 1962, S. 25-27) zusammen mit Walter Hävernick, ab dem Geschäftsjahr 1974 (NNB 24, 1975, S. 5860) bis einschließlich dem Geschäftsjahr 1992 (NNB 42, 1993, S. 74-76) von ihm allein verfasst. In der Kommission bewährte sich die Fähigkeit von Gert Hatz, Verhandlungen zu führen und gemeinsame, auch interdisziplinäre Arbeit zu fördern. Seine Kontakte erstreckten sich inzwischen, schon vor dem Fall der Mauer 1989, auch in den Osten Deutschlands, insbesondere zu den Münzkabinetten Berlin und Dresden. Als einer der ersten westdeutschen Referenten bekam Gert Hatz eine Einladung nach Dresden, wo er am 16. September 1988 einen „Streifzug durch die Hamburgische Münzgeschichte“ unternahm.

Öffentliches Rampenlicht lag Gert Hatz jedoch nicht. Er war von hanseatischer Bescheidenheit und wusste eher durch Fleiß und Leistung zu überzeugen. Am Herzen lagen ihm familiäre Treffen mit anderen Erforschern der spätwikingerzeitlichen Numismatik im Sinne einer wissenschaftlichen „community“ die er und seine Frau auch in ihrem Haus in Hamburg begrüßten, um gemeinsam die Fundlisten der schwedischen Funde durchzugehen. Zusammen mit Peter Berghaus waren die Hatzens bis an ihr Lebensende der aktive Nukleus dieser Gruppe. Ihr großes Haus in Volksdorf war bis unters Dach vollgestopft mit wohlgeordneten Büchern, die es zu einem perfekten Arbeitsplatz machten. Dort hatte Gert Hatz auch seinen Lieblingsplatz: seinen Schreibtisch, an dem er sich in seine Münzstudien vertiefen konnte. Die Verbundenheit zu Schweden äußerte sich im Hause Hatz auch in Drucken schwedischer Künstler an den Wänden und den typischen Dalarnapferdchen. Die ihm eigene Liebenswürdigkeit brachte ihm die außerordentliche Wertschätzung vieler Fachkollegen ein, die sich wiederum in der dem Ehepaar Hatz gewidmeten von Peter Berghaus, Jörgen Bracker, Jørgen Steen Jensen und Lars 0. Lagerqvist herausgegebenen Festschrift „Commentationes Numismaticae“ aus dem Jahr 1988 ausdrückt. Hier findet sich auch ein Schriftenverzeichnis (bis zum Jahr 1985) von Gert Hatz.

Es folgten weitere Ehrungen, so erhielt er 1988 den Ehrenpreis der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte, 2002 den Derek Allen Price der British Academy und 2003 zusammen mit seiner Frau die Medaille der Royal Numismatic Society. Zudem war er Ehrenmitglied der Numismatischen Gesellschaft Berlin sowie Ehrenmitglied im Verein der Münzenfreunde in Hamburg. So war Gert Hatz ein großer Sendbote der Numismatik. Dabei ging es ihm immer um die Sache. Ein Aufheben um seine eigene Person zu machen, war ihm völlig fremd. Das ist sicherlich auch der Grund, warum er, obwohl er schon seit 1972 die Venia Legendi besaß, erst durch gemeinsame Anstrengungen wissenschaftlicher Fürsprecher verschiedenster Seiten im Jahr 1988 eine außerplanmäßige Professur am Historischen Seminar der Universität Hamburg erhielt und Honorarprofessor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Universität Kiel wurde. Dort lernte auch der Verfasser ihn kennen, der gerade seine Dissertation zu den wikingerzeitlichen Schatzfunden Schleswig-Holsteins begonnen hatte. Anfangs mit gehörigem Respekt vor den vor ihm liegenden ca. 10.000 in weiten Teilen unbestimmten Münzen, ließ er sich von Gert Hatz überzeugen, dass eine Beschäftigung mit den Münzfunden wissenschaftlich sicherlich gewinnbringend wäre. Ohne die vielen guten Ratschläge, seine Unterstützung und wissenschaftliche Expertise in schwierigen Einzelfragen wäre diese Bearbeitung sicherlich nicht gelungen. Dabei erwies sich Gert Hatz auch als hervorragender Didaktiker und Pädagoge, denn er beantwortete bestimmte Fragen nicht etwa mit einer abschließenden Antwort, sondern gab immer Hilfe zur Selbsthilfe, nannte also nur die entsprechende Literatur und ermunterte den Fragenden, selbst auf die Lösung zu kommen. Dabei war er ein Lehrer, der auf Augenhöhe mit seinen Schülern sprach, was doch in weiten Teilen des damaligen Universitätsbetriebes eher ungewöhnlich war. Dass der Verfasser Gert Hatz als Leiter des Münzkabinetts in Hamburg nachfolgen durfte, ist ihm immer noch Ehre und Ansporn zugleich.

Im Museum für Hamburgische Geschichte wirkte Gert Hatz eher im Hintergrund. Vom 20. März bis zum 2. Juni 1991 konnte er in einer eigenen Sonderausstellung die herausragende Sammlung Vogel präsentieren, zu der ein Begleitband mit dem Titel „Geschichte in Gold“ erschien. Danach wurde von Hatz in dem speziell dafür konzipierten Raum die Dauerausstellung des Münzkabinetts eingerichtet. Auch im Verein der Münzenfreunde Hamburg engagierte sich Gert Hatz schon früh. Zwischen 1957 und 1990 war er Schriftführer und von 1990 bis 1993 Beisitzer. An den regelmäßig stattfindenden Vereinsabenden hielt er von Zeit zu Zeit Vorträge über seine aktuellen Forschungen, bei denen er unter den Vereinsmitgliedern zahlreiche wissensdurstige Zuhörer fand.

Obwohl Gert Hatz Ende 1993 als Leiter des Münzkabinetts ausschied, markiert dieses Jahr nicht etwa das Ende der wissenschaftlichen Arbeit, sondern eher den Beginn einer sehr kreativen Schaffensphase, die sich in der Publikation diverser wichtiger Schriften niederschlug - meist in gemeinsamer Autorenschaft mit seiner Frau. Überschattet wurde diese Zeit durch den Tod ihres ältesten Sohn Axel, der 1994 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Nur schwer kann man ermessen, was das für die Familie Hatz bedeutet hat. Offensichtlich hat ihnen aber auch hier das gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten über diese schwere Zeit hinweggeholfen. Noch viele Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem regulären Arbeitsleben, kam Gert Hatz einmal in der Woche, meist am Dienstag, ins Münzkabinett. Er studierte die hereingekommenen Neuerscheinungen und schrieb an verschiedensten Publikationen. In der „Kaffeepause“, in der sich auch das Bibliotheksteam, Herr Glagla, Frau Griem und Frau Müller, später dann Frau Mende, dazu gesellten, erzählte er manche Anekdote, ließ sich aber auch mit lebhaftem Interesse in wissenschaftliche Diskussionen verwickeln. In diese Zeit gaben Gert Hatz und der Verfasser zusammen sechs Bände der Numismatischen Studien mit unterschiedlichen Themen heraus. Herr Hatz hat sich dabei nicht nur als erfahrender Redakteur, sondern auch an verschiedenen Stellen als Autor beteiligt. Mit einer außergewöhnlichen Akribie widmete er sich den Manuskripten und kontrollierte jeden einzelnen Eintrag der angegebenen Literatur anhand der im Kabinett vorhandenen Bücher und Zeitschriften. Auch Frau Hatz beteiligte sich mit großem Elan an dieser zeitaufwändigen Arbeit.

Erst das fortschreitende Alter machte dieser Schaffenskraft langsam ein Ende. Nach langer und reiflicher Überlegung entschied sich das Ehepaar Hatz im Jahr 2005 zum Verkauf des Hauses in Hamburg-Volksdorf und zum Umzug nach Eutin! Ostholstein. Dort lebte ihr Sohn Olaf mit seiner Frau und den noch kleinen Enkelkindern, mit denen sie mehr Zeit verbringen wollten. Die Auflösung der großen privaten Bibliothek wird ihnen sicherlich schwer gefallen sein, wenngleich ein Kern mit Büchern zur wikingerzeitlichen Numismatik, ein Anker sozusagen, im Haus ihres Sohnes in Eutin aufgestellt wurde.

Ihr sehnlicher Wunsch, das fertig gestellte Manuskript zu den Fundmünzen aus der Landschaft Blekinge, Schweden, als weiteren Band der CNS-Reihe, gedruckt zu sehen, ging leider nur noch für Gert Hatz in Erfüllung. Vera Hatz starb am 18. Oktober 2010. Der Band erschien wenig später im selben Jahr. Obwohl Gert Hatz in Eutin recht zurückgezogen lebte, war er trotzdem bis ins hohe Alter an allen wissenschaftlichen und numismatischen Fragen interessiert. Gerne ließ er sich von neuen Funden berichten und konnte noch nahezu bis zuletzt mit bemerkenswerter Klarheit über Detailprobleme diskutieren. Die letzten Rezensionen schrieb er noch in den Jahren 2008 (Kluge, Wiechmann), 2011 (Malmer) und 2013 (Mehl). Ehrlich freuen konnte sich Gert Hatz über die schöne von Peter-Götz Güttler gestaltete Medaille, die 2013 posthum auf den 90. Geburtstag von Vera Hatz entstand. Das entsprechende Pendant, das Güttler im selben Jahr auf Gert Hatz schuf, quittierte dieser bei der Überreichung mit den Worten: „Eine Medaille bekommen doch nur Leute, die schon gestorben sind“ Diese Ehre war ihm für seine zurückhaltend-liebenswürdige Lebensauffassung fast schon zu viel.

Am 5. September 2017 verstarb Gert Hatz. Die Beisetzung fand am 27. September im Kreis der engsten Angehörigen, den Freunden und numismatischen Wegbegleitern statt. Niklot Klüßendorf sagte in seiner bewegenden Trauerrede sehr treffend, für viele gälte das Lebensmotto „Mehr Schein als Sein“ bei Gert Hatz wäre es dagegen immer „Mehr Sein als Schein“ gewesen.

Ralf Wiechmann

 
     

 

Helmut König (1934-2017)

  Helmut König (1934-2017)
 
     
  Personalia NNB 5/2017  
 

 

Am 24. März 2017 vollendete sich der Lebensweg des Thüringer Medailleurs und Graveurs Helmut König im Alter von fast 83 Jahren. Er wurde trotz seines hohen Alters völlig unerwartet in die Ewigkeit abberufen.

Helmut König, der Unentwegte, der Eifrige, der Meisters des Stichels, solässt sich wohl mit wenigen Sätzen das Lebenswerk des weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Stempelschneiders beschreiben. Auf vier Jahrzehnte Medaillenherstellung konnte er 2014 mit berechtigtem Stolz zurückblicken.

Schon seine Geburt 1934 im fernen Mailand bot oft den Anlass für vielerlei Scherze. Diese fröhliche Art entsprach seinem Naturell und half ihm oft, beschwerliche Lebensabschnitte zu meistern. Aufgewachsen in der thüringischen Doppelgemeinde Zella-Mehlis, erlernte Helmut König den Beruf eines Jagdwaffen- und Stempelgraveurs. Zahlreiche erhaltene Zeichnungen und Entwürfe in seinem Atelier lassen erahnen, über welch vielfältige künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten er verfügte. Noch bis kurz vor seinem Tod erstaunte er Besucher und Kunden immer wieder, mit welcher Leichtigkeit er Ideen und Gedanken zeichnerisch, sozusagen aus dem Handgelenk, umsetzen konnte. Nach erfolgreicher Gesellenprüfung im Jahr 1953 begann für ihn eine Zeit des Fortgehens. Ähnlich wie einst die Gesellen im Mittelalter auf Wanderschaft gingen, so schnürte auch er den Ranzen. Bis nach Mainz führte ihn der Weg. Bleiben oder doch lieber zurück nach Thüringen? Diese Frage stellte sich 1958 im geteilten Deutschland. Der Heimatruf war stärker. In Suhl fand sich eine neue Wirkungsstätte in einer PGH (Produktions-Genossenschaft des Handwerks). Hier legte er auch vier Jahre später seine Meisterprüfung mit Bravour ab. Weitere neun Jahre folgten, bis er 1971 den Schritt in die Eigenständigkeit wagte. Selbstständiger Handwerksmeister durfte er sich fortan nennen In dieser Zeit fasste er den Entschluss, eigene Medaillenstempel herzustellen. Fast in der Lebensmitte stehend, stellte er 1974 seine erste Prägung für den Ort Ditfurt vor. Es sollte trotz aller zeitbedingten Schwierigkeiten der Beginn einer äußerst schaffensreichen Zeit werden, stark geprägt auch von der kongenialen Zusammenarbeit mit dem Diplom-Designer Jürgen Ellenberg. Der eine lieferte die Entwürfe, der andere setzte sie meisterhaft um. Geprägt wurde damals noch beim Partner Bittner in Gotha.

Mit der Anerkennung seiner Arbeit stellten sich Erfolge und Ehrungen ein. Bereits 1977 verlieh man ihm den Titel „Anerkannter Kunsthandwerker“ später wurde er Mitglied im Verband Bildender Künstler. Für die weltweit agierende Goethegesellschaft in Weimar schuf er über Jahrzehnte hinweg deren goldene Ehrenmedaillen.

Das Wendejahr der friedlichen Revolution von 1989 stellte die Einmannfirma König von heute auf morgen vor völlig neue Herausforderungen. Staatliche und gesellschaftliche Auftraggeber verschwanden über Nacht von der politischen Bildfläche. Ebenso verringerte sich auch der Freundeskreis. Offene Staatsgrenzen ermöglichten die Erfüllung alter Sehnsüchte. Abrupt veränderte sich die Nachfrage, anderes war jetzt gefragt! Ungern erinnerte sich der Graveur an jene von Unsicherheiten geprägte Umbruchzeit. Erneut stand er vor einem betrieblichen Neuanfang. Nur zählte er jetzt bereits selbst zum „alten Eisen“. Mut zum Neubeginn gab ihm seine liebenswerte Ehefrau Brigitte. Eine moderne 200-Tonnen-Presse wurde angeschafft. Fortan prägte der Stempelschneider in eigener Werkstatt. Selbst in der alten Bundesrepublik war er kein Unbekannter. Von dort kamen nun die Aufträge. Die Nachfrage nach den von ihm geschaffenen ausdruckstarken Medaillen mit besonders großer Relieftiefe stieg erfreulicherweise wieder an. Zum 20. Firmenjubiläum konnte er bereits auf neunhundert Schaumünzen verweisen. Nachfolgend ehrte man ihn mit der Mitgliedschaft im Bundesverband Bildender Künstler. 1994 erhielt er den Auftrag zur Gestaltung und Herstellung einer Erinnerungsprägung für die Mitglieder der 10. Bundesversammlung in Berlin. Es war dies ein weiteres Zeichen der hohen Wertschätzung, die er sich erworben hatte.

Wie viele Künstler mimosenhaft und etwas eitel, war er selbst ein Getriebener seiner Fähigkeiten sowie seiner Gutmütigkeit. Hier hätte oftmals ein striktes Nein dem Kunden gegenüber zu mehr Freizeit verholfen. So konnte es passieren, dass der 80-Jährige noch in einem Jahr 53 Medaillen schuf. Also jede Woche schnitt er einen Stempel und stellte die gewünschte Anzahl Medaillen her. Dass er zudem auch als Darlehensgeber für klamme Vereine agierte, war allgemein bekannt und wurde leider gern ausgenutzt. „Zahlt die Rechnung, wenn die Stücke abgesetzt sind“ war oftmals sein selbstloses Entgegenkommen, um die Finanzierung zu ermöglichen.

So preußisch korrekt wie er zeitlebens gearbeitet hatte, so ging er von uns. Noch am Tag vor seinem Tod stellte er den letzten Auftrag pünktlich zur Abholung bereit. Es ist dies eine Medaille für Helmut Recknagel, den berühmten Skispringer.

Einen Überblick auf vier Jahrzehnte Medaillenschaffen, der großen und kleinen Schaumünzen, Klippen, Gedenkprägungen, Sportmedaillen, Plaketten sowie Abzeichen, ermöglicht der von Konrad Dienel erstellte Gesamtkatalog (Wettin-Verlag, Kirchberg/Jagst 2011 ff.). Auf mehr als 2000 Medaillen zu den unterschiedlichsten Themen und Anlässen können wir heute blicken.

Helmut König war ein Meister der Medaillenkunst. Sein vor uns liegendes, nun abgeschlossenes Werk wird weiterleben und nachfolgende Generationen werden seine Gedenkmünzen suchen und sammeln und sich an ihrer Vielfalt und Schönheit erfreuen.

Hans-Peter Brachmanski

 
     

 

Georg Baums (1935-2017)

  Georg Baums (1935-2017)  
     
  Personalia NNB 4/2017  
 

Im Alter von 81 Jahren verstarb am 16. Februar 2017 nach längerer Krankheit der Sammler, Kunstliebhaber und Förderer der Medaillenkunst Georg Baums. Er hatte noch viele Ideen, Hoffnungen und Wünsche, auch wenn die Osnabrücker Firma Fritz Rudolf Künker vor drei Jahren die „500 Jahre Geschichte und Kunst im Spiegel der Medaille“ umfassende Sammlung des erfolgreichen Werbe- und Marketingfachmanns Georg Baums versteigerte.

„Zu jeder Sammlung gehört Liebe“ überschrieb der Verfasser des Nachrufs die sammelnden Intentionen seines Freundes Georg frei nach Goethe, die dem Auktionskatalog vorangestellt wurden. Mittlerweile war er aktives Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst geworden. Neue Sammlungen waren im Entstehen begriffen, so zur Kunst des Jugendstils. Seit der Jahrestagung 2013 in Kressbronn öffnete er sich auch der zeitgenössischen deutschen Medaille und förderte Künstler durch gezielte Ankäufe. Am 25-jährigen Jubiläum unserer Gesellschaft, das wir Ende September 2016 in Speyer begingen, nahm er noch freudig und voller Zuversicht über den Heilungsprozess nach überstandener Operation teil. Die Herstellungskosten der Festschrift hatte er als seine Jubiläumsgabe gesponsert.

Noch wenige Tage vor seinem Tod telefonierten wir über sein Interesse an einer Online-Auktion in Leipzig, in der Arbeiten von Karl Burgeff, Heide Dobberkau, Peter-Götz Güttler, Eberhard Linke und anderen zeitgenössischen deutschen Künstlern angeboten wurden.

Nun hat sich sein Leben vollendet. Die Freunde und Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst und der Numismatischen Gesellschaft Speyer werden ihrem Mitglied und Förderer Georg Baums ein ehrendes Andenken bewahren.

Wolfgang Steguweit

 
     

 

Christian von Kleist (1930-2016)

  Christian von Kleist (1930-2016)
 
     
  Personalia NNB 1/2017  
 

 

Am 13. November 2016 wurde der frühere Vorsitzende des Vereins der Münzfreunde für Westfalen und Nachbargebiete, Dr. Christian-Ewald von Kleist, von längerem Leiden erlöst. Geboren am 16. Juli 1930 in Berlin, aufgewachsen auf dem Familiengut in Pommern und von dort vertrieben, flüchtete er 1961 von Demmin aus nach Westdeutschland und kam als promovierter Chemiker nach Münster, wo er eine Familie gründete und dem Verein beitrat. Breit interessiert, zählte er auch zum Osnabrücker „Münzbold“. 1996 Nachfolger von Peter Berghaus als Vorsitzender, führte er den Verein erfolgreich zehn Jahre lang (vgl. NNB 2015/7, S. 267). Als er sein Amt 2005 aufgab, wurde er zum Ehrenmitglied gewählt. Verdienste erwarb er sich auch um das Kleist-Familienmuseum neben dem Bahnhof in Hamm. Begeisterter Jäger und Jagdhornbläser, war er nach der „Wende“ oft Gast auf dem früheren Familiengut bei Stolp und unterhielt freundschaftliche Kontakte zu den heutigen Besitzern. Sein freundliches, gewinnendes und humorvolles Wesen werden allen seinen Freunden unvergessen bleiben.

Gerd Dethlefs

 
     

 

Dieter Raab (1938-2015)

  Dieter Raab (1938-2015)
 
     
  Personalia NNB 3/2016  
 

Am 20. Dezember 2015 ist der Frankfurter Münzenhändler Dieter Raab, ehemaliger Inhaber des traditionsreichen Auktionshauses Dr. Busso Peus Nachfolger, im Alter von 77 Jahren in seiner Wahlheimat, der Stadt Frankfurt am Main, verstorben.

Dieter Raab ist am 11. Dezember 1938 zwar in Steinhöring bei München zur Welt gekommen, aber er hat seine ganze Kindheit und Jugend in Stuttgart verbracht und war - das weiß jeder, der ihn etwas besser kannte - aus Überzeugung und mit Begeisterung Schwabe. Er verkörperte dabei vor allem die Tugenden, die diesem Menschenschlag gemeinhin nachgesagt werden: Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Kontaktfreude, Menschenfreundlichkeit sowie eine tief verwurzelte Liberalität. Von den nicht weniger sprichwörtlichen schwäbischen Lastern wie Borniertheit, Frömmelei oder Geiz ist er dagegen verschont geblieben.

Schon von jungen Jahren an beschäftigte sich Dieter Raab mit großem Engagement mit alten Münzen und ihrer Geschichte. Für den echten Münzsammler besteht seine Tätigkeit ja stets auch in einem Zusammentragen und Weitergeben von Geschichten um den Gegenstand seiner Leidenschaft, und das entsprach Raabs besonderer Neigung und Begabung in hohem Maß. Es drängte ihn vor allem, die historischen Hintergründe der numismatischen Objekte, Münzen oder Medaillen, mit denen er bald täglich Umgang pflegte, herauszufinden und weiterzuerzählen. Die Begeisterung dafür sollte ihn sein Leben lang begleiten und nicht mehr loslassen. Sie führte ihn schon während seiner Schulzeit am Stuttgarter Wagenburg-Gymnasium zum Württembergischen Verein für Münzkunde, wo er älteren und erfahreneren Numismatikern begegnete, die für ihn zu Lehrern und Mentoren wurden. Einer dieser Lehrer war Kurt Jaeger, der den jungen Raab 1960 bald nach der Aufnahme eines (später aufgegebenen) Studiums der Betriebswirtschaft an der Universität München zunächst nur für die Semesterferien zur Münzen & Medaillen AG in Basel vermittelte.

Hier, in einem Zentrum des europäischen Münzenhandels, war der junge Numismatiker aber so sehr in seinem Element, dass er eine ihm alsbald angetragene Vollzeitbeschäftigung bei der Firma annahm und ganz nach Basel zog: Die Basler Jahre, von denen er auch später immer wieder gerne erzählt hat, zählten gewiss zu den eindrücklichsten und schönsten Perioden seines Lebens. Schließlich hat er bei der Münzen & Medaillen AG dann auch seine spätere Frau Lilo kennengelernt. Im Jahre 1966 erfuhr Dieter Raab, dass für die renommierte Frankfurter Münzhandlung Dr. Busso Peus, vormals Adolf Hess, ein Nachfolger gesucht wurde. Er trat in Verhandlungen ein und übernahm 1967 - zunächst zusammen mit seinem Kollegen Peter N. Schulten - die Firma, die fortan Dr. Busso Peus Nachfolger heißen sollte. Nach dem Ausscheiden seines Teilhabers im Jahre 1973 führte Raab die Firma dann allein weiter.

In den vierzig Jahren, die Dieter Raab das Haus Dr. Busso Peus Nachfolger mit seiner hohen Kompetenz und der ihm eigenen ruhigen Hand gemäß seinem Motto „beata tranqillitas“ geleitet hat, hat er nicht nur die bedeutende Tradition dieser alten Frankfurter Münzenhandlung aufgenommen und fortgesetzt, sondern er hat die Firma ganz erheblich weiterentwickelt und sie zu einer der wichtigsten numismatischen Institutionen in der Welt von heute gemacht. Manche der über 128 Auktionskataloge, die das Haus in diesen Jahren herausgegeben hat und die entweder ganz von seiner Hand stammen oder unter seiner maßgeblichen Beteiligung entstanden sind, sind zu Zitatwerken für das jeweilige Teilgebiet geworden: Besonders stolz war er hier immer auf die Kataloge der Talersammlung von Dr. Werner Koch (273/1970 und 278/1971), auf den Katalog der Brakteaten von Dr. Friedrich Bonhoff (293/1977) oder auf den Katalog zum 650-jährigen Jubiläum der „Goldenen Bulle“ in Frankfurt (390/2007), um nur einige hervorragende Beispiele herauszugreifen. Unter seiner Obhut und mit seiner Förderung ist in den Räumen und mit den Hilfsmitteln der Firma darüber hinaus eine ganze Reihe von numismatischen Fachpublikationen entstanden - darunter auch so bedeutende Arbeiten wie das dreibändige Werk von Karl Müseler über die Bergbaugepräge in der Sammlung der Preussag AG, deren wichtigster Lieferant und Berater in numismatischen Fragen stets nur Dieter Raab gewesen ist. Und unschätzbare Verdienste hat er sich um die Pflege und den Ausbau der Geschäftsbibliothek, Nervenzentrum und Rück-grat einer jeglichen Münzenhandlung, zur weltweit größten numismatischen Fachbibliothek in privater Hand erworben. Daneben ist er über Jahre hinweg immer wieder zum Vertreter des Münzhandels in der Numismatischen Kommission der Länder der Bundesrepublik Deutschland berufen worden, wo ihm seine große persönliche Integrität zusammen mit seinem verbindlichen Wesen über die verschiedenen Interessengruppen hinweg hohes Ansehen verschafft hat.

Im Mittelpunkt all dieser beruflichen Erfolge stand aber immer der Mensch Dieter Raab, dessen Fairness und Ehrlichkeit ihn bei Kollegen wie bei Kunden geschätzt und beliebt machte. Seine unprätentiöse, offene und freundliche Art machten ihm den Umgang mit Menschen der verschiedensten Art leicht. Und entsprechend seiner Neigung steckte er stets voller Geschichten, die er immer wieder gerne mit anderen geteilt hat, was ihn nicht nur zu einem angenehmen Gefährten, sondern auch zu einem großartigen Lehrer werden ließ. Viele Numismatiker in seinem Umkreis haben von dieser besonderen Fähigkeit Raabs viel profitiert.

Im Jahre 2007, vierzig Jahre nach der Übernahme der Firma, zog sich Dieter Raab (jedenfalls pro forma) aus dem aktiven Geschäftsleben zurück und übergab die Leitung des Hauses seinem Sohn Christoph. Das hat ihn freilich nicht daran gehindert, nach wie vor beinahe täglich ins Geschäft zu kommen, seinen Nachfolgern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sich im Umgang mit den Münzen immer wieder erneut den intellektuellen Herausforderungen und Ausschweifungen zu stellen, welche die Numismatik für den Kundigen gleich welchen Alters bereit hält.

Am Ende von ein paar schwierigen Jahren der Krankheit, die er jedoch unterstützt von seiner Frau stets guten Mutes durchgestanden hat, war es Dieter Raab schließlich vergönnt, so zu sterben, wie er auch gelebt hat: Nach einer letzten unbeschwerten und fröhlichen Feier im Kreis seiner Mitarbeiter und Weggefährten, wie er sie sein Leben lang immer wieder gerne veranstaltet hat, ist er friedlich in seinem Bett eingeschlafen. Seine Familie, seine Freunde und die Angehörigen seiner Firma trauern um den Verlust eines Menschen, der ihre jeweiligen Leben nachhaltig berührt und bewegt hat.

 
     

Albert Pick (1922-2015)

  Albert Pick (1922-2015)
 
     
  Personalia NNB 2/2016  
 

Am Sonntag, dem 22. November 2015 ist Albert Pick im Alter von 93 Jahren in Garmisch-Partenkirchen verstorben. Mit ihm verliert die Welt der Geldscheinsammler einen großen Freund und Berater und das numismatische Fach „Geldscheinkunde“ seinen Begründer und größten Förderer.

Albert Pick wurde am 15. Mai 1922 in Köln als Kind des Druckereibesitzers Balduin Pick und seiner Ehefrau Auguste, geb. Sievers, geboren. Aus dieser Ehe stammte noch eine ältere Schwester Elisabeth. Bereits als Schuljunge begann er im Alter von acht Jahren mit dem Sam-meln deutschen Notgelds. Was zunächst das Hobby eines Kindes war, wurde bald zu einer Passion. Albert Pick sammelte seit seiner Kindheit unermüdlich weiter und vertiefte im Lauf der Jahre seine Kenntnisse über die Zahlungsmittel aller Länder und aus allen Zeiten.

Nach Volksschule und Gymnasium, das er 1939 mit dem Abitur abschloss, studierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln die Fächer Germanistik und Geschichte. Nach vier Semestern wurde er 1941 zum Kriegsdienst eingezogen, geriet als Fähnrich der Luftwaffe 1944 in Kriegsgefangenschaft und wurde als prisoner of war in die Vereinigten Staaten verbracht. Insgesamt dreizehn Monate lebte er in den USA, dann noch weitere sechs Monate als Kriegsgefangener in einem Camp in England, bis er 1946 repatriiert wurde. Aus dieser Zeit als Kriegsgefangener stammten seine guten Englischkenntnisse.

Zurück in Köln trat er in den väterlichen Druckereibetrieb ein und gründete den Kölner Universitätsverlag. 1949 heiratete er Annelie, geb. Fleischer. Der Ehe entstammen die Töchter Monika und Doris. Neben seiner beruflichen Tätigkeit führte er sein Hobby, das Geldscheinsammeln, unermüdlich weiter und erwarb sich einen hervorragenden Ruf als Papiergeld-Spezialist.

1964 verkaufte er seinen Kölner Universitätsverlag samt technischem Betrieb. Seine Sammlung historischer Geldscheine war mit rund 130.000 Exemplaren so umfangreich geworden, dass er sie privat nicht mehr adäquat betreuen konnte. Die Bekanntschaft mit dem damaligen Chefsyndikus der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München, Dr. Lippisch, führte für Albert Pick zu einer überzeugenden Lösung. Er übergab seine Sammlung 1965 der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München und wurde im Gegenzug von der Bank als Kurator der Sammlung angestellt. Von der Münchner Industrie- und Handelskammer wurde er als vereidigter Sachverständiger im deutschsprachigen Raum benannt.

1985 ging Albert Pick dann in den wohlverdienten Ruhestand und lebte seither in Garmisch-Partenkirchen. 2003 wurde die Sammlung von der HypoVereinsbank, dem Nachfolgeinstitut der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, unter dem Namen „HVB Stiftung Geldscheinsammlung“ in eine Stiftung öffentlichen Rechts eingebracht. Von den Nachfolgern Picks wurde die Geldscheinsammlung bis heute weiter ausgebaut und ist nun die wohl weltweit bedeutendste Generalsammlung. Als Kurator der Sammlung in München entfaltete Albert Pick eine rege Tätigkeit. Mit dem ihm gewährten Etat konnte er zahlreiche spektakuläre Ankäufe tätigen. Daneben begann er, Bücher und Kataloge über sein Sammelgebiet zu schreiben. Er begann 1964 mit einem bis heute gültigen Standardwerk mit dem Titel „Papiergeld“, das erstmals einen historischen Überblick über dieses Fachgebiet bot. Sein 1970 erschienener „Papiergeld Katalog, Europa seit 1900“ war bahnbrechend und erschien 1971 bereits in englischer Übersetzung. Es folgte 1973 der „Paper Money Catalogue of the Americas”.

Das Werk aber, das immer mit dem Namen Pick verbunden sein wird, ist der 1975 erstmals und seitdem in vielen Auflagen erschienene „Standard Catalog of World Paper Money“. Seit der ersten Auflage vermehrte sich das Wissen um die Zahlungsmittel aus Papier ungeheuer. Nach einigen Jahren konnte die Editionsarbeit von Albert Pick allein nicht mehr bewältigt werden. Er verkaufte die Rechte an seinem Katalog an den Verlag Krause Publications in Iola, USA. Albert Pick hat eine ganze Reihe weiterer Bücher zur Geldscheinkunde vorgelegt. Unentbehrlich für den Geldscheinsammler sind das „Papiergeld Lexikon“, erschienen 1973, und der Band „Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland 1874- 1980“, den er zusammen mit Uwe Rixen 1982 herausbrachte und der 1998 in dritter Auflage erschienen ist. Dem Sammler sind auch seine Werke über „Briefmarkengeld“ (1970), „Handbuch für Sammler und Liebhaber“ (1967) und „Papiergeld sammeln“ (1971) bekannt. Auch mit Walter Grasser hat Albert Pick bald nach seiner Übersiedlung nach München zusammengearbeitet. Bereits 1972 erschien der Band „Walter Grasser, Albert Pick: Das Bielefelder Stoffgeld 1917-1923“. Insgesamt umfasst Picks Bibliographie 23 selbständige Publikationen, von denen einige sogar mehrere Auflagen erlebten. Dazu kommen 37 Fachartikel in Zeitungen und Zeitschriften und 5 Beiträge in fremden Publikationen.

Albert Pick gestaltete eine ganze Reihe von Ausstellungen, die die Geldscheinsammlung bekannt machten, ebenso wie drei Fernsehsendungen zur Sammlung. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, speziell in den USA, der Hochburg der Banknotensammler, so 1972 den „Special Award of Merit“ der Society of Paper Money Collectors, 1975 den „Nathan Gold Award“ und im gleichen Jahr auch den „Special Award“ der Society for International Numismatics. Die International Banknote Society IBNS hat ihn in die ,,Hall of Fame“ aufgenommen.

Albert Pick war ein Pionier auf dem Gebiet des Geldscheinsammelns in einer Zeit, als die klassische Numismatik das Papiergeld noch nicht als sammlungswürdig erkannt hat. Die Sammlergemeinde hat durch seinen Tod einen großen Verlust erlitten. Das Geldscheinsammeln wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben.

Franziska Jungmann-Stadler

 
     

 

Kauko Räsänen (1926-2015)

  Kauko Räsänen (1926-2015)
 
     
  Personalia NNB 11/2015  
 

 

Nach langer, schwerer Krankheit verstarb am 10. September 2015 der bekannte finnische Bildhauer und Medailleur Kauko Räsänen in Espoo bei Helsinki im 89. Lebensjahr. Kauko Räsänen war einer der bedeutendsten Medaillenkünstler des an Medailleuren im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart so reichen Finnland. Er hat mit seiner Kunst, seinen Ideen und seinen Neuerungen der Medaillenkunst entscheidende Impulse verliehen. Geboren wurde Kauko Räsänen am 23. Februar 1926 als drittes Kind eines Polizisten und einer Lehrerin und Kunsterzieherin im damals zu Finnland gehörenden Karelien. Mit drei Jahren verlor er den Vater; mit Beginn des Winterkrieges gegen die Sowjetunion 1939 und dann endgültig 1944 musste die Familie die Heimat verlassen. Von 1946 bis 1950 studierte Kauko Räsänen an der Finnischen Kunstakademie in Helsinki. Sein Schwerpunkt lag zunächst bei der Skulptur, mit der Medaillenkunst beschäftigte er sich erstmals 1951, und das gleich mit Erfolg: Räsänen gewann den ersten Preis für die Gedenkmedaille auf die Olympiade 1952 in Helsinki. Von diesem Zeitpunkt ab folgte - neben der Bildhauerei, die immer das andere wichtige Tätigkeitsfeld von Kauko Räsänen blieb - eine große Anzahl von Medaillen auf verschiedenste Anlässe. Sie gehen auf eigene Ideen zurück oder sind Auftragsarbeiten, die das Thema jedoch stets künstlerisch ganz frei nach den Ideen und Vorstellungen des Künstlers umsetzten. Sieht man vom eng mit Finnland verbundenen Schweden ab, ist Deutschland das einzige weitere europäische Land, für das Räsänen Medaillen geschaffen hat. Räsänens Medaillen sind, wie generell in der finnischen Medaillenkunst, überwiegend Prägemedaillen, Gussmedaillen gibt es von ihm nur wenige. Räsänen hat die Medaille nicht weniger geschätzt als die Skulptur, sie war ihm nicht weniger wichtig. Ja, er sagte sogar, dass Skulpturen im Vergleich zu Medaillen weniger Ausdrucksmöglichkeiten böten. Der Künstler entwickelte ebenso wie in der Plastik auch in der Medaillenkunst seinen ganz individuellen Stil, der sie sehr deutlich als typische Arbeiten erkennen lässt. Der nackte weibliche Körper ist das Motiv, das man bei Räsänen wahrscheinlich am häufigsten findet. Es gelang ihm, dieses Sujet in einer für ihn typischen Ästhetik äußerst vielseitig für die verschiedensten Themen und Aussagen zur Verwendung zu bringen, ohne dass dies auch nur im Geringsten ein Gefühl der Wiederholung, der Monotonie oder der fehlenden Relevanz hervorrufen würde. Er selbst hat dazu gesagt: „Zunächst einmal liebe ich die Frau, sie ist plastischer in der Wiedergabe als der Mann. Sie repräsentiert den Fortbestand des Lebens - außerdem ist die Kunst weiblichen Geschlechts.“ Die bemerkenswerteste Neuerung, die Kauko Räsänen in der Medaillenkunst eingeführt hat, war die aus mehreren Teilen zusammengesetzte Medaille. Das konnten von zwei bis zu acht Teile sein. Die Aussage konnte so noch wesentlich vielseitiger gestaltet werden und weitere Aspekte zum Ausdruck bringen. Ein vollständiges Bildprogramm ließ sich so verwirklichen, wie Räsänen es in den mehrteiligen Medaillen auf Leonardo da Vinci 1974 und Michelangelo 1977 zur Perfektion gebracht hat. Alle Teile der zusammengesetzten Medaillen sind exakt aufeinander angepasst und rasten hörbar ineinander sein - schon das bedeutet eine hohe technische Anforderung an den entwerfenden Künstler wie an die ausführende Prägeanstalt. Räsänens Medaillen waren und sind im In- und Ausland sehr geschätzt. Er gewann zahlreiche Ehrungen und Preise und hat sich an zahlreichen Ausstellungen in und außerhalb Finnlands beteiligt, wozu auch regelmäßige Beteiligungen an FIDEM gehörten. Die Staatliche Münzsammlung München hat ihm 2011 eine eigene Ausstellung mit einem ausführlichen Werkverzeichnis gewidmet (Josef Hackl, Dietrich 0. A. Klose: Kauko Räsänen, Neue Wege in der Medaillenkunst. München 2011). Räsänens Bildhauerarbeiten stehen in Finnland auf zahlreichen öffentlichen Plätzen, sind in Museen und Kirchen zu sehen. Zahlreiche Museen besitzen Medaillen von ihm, in der Staatlichen Münzsammlung München befindet sich die neben dem Archiv des Künstlers weltweit einzige vollständige Sammlung aller Medaillen von Kauko Räsänen, die Josef Hackl, langjähriger Freund des Verstorbenen, zusammengebracht hat. Mit Kauko Räsänen verliert die Medaillenkunst einen der ganz Großen auch über die Grenzen Finnlands hinaus. Seine späteste Medaille, es ist die Nr. 188 seines Werkverzeichnisses der Medaillen, stammt aus dem Jahr 2004, als er bereits von seiner Krankheit gezeichnet war. Räsänens Werk wird ein wichtiger Meilenstein der Medaillenkunst des 20. Jahrhunderts bleiben, denen, die ihn kannten, bleibt er als ein humorvoller, liebenswürdiger und ganz in seiner Kunst aufgehender Mensch in Erinnerung.

Josef Hackl / Dietrich 0. A. Klose



 
     

Leandre Villaronga (1919-2015)

  Leandre Villaronga (1919 - 2015)
 
     
  Personalia NNB 9/2015  
 

 

Im Juli 2015 verstarb mit Leandre Villaronga in Barcelona einer der berühmtesten Erforscher der antiken Münzen Spaniens im Alter von 96 Jahren.

Leandre Villaronga ist eines der besten Beispiele dafür, was man als Sammler zur wissenschaftlichen Erforschung der Münz- und Geldgeschichte beitragen kann. Als numismatischer Autodidakt sind seine vielen Bücher und Aufsätze zur iberischen Geldgeschichte heute Referenzwerke. Sein 1994 publiziertes Corpvs Nvmmvn Hispaniae ante Avgvsti Aetatem (CNH) ersetzte beispielsweise den Klassiker La moneda hispánica (1926) von Antonio Vives als Zitierwerk für die Katalogisierung der antiken spanischen Münzen. 2011 veröffentlichte er gemeinsam mit Jaume Benages eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage des Werkes Ancient Coinage of the Iberian Peninsula (ACIP). Insgesamt schrieb er 23 Monographien und mehr als 300 Aufsätze zur antiken Numismatik der iberischen Halbinsel.

Neben dieser beachtlichen Zahl an Einzelstudien und Publikationen war Leandre Villaronga aber auch sehr aktiv darin, sein numismatisches Wissen an kommende Generationen weiterzugeben. So war er Mitbegründer der Societat Catalana d'Estudis Numismátics und ihrer Zeitschrift Acta Numismática sowie von 1979 bis 1995 auch deren Präsident. Außerdem ermöglichte er vielen Forschern großzügig den Zugang zu seiner Sammlung und seiner umfangreichen Bibliothek. Im Laufe seines Lebens erhielt er zahlreiche wichtige Preise numismatischer Gesellschaften sowohl in Spanien als auch im Ausland und war Mitglied im Vorstand des International Numismatic Council (INC). 1981 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität zu Köln verliehen.

Das Leben von Leandre Villaronga war geprägt von der Leidenschaft für die Numismatik und seine zahlreichen Publikationen werden ihm einen Platz unter den bedeutendsten Erforschern nicht nur der Münzgeschichte Spaniens sichern.

 

Auswahlbibliographie Leandre Villaronga

     
  • Las monedas de Arse-Sagvntvm. Barce-lona 1967.

  •  
  • Las monedas hispano-cartaginesas. Bar-celona 1973.

  • The aes coinage of Emporion. Oxford 1977.

  • Las monedas ibéricas de Ilerda. Barcelona 1978.

  • Numismática antigua de Hispania. Iniciación a su estudio. Barcelona 1979.

  • „Necesidades financieras en la Peninsula Ibérica, durante la Segunda Guerra Púnica y primeros levantamientos de los iberos“. In: Nummus, IV-VI (1981-83), S. 119-153.

  • Les monedes ibèriques de Tàrraco. Tarragona 1983.

  • Els denaris d'Ikalkusken. Valencia 1988.

  • Tresors monetaris de la Peninsula Ibèrica anteriors a August: Repertori i Análisi. Barcelona 1993.

  • Corpus nvmmvm Hispaniae ante Avgvsti aetatem (CNH). Madrid 1994.

  • Denarios y quinarios ibéricos. Madrid 1995.

  • Les dracmes ibèriques i llurs divisors. Barcelona 1998.

  • Les monedes de plata d'Empòrion, Rhode i les seves imitacions. De principi del segle III AC fins a l'arribada dels romans, e1 218 AC. Barcelona 2000.

  • Les dracmes emporitanes de principi del segle II a.C. Barcelona 2002.

  • La plata emporitana de la segona guerra púnica final del segle III a.C. Barcelona 2003.

  • Gemeinsam mit Benages, J.: Ancient Coinage of the Iberian Peninsula. Barcelona 2011.

 Isabel Rodriguez Casanova



 
     

Hans-Jörg Kellner (1920-2015)

  Hans-Jörg Kellner (1920 - 2015)
 
     
  Personalia NNB 9/2015  
 

 

Am letzten Juniwochenende, als in Frankfurt a. M. die Jahrestagung der Numismatischen Kommission der Länder direkt in die Feier der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte e. V. zu ihrem 50-jährigen Bestehen überging, verbreitete sich die traurige Nachricht vom Tod von Hans-Jörg Kellner.

Kellner, 1920 geboren, trat bereits als Schüler im Jahr 1936 der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft bei. Seine Interessen werden hier wohl eine Rolle gespielt haben, aber es gab noch einen Grund: Durch die Mitgliedschaft belegte man eine wissenschaftliche Betätigung mit Münzen, welche die Grundlage dafür war, Goldmünzen des Kaiserreichs besitzen zu dürfen. Bald nach dem Schulabschluss begann der Krieg, der für Kellner fast zehn verlorene Jahre bedeutete. Von 1944 bis 1947 in russischer Kriegsgefangenschaft war er im Straßenbau eingesetzt; dabei wurden auch Münzen gefunden, die er dem zuständigen Museum zukommen ließ. Als er davon im Mai 1995 erzählte, saß in München auch Vsevolod Potin (1918-2005) mit am Tisch, Numismatiker der Eremitage in St. Petersburg, der sich gerade zu einer Vortragsreise in Deutschland aufhielt. Potin war gleichzeitig in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen und hatte in der Ziegelfabrik in Hagelstadt bei Regensburg gearbeitet. Kellner studierte nach der Rückkehr aus Russland Vor- und Frühgeschichte und schloss 1953 mit einer Dissertation über die römischen Fundmünzen im nördlichen Rätien ab. Es folgte für einige Jahre eine Stelle im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bevor er 1960 Direktor der Prähistorischen Staatssammlung in München (der heutigen Archäologischen Staatssammlung) wurde. Fast ein Vierteljahrhundert stand er diesem Museum vor, das 1976 in den Neubau umzog, der demnächst einer Generalsanierung unterzogen wird. In dieser Zeit entstand 1971 die erste Auflage des Handbuchs „Die Römer in Bayern", das bis 1978 vier Auflagen erlebte. 1984 übergab er das Museum in die Obhut von Hermann Dannheimer. Drei Jahrzehnte konnte er sich des darauffolgenden Ruhestands erfreuen. Noch im Dienst hatte er 1983 von der Universität Passau eine Honorarprofessur für Historische Hilfswissenschaften der Antike mit besonderer Berücksichtigung der Numismatik verliehen bekommen, wo er sodann Provinzialrömische Archäologie sowie keltische und römische Numismatik lehrte. In der Numismatik war Kellner von Anfang an in der vollen zeitlichen Breite dieses Faches tätig. Im Jahr der Promotion über römische Fundmünzen 1953 veröffentlichte er z. B. auch die Hellerfunde von Mönchsroth und Röttingen und zwei bayerische Spätmittelalterfunde aus Metten und Aidenbach und schrieb über mittelalterliche Münzstätten; zwei Jahre später erschien der erste Teil des Katalogs der neuzeitlichen Nürnberger Münzprägung. Auch als Direktor der Prähistorischen Staatssammlung fand er die Zeit für numismatische Publikationen. Zentral ist seine Beteiligung am Start des FMRD-Projekts, der Publikation der Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland: 1960 erschien sein Band zu Oberbayern, weitere Bände zu Mittelfranken und Niederbayern folgten, an weiteren Bänden arbeitete er mit. Im Rahmen der von Hugo Geiger herausgegebenen Bayerischen Münzkataloge legte er Bände zu Nürnberg und zu den Münzstätten in Niederbayern vor. Ihr Konzept abgespeckter Typenkataloge für den Sammler verfolgte er auch noch in den 1990er Jahren, als im Rahmen der Süddeutschen Münzkataloge Neubearbeitungen von Nürnberg und Passau erschienen. Von eminenter Bedeutung ist schließlich seine Bearbeitung der keltischen Fundmünzen von Manching und weiterer bayerischer Fundorte, die 1990 erschien und heute kaum mehr zu bekommen ist. Daneben publizierte er seit den frühen 1950er Jahren eine Fülle von Münzfunden durch alle Epochen: Kelten, Römer, Mittelalter und Neuzeit. In hohem Alter legte er noch 2004 im JNG Bd. 51-52 den Fund von Randersacker vor: über 4000 fast ausschließlich Würzburger Pfennige aus dem zweiten und dritten Viertel des 12. Jahrhunderts.

Ich lernte Kellner in den frühen 1980er Jahren als Student kennen, als ich eingeladen wurde, ihn in der Prähistorischen Staatssammlung zu besuchen. Noch heute habe ich die zweibändige Sächsische Münzkunde von Haupt, die ich damals von ihm geschenkt bekam. Aber auch weitere prägnante Begegnungen blieben in Erinnerung. Da ist der schon erwähnte gemeinsame Besuch einer

Gaststätte 1995 nach einem Vortrag von V. Potin in München zu nennen, und unvergessen ist sein Vortrag vor der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft im Jahr 1991, als die Gesellschaft ihr 110-jähriges Bestehen feierte und er über seine 55-jährige Mitgliedschaft sprach. Im Jahr 2004 luden die numismatischen Institutionen in Wien Kellner ein, den Festvortrag auf dem 1. Österreichischen Numismatikertag in Wien zu halten. Mit 83 Jahren sprach er über Aspekte der Münzgeschichte des 18. Jahrhunderts im Bayerischen und Fränkischen Reichskreis. Im Rahmen einer Diskussion über Münzfunderfassung in Österreich stellte er verblüfft fest, dass ihm das erste Mal ein Metallsucher in persona im Gespräch gegenüber stand. Kellner war ein überzeugter Bayer. Bei seinen numismatischen Publikationen ist der durchgehende Bayernbezug unübersehbar: Prägungen aus Bayern, Funde aus Bayern. Er stand zu seiner Herkunft und vertrat sie überzeugt. Das war aber kein Ausdruck von Engstirnigkeit, sondern ein Eintreten für und ein Stehen zu seiner Herkunft und ein Votum gegen die Gleichmacherei, die er im Dritten Reich erlebt hatte.

Kellner war kein bequemer Mensch, weder für sich selbst noch für die anderen. Er vertrat seine Meinung, er mischte sich ein, er zog die Fäden, um seine Anliegen durchzusetzen. Oftmals gelang ihm das, manchmal freilich auch nicht, wenn er etwa mit seinem Bemühen, an einer bayerischen Universität einen numismatischen Lehrstuhl zu schaffen, chancenlos scheiterte. Aber er erreichte auch viel. Nur ein Beispiel sei genannt: Eine Stelle an der Prähistorischen Staatssammlung für seinen Schüler Bernward Ziegaus war ein Glücksfall für die keltische Numismatik, ist dieser doch heute der renommierteste Kelten-Numismatiker in Deutschland, der die wohl bedeutendste Sammlung keltischer Münzen in Deutschland betreut. Bis zuletzt hat Hans-Jörg Kellner, auch wenn er schon seit Jahren nicht mehr viel sehen konnte, in voller Präsenz Anteil genommen am wissenschaftlichen und politischen Leben, an Personen, denen er sich verbunden fühlte (auch ich bin für diese „Einmischung" dankbar), an aktuellen Entwicklungen jeglicher Art. Wenn er sich äußerte, ging es ihm immer um die Sache, niemals um seine Person.

Am 25. Juni 2015 hat uns mit Hans-Jörg Kellner ein bedeutender bayerischer und deutscher Numismatiker verlassen, der nicht nur viele Spuren hinterlassen, sondern in seinem glücklichen und erfüllten Leben viele wichtige Weichen gestellt hat. Vor allem aber hat uns ein Mensch verlassen, der sich für das Leben, für die Menschen in seiner Umgebung interessiert und eingesetzt hat.

 

Auswahl der Festschriften für Hans-Jörg Kellner und Verzeichnisse seiner Publikationen:

  • Jochen Garbsch (Redaktion): Spurensuche. Festschrift für Hans-Jörg Kellner zum 70. Geburtstag (Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung, Beiheft 3), Kallmünz/OPf. 1991. Darin: Gisela Zahlhaas: Bibliographie Hans-Jörg Kellner (S. 11-30).

  • Hermann Dannheimer, Alois Schmid, Ludwig Wamser (Hrsg.): Festschrift für Hans-Jörg Kellner zum 80. Geburtstag (= Bayerische Vorgeschichtsblätter 65), München 2000. Darin: Gisela Zahlhaas: Bibliographie Hans-Jörg Kellner (S. 349-360).

  • Bernhard Overbeck, Matthias Barth: Eligius-Preis 2005: Hans-Jörg Kellner. In: Numismatisches Nachrichtenblatt 54, 2005, Heft 8, S. 323-333. Enthält: Matthias Barth: Schriftenverzeichnis Hans-Jörg Kellner (S. 324-333).

  • Hans-Jörg Kellner feiert seinen 90. Geburtstag (2. Dezember 2010) (http://www.muenzenwoche.de/de/New s/4?&id=350)

  • Matthias Barth: Hans-Jörg Kellner. In: Numismatisches Nachrichtenblatt 59, 2010, Heft 12, S. 462.

Hubert Emmerig


 

 
  Personalia NNB 8/2015  
 

 

Am 25. Juni 2015 verstarb Prof. Dr. Hans-Jörg Kellner, der 2005 für sein numismatisches Lebenswerk den Eligius-Preis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft erhalten hat. Im NNB 8/2005, S. 323 ff., erschienen aus diesem Anlass eine Laudatio von Prof. Dr. Bernhard Overbeck und das Schriftenverzeichnis des Geehrten, zusammengestellt von Matthias Barth.

Hans-Jörg Kellner, geboren am 3. Dezember 1920, legte nach seinem Einsatz im 2. Weltkrieg und 4 Jahren sowjetischer Gefangenschaft 1953 seine Dissertation „Die römischen Fundmünzen aus dem nördlichen Teil von Raetien. Untersuchungen zum römischen Geldumlauf" vor (gedruckt 1960). Von 1960 bis 1984 war Kellner Direktor der Prähistorischen Staatssammlung in München. Hinzu kommt seine Tätigkeit als Hochschullehrer, besonders an der Universität Passau, wo er nach seiner Zeit am Museum sehr aktiv im Bereich Provinzialrömische Archäologie und keltische sowie römische Numismatik tätig war.

Prof. Kellner führte als Schriftleiter 1961-1970 (zusammen mit Konrad Kraft) und 1970-1974 (zusammen mit Harald Küthmann) das „Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte" der BNG, deren Erster Vorsitzender er 1968- 1971 war. Er verstand es als exzellenter Gelehrter, (numismatische) Wissenschaft und Sammlerschaft sehr produktiv zusammen zu bringen. Zuletzt wandte er sich im NNB 2013 an die deutschen Numismatiker mit dem beeindruckenden persönlichen Beitrag „Erinnerungen eines Münzensammlers. Zur Numismatik in den 1930er Jahren" (NNB 10/2013, S. 365 ff.)

Wir trauern sehr um Hans-Jörg Kellner und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Rainer Albert

 
     

 

Tyll Kroha (1929-2015)

  Tyll Kroha (1929 - 2015)
 
     
  Personalia NNB 5/2015  
 

Am 2. April 2015 verstarb der 1929 geborene Kölner Numismatiker Tyll Kroha. Tyll Kroha war eine weit über seine Heimat hinaus bekannte Persönlichkeit, er hat die Numismatik in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten sehr positiv beeinflusst. Den meisten Münzsammlern ist Tyll Kroha vor allem durch das „Kölner Münzkabinett" bekannt, seine von ihm Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gegründete Münzenhandlung. Seine Firma ist in einem schmalen Haus, über mehrere Etagen verteilt, am Kölner Appellhofplatz untergebracht, in unmittelbarer Nähe zum Westdeutschen Rundfunk.

Genau 100 Auktionen hat Tyll Kroha selbst durchgeführt. Die Auktionskataloge des Kölner Münzkabinetts heben sich durch den weiß-roten Deckel - den Farben der Stadt Köln - von dem normalen Erscheinungsbild deutlich ab. Es war stets die Absicht Krohas, neben kostbaren und sehr wertvollen Stücken auch preiswerte Objekte aus allen Epochen der Geldgeschichte für seine Kunden anzubieten.

Tyll Krohas 1977 herausgegebenes „Grosses Lexikon der Numismatik" ist für Sammler und Händler gleichermaßen zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk geworden. Darüber hinaus haben die periodisch wechselnden Ausstellungen „Das Fenster" zur Münz- und Geldgeschichte aus der Sammlung der Kreissparkasse Köln die für Laien oft schwer zugänglichen historischen Münzen einem breiten Publikum näher gebracht. Seit Mitte der fünfziger Jahre hat er eigenverantwortlich und maßgeblich über 30 Jahre lang die Sammlung der Kreissparkasse aufgebaut und hier die bekannten Ausstellungen geleitet.

Tyll Kroha war eine schillernde Persönlichkeit mit starker Ausstrahlungskraft. Sein Witz, sein rheinischer Humor, aber auch seine Neigung, Kritik mit der ihm eigenen, feinsinnigen Ironie zum Ausdruck zu bringen, haben ihn für Kunden und Kollegen zu einem interessanten Gesprächspartner gemacht. Er war ein vielseitig interessierter und engagierter Mensch. Es war stets spannend, wenn er von seinen Erlebnissen und Begegnungen mit uns fremden Kulturen des ost-asiatischen Raumes berichtete oder von seinen Erfahrungen mit dem eigenen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in seiner Heimat.

Tyll Kroha hat sich im Verband der deutschen Münzenhändler ehrenamtlich engagiert und war von 1977 bis 1986 dessen 2. Vorsitzender. In dieser Zeit habe ich als noch sehr junger Kollege den Verband geführt und von der Kreativität und dem Ideenreichtum Krohas profitieren können. Kroha fühlte sich als Münzhändler stets einem seriösen und ethisch einwandfreien Verhalten verpflichtet. Wegen seiner besonderen Verdienste hat die Deutsche Numismatische Gesellschaft Tyll Kroha den Eligius-Preis verliehen. Tyll Kroha hat sich um die Numismatik verdient gemacht.

Fritz Rudolf Künker

 
     

 

Bernard Poindessaul (1935-2014)

  Bernard Poindessault (1935-2014)
 
     
  Personalia NNB 12/2014  
 

In den 1970er Jahren hörte man in Paris immer wieder einen kleinen Scherz. Ja, es gäbe einen numismatischen Himmel, und der wäre beherrscht von Gottvater, Gottsohn und dem Heiligen Geist. Gottvater wurde mit dem großen Jean Vinchon identifiziert, Urgestein des Pariser Münzhandels seit 1945. Als Heiliger Geist galt Emile Bourgey. Und Gottsohn, das konnte niemand anderer sein als Bernard Poindessault, eifriger Verkünder der numismatischen Botschaft, der eine große Begabung darin entfaltete, Laien für die Numismatik zu begeistern. Um Bernard Poindessault trauert nicht nur seine Familie. Die numismatische Welt hat eine große Persönlichkeit verloren. Er starb am 12. Juli 2014.

Geboren wurde Bernard Poindessault als Kind zweier Juristen am 13. Juli 1935. So war es keine Überraschung, dass auch er sich nach der Schule für das Studium der Rechte entschied. Doch in den Jahren zwischen 1958 und 1961 kam der Militärdienst, und der gab seinem Leben eine neue Richtung. Im Laufe seiner militärischen Karriere wurde er nämlich nach Algerien geschickt, um in Khenchela eine Schule aufzubauen. Vor Ort erlebte der junge, begeisterungsfähige Mann, wie die Thermen der antiken Stadt Mascula ausgegraben wurden. Immer wieder kamen dabei Münzfunde zu Tage. Bernard Poindessault war hingerissen. Seit frühester Kindheit hatte er die Romane von Alexandre Dumas mit ihrem historischen Hintergrund förmlich verschlungen. Er hatte sogar eine kleine Sammlung von Sesterzen aufgebaut. Und nun erlebte er vor Ort eine Ausgrabung, entdeckte selbst einige Objekte, die heute in den Vitrinen des Museums von Konstantine ausgestellt sind. Nach dem Militärdienst wieder in Paris, arbeitete Bernard Poindessault in einer Pariser Versicherung. Seine gesamte Freizeit aber investierte er in die Numismatik. Er sammelte römische Münzen. Darüber hinaus hatte er das tiefe Bedürfnis, seine Leidenschaft für die Numismatik zu teilen. Und so wurde er ein Gründungsmitglied der Societe d'Etudes Numismatique et Archeologie, deren Präsidium er später übernehmen sollte. Er schuf die Zeitschrift Les Cahiers numismatiques und agierte als deren Redakteur. Und 1965 kam seine große Stunde. Er wurde von der Fernsehsendung „Avis aux Amateurs" von T.F.1 eingeladen, um sein Hobby vorzustellen. Was heute nichts wirklich Besonderes mehr wäre, war damals eine Sensation: T.F. 1 war der einzige Fernsehkanal, der in Frankreich empfangen wurde. Alle sahen Bernard Poindessault. Doch selbst die Fernsehprofis waren von dem Echo überwältigt. Mehr als 1.200 Briefe erreichten den Sender — so viele wie noch nie zuvor. In den 15 Monaten, die Bernard Poindessault brauchte, um sie alle zu beantworten, entschied er sich, Münzhändler zu werden. Schon nach zwei Jahren reichten die Geschäftsräume in der Rue Montpensier nicht mehr aus. 1969 erfolgte der Umzug in die Straße der Münzhändler, in die Nr. 38 der Rue de Richelieu, wo noch heute das Centre Numismatique du Palais Royal zu finden ist, das von seiner Frau Josiane weitergeführt wird. Neben der Arbeit eines Münzhändlers war Bernard Poindessault immer daran gelegen, die Numismatik zu fördern. So gab er drei Bücher heraus, von denen zwei von vielen Sammlern als Grundlage ihrer Tätigkeit benutzt wurden: Das Repertoire de la Numismatique Frarwaise Contemporaine und das Repertoire des Monnaies Napoleonides. Er initiierte die Zeitschrift Archeonumis und arbeitete als Generalsekretär, Vize-Präsident und Präsident aktiv mit in dem französischen Händlerverband Syndicat National des Experts Numismates et Numismates Professionnels, dessen Ehrenpräsident er war. Mit Bernard Poindessault verliert die numismatische Welt einen engagierten Vertreter, dem es gegeben war, auch Außenstehende und Nicht-Sammler zu begeistern. Ich habe einen Kollegen und Freund verloren, dem ich über die Numismatik verbunden war. Mein Mitgefühl gilt seiner Witwe, Josiane Vedrines-Poindessault, und der ganzen Familie.

Fritz-Rudolf Künker

 
     

Jean-Paul Divo (1937-2014)

  Jean-Paul Divo (1937 -  2014)
 
     
  Nachruf NNB 4/2014, S. 138 f
 
 

Jean-Paul Divo wurde am 8. August 1937 in Luxemburg geboren. Von den Eltern bekam er sein Interesse an Literatur, Kunst und Geschichte in die Wiege gelegt. Als Schüler konnte man ihn auf Feldern um Luxemburg finden, wo man damals römische Münzen förmlich vom Boden auflesen konnte. Die Abende wurden dann mit der Bestimmung der Münzen verbracht. Im luxemburgischen Münzverein lernte er den späteren Münzhändler Romain Probst und den Wissenschaftler Raymond Weiler kennen, Freundschaften, die ihn sein Leben lang begleiten sollten.

Als er 1958 nach seiner Militärzeit ein Inserat der Firma Seaby's in London für einen Münzhändlerposten las, meldete er sich und wurde angenommen. Das war der Start einer großen numismatischen Karriere. Sein beruflicher Werdegang war mannigfaltig. Er arbeitete zuerst bei den berühmten alten Firmen Seaby's, Bank Leu und Spink (dort als Geschäftsführer der Zürcher Niederlassung); danach als Teilhaber bei der Hess-Divo AG (vormals Adolph Hess AG).

Es ist beachtlich, dass er die Zeit und Energie fand, seine vielen Bücher und Publikationen zu schreiben. Einige werden wohl für immer Standardwerke bleiben. Sie sind ein Spiegelbild seines großen und breiten numismatischen Wissens. Mit Edwin Tobler schrieb er die Standardwerke für die Schweizer Münzen seit dem 17. Jahrhundert. Aber er interessierte sich auch für die Münzen des modernen Griechenlands, Großbritannien und zum Ende seines Lebens für Frankreich und das Elsass. Über französische Medaillen schrieb er zwei Werke mit seiner Ehefrau Francoise Page. Mich beeindruckten immer seine großen Kenntnisse und sein Interesse für zum Teil kleine Nebengebiete der Numismatik. Er sprach fließend Deutsch, Französisch, Letzeburgisch, Englisch, Italienisch und sogar etwas Japanisch, das er sich bei seiner Tätigkeit als Geschäftsführer von Spink-Taisei aneignete. Er leitete sogar einige Auktionen in Tokyo!

Jean-Paul Divo war Gründungsmitglied der Schweizer Standesorganisation der Münzenhändler und 1981 der Initiator des Otto Paul Wenger-Preises, den der Verband Schweizer Berufsnumismatiker (damals Verband Schweizer Münzenhändler) nun in unregelmäßigen Abständen an verdienstvolle Personen oder Institutionen in der Numismatik verleiht. 1997 erhielt Paul diesen Preis selbst für seine vielen Publikationen, Auktionskataloge und allgemeinen Verdienste um den Münzenhandel und die Numismatik. Nachdem er 14 Jahre als Sekretär und über 20 Jahre als Editor des Bulletins der AINP (dem Internationalen Verband der Münzenhändler) gedient hatte, wurde er 1997 zum Präsidenten dieser Organisa-tion gewählt. Das war für ihn die Krönung seiner Tätigkeit im Handel. Er hielt dieses Amt vier Jahre inne.

Am 20. Juli 2005 wurde ihm vom Großherzogtum Luxemburg ein Verdienstorden überreicht. Er wurde dadurch zum „Officier de l'Ordre de Mérite du Grande Duché de Luxembourg" ernannt.

Für alle Münzhändler die ihn kannten, ist sein Tod ein schmerzvoller Verlust. Die Zürcher Auktions- und Verbandsszene wird nicht mehr so sein, wie damals, als Paul im Auktionssaal saß oder bei einem Numismatiker-Treffen einen mitreißenden Vortrag hielt. Paul hinterlässt seine Frau Francoise Page-Divo, seine Töchter Juliet und Karin, Sohn Mark und Enkelin Lumi. Ihnen drücken wir unser aufrichtiges Beileid aus. Seine Kolleginnen und Kollegen werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrenvolles Andenken erhalten.

Lutz Neumann-Lysloff

 
     

 

Peter Berghaus (1919-2012)

  Peter Berghaus, 20.11.1919 - 16.11.2012
 
     
  Auszug aus NNB 01/2013  
 

Vier Tage vor seinem 93. Geburtstag ist Peter Berghaus, der Nestor der deutschen Numismatik, der Mitbegründer und erste Redakteur des Numismatischen Nachrichtenblattes, in Münster verstorben.Peter Berghaus

 

In der bundesdeutschen Numismatik der Nachkriegszeit war Berghaus ein Mann der ersten Stunde: 1951 zugleich Gründungsmitglied der Numismatischen Kommission der Länder, Mitbegründer, lange Geschäftsführer (1951-1968) und stellvertretender Vorsitzender (1972-1992) des Verbandes der deutschen Münzvereine und seitdem Ehrenpräsident der "Deutschen Numismatischen Gesellschaft - Verband der deutschen Münzvereine e.V.".

Als Redakteur des Numismatischen Nachrichtenblattes hat er über Aktivitäten, Aktuelles, Literatur, Münzfunde, Personen, Entwicklungen informiert. Als er zum Eligiustag 1960 die Schriftleitung an Dr. Günther Albrecht übergab, war die Auflage von 800 auf 1900 Stück gestiegen.

Was bleibt, sind seine Bücher und Schriften, die von ihm so stark bereicherten Sammlungen an Münzen und Graphiken im Landesmuseum, Brunnen, Schulen und Krankenhäuser in Indien und vor allem die Erinnerung an einen guten Freund, an einen begeisterungsfähigen und begeisternden Menschen.

Gerd Dethlefs


Nachrufe finden Sie auf der Website der DGMK unter dem Link http://www.medaillenkunst.de/index.php?item_id=644