Verbände arbeiten zusammen im Sinne der Sammler

  Verbände arbeiten zusammen im Sinne der Sammler ( NNB 7/2017)  
 

 

Christoph Raab, 1. Vorsitzender des VdDM, und Michael Becker, 1. Vorsitzender des Berufsverbandes des Deutschen Münzenfachhandels e.V., setzen sich in einem gemeinsamen Schreiben an das Bundesfinanzministerium für die Mehrwertsteuerbefreiung von Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland mit Prägedatum nach dem Jahr 2000 ein. Vornehmlich die Nominale 20 Euro, 50 Euro und 200 Euro sollen in das Verzeichnis der mehrwertsteuerbefreiten Goldmünzen 2018 aufgenommen werden. „Die vergleichbaren Münzen anderer Länder, insbesondere der EU-Staaten Frankreich, Belgien, Finnland, Österreich, aber auch die Prägungen der USA und der Schweiz sind regelmäßig Bestandteil der Listen der vergangenen Jahre“ sagt Michael Becker und Christoph Raab ergänzt: „100 % dieser Prägungen werden von der Versandstelle für Sammlermünzen ausgegeben und erfüllen vollumfänglich alle Bedingungen für die Befreiung von der Umsatzsteuer. Wenn dann am Zweitmarkt gelegentlich bei dem einen oder anderen Anbieter die Grenzen leicht überschritten werden, sollte dies nicht zur Versagung der Steuerbefreiung führen. Denn ‚üblicherweise' erfüllen die Münzen sämtliche Anforderungen."

§ 25c II des Umsatzsteuergesetzes sieht für die Besteuerung von Umsätzen mit Anlagegold eine Befreiung von der Mehrwertsteuer vor und bestimmt, dass Goldmünzen, die einen Feingehalt von mindestens 900 Tausendstel aufweisen, nach dem Jahr 1800 geprägt wurden, in ihrem Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und üblicherweise zu einem Preis verkauft werden, der den Offenmarktwert ihres Goldgehalts um nicht mehr als 80 Prozent übersteigt, als Anlagegold zu bewerten sind.

 
     

 

Münzfunde in der Uckermark und in Saalfeld

  Münzfunde in der Uckermark und in Saalfeld ( NNB 7/2017)
 
 

 

Ein kleiner, für Notzeiten angelegter Schatz kam in der uckermärkischen Gemeinde Wollschow ans Tageslicht. Der Ortsteil gehört zu der Stadt Brüssow, die während der deutschen Kolonisation im 12. Jahrhundert gegründet und 1259 mit dem Stadtrecht ausgestattet wurde und eine Burgbefestigung besaß. Bei der Untersuchung eines Ringwalls aus dem 9. und 10. Jahrhundert wurden 83 im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) dem Erdreich anvertraute Münzen gefunden, wie die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ in Heft 2/2017 berichtet. Der Beutel, in dem die Geldstücke eingepackt waren, ist nicht mehr erhalten, und auch die Münzen waren auf einer größeren Fläche verstreut. Viele Stücke waren zum Zeitpunkt des Vergrabens bereits einige Jahrzehnte alt. Der „Sparstrumpf“ des unbekannten Uckermärkers spiegelt sehr schön die Währungsverhältnisse in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder. So enthält der Fund über Generationen mühsam zusammengesparte Prager Groschen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, aber auch schlesische Dreigröscher und Münzen aus dem Herzogtum Preußen, das 1701 zum Namensgeber des preußischen Königreichs wurde. Ferner konnten Kleinmünzen aus Danzig und Elbing sowie solche aus den Königreichen Polen und Dänemark geborgen werden. Kurbrandenburgische Kippermünzen aus dem frühen 17. Jahrhundert sind gut am reduzierten Silbergehalt zu erkennen. Das bescheidene Familienvermögen wurde an dem abgelegenen Burgwall von Wollschow versteckt, als die Uckermark zwischen 1635 und 1640 unter einer unaufhörlichen Abfolge von Kampfhandlungen und Drangsalierungen durch die damaligen Kriegsparteien litt und außerdem von Seuchen schwer betroffen war. Wie bei vielen anderen Schätzen dieser Art hat der Besitzer sein Wissen um das Versteck mit ins Grab genommen.

Im Saalfelder Franziskanerkloster wurde bei Grabungen mehrer Keller nördlich der Klausur zahlreiche Reste von Bleiglasfenstern gefunden, doch die Sensation war ein Goldgulden des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers, der von 1414 bis 1463 regierte. Die mit einer Petrusfigur sowie einem Wappenschild im Vierpass geschmückte Münze ist ein Erzeugnis des Rheinischen Münzvereins, in dem sich die Kurfürsten von Köln, Trier und Mainz zusammenschlossen, um Geld nach einheitlichem Standard und zum gemeinsamen Nutzen prägen zu können. Das jetzt aufgefundene und in der gleichen Ausgabe der Archäologiezeitschrift vorgestellte Goldstück besaß einen hohen Kaufwert und war das höchste Nominal seiner Zeit. Das im Zuge der Reformation säkularisierte Saalfelder Kloster diente ab 1534 als Lateinschule und war von 1551 bis 1735 auch herzogliche Münzstätte. In den Prägebetrieb einbezogen war auch der westliche Teil der leerstehenden Klosterkirche, die so zu ihrer umgangssprachlichen Bezeichnung „Münzkirche“ kam. 1904 wurde im einstigen Ostkreuzgang das Saalfelder Museum eröffnet.

Helmut Gaspar

 
     

 

Neuer Münzfund in Erfurts Altstadt

  Neuer Münzfund in Erfurts Altstadt ( NNB 4/2017)
 
 

 

Sind in Erfurts Altstadt Neubauten in der Planung, sind die Ausgräber nicht weit - so auch zu Jahresbeginn in der Frankestraße. Nachdem erste Vorarbeiten ausgeführt der Baufirma beendet waren, erhielt das Amt für Ur- und Frühgeschichte Thüringen das Gelände für tiefgehende Untersuchungen. Für einen Zeitraum von acht Wochen oblag es der Ausgrabungsmannschaft um Frau Dr. Szech, dieses Terrain akribisch unter die Lupe zu nehmen. Als erstes hatten die Forscher einen Suchschnitt angelegt und wurden, nachdem die Schwemmschicht der unweit dahin fließenden Gera abgeräumt war, bereits in ca. 110 cm Tiefe fündig. Zum einen kamen die Grundmauern eines Wirtschaftsgebäudes wohl aus der Barockzeit zu Tage. In den oberen Bodenschichten und weit älteren fanden sich an Artefakten: Scherben, Tonmurmeln, Flaschen, Knochenstücke, Metallreste und dergleichen mehr. Älteste Scherbenfunde weisen um die Zeit um Christi Geburt bis ca. 300 n. Christi, also auf die Römische Kaiserzeit hin. Spannend wurde es, als mir der Ausgrabungsleiter einige „Münzen“ vorzeigte die er nicht zuordnen konnte. Es handelt sich hierbei um einen Streufund, wie er sehr häufig bei Ausgrabungen vorkommt. Die Stücke weisen unterschiedliche Abmessungen von 15 bis 25 mm Durchmesser auf und dürften aus Kupfer oder einer verwandten Legierung bestehen. Nur Textreste ließen sich unter der Lupe schwach darauf ausmachen. Eine Sensation hingegen war das dritte Exemplar, das in einem sehr guten Erhaltungszustand zwischen den Steinen der Scheune geborgen wurde. Es handelt sich hierbei um eine bis dato unbekanntes und demzufolge nicht erfasstes Nominal, also hoch interessant. Bei dem mir vorliegenden Stück handelt es sich um eine so genannte Biermarke, durch deren Aufschrift auch das ungefähre Alter bestimmbar ist. Vs. ALTER RATHSKELLER ERFURT. Da hier Ratskeller noch mit th geschrieben ist, muss diese Marke zwischen 1850 und 1880 die Prägeanstalt verlassen haben. Zur Erklärung: Eine Konferenz deutschsprachiger Staaten mit dem Deutschen Kaiserreich, der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, Schweiz und Luxemburg legte im Jahr 1876 eine einheitliche Grammatik und Orthographie für die deutschsprachigen Gebiete fest. Erst danach erlangte die einheitliche Schreibregel, Thor, Thür Rath ohne h zu schreiben, ihre Gültigkeit.

H.-P- Brachmanski

 
     

 

Münzkabinett im Dresdner Residenzschloss muss geschlossen werden )

  Münzkabinett im Dresdner Residenzschloss muss geschlossen werden ( NNB 4/2017)
 
 

 

Das Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden muss ab sofort vorübergehend geschlossen werden. Grund sind seit Ende 2016 festgestellte Veränderungen an der Oberfläche der nicht konservierten silbernen Münzen und Medaillen. Anstatt der natürlich gewachsenen Patina weisen sie einen weißmilchigen Belag auf. Die betroffenen Objekte wurden sofort aus den Vitrinen entnommen und werden in der Restaurierungswerkstatt behandelt. Schon jetzt kann gesagt werden, dass die entstandenen Oberflächenveränderungen durch restauratorische Maßnahmen behoben und der ausstellungsfähige Zustand wiederhergestellt werden kann. Wegen der noch nicht vollständig geklärten Ursache wurden zunächst vorsorglich auch solche Silbermünzen und -medaillen entnommen, die (noch) keine Veränderungen aufweisen. Insgesamt wurden etwa 1.400 Objekte entnommen, von denen etwa 100 die beschriebene Oberflächenveränderung aufweisen.

Seitens der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wurden Materialanalysen und Messungen der Luft in den Vitrinen veranlasst sowie ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Dies erbrachte jedoch noch keinen sicheren Nachweis der Ursache. Derzeit finden zur weiteren Erforschung der Ursache intensive Abstimmungen mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien-und Baumanagement (SIB) statt. Im Zuge dessen werden jetzt vorsorglich sämtliche Objekte der Dauerausstellung entnommen.

Allerdings wird das Münzkabinett auch während dieser Zeit präsent bleiben. Die Sammlung verfügt über Vitrinen für Sonderausstellungen, die es ermöglichen, an verschiedenen Orten temporäre Themenausstellungen zu zeigen. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden werden sobald wie möglich bekannt geben, wann und wo die erste dieser Ausstellungen stattfinden wird.

 
     

 

Dr. Barbara Simon - Freude an der Numismatik — immer wieder ein neues Thema (Editorial NNB 1/2017)

  Dr. Barbara Simon - Freude an der Numismatik — immer wieder ein neues Thema (Editorial NNB 1/2017)
 
 

 

Liebe Münzsammlerfreunde,

wieder liegt ein Jahr mit drei Münzsammlertreffen hinter uns und die immer höheren Nummerierungen können beeindrucken: 61 norddeutsche, 51 süddeutsche und 24 mitteldeutsche Münzsammlertreffen in ununterbrochener Folge sind es mittlerweile, bei denen sich Sammler aus der jeweiligen Region, aber auch bundesweit zum Austausch, zur Pflege von Kontakten und zum Vertiefen von Beziehungen der Vereine untereinander zusammenfinden - ganz im Sinne der Satzung der Deutschen Numismatischen Gesellschaft.

Die Münzsammlertreffen unter ein Thema zu stellen, ist in vieler Hinsicht ein lohnender Gedanke. Er leitet den Blick auf neue Sammelgebiete oder bietet neue Sichtweisen auf die eigene Sammlung. Möglichkeiten für die Themenwahl gibt es reichlich, wie die drei Treffen im Jahr 2016 bewiesen haben.

So stand beim 13. Deutschen und 24. Mitteldeutschen Münzsammlertreffen als übergreifendes Thema die Potsdamer Toleranz im Vordergrund - eine passende Wahl gerade in unserer Zeit, deren politische Veränderungen wahrhafte Toleranz erfordern. Daneben wurde durch die Vorstellung von Münzfunden aber auch die eigene Region in den Mittelpunkt gerückt.

Die eigene Stadt und ihre Region im Spiegel der Münzprägung zu präsentieren - das gelang beim Süddeutschen Münzsammlertreffen in Augsburg in großartiger Weise mit Vorträgen, die sich Münzen und Medaillen von der Antike bis zur Neuzeit widmeten.

Auch beim Norddeutschen Münzsammlertreffen in Anholt, in Zusammenarbeit mit den niederländischen Münzfreunden, stand mit dem Thema „Das Münzwesen der Grafen und Herren zwischen Rhein und Nordsee" eine Region im Vordergrund, die sogar über Deutschland hinausging.

Den veranstaltenden Vereinen ist an dieser Stelle besonders zu danken für ihre Bereitschaft, als Gastgeber ihre Stadt und ihre Region vorzustellen. Die Veranstaltung eines Münzsammlertreffens ist sicher ein Kraftakt, gerade in der Situation sinkender Mitgliederzahlen und Überalterung in den Vereinen. Bei vielen Vereinen ist ein Jubiläum - wie beim 13. Deutschen Münzsammlertreffen das 50jährige Bestehen der Potsdamer Münzfreunde - Anlass für die Ausrichtung eines Treffens. Es ist aber in jedem Fall eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen: bei den Münzfreunden auch über die Region hinaus, vor allem aber auch in der eigenen Stadt als Teil des kulturellen Lebens wahrgenommen zu werden - das sollte ein Anreiz sein, eine derartige Aufgabe mit Unterstützung der Deutschen Numismatischen Gesellschaft zu übernehmen.

Das Jahr 2017 steht ganz im Zeichen der Reformation. Eine Vielzahl von Ausstellungen und Veranstaltungen wird sich diesem großen Thema widmen. Auch das 14. Deutsche und 25. Mitteldeutsche Münzsammlertreffen in Erfurt wird unter dem Motto der Reformation stehen und wir freuen uns bereits auf ein interessantes Programm.

Doch nicht nur das Deutsche Münzsammlertreffen, auch viele Vereine beteiligen sich mit Vorträgen oder Ausstellungen an dem Thema „Reformatio in nummis' Sehen Sie sich die Informationen im NNB an, für Interessierte und Sammler gibt es hier sicher auch in Ihrer Nähe Veranstaltungen. Dem Sammler mit dem Thema Reformation bietet sich 2017 auch eine große Vielfalt an Gedenkmünzen und -medaillen. Auch hier wird Sie das NNB auf dem Laufenden halten. Aktuelle Informationen über das Verbandsorgan der Deutschen Numismatischen Gesellschaft zu erhalten, vor allem aber auch eigene Ankündigungen und Berichte bundesweit verbreiten zu können - ein Grund mehr, als Vereinsmitglied das NNB, das Verbandsorgan der Münzsammler und Münzhändler, zu beziehen. Auch die Homepage der Deutschen Numismatischen Gesellschaft kann von Ihnen und Ihrem Verein zu diesem Zweck genutzt werden. Vereinsübergreifend Informationen zu vermitteln und vernetzt zu sein in einer bundesweiten Einrichtung ist eine einmalige Gelegenheit, die Bekanntheit des Vereins zu erhöhen.

Die Überalterung der Vereine und der damit verbundene Mitgliederschwund sind eine nicht übersehbare Problematik, sowohl für die Vereine als auch den Dachverband. Wenn sich Mitgliedsvereine auflösen müssen oder aus der Deutschen Numismatischen Gesellschaft austreten, weil sie sich den nötigen Beitrag nicht mehr leisten können, schwächt dies natürlich auch die Möglichkeiten der Verbandsarbeit.

Ein Dachverband wie die Deutsche Numismatische Gesellschaft kann nur dann eine nach außen schlagkräftige Interessenvertretung sein, wenn sie über viele Mitglieder verfügt und alle an einem Strang ziehen. Die Münzsammlertreffen und die Hauptversammlung, die jährlich immer am Ort des Deutschen Münzsammlertreffens stattfindet, sollten daher verstärkt als Forum des Austauschs für die Vereine genutzt werden. Für Anregungen und Ideen von Seiten der Vereine ist das Präsidium immer offen und auch Probleme der Vereine dürfen verbandsweit angesprochen werden - vielleicht bevor es zu einer intern beschlossenen Auflösung eines Vereins kommen muss.

Mit besten Grüßen

Ihre Barbara Simon

 
     

 

Dr. Barbara Simon - neue Präsidentin der DNG (Editorial NNB 8/2016)

  Dr. Barbara Simon - neue Präsidentin der DNG (Editorial NNB 8/2016)
 
 

 

Liebe Münzsammlerinnen, liebe Münzsammler,

 

mit diesem Editorial darf ich mich Ihnen als Präsidentin der Deutschen Numismatischen Gesellschaft vorstellen. Ich danke den Vorsitzenden Ihrer Vereine und damit auch Ihnen allen, dass Sie mir und dem Präsidium Ihr Vertrauen geschenkt haben.

 

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft ist als Dachverband der deutschen numismatischen Vereine für die Pflege der Numismatik in vielfacher Weise tätig. Sie wirkt dabei als wichtiges Bindeglied zwischen den Münzsammlern und ihren Vereinen, der wissenschaftlichen Numismatik und dem Münzhandel. Private oder öffentliche Sammlungen - die Grundlagen sind für beide die gleichen. Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln sind die mittlerweile vier Grundsteine der Museumsarbeit, aus der ich beruflich komme, und auch die der Münzsammler. Sammeln und Bewahren versteht sich auch für den privaten Sammler als Aufgabe von selbst. Wer sich als Sammler jahrzehntelang mit seinem Spezialgebiet befasst, hat häufig einen Kenntnisstand, mit dem er sich zweifellos auch in die Kategorie „Forscher“ einreiht.

 

Und wie steht es mit der Vermittlung? Die gewonnenen numismatischen und historischen Erkenntnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, auch das gehört zum Münzsammeln. Die Fachvorträge im Verein und die Teilnahme an den überregionalen Sammlertreffen mit ihrer Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch dienen dieser Vermittlung.

 

Darüber hinaus bietet die Deutsche Numismatische Gesellschaft aber ein weiteres wichtiges Instrument an, das Numismatische Nachrichtenblatt. 1-Tier wird monatlich über eine Vielzahl numismatischer Themen berichtet, die Anregungen für die eigene Sammlung oder neue Sammelgebiete geben können. Die vierteljährlichen Berichte aus den Mitgliedsvereinen der DNG bieten die beste Gelegenheit, sich als Verein bekannt zu machen und neue Mitglieder zu werben. Vielleicht möchte doch der eine oder andere bisher unbekannte Münzfreund nicht nur in Online-Portalen chatten, sondern sich mit Menschen treffen, die sein Hobby teilen. Das Numismatische Nachrichtenblatt und die Homepage der DNG bieten die geeigneten Plattformen, die Vereinsarbeit darzustellen.

 

Aber auch die Deutsche Numismatische Gesellschaft selbst hat als Dachverband die wichtige Aufgabe der Vermittlung. Als Interessenvertretung der Sammler findet sie überregional in Gremien und Ausschüssen Gehör bei wichtigen Fragen - ob es sich um die Frage der von der Bundesrepublik Deutschland herausgegebenen Sonderprägungen handelt oder um das jetzt verabschiedete, umstrittene Kulturgüterschutzgesetz. Über die Tätigkeiten der Gesellschaft im Numismatischen Nachrichtenblatt zu berichten, ist wertvolle Vermittlungsarbeit - für die Münzvereine, die bereits Mitglied sind oder solche, die noch darüber nachdenken, ob sie dem Dachverband beitreten sollen.

 

Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln - auf diesen vier Grundpfeilern soll die Deutsche Numismatische Gesellschaft ruhen, um weiterhin erfolgreich für die Zusammenarbeit der deutschen Münzvereine untereinander handeln und die Wahrung ihrer Interessen nach außen agieren zu können. Lassen Sie uns in diesem Sinne zusammenarbeiten!

 

Mit besten Grüßen

Ihre Barbara Simon

 
     

 

Neuregelung des Kulturgutschutzgesetzes

  Neuregelung des Kulturgutschutzgesetzes  
 

 

Münzen Sammeln Unter Dem Neuen Kulturgutschutzgesetz

Das seit dem Bekanntwerden eines ersten Entwurfes vor gut einem Jahr sehr kontrovers diskutierte neue Kulturgutschutzgesetz (siehe diverse Artikel im NNB) wurde am 23.6.2016 nach kurzer Debatte vor einem fast leeren Deutschen Bundestag von der großen Koalition ohne Gegenstimmen der Opposition verabschiedet. Diesem Votum folgte ohne weitere Änderungen der Deutsche Bundesrat am 8.7.2016, trotz Änderungswünschen zB der schwarz-grün regierten Bundesländer Baden-Württemberg und Hessen. Das neue Kulturgutschutzgesetz wird am Tag nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt gültiges Deutsches Recht, möglicherweise also bereits vor dem Erscheinen dieser NNB Ausgabe.

 

Wir können in diesem Artikel keine verbindlichen Aussagen machen, wollen aber unser jetziges Verständnis dieses sehr komplexen und teilweise auch unklaren Gesetzes darlegen. Das neue Kulturgutschutzgesetz führt mehrere, recht unterschiedliche Aspekte des Kulturgutschutzes in ein Gesetz zusammen. In Medien und Politik wurde besonders die Kulturgutkategorie der Bilder nationaler Bedeutung kontrovers  diskutiert. Das Gesetz betrifft aber alle Kulturgutkategorien,  darunter auch die Münzen.

 

Der jetzt verabschiedete Entwurf beinhaltet gerade für das Sammelgebiet der Münzen  einige vernünftige Ausnahmeregeln, die die Deutsche Numismatische Gesellschaft als Dachverband der Deutschen Münzsammlervereine erfolgreich in die Diskussion eingebracht hat. Als starker Verband wurden wir letztlich doch - wenn auch spät - von der Politik wahrgenommen. Diesen Erfolg verdanken wir der Unterstützung durch unsere zahlreichen Mitglieder, und aktiver Lobbyarbeit. Mitgliedschaft in einem der deutschen numismatischen Vereine wird auch zukünftig wichtig bleiben, um unsere berechtigten Interessen überzeugend vertreten zu können.

 

Wie die Deutsche Numismatische Gesellschaft durch Ihren Präsidenten bei einer Anhörung von Experten vor dem Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages am 13. April 2016 darlegen konnte  [Herr Worbs war der einzige eingeladene numismatische Experte, sowohl die schriftliche Stellungnahme der DNG als auch das Video der Expertenanhörung können in der Mediathek des Deutschen Bundestages nachgesehen werden. Es sei auch auf das Hintergrundpapier der Bundesregierung für Münzen verwiesen.], ist besonders zu berücksichtigen, dass Münzen in großer Stückzahl hergestellte Massenobjekte sind. Münzen liefen ihrem Zweck als Zahlungsmittel folgend in der Regel weit um.  Deshalb ist der Prägeort oft nicht mit dem Umlauf-, Fund- oder Aufbewahrungsort identisch, und es wäre falsch vom Prägeort automatisch auf eine bestimmte Herkunft zu schließen.

 

Münzen wurden spätestens seit der Renaissance gesammelt, zuerst von Königen und Aristokraten, heute von vielen Sammlern, deren Zahl in die Millionen geht. Diese Sammler bewahren nicht nur dieses Kulturgut, sondern haben mit ihrer Tätigkeit auch immer wieder wissenschaftliche Arbeiten wesentlich gefördert und neue historische oder kulturgeschichtliche Erkenntnisse erst möglich gemacht. Unsere Museen wären ärmer, wenn die Kollektionen vieler privater Sammler sie nicht bereichert hätten. Der seriöse Münzhandel spielt auch eine wichtige Rolle, indem er dafür sorgt, dass Münzen, die sich seit Jahrhunderten in privaten Sammlungen befinden, wieder ans Tageslicht kommen und nicht von den Erben der Sammler achtlos entsorgt werden. Wie auch die Numismatische Kommission der Deutschen Länder in ihrer kritischen Stellungnahme zum Gesetzesentwurf feststellte, ist die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Museen, Sammlern und Händlern gerade in der Numismatik bisher vorbildlich gewesen. Es wäre auch für die numismatische Forschung fatal, wenn die Sammlertätigkeit durch dieses Gesetz beeinträchtigt würde. Auch wäre der bürokratische Aufwand bei Millionen gehandelter Münzen zu gewaltig um bei Genehmigungspflicht für jede einzelne Münze überhaupt praktikabel zu bleiben, denn im Rahmen aktiver Sammlertätigkeit werden Münzen immer wieder verkauft, getauscht, exportiert und importiert.

 

Es ist zur Zeit nicht möglich, verbindliche Aussagen zu den Folgen des neuen Gesetzes für die Numismatik zu machen, denn das Gesetz bleibt in vielen Aspekten weithin unklar. Es fehlen noch die Ausführungsbestimmungen, und es scheint Politik zu sein, dass das Gesetz zwar den Rahmen vorgibt, aber Gerichte die Detailfragen werden klären müssen. So kann dieses Gesetz dem Rechtsfrieden und der Akzeptanz der Politik in Deutschland einen Bärendienst erweisen.

 

Was bedeutet das neue Gesetz für die Numismatik, für Münzsammler und auch für Münzhändler ?

 

Die 5 wichtigsten Aspekte des Kulturgutschutzes im neuen Gesetz sind alle auch für Sammler von Münzen von Bedeutung. Dabei handelt es sich um 1) Einstufung als nationales Kulturgut, 2) Einfuhr und 3) Ausfuhr von Kulturgut, 4) Sorgfaltspflichten beim Inverkehrbringen von Kulturgut und 5) Rückgabeforderungen von Herkunftsstaaten:

 

1) Über die Einstufung als Nationales Kulturgut wird durch  Expertenkommissionen in den jeweiligen Bundesländern entschieden, mit Ausfuhrverbot für erfasstes Nationales Kulturgut.  Hiervon werden wohl nur wirklich herausragende Münzen und Numismatische Sammlungen betroffen sein.

 

2) Zukünftig braucht man für eine rechtmäßige Einfuhr von Kulturobjekten (einschließlich Münzen) in die Bundesrepublik von allen Drittländern inklusive dem EU Binnenmarkt eine Ausfuhrgenehmigung des Herkunftsstaates. Die Feststellung des Herkunftsstaates ist somit von besonderer Bedeutung, denn die Ausfuhrregeln nach dem Kulturgutschutzgesetz des Herkunftsstaates bestimmen die Einfuhrmöglichkeit. Herkunftsstaat ist hierbei definiert als "derjenige [Staat] in dem das Kulturgut entstanden ist oder der eine so enge Beziehung zu dem Kulturgut hat, dass er es zum Zeitpunkt der Verbringung als nationales Kulturgut unter Schutz gestellt hat". Die Bundesregierung will zukünftig eine Website zur Verfügung stellen, auf der alle fremden Kulturgutschutzgesetze in deutscher Übersetzung zur Verfügung stehen sollen, so dass ein Sammler dort prüfen kann, was die Kulturgutschutzgesetze des Herkunftsstaates verlangen. Vereinfacht gesagt, wenn das Gesetz des Herkunftsstaates eine Ausfuhrgenehmigung verlangt, muss der Importeur nach Deutschland diese erlangen und bei Einfuhr aus Nicht-EU Ländern bei der zuständigen deutschen Zollstelle zur rechtmäßigen Einfuhr vorlegen, sonst droht eine Sicherstellung der Münze. Verlangen die Gesetzes des Herkunftsstaates aber keine Ausfuhrgenehmigung, oder hat die Münze den Herkunftsstaat bereits vor dem 31.12.1992 (bei EU-Mitgliedsstaaten), oder vor dem 26.4.2007 (bei UNESCO Konventionsstaaten) verlassen, so entfällt dies. (genaue Ausführungsvorschriften fehlen bisher auch hier).

 

Die Feststellung des korrekten Herkunftsstaates ist gerade für Münzen sehr problematisch, denn diese sind ja entsprechend ihres monetären Zwecks weit über heutige Ländergrenzen hinaus umgelaufen. Zum Beispiel lief römische Reichswährung auf dem Gebiet von gut 40 heutigen Staaten um. Hier könnte jeder der heutigen Staaten Herkunftsstaat sein. Wie genau bei Einfuhr eines Objektes mit mehreren möglichen Herkunftsstaaten vorzugehen ist, ist bisher auch noch nicht klar.

 

 

Bei späterer Ausfuhr aus Deutschland (siehe unten 3) wie auch bei Inverkehrbringen (Verschenken, Tauschen, Verkaufen, siehe unten 4) muss eine rechtmäßige Einfuhr nach Deutschland dokumentiert sein, sonst drohen wiederum Sicherstellung und empfindliche Strafen.

 

Wichtig ist für den Sammler in diesem Zusammenhang §29 der besagt, dass Münzen die sich bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes rechtmäßig im Bundesgebiet befanden, von einem möglichen Einfuhrverbot ausgenommen sind.

 

Eiliger Handlungsbedarf:  Es kann bei Münzen, die bei Inkrafttreten des Gesetzes nicht nachweislich schon in Deutschland waren Probleme bei einem zukünftigen Wiederverkauf oder einer Ausfuhr aus Deutschland geben. Es ist deshalb sehr wichtig, noch in den nächsten Tagen den Bestand der eigenen Sammlung lückenlos zu dokumentieren und sich den Bestand zum jetzigen Datum in geeigneter Form bestätigen zu lassen. Dies kann bei einem Notar durch Beglaubigung der Unterschrift und des Datums mit Versiegelung der Sammlungsunterlagen geschehen, oder durch einen in Gegenwart einer Vertrauensperson versiegelten Briefumschlag.  Auf dem Kuvert sollte dann der Vorgang mit Datum bestätigt werden ("Hiermit bestätige ich, dass sich in diesem Kuvert Unterlagen zu meiner Sammlung befinden, die am ..... unter meinen Augen in das Kuvert eingelegt wurden, dass anschließend in meiner Gegenwart verschlossen und versiegelt wurde ") . Elektronische Speichermedien sollten zur Dokumentation vermieden werden da sie eine deutlich geringere Langzeithaltbarkeit aufweisen als Papier.

 

3) Münzen die älter sind als 100 Jahre sind auch bei Ausfuhr aus Deutschland vom neuen Gesetz betroffen. Zukünftig gibt es eine Ausfuhrgenehmigungspflicht auch bei  Ausfuhr aus Deutschland in den EU Binnenmarkt. Wir Sammler werden für Münzen in bestimmten Fällen Ausfuhrgenehmigungen einholen müssen, und zwar - wie bisher-  bei Ausfuhr von numismatischen Sammlungen über einen Wert von 50.000€ in nicht EU Länder, und - neu-  auch bei Ausfuhr in EU Mitgliedsländer, dann aber erst bei einem Wert über 100.000€. Diese Wertansätze sollen sicherstellen, dass nur die Ausfuhr von Münzen und Numismatischen Sammlungen besonderer Bedeutung einer Prüfung unterliegt. Der Sammler sollte in solchen Fällen bei geplanter Ausfuhr eine Genehmigung bei seiner obersten Landesbehörde einholen, sonst drohen empfindliche Strafen die ebenfalls im Gesetz aufgeführt werden.  

 

Für die Ausfuhr ist es wichtig auszuschließen, dass eine Münze 'archäologische' Eigenschaften hat, denn für solche Münzen wäre bereits  ab Wert Null eine Ausfuhrgenehmigung zu beantragen, dh es besteht dann eine Ausfuhrgenehmigungspflicht für jede Münze, egal welchen Wertes.

 

 Zu diesem Thema wurden die Expertenaussagen der Deutschen Numismatischen Gesellschaft gehört und in das Gesetz aufgenommen. In §24 gibt jetzt eine besondere Ausnahmeregelung für Münzen:  Münzen können zwar in Ausnahmefällen auch als archäologisches Kulturgut vom Gesetz betroffen sein, aber nur i) wenn es sie nicht in großer Stückzahl gibt, ii) wenn sie für die Archäologie einen relevanten Erkenntniswert haben, oder iii) wenn sie als individualisierbares Einzelobjekt von einem (EU)Mitgliedsstaat unter Schutz gestellt sind.

Was bedeuten diese 3 Kriterien aus §24 (2) 6 konkret für den Münzsammler ?

  • zu i) Münzen sind nach unserer Einschätzung als Massenobjekt ausgegeben worden und in großer Stückzahl vorhanden. Wissenschaftliche Stempeluntersuchungen haben ergeben, dass aus einem Stempel in der Regel 2.500 bis 20.000 Stücke hergestellt wurden. Selbst zB attische Dekadrachmen sind in großen Stückzahlen geprägt worden, wie wir seit dem Dekadrachmenfund in Lykien wissen. Da keine exakten Bestandskataloge alter Münzen vorliegen, kann man die bekannte Stückzahl eines Münztyps/ Singularität einer einzelnen Münze überhaupt nicht erfassen, so dass von dem Anfangswissen auszugehen ist, dass jede Münze Teil einer Massenausgabe von mindestens 2500 Stück ist. Da Münzen per Aufgabe/Funktionalität eben Massenprodukte sind, sollte ein Sammler davon ausgehen können, dass keine Einzelfallprüfung der vorhandenen Stückzahl einer Münze nötig ist. Im Falle einer Beanstandung durch die Behörden sollte man sich auf den Standpunkt stellen, dass es Münzen des fraglichen Typs in großer Menge gibt, wobei die Eingrenzung nicht zu eng vorgenommen werden kann und darf.  Auf Diskussionen darüber, ob der spezielle Jahrgang, die Legende oder das Rückseitenbild ausnahmsweise besonders selten sei, sollte man sich nicht einlassen, da unserer Meinung nach das Gesetz so sicher nicht zu verstehen ist. Vielmehr wollte der Gesetzgeber besonders mit §24 (2)6 ja gerade eine unnötig hohe Zahl von Einzelfallprüfungen von Münzen vermeiden.
  • Zu ii) Die Prüfung, ob eine Münze einen relevanten Erkenntniswert für die Archäologie, hat kann nur aufgrund einer Zuordnung zu einem bekannten Fundkontext erfolgen,  der allerdings nur in Ausnahmefällen vorliegen dürfte. Von der staatlichen Verwaltung müsste dies aber nachgewiesen werden. Dann wäre eine Münze als archäologisches Objekt mit Nullwert unter den Bestimmungen des neuen Gesetzes betroffen. Der Sammler sollte einen solchen ihm bekannten Fundzusammenhang dokumentieren. Bis auf solche Ausnahmefälle kann der Sammler aber wohl davon ausgehen, dass kein relevanter Erkenntniswert seiner Münze für die Archäologie vorliegt.
  • Zu iii) Das Kriterium des Schutzes als individualisierbares Einzelobjekt durch einen (EU)- Mitgliedstaat ist unser Meinung als Eintrag einer einzelnen Münze auf einer Liste nationaler Kulturgüter zu verstehen. Hierzu soll zukünftig dem Sammler eine Website der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden. Ist eine einzelne Münze nicht eingetragen, kann der Sammler davon ausgehen, dass dieses Kriterium nicht erfüllt ist.

 

4) Das neue Gesetz definiert Sorgfaltspflichten zum Inverkehrbringen von Münzen (Verschenken, Tauschen, Verkaufen)  

  • Jeder Sammler muss mit der erforderlichen Sorgfalt prüfen ob seine Münzen abhanden gekommen, rechtswidrig eingeführt oder raubgegraben worden sein könnten. Eine lückenlose Prüfung für jede Münze wird allerdings für die meisten Sammler unmöglich sein. Aber auch hier gilt der Ratschlag: je mehr Dokumentation möglich ist, desto besser.
  • Zusätzlich definiert das Gesetz erweiterte "gewerbliche" Sorgfaltspflichten für den Handel (zB eine erweiterte Provenienzforschungspflicht mit 30 Jahre Aufbewahrung der Unterlagen). Gerade hier hat die Expertenaussage der Deutschen Numismatischen Gesellschaft eine wesentliche Verbesserung gebracht, die letztlich auch dem verkaufenden Sammler helfen: Münzen können zwar in Ausnahmefällen auch unter einem Wert von 2500€ als archäologisches Kulturgut von erweiterten gewerblichen Sorgfaltspflichten betroffen sein, aber nur i) wenn es sie nicht in großer Stückzahl gibt, ii) wenn sie für die Archäologie einen relevanten Erkenntniswert haben. Der Münzhandel hat also bei Münzen mit einem Wert von unter 2500€ in der Regel keine erweiterte Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Auch hier müssen wir abwarten, wie die die Rechtspraxis im Detail aussehen wird.

 

5) Auf den ebenfalls im Gesetz neu geregelten Aspekt der Rückgabeforderungen von Herkunftsstaaten wollen wir hier aus Platzgründen heute nicht im Detail eingehen, außer dass hierfür wichtige Stichdaten gelten, die ein Sammler versuchen sollte zu dokumentieren.  Hat seine Münze nachweislich bereits vor dem vor 31.12.1992 den  EU Herkunftsstaat bzw vor dem 26.04.2007 den UNESCO Konventions Herkunftsstaat verlassen ?  Wichtig auch, für Fälle in denen dies für ein Objekt nicht nachgewiesen werden kann, dass aber nachweislich am Tag des Inkrafttretens des neuen Gesetzes bereits in Deutschland war, werden Rückgabeforderungen von Herkunftsstaaten weiterhin nach dem alten Kulturgutschutzgesetz von 2007 behandelt. 

 

Zusammenfassend wird uns das neue Kulturgutschutzgesetz die nächsten Monate weiterhin beschäftigen, bis sich über die Ausführungsverordnungen und Gerichtsurteile womöglich bis zum Bundesverfassungsgericht eine klarere Rechtspraxis ergeben wird. Das NNB wird hierzu weitere Artikel mit juristischen Analysen publizieren.

 

Eine möglichst lückenlose Dokumentation von Kauf und  Verkauf zB durch Sammeln von Rechnungen und Auktionskatalogen, Import bzw  Exportbelegen, sowie Provenienzen wo bekannt, wird ab sofort erste Bürgerpflicht eines jeden Kulturgutsammlers, auch eines Münzsammlers. Das Führen von detaillierten Sammlerlisten ist sehr zu empfehlen. Auch sollte jeder Sammler sich beeilen und seine Sammlung noch vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes als bereits in Deutschland befindlich dokumentieren (siehe Textkasten).

 

Informationsaustausch zwischen uns Sammlern besonders auch über die Grenzen der jeweiligen Bundesländer hinaus ist wichtig. Bitte melden Sie uns Problemfälle.

 

Und wenn wir weiterhin gehört werden wollen, brauchen wir mehr denn je eine starke Sammlervertretung durch breite und aktive Mitgliedschaft in den Vereinen der Deutschen Numismatischen Gesellschaft.

 

Nicol Worbs, Andreas Pangerl

 

Kurz nach Verfassung dieses Artikels erschien ein Hintergrundpapier der Bundesregierung für Münzen, dass unter diesem Link einsehbar ist:
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/BKM/2016/2016-07-13-hintergrundpapier-muenzsammler.pdf?__blob=publicationFile&v=2

 
     

Münzkatalog des Stadtarchivs Mainz im Internet

  Münzkatalog des Stadtarchivs Mainz im Internet  
 

 

Münzkatalog des Stadtarchivs Mainz im Internet

Das Stadtarchiv Mainz verfügt mit über 7000 Stücken über die größte Spezialsammlung von Münzen und Medaillen der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten. Während der Katalog der Brakteaten bereits 2005 online gestellt wurde, ist nun auch die frühneuzeitliche Abteilung vom Beginn der Talerprägung 1567 bis zum Ende der Regierung des letzten Erzbischofs von Mainz, Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg, im Internet recherchierbar. Bislang waren die über 1350 Münzen und Medaillen nur über eine vom ehemaligen Mainzer Oberbürgermeister und Numismatiker Dr. Rudolph Walther in den 1960er Jahren erstellte Kartei benutzbar. Dank des ehrenamtlichen Engagements des durch seine Publikationen zum sächsischen und thüringischen Münzwesen bekannten Numismatikers Gunter Walde wurde diese Kartei in eine digitale Form gebracht, um sie anschließend in die Datenbank des Stadtarchivs zu überführen. Im Internet ist diese Datenbank über https://faust.mainz.de/ erreichbar. Bei den vom Programm in der Suchmaske angebotenen Objektarten können gezielt die Münzen ausgewählt werden. Die Recherche kann nach Stichwort und/oder Datum erfolgen. Das Ergebnis wird in einer Kurzliste angezeigt, von der zu einer Vollanzeige umgeschaltet werden kann. Allerdings müssen die Sachdaten noch mit Digitalfotos verknüpft werden, was aus personellen und finanziellen Gründen bislang nur für einen Bruchteil des Bestandes erfolgen konnte. Durch Sponsoren hofft das Stadtarchiv, den Katalog innerhalb der nächsten Monate entsprechend komplettieren zu können, um allen numismatisch Interessierten eine optimale Benutzung des Mainzer Münzkabinetts im Internet zu ermöglichen.

 
     

 

Raubüberfall auf die Münzbörse in Nürnberg

  Raubüberfall auf die Münzbörse in Nürnberg  
 

Während der von der Nürnberger Münzhandlung Gerhard Riegel veranstalteten Münzbörse am Sonntag, dem 24. April 2016, im Gemeinschaftshaus der Gartenstadt ereignete sich ein Zwischenfall. Der Verein für Münzkunde Nürnberg e.V. betrieb im hinteren Teil des Saales einen Infostand. Die den Stand betreuenden Mitglieder wurden unfreiwillig Zeugen eines dramatischen Geschehens.Gegen Mittag herrschte schon ein vergleichsweise ruhiger Betrieb, als gegen 12.15 Uhr ganz plötzlich lautes Geschrei und eine erhebliche Unruhe am anderen Ende des Saal in Eingangsnähe zu vernehmen war. Erst im Nachhinein wurde genauer bekannt, was vorgefallen war: Zwei maskierte Täter, 18 und 23 Jahre alt, hatten einen 79-jährigen Münzhändler in der Nähe des Eingangs mit Messern bedroht und mehrere Münzalben mit einem laut Polizeiangaben Gesamtwert von 30.000 Euro geraubt. Allerdings schritt der unweit entfernt stehende Bruder des Veranstalters sofort ein und überwältigte zusammen mit seinem schnell zu Hilfe kommenden Bruder einen der beiden Männer, der sein Messer fallen lassen musste. Der zweite Täter versuchte zu fliehen, kam aber nicht weit. Ein geistesgegenwärtiger Messebesucher, der den Aufruhr mitbekommen hatte, hielt von außen die Eingangstür zum Gemeinschaftshaus zu, während andere Besucher den Täter so lange festhielten, bis die inzwischen alarmierte Polizei eintraf. Glücklicherweise blieben alle Zeugen des Überfalls unverletzt, nur einer der Räuber verletzte sich selbst leicht. Die beiden Tatverdächtigen wurden vorläufig festgenommen. Als Messebesucher stellt man sich die Frage: Kann man heute noch eine Münzbörse veranstalten ohne dass ein Sicherheitsdienst engagiert wird? Bei großen Firmen wie z.B. Künker fällt auf, dass sie eigene Sicherheitskräfte mitbringen, um einen ungestörten Münzhandel zu gewährleisten. Es ist sehr bedauerlich, dass sich die Verhältnisse so entwickelt haben.

Winfried Stein

 
     

 

7. Österreichischer Numismatikertag

  7. Österreichischer Numismatikertag  
 

 

7. Österreichischer Numismatikertag

Der 7. Österreichische Numismatikertag 2016 wird vom Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank in Kooperation mit dem Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, der Abteilung Documenta Antiqua des Instituts für Kulturgeschichte der Antike der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien veranstaltet.

Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums der Oesterreichischen Nationalbank findet die international besetzte Tagung am 19. und 20. Mai 2016 im Hauptgebäude der Nationalbank in Wien statt. Der Numismatikertag steht unter dem Motto "Stabilität und Instabilität von Geldsystemen".

Aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung bis 29. April 2016 unter www.oenb-events.at/numismatikertag unbedingt erforderlich. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Für inhaltliche Fragen wenden Sie sich bitte an: Michael Grundner, Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Finanzbildung, Tel. +43-1-404 20-9222, E-Mail Geldmuseum[at]oenb.at

Für organisatorische Fragen wenden Sie sich bitte an: Romana Wellischowitsch, Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Finanzbildung, Tel. +43-1-404 20-6623, E-Mail:

romana.wellischowitsch[at]oenb.at

 
     

 

Römerlager und Römermünzen bei Hannover entdeckt

  Römerlager und Römermünzen bei Hannover entdeckt  
 

 

Römerlager und Römermünzen bei Hannover entdeckt

Archäologen haben im niedersächsischen Wilkenburg bei Hannover ein römisches Heerlager aus der Zeit um Christi Geburt entdeckt. Es zählt zu den größten Anlagen dieser Art rechts des Rheins und dürfte mindestens 20.000 Mann Platz geboten haben. Für die Wissenschaftler hat der Fund der Anlage auf einer Fläche von etwa 30 Hektar große Bedeutung, denn es ist das erste Heereslager, das in der norddeutschen Tiefebene entdeckt wurde. Bei ihren Ausgrabungen fanden die Archäologen römische Sandalennägel, aber auch ganze und halbierte Kupfermünzen sowie Silberdenare aus der Zeit des Kaisers Augustus. Offenbar wurde das Lager nur ein bis drei Nächte genutzt und dann wieder aufgegeben, weil das Heer weiter zog, sagte Salvatore Ortisi von der Universität Osnabrück. Das Lager sei in typisch römischer Bauweise mit Wehrgräben angelegt worden, die unten spitz zulaufen. Auch sei eine Toranlage am höchsten Punkt des Platzes nachgewiesen worden. Die Wissenschaftler waren durch Luftbilder auf die Grabenstrukturen des Lagers aufmerksam geworden. Ihnen fielen Bewuchsmerkmale an der Oberfläche auf. So wächst Getreide in ehemaligen Vertiefungen höher und ist auch grüner als die Pflanzen in der Umgebung. Das Lager von Wilkenburg wurde nach jetzigen Erkenntnissen zwischen 12 vor Christus und 9 nach Christus angelegt. Täglich marschierten die Legionäre etwa 20 Kilometer durch das heutige Niedersachsen. Wenn sie pausierten, mussten sie ein Lager aus dem Boden stampfen und es durch Gräben und Palisaden vor Eindringlingen absichern. Anscheinend gingen die Soldaten mit ihrem Sold wenig sorgsam um, sonst wären den Archäologen nicht so viele Münzen in die Hände gefallen. Die Wissenschaftler haben nun einen Anhaltspunkt für ein konkretes Römerlager und hoffen, im Umkreis von 20 Kilometern eine weitere Anlage dieser Art zu finden. Die Funde bei Hannover weisen auf die Zeit der römischen Expansion im damaligen Germanien, die mit der Niederlage der Römer in der Varusschlacht 9 n. Chr. bei Kalkriese ein abruptes Ende fand.

Helmut Caspar

 
     

 

Dürfen wir in Zukunft noch sammeln? - Kulturgutschutzgesetz

  Dürfen wir in Zukunft noch sammeln?  
     
     
 

Die Möglichkeit des Sammelns von alten Münzen scheint durch die aktuelle Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes in Deutschland bedroht und könnte dieses traditionsreiche Hobby von hunderttausenden von Sammlern sterben lassen.

Im Verlaufe des Anhörungsverfahrens wurde bislang die Stimme der Sammler nicht gehört. Im Gegenteil blieb das schriftliche Angebot vom Januar 2015 zum konstruktiven Dialog seitens der Deutschen Numismatischen Gesellschaft (DNG) als Vertretung der Numismatischen Vereinigungen und Verbände in Deutschland und somit der Münzsammler von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur leider unbeantwortet.

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Daher gibt die DNG nunmehr folgende Stellungnahme ab.

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft begrüßt grundsätzlich das Bemühen der Bundesregierung, eine transparente, umsetzbare Regelung für die Anforderungen im Zusammenhang des Kulturgutschutzes zu finden und das verantwortungsbewusste Sammeln von Kulturgütern durch Neuregelungen zu stärken. Diese Regelung sollte aber mit Augenmaß und Besonnenheit die Belange der wesentlichen Beteiligten berücksichtigen.

Bezüglich der Kategorie für alte Münzen ist hier noch Verbesserungsbedarf, da bislang die Besonderheit von Münzen ignoriert wird.

1) Münzen wurden spätestens ab dem Hellenismus für riesige, überregionale Bevölkerungen hergestellt und entsprechend weit verbreitet. Ähnlich weit verbreitet ist das Sammeln von Münzen seit der Renaissance in grenzüberschreitender, kultureller Zusammenarbeit. Die private Münzsammlertätigkeit ist selbst ein bedeutendes, schützenswertes Kulturgut geworden. Aus dem Sammeln – Basis unseres Wissens über die Vergangenheit – haben sich die Geschichtsforschung, die Archäologie und die heutigen Museen entwickelt. Diese enge Zusammenarbeit besteht auch heute noch (siehe auch Stellungnahme der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland vom 29.6.2015).

2) Bei Millionen von in Museums- und Privatbesitz befindlichen, oder aus Sammlerhand in den Handel gelangten Münzen sind bestenfalls Erwerbszeitpunkt und der letzte Vorbesitzer dokumentiert. Die Forderung nach umfangreichen Herkunftsnachweisen und Jahre zurückgehenden Ausfuhrpapieren entbehrt jeglicher Praktikabilität. Auch die geforderte Feststellung von Ursprungsländern ist bei alten Münzen vielfach unmöglich. National wie international ist niemand auf die vorgesehenen Dokumentationspflichten vorbereitet und dies ist auch nicht einseitig für Deutschland nachholbar.

Wenn es der Gesetzgeber mit der „Kulturgutverkehrsfreiheit“ ernst meint, ist also im Gesetzesentwurf nachzuarbeiten.

Praxisnahe Sonderregelungen für Münzen sind unbedingt erforderlich. Dies gilt für Einfuhr, Verkauf und Ausfuhr. Der bislang im Gesetzesentwurf vorgesehene immens erhöhte Bürokratieaufwand für alle Beteiligten (Sammler, Handel und öffentliche Hand) ist unbedingt einzugrenzen. Im jetzigen Entwurf soll jede alte Münze einzeln und unabhängig vom Wert geprüft werden. Münzen unterliegen somit sogar erhöhter Dokumentationspflicht anstatt als „Massen“-Kulturgüter pragmatisch behandelt zu werden. Bei strenger Auslegung der neuen Anforderungen erscheint beispielsweise ein Kauf alter Münzen im Ausland de facto nicht mehr möglich, ein Verkauf in Deutschland oder auch eine Ausfuhr werden erschwert oder gar unmöglich gemacht. Dies würde einer Erstickung dieses Sammelgebietes, wie auch einer kalten Enteignung unserer Sammler und ihrer Erben gleichkommen.

Ferner scheint der sehr weitgefasste Gesetzesentwurf pauschal die Händler aller „Kulturgüter“ – von alten Münzen bis hin zu alten Büchern – zu verpflichten, neben vielen anderen Informationen und Dokumentationen auch die Namen und Adressen der Sammler und ehemaligen Besitzer an die Erwerber weiterzugeben. Wir halten sowohl eine solche Weitergabe von persönlichen Daten an unbekannte Dritte als auch das Neueinführen und gleichzeitige Abwälzen von Erfassungs- und Archivierungspflichten an Bürger und die Privatwirtschaft für sehr bedenklich.

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft als Dachverband der lokalen Vereine fordert daher die Bundesregierung dringend zu einem Dialog mit der Sammlerschaft auf.


Kristian Nicol Worbs

Präsident

 
     

Gedanken und Forderungen der DNG an das geplante Kulturgutschutzgesetz

  Gedanken und Forderungen  der Deutschen Numismatischen Gesellschaft an das geplante Kulturgutschutzgesetz
 
     
  Pressemitteilung 22.9.2015
 
 

 

Gedanken der DNG zum neuen Gesetzesentwurf:

 

Der derzeitige Gesetzentwurf zum KGSG verhindert de facto das Sammeln alter Münzen, kriminalisiert die sammelnden Bürger und teilenteignet sie möglicherweise. Münzen sind im Gegensatz zu Einzelkunstwerken in der Regel Massenware, was der Gesetzesentwurf bisher nicht berücksichtigt.

 

Im Vorwort des Gesetzesentwurfs wird als Grund für die Verschärfung ua die angebliche Milliardenfinanzierung von Terror genannt. Hierfür fehlen jegliche Nachweise wie das Handelsblatt richtig in seiner Untersuchung am 31.7.2015 feststellte. Bisher ist nicht eine einzige Münze im deutschen Handel nachgewiesen, die mit dem Islamischen Staat in Verbindung gebracht werden kann.

 

Das Gesetzesvorhaben ist in seinen Formulierungen durchzogen von einem tiefen Misstrauen des Staates zu seinen Bürgern.  Dem entspricht, dass bei den vorbereitenden Anhörungen die Verbände der Sammler nicht angehört wurden. Ähnliches gilt für die konstruktive Kritik der Landesnumismatiker. 

 

Deshalb fordern wir eine Anhörung und Berücksichtigung unserer Verbände bei den weiteren Beratungen!

 

Das Gesetz soll schon Anfang 2016 in Kraft treten. Es gibt dem Bürger keine Zeit, seinen neuen Sorgfalts- und Dokumentationspflichten nachzukommen. Es sollte mit all seinen Maßnahmen mindestens ein Jahr lang vor Inkrafttreten in den Medien gut kommuniziert werden, sodass die Sammler und Händler die Möglichkeit haben, ihren Bestand zu dokumentieren und beglaubigen zu lassen.

Der derzeitige Gesetzentwurf ist für den Bürger und Sammler weder verständlich noch ist er realistisch umsetzbar. Den Länderbehörden droht ein großer Bürokratieaufbau und die Bürger scheinen einer intransparenten Willkür ausgesetzt zu sein. Selbst im bestehenden Gesetz gab es unrechtmäßige Beschlagnahmen von Münzsammlungen, die allerdings alle per Gerichtsentscheid revidiert wurden.

 

Was sind die Implikationen für den Sammler und den Handel? Wo bleibt das Ziel des Bürokratieabbaus?

 

Auswirkung für den Sammler und Bürger ist, dass aufgrund der  in der Praxis unrealistischen Dokumentationsanforderungen und Nachweispflichten fast alle alten Münzen nicht mehr verkauft oder ausgeführt werden könnten. Dies betrifft jede einzelne alte Münze über 100 Jahre Alter ohne untere Wertgrenze.

 

Kein Sammler hat Einzelrechnungen mit Foto für alle Münzen in der ererbten Sammlung alter Münzen seiner Vorfahren. Ein- oder Ausfuhrgenehmigungen existierten nur in Ausnahmen.  So enthält kaum eine Sammlung von oft 1000 bis 3000 alten Münzen für jede Münze eine „geeignete Einzeldokumentation“. Wie soll ein Bürger nachweisen, dass keine seiner vielen alten Münzen nicht kürzlich ausgegraben oder irgendwann gestohlen wurde? Es gibt keine diesbezüglichen Datenbanken wo er nachschauen könnte. Wie soll er die Herkunft nachweisen bei möglicher aber fast nie bestimmbarer Herkunft aus 25 oder mehr heutigen Ländern zB bei römischen Münzen ? Was ist mit Münzen, die vielmals im Tausch mit anderen Sammlern, über Erbschaft oder auch im Lot mit anderen Münzen erworben wurden? All dieses müsste von dem Bürger rückwirkend dokumentiert und nachgewiesen werden.

 

Bei Fehlen einer Dokumentation für jede einzelne alte Münze - wertunabhängig – ist eine Sicherstellung vorgesehen, für die der Bürger auch noch die Kosten tragen soll. Die Länder sollen kurzfristig Bürokratie aufbauen, um die vielen Überprüfungen durchzuführen.

 

Deshalb fordern wir diese den Bürger belastende geplante Beweislastumkehr und Dokumentationsbürokratie nicht einzuführen!

 

Bei Mitnahme oder Verkauf einer alten Münze ins Ausland ohne Anmeldung oder ohne „geeignete Unterlagen“ droht ferner eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren. Der Bürger würde hier wie ein Schwerkrimineller behandelt.

 

In der Praxis hieße dies, dass kein ausländischer Sammler mehr alte Münzen nach Deutschland bringen oder verkaufen würde. Deutsche Sammler würden keine alten Münzen mehr aus dem Ausland kaufen können. Die unrealistischen Dokumentationspflichten und verbundenen Kosten sowie die Unsicherheit würde dies verhindern. Ein stark kostenbelasteter und umständlicher Handel mit einigen wenigen inländischen, voll dokumentierbaren Altbeständen wäre alles was verbliebe. Eine Gesetzesregelung in dieser Form würde unsere Sammlerkultur mit langer Tradition in Deutschland zerstören anstatt die kulturelle Beschäftigung des Sammelns von Münzen zur stärken.

 

Nach dem neuen Gesetz müsste ein Münzhändler mittlerer Größe im Jahr  ca. 5000 Im- und Exportanträge stellen. Hinzu kämen dann die vielen Anträge unserer Sammler. Es ist somit mit einem erheblichen Anstieg an Anträgen zu rechnen (von bisher 1200 bundesweit pro Jahr auf geschätzte 50.000-75.000). Für deren Bearbeitung gibt es keine adäquate Behörde.

 

Die Sorgfaltspflichten sollen für Sammler und für Händler deutlich verschärft werden. Für deren gerechte Überwachung gibt es bisher keine Behörde. Auch ist zu befürchten, das der Handel die Einschränkungen und die Auflagen des geplanten Gesetzes nicht überleben kann und dem illegalen, unkontrollierten Handel damit Vorschub geben wird. Ferner wird der Handel in Praxis damit gezwungen, die Dokumentations- und Nachweispflichten auf den Bürger abzuwälzen, der ansonsten nicht mehr veräußern könnte.

 

Kulturgesetzgebung ist in der Bundesrepublik Ländersache. Das Gesetz geht von einem Staatsministerium des Bundes aus. Die zu erwartenden hohen Bürokratiekosten in Folge des Gesetzes werden aber zu Lasten der Länder gehen.

 

Unabhängig von den enormen, unverhältnismäßig hohen Kosten einer Kontrollbehörde würden Fachleute zur Beurteilung benötigt, die in der notwendigen Anzahl in Deutschland gar nicht zur Verfügung stünden. Numismatik ist eine Wissenschaft, die jahrelange Erfahrung erfordert.

 

Daher stellt die DNG folgende Forderungen der münzsammelnden Bürger und ihrer Verbände an das geplante Kulturgutschutzgesetz

 

  1. Konstruktiver Dialog:  Es soll endlich auch ein Dialog mit den Sammlerverbänden stattfinden, um die Stimme der hunderttausenden Sammler von Münzen zu hören.
  2. Vertrauensschutz für den Bürger:  Grundannahme bei vielen Millionen von rechtmäßig erworbenen alten Münzen im Privatbesitz unserer Bürger sollte das rechtmäßige Eigentum sein und der gutgläubige Erwerb. Dies sollte dem Bürger zum „Bestandsschutz“ einfach und kostengünstig ermöglicht werden. Daher keine Rückwirkung des Gesetzes, keine Umkehr der Beweislast, keine kalte (Teil)-Enteignung sondern weiterhin Schutz des Privateigentums und Erhalten der Grundsätze unseres Grundgesetzes.
  3. Verständlichkeit und Transparenz:  Der Gesetzentwurf muss für Bürger verständlich sein und alle wichtigen Regelungen enthalten. Dazu gehört auch eine eindeutige Kategorie für Münzen/Numismatik und eine klare Definition von „geeigneter Dokumentation“. Wesentliche Themen dürfen nicht ausgeklammert und erst nachträglich entschieden werden.
  4. Pragmatische und realistische Wertgrenzen:  Es muss eine einheitliche Wertgrenze für eine Kategorie „Münzen/Numismatik“ für alle Themen („Sorgfaltspflichten“, „In Verkehr bringen“, „Ausführen“ etc.) festgelegt werden: Beispielsweise Euro 10.000 je Münze und Euro 250.000 für Sammlungen.
  5. Praxisnahe, konkrete und transparente Regelung für Nachweispflichten im Gesetz für Münzen als Massenhaft hergestelltes Kulturgut: Sorgfaltspflichten müssen für den Bürger realistisch und praktisch erfüllbar sein. In der Praxis für alte Münzen vielfach unmögliche Nachweisforderungen und Dokumentationspflichten müssen konkretisiert oder getilgt werden. Die Praxis/Realität des Sammelns unserer Bürger muss berücksichtigt werden: Sammlungen entstehen und entwickeln sich ständig durch Tausch unter Sammlern, durch Erbschaft, durch Erwerb von Lots / Mehrfachposten über eine Vielzahl von Quellen . Erwerb ausschließlich über renommierte Fachhändler mit Einzelrechnung, Foto und Dokumentation der Provenienz sind keine realistische Ausgangslage.
  6. Keine Willkür bei Sicherstellungen: Sicherstellungen nur bei dringendem Verdacht und konkreten Hinweisen. Zudem sollten Sicherstellungen nur mit klarer Zeitgrenze erfolgen, mit transparenter und konkreter Rückgaberegelung und keiner Kostenbelastung des Bürgers im Falle, dass kein Unrecht nachweisbar war.
  7. Kostendisziplin für Bürger und öffentliche Hand:  Praxisnahe Regelung der Kategorie Münzen/Numismatik bezüglich Dokumentationspflichten, um den für Bürger unnötigen, hohen zeitlichen Aufwand und die Kostenbelastung zu reduzieren. Dies gilt auch für den implizierten erheblichem, zusätzlichen Bürokratieaufbau bei den (Landes)-Behörden.
  8. Eine Übergangsphase bei etwaigen neuen Dokumentationsanforderungen für die Bürger und auch die öffentlichen Stellen sollte vorgesehen werden. Etwaige neue Dokumentationspflichten für Bürger und Gewerbetreibende dürfen nicht schärfer sein als solche, die die öffentliche Hand treffen. Es geht nicht an, dass den Bürger hier größere Pflichten treffen, als beispielsweise staatliche Sammlungen und Museen
  9. Wir fordern innerhalb der EU die Aufrechterhaltung eines von bürokratischen Hürden ungehinderten Verkehrs von Kulturgut, das nicht als nationales Kulturgut definiert ist. Deutschland darf hier nicht einseitig handeln. Unsere Bürger sollen nicht überproportional belastet werden. Es darf in den Nachweis- und Dokumentationspflichten keine in der Praxis in den anderen EU Ländern nicht existierende Dokumentation vorausgesetzt werden.

 

 

      Kristian Nicol Worbs

           Präsident


 

 
     


 

Stellungnahme der DNG zur Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes

  Stellungnahme der DNG zur Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes  
     
  Pressemitteilung 15.7.2015  
 

 

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft begrüßt grundsätzlich das Bemühen der Bundesregierung, eine transparente, umsetzbare Regelung für die Anforderungen im Zusammenhang des Kulturgutschutzes zu finden und das verantwortungsbewusste Sammeln von Kulturgütern durch Neuregelungen zu stärken. Diese Regelung sollte aber mit Augenmaß und Besonnenheit die Belange der wesentlichen Beteiligten berücksichtigen.

 

Bezüglich der Kategorie für alte Münzen ist hier noch Verbesserungsbedarf, da bislang die Besonderheit von Münzen ignoriert wird.

1. Münzen wurden spätestens ab dem Hellenismus für riesige, überregionale Bevölkerungen hergestellt und entsprechend weit verbreitet. Ähnlich weit verbreitet ist das Sammeln von Münzen seit der Renaissance in grenzüberschreitender, kultureller Zusammenarbeit. Die private Münzsammlertätigkeit ist selbst ein bedeutendes, schützenswertes Kulturgut geworden. Aus dem Sammeln — Basis unseres Wissens über die Vergangenheit — haben sich die Geschichtsforschung, die Archäologie und die heutigen Museen entwickelt. Diese enge Zusammenarbeit besteht auch heute noch (siehe auch Stellungnahme der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland vom 29.6.2015).

2. Bei Millionen von in Museums- und Privatbesitz befindlichen oder aus Sammlerhand in den Handel gelangten Münzen sind bestenfalls Erwerbszeitpunkt und der letzte Vorbesitzer dokumentiert. Die Forderung nach umfangreichen Herkunftsnachweisen und Jahre zurückgehenden Ausfuhrpapieren entbehrt jeglicher Praktikabilität. Auch die geforderte Feststellung von Ursprungsländern ist bei alten Münzen vielfach unmöglich. National wie international ist niemand auf die vorgesehenen Dokumentationspflichten vorbereitet und dies ist auch nicht einseitig für Deutschland nachholbar.

 

Wenn es der Gesetzgeber mit der „Kulturgutverkehrsfreiheit" ernst meint, ist also im Gesetzesentwurf nachzuarbeiten.

 

Praxisnahe Sonderregelungen für Münzen sind unbedingt erforderlich. Dies gilt für Einfuhr, Verkauf und Ausfuhr. Der bislang im Gesetzesentwurf vorgesehene immens erhöhte Bürokratieaufwand für alle Beteiligten (Sammler, Handel und öffentliche Hand) ist unbedingt einzugrenzen. Im jetzigen Entwurf soll jede alte Münze einzeln und unabhängig vom Wert geprüft werden. Münzen unterliegen somit sogar erhöhter Dokumentationspflicht anstatt als „Massen"-Kulturgüter pragmatisch behandelt zu werden. Bei strenger Auslegung der neuen Anforderungen erscheint beispielsweise ein Kauf alter Münzen im Ausland de facto nicht mehr möglich, ein Verkauf in Deutschland oder auch eine Ausfuhr werden erschwert oder gar unmöglich gemacht. Dies würde einer Erstickung dieses Sammelgebietes wie auch einer kalten Enteignung unserer Sammler und ihrer Erben gleichkommen.

 

Ferner scheint der sehr weitgefasste Gesetzesentwurf pauschal die Händler aller „Kulturgüter" — von alten Münzen bis hin zu alten Büchern - zu verpflichten, neben vielen anderen Informationen und Dokumentationen auch die Namen und Adressen der Sammler und ehemaligen Besitzer an die Erwerber weiterzugeben. Wir halten sowohl eine solche Weitergabe von persönlichen Daten an unbekannte Dritte als auch das Neueinführen und gleichzeitige Abwälzen von Erfassungs- und Archivierungspflichten an Bürger und die Privatwirtschaft für sehr bedenklich.

 

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft als Dachverband der lokalen Vereine fordert daher die Bundesregierung dringend zu einem Dialog mit der Sammlerschaft auf.

 

München, 15. Juli 2015

gez. Kristian Nicol Worbs, Präsident

Dr. Rainer Albert und Ulf Dräger, Vizepräsidenten


 

 
     

Ist Sammeln pervers - offener Brief an Dr. Steinmeier

  Ist Sammeln pervers?
 
     
  NNB 7/2015  
 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Steinmeier,

sie formulieren in Ihrem Artikel am 15. Mai 2015 in der FAZ folgenden Satz:

 

„Die Überreste verkaufen sie an gewissenlose Händler und über diese an noch gewissenlosere Käufer, die das Auslöschen von Kultur als perversen Ausgangspunkt für privates Sammeln von Kultur akzeptieren.“

 

Egal wie Sie sich da jetzt herausreden wollen, dass das aus dem Zusammenhang gerissen sei, etc., so meine ich doch, dass Sie sich mit dieser Äußerung auf eine noch nie dagewesene Weise gegen das private Sammeln, eine der ältesten kulturellen Beschäftigungen überhaupt, aussprechen und zig-Millionen kulturbegeisterte Sammler in ganz Europa an den Pranger stellen, denen im krassen Gegensatz zu einigen staatlichen Stellen die Erhaltung und Schaffung kultureller Güter und Sammlungsstücke am Herzen liegt. Es zeigt aber auch, wie abgehoben Politiker, die mit Diktatoren am Tisch freundlich parlieren müssen, werden können, wenn sie über Dinge schreiben, von denen sie wirklich nichts verstehen.

 

Als Österreicher, der am 15. Mai 1955, vor genau 60 Jahren, die Unterzeichnung des Staatsvertrages bewusst mitgefeiert hatte, schmerzt mich Ihre dargelegte Meinung besonders, da ich auch miterlebte, dass der Staat Österreich 40 Jahre danach die den Rothschilds im Dritten Reich völlig legal abgenommenen privaten Kulturgüter erst nach einem langen Prozess wieder zurückgeben musste, da auch die 2. Republik nach dem Krieg argumentiert hatte, dass die „nationalen“ Kulturgüter in österreichischen Museen verbleiben müssen und nicht ins Ausland zu den rechtmäßigen und vertriebenen Eigentümern gelangen dürfen. Die „klamme“ Republik, eines der wohlhabendsten Länder dieser Welt, benötigte das private Engagement von mir, einem Händlerkollegen und einigen von ihnen als „pervers“ bezeichneten Sammlern zum Ankauf eines einzigartigen goldenen Gnadenmedaillons von Erzherzog Karl aus der Sammlung Rothschild für das Landesmuseum Joanneum in Graz, das zuvor in diesem Grazer Museum relativ lieblos fast 60 Jahre ausgestellt gewesen ist, bevor es an die Familie Rothschild zurückgegeben werden musste. Jetzt ist es ein Glanzstück dieser öffentlichen Museumssammlung, die übrigens privatwirtschaftlich geführt wird.

 

Ähnliche private Unterstützungen für Ankäufe deutscher Museen kann man auch in Deutschland zahlreich aufzählen, so engagieren sich private Mäzene, aber auch sogenannte „kleine Leute“ in Freundeskreisen Staatlicher Museen, aber diese privaten Sammler als „pervers“ zu bezeichnen ist bisher nur Ihnen gelungen und ich erwarte mir zumindest eine öffentliche Entschuldigung bei den Sammlern und Eigentümern von materiellen kulturellen Gütern für diese beispiellose Entgleisung. Ich hoffe, dass Sie sich bemühen werden, die Gesetzgebungsinitiative von Frau Monika Grütters zu einem überzogenen und „perversen“ Kulturgutschutz in Deutschland zu stoppen, sich für die Beibehaltung der Listenregelung im deutschen Kulturgutschutz einsetzen und sich von den Vorwürfen des politisch Ihnen unterstellten DAI distanzieren, dass private Sammler den ISIS-Terror finanzieren.

MfG

Dr. Hubert Lanz


 

 
     

Münzfund von Langensalza - Interimtaler und andere Silbermünzen entdeckt

  Münzfund - Langensalza
 
     
  NNB 11/2015  
 

 

Interimtaler und andere Silbermünzen entdeckt

In der Langen Brüderstraße zu Langensalza wurde in einer Ausfachung über der Tür ein aus 440 Silbermünzen aus dem 15. bis Ende des 17. Jhs. bestehender Schatz gefunden. Die Stücke fielen dem Mitarbeiter einer mit der Sanierung des Fachwerkhauses beauftragten Baufirma buchstäblich vor die Füße, schreibt die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland" (AiD, Heft 5-2015).

Der 1388 Gramm schwere Hort besteht im Wesentlichen aus kursächsischen Zinsgroschen und einigen Schreckenbergern aus den Jahren 1496 bis 1527. Ihnen stehen acht Taler gegenüber, und zwar zwei Joachimstaler, nach denen die ganze Gattung benannt wurde, zwei sächsische Guldengroschen, zwei Mansfelder Taler, zwei niederländische Taler sowie ein Magdeburger Taler auf das Augsburger Interim, der 1548 bis 1551 geprägt wurde. Die Zusammensetzung des Fundes erinnert an die Zeit der Reformation, die an der thüringischen Stadt nicht spurlos vorbeigegangen ist. Warum der frühere Hausbesitzer ausgerechnet diese Spottmünze beiseite gelegt hat, kann nicht gesagt werden, wohl aber, dass mehrere Generationen an der Thesaurierung beteiligt waren.

Magdeburg hat im Verlauf des 17. Jhs. verschiedene Gedenk- oder Schaumünzen geprägt, um seine ruhmvolle Vergangenheit herauszustreichen und seinen Anspruch auf die Reichsfreiheit zu untermauern. Zugleich unterstrich die Stadt ihre Treue zur Lutherischen Lehre. Der in verschiedenen Varianten geprägte Interimtaler von 1549 greift mit dem Spruch PACKE DI SATHAN DV INTERIM das Augsburger Interim an. Die „Zwischenzeit“ genannte Verordnung wird durch ein dreiköpfiges Ungeheuer, den Satan, symbolisiert, das vergeblich gegen Jesus Christus anzukämpfen versucht. Die Taufe des Heilands auf der Rückseite wird von einem plattdeutsch formulierten Spruch DIT IS MIN LEVE SON DEN S GI HO umschlossen. Kaiser Karl V. hatte nach dem Sieg über den Schmalkaldischen Bund (1547) versucht, seine gegen das Lutheranertum gerichteten religionspolitischen Ziele durchzusetzen. Das Augsburger Interim wurde von protestantischer Seite abgelehnt, wobei sich das protestantische Magdeburg durch besondere Strenge hervortat. Doch auch die Kalholiken waren mit der Verordnung unzufrieden. Lange konnte sich der Kaiser seines Sieges nicht erfreuen, denn schon 1552 musste er nach einem Aufstand protestantischer Fürsten das Interim zurücknehmen und die konfessionelle Spaltung des römisch-deutschen Reiches akzeptieren. Der Münzschatz wird im Haus Rosenthal in Bad Langensalza ausgestellt, soll aber auch virtuell unter www.kenom.de gezeigt werden.

Helmut Caspar

 
     

Bundesrepblik verkauft nationeles Kulturgut - Anleihen des Deutschen Reichs aus den Beständen der ehemaligen Reichsbank

  Bundesrepublik verkauft nationales Kulturgut
 
     
  NNB 11/2015  
 

 

Das Auktionshaus Spink in London hat vom Deutschen Finanzministerium, Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) den Zuschlag zum Verkauf sämtlicher noch vorhandenen Anleihen des Deutschen Reichs aus den Beständen der ehemaligen Reichsbank erhalten. Nachdem in den 2000er Jahren aus diesem Bestand lediglich die Papiere von privaten Gesellschaften verkauft wurden, geht es nun an das Herz der Deutschen Wirtschafts- und Finanzgeschichte. Es kommen alle Anleihen, d. h. Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen, des Deutschen Reichs und einzelner Länder von 1879 bis 1945 unter den Hammer.

Die zum Ausruf kommenden Papiere haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie überlebten den Zweiten Weltkrieg unbeschadet im bombensicheren Safe der Reichsbank in Berlin und verblieben dort während der gesamten DDR-Zeit von 1949 bis 1990 praktisch unberührt. Nach der Wiedervereinigung übernahm das BADV die Klärung von verbleibenden Vermögensansprüchen. Nachdem diese geregelt sind, werden die einzigartigen Historischen Wertpapiere nun versteigert.

Dazu meint der Vizepräsident des BADV, Dr. Thomas Dress: „Wir sind glücklich, der Öffentlichkeit und dem Sammlermarkt diese wichtigen Zeugen der Deutschen Wirtschafts- und Finanzgeschichte zur Verfügung stellen zu können. Mit dem Auktionshaus Spink haben wir den idealen Verkaufspartner gefunden. Denn mit der großen Erfahrung, der exzellenten Reputation und weltweiten Ausrichtung in Europa, den USA und Asien ist das Auktionshaus Spink bestens zum Verkauf dieses historisch einzigartigen Bestandes aus der Geschichte des Deutschen Reichs geeignet.“

Die Auktion wird am 20. November 2015 in den Räumlichkeiten von Spink London, 69 Southampton Row, Bloomsbury, London WC1B 4ET, www.spink.com, stattfinden. Der Ertrag des Verkaufes geht vollumfänglich an den Entschädigungsfonds zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht.

Für weitere Informationen, bitte kontaktieren Sie: Dr. Peter Christen, Tel: +41919116209 oder +41793584892, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, SPINK SWITZERLAND, Via Motta 44, CH-6900 Lugano.

 
     

Deutsche 20-Euro-Münzen ab 2016

  Deutsche 20-Euro-Münzen ab 2016  
     
  NNB 6/2015  
 

 

Am 15. April 2015 verbreitete das Bundesfinanzministerium folgende Pressemeldung: Die Bundesregierung hat beschlossen, die Emission von 10-Euro-Sammlermünzen aus Kupfer-Nickel (Prägequalität Stempelglanz) bzw. einer Legierung von 625 Tausendteilen Silber und 375 Tausendteilen Kupfer (Prägequalität Spiegelglanz) mit Abschluss des Jahres 2015 einzustellen. Sie wird ab 2016 durch die Ausgabe von 20-Euro-Sammlermünzen aus einer Legierung von 925 Tausendteilen Silber und 75 Tausendteilen Kupfer ersetzt.

Diese Anpassung erfolgt vor dem Hintergrund der seit 2011 eingetretenen Absatzentwicklung und soll zu einer nachhaltigen Stärkung und Belebung des Sammlermarktes führen. Sie trägt außerdem dem Wunsch vieler Sammler nach „wertigeren" Münzen Rechnung. Die 20-Euro-Münzen sollen in den beiden Prägequalitäten Stempelglanz und Spiegelglanz hergestellt werden. Sie haben eine Masse von 18 g und einen Durchmesser von 32,5 mm. Die Münzen in der Prägequalität Stempelglanz werden zum Nennwert (20 Euro) in den Verkehr gebracht. Die Ausgabe der Münzen in der Sammlerqualität Spiegelglanz erfolgt zu einem über dem Nennwert liegenden Verkaufspreis. Die Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland (VfS) wird über den genauen Preis und die konkreten Bestellmodalitäten rechtzeitig vor Ausgabe der ersten Münze informieren. Das wird - voraussichtlich im Februar 2016 - die Münze „Rotkäppchen" in der Serie Grimms Märchen sein. Geplante weitere Ausgaben 2016 sind „175 Jahre Deutschlandlied", „175 Jahre Freiwillige Feuerwehr" und „125. Geburtstag von Nelly Sachs".

 

Kommentar von Rainer Albert:

Aus der Begründung des Ministeriums wird deutlich, dass dem sinkenden Absatz der Gedenkmünzen gegengesteuert werden soll. Man könnte auch sagen, dass Fehler in der Gedenkmünzenpolitik ausgebessert werden müssen. Das sollte Grund genug sein, einen wirklich (selbst-) kritischen Blick auf die deutschen Gedenkmünzen zu werfen. Das Herumbasteln am Nominal wird kein Allheilmittel sein, der Verzicht auf die Ausgabe der Gedenkmünzen in zwei Metallvarianten und die Hinwendung zu einer „guten" Silbermünze in Sterlingsilber trifft schon eher die Sammlerwünsche. Was aber in all den offiziellen Überlegungen noch keine Rolle spielt, aber vielleicht doch sollte, das ist die Akzeptanz der Themen und der Gestaltung der Gedenkmünzen. Hier setzt eigentlich die Hauptkritik der Sammler an, wie Zuschriften und Anrufe an die Redaktion zeigen: Man vermisst wichtige Themen (2013 die Befreiungskriege), ist erschüttert über die Banalität ausgeführter Motive (Märchen-Serie) und zornig über die „künstlerische" Gestaltung („Fahrenheit-Skala" und „Otto von Bismarck"). Dass das nicht nur die Sammler so sehen, das konnte man in der Stellungnahme des Bildhauers Bernd Göbel im NNB 5/2015, S. 182 f., lesen (und sollte es vielleicht noch einmal nachlesen). Den Verantwortlichen ist also zu raten, nicht nur an den technischen Parametern der Gedenkmünzen zu drehen, sondern auch Inhalt und Gestaltung (und damit auch das Wettbewerbsverfahren) auf den Prüfstand zu stellen und dabei die Sammlerschaft, die man sich am Ende als Käufer wünscht, nicht außer Acht zu lassen.

 

 
     

 

Tagung zur thrakischen Numismatik

  Tagung zur thrakischen Numismatik  
     
  Kurznachrichten NNB 4/2015  
 

Thrakiens lokale Münzprägung und regionale Identitäten: Numismatische Forschung im digitalen Zeitalter

Im Jahr 2013 startete das Forschungsprojekt „www.corpus-nummorum.eu“ zu den vielfältigen Münzprägungen der antiken Region Thrakien mit dem Ziel, die thrakischen Münzen in einem Portal sammlungsübergreifend zu erfassen und wissenschaftlich zu bearbeiten. In der Konferenz sollen der aktuelle Forschungsstand zur thrakischen Münzprägung diskutiert und die Möglichkeiten erörtert werden, die eine kooperative Erfassung der Münzen in digitaler Form bietet. Die Konferenz wird aus zwei Teilen bestehen.

Den Anfang macht der Workshop „Die antiken Münzen Thrakiens. Das numismatische Themenportal www.corpus-nummorum.eu“. In diesem wird unter anderem das neu entwickelte Portal vorgestellt und erläutert, wie es einen Vergleich thrakischer Münztypen ermöglicht und erleichtert.

Im zweiten Teil der Konferenz stehen historische und numismatische Fragestellungen. Ist es möglich, aus den auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Münzprägungen der Region Thrakien eine spezifisch thrakische Identität zu extrahieren? Können in der vorderhand griechischen und römischen Ikonographie der thrakischen Münzen indigene Einflüsse und Traditionen gefunden werden? Diese Fragen können auch auf die politische und ökonomische Nutzung der Münzen in der Region Thrakien übertragen werden. In den Vorträgen wird beleuchtet, ob in den Prägungen der 44 thrakischen Münzstätten Reflexe lokaler, regionaler oder einer kollektiven thrakischen Identität zu finden sind. Neben theoretischen Erörterungen zu antiken Identitätskonstrukten, den frühsten Münzprägungen der Region und Hortfunden sowie Münzumlauf und Materialzusammensetzung werden sich Themenblöcke der Konferenz mit den Prägungen der thrakischen Dynasten und Königreiche und der römischen Provinzialprägung befassen.

 

Das vollständige Programm der Tagung als pdf finden Sie unter diesem Link: http://ww2.smb.museum/ngb/files/program.pdf

 
     

 

Was macht der Silberpreis 2014?

  Was macht der Silberpreis 2014?  
     
  Kurznachricht NNB 1/2014  
 

Für viele Produkte gilt in Deutschland ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von lediglich 7 Prozent. Dieser wurde bis 2013 auch noch für Silbermünzen fällig, die nicht in einer entsprechenden Ausnahmeliste des Bundesfinanzministeriums genannt waren. Ab 2014 ändert sich das jedoch: Investoren müssen dann für Anlagemünzen aus Silber die vollen 19 Prozent zahlen, wie es jetzt auch schon bei Anlagesilberbarren üblich ist. Doch welche Auswirkungen bringt diese Veränderung mit sich?

Dazu beantwortet Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service GmbH & Co. KG, einige Fragen:

Welche Vor- sowie Nachteile ergeben sich für Händler und Käufer ab 2014?

Ab dem Jahre 2014 fällt, wie inzwischen allgemein bekannt, der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Silbermünzen. Für institutionelle Anleger, welche die Mehr-wertsteuer als Vorsteuer geltend machen können, spielt dies dann auch weiterhin keine Rolle. Für Privatanleger wird es aber ab Januar auch silberkursunabhängig auf jeden Fall teurer. Ein kleines Schlupfloch wird die sogenannte Differenzbesteuerung bieten. Silbermünzen und Münzbarren, welche von privat angekauft oder aus Nicht-EU-Ländern importiert werden, können dann, wie jetzt etwa schon im gewerblichen Gebrauchtwagenhandel üblich, differenzbesteuert werden. Hier muss der Händler lediglich den vollen Mehrwertsteuersatz auf seine Handelsmarge abführen. Alle großen Münzhändler, Banken und Edelmetallhändler bereiten ihre Buchhaltung, Lagerhaltung und EDV bereits mit Hochdruck darauf vor, ab dem 1.1.2014 entsprechend agieren zu können.

Wie wird sich der Silbermarkt in 2014 entwickeln?

Silber wurde im April 2013 im Strudel des Goldpreisverfalles mit hinuntergezogen. Generell verläuft der Silberpreis jedoch überproportional zu dem von Gold. Erholt sich dieser, so wird Silber also umso mehr davon profitieren. Im Gegensatz zu Gold ist es vor allem ein Industriemetall, welches in zahlreichen Anwendungsgebieten Verwendung findet. Silber ist ein hervorragender Stromleiter, hat poliert spezielle optische Eigenschaften, ist antibakteriell und findet somit in der Elektronik, der Optik, der Solarzellenherstellung, der Wasseraufbereitung sowie in der Medizintechnik seine Abnehmer. Brummt der Weltwirtschaftsmotor, so steigt entsprechend die Nachfrage. In vielen Anwendungsgebieten ist die Recyclingquote des Edelmetalls übrigens aufgrund des geringen Silberanteiles pro Produkt schlecht. Man kann also sagen, dass es zu einem nicht unerheblichen Teil regelrecht verbraucht wird. Gold hingegen wird, wo es eingesetzt wird, fast komplett zurückgewonnen. So nimmt die sich im Umlauf befindliche Goldmenge stetig zu, wohingegen bei Silber die Minen langfristig Probleme haben werden, der Nachfrage standzuhalten.

Bleibt Silber eine Anlagealternative zu Gold?

Silber ist weniger eine Anlagealternative, sondern eher eine Ergänzung zu Gold. Investments sollten stets diversifiziert und Vermögen breit gestreut werden. Die Mehrwertsteuer, egal ob der ermäßigte oder der volle Steuersatz, macht einen Anlagesilberkauf zunächst kurzfristig zum Verlustgeschäft. Erst wenn der Silberpreis um den Handelsaufschlag plus die Mehrwertsteuer gestiegen ist, lässt sich bei einem späteren Verkauf Gewinn erzielen. Da beim Silberkurs Schwankungen von 20 Prozent binnen kürzester Zeit aber keine Seltenheit darstellen und die Zukunftsperspektiven für das ehemals vor allem Münz-, heute Industriemetall gut aussehen, sollten langfristig orientierte Anleger neben Gold auch weiterhin physisches Silber mit im Depot haben.

 
     

Ende für das Geldmuseum in Utrecht

  Ende für das Geldmuseum in Utrecht
 
     
  Kurznachricht NNB 10/2013  
 

Im Mai 2013 teilte die liberal geführte niederländische Regierung mit, dass sie ihre Beziehungen zum Geldmuseum zum 1. Januar 2014 beendet. Das Museum soll aufgelöst werden. Die Ausstellung endet nun noch vor Ende des Jahres am 31. Oktober 2013, da das Gebäude zum 1. Januar 2014 geräumt sein muss

Dr. Peter Ilisch verdanken wir den Hinweis auf die folgende Nachricht, die ausführlich in De Beeldenaar erschien und bei deren Übersetzung aus dem Niederländischen er geholfen hat:

Das Geldmuseum Utrecht wurde gebildet durch Zusammenlegung der drei bis dahin unabhängigen und in verschiedenen Städten beheimateten Institutionen Kgl. Münzkabinett, Museum der Münzstätte und Münzsammlung der Niederländischen Bank. Das Münzkabinett wurde dafür aus der staatlichen Trägerschaft entlassen und auch die Münzstätte wurde schon 1994 privatisiert. Basis war ein Beschluss der 2. Kammer des niederländischen Parlaments von 1994. Die Fusion der drei Institutionen erfolgte 1999 und wurde als Vorbild für angestrebte weitere Fusionen verkauft. Politisches Ziel war eine Budgetneutralität, d.h., dass sich die neue Einrichtung in großen Teilen selber tragen sollte. Von der Stadt Utrecht mit Versprechungen an den dortigen Standort gelockt, ergab sich bald ein Problem dadurch, dass die Stiftung für die Nutzung des Gebäudes eine jährliche Miete von 660.000 Euro zahlen sollte.

2004 wurde die Zusammenlegung faktisch realisiert und das Museum wurde 2007 durch Prinz Willem Alexander und den Finanzminister eingeweiht. Die Museumsdirektoren seither sind aber keine Numismatiker. Wegen des sich schon 2008 abzeichnenden unvermeidbaren Defizits bewilligte das Finanzministerium eine auf 3 Jahre befristete jährliche Zuwendung von 750.000 Euro pro Jahr. Nachdem eine Verlängerung 2011 abgelehnt wurde, wurde als Konsequenz und in Abstimmung mit der Regierung (Ministerium für Unterricht, Kultur und Wissenschaft sowie Finanzministerium) der größte Teil des wissenschaftlichen Personals entlassen (darüber wurde im NNB berichtet). Demgegenüber empfahl der Kulturrat 2012, ab 2013 nur noch die Betreuung der Sammlungen zu unterstützen und nicht mehr die „finanzielle Erziehung", was als besondere Aufgabe des Museums propagiert worden war. Diese Empfehlung wurde vom Kultusministerium übernommen mit der Maßgabe, das Museum wegen fehlenden Geldes zum 1. Januar 2013 zu schließen.

Das Finanzministerium zusammen mit der Niederländischen Bank und Münzstätte dagegen boten finanzielle Unterstützung an, um die Zukunftsmöglichkeiten des Geldmuseums zu analysieren. Im Mai 2013 teilte die liberal geführte Regierung dann jedoch mit, dass sie ihre Beziehungen zum Geldmuseum zum 1. Januar 2014 beendet. Das Museum soll aufgelöst werden. Die Ausstellung endet nun noch vor Ende des Jahres am 31. Oktober 2013, da das Gebäude zum 1. Januar 2014 geräumt sein muss.

Völlig unklar ist bisher aber noch, was mit den Sammlungen und der Bibliothek geschehen soll und ob sie zugänglich bleiben. Besonders das kgl. Münzkabinett (Penningkabinet) war in der Numismatik international eine bedeutsame Adresse.

 

 
     

 

Bonner Münzglobus wieder auf Reisen

  Bonner Münzglobus wieder auf Reisen  
     
  Kurznachricht vom 29.04.2010  
 
Er war im Rheinischen Landesmuseum Bonn die numismatische Attraktion anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Bonner Münzfreunde. Jetzt ist der große Münzglobus wieder auf Ausstellungsreise. Sparkassen und Banken nutzen ihn gerne als Blickfang für ihre Schalterhallen. Als lebendige „Erdkunde und Geschichte zum Anfassen“ haben auch Schulklassen ihre Freude daran.

Auf dem von der Eitorfer Kunstschlosserei „Friedrich & Weiser“ gestalteten Globus (Durchmesser zwei Meter!) werden etwa 3000 Münzen von immerhin fast 200 Ländern präsentiert.

Der Münzglobus ist eine Attraktion für jedes numismatische Jubiläum. Er kann – gegen Erstattung der Transport- und Aufstellungskosten – ausgeliehen werden. Nähere Auskünfte erteilt der Vorstand der Numismatischen Gesellschaft Bonner Münzfreunde e.V.
 
     

Hamburger Schule der Numismatik online

  Hamburger Schule der Numismatik online
 
     
  Kurznachricht vom 28.01.2010  
 
Die Hamburger Schule hat die deutsche Numismatik in den letzten Jahrzehnten wesentlich geprägt. Begründet von Walter Hävernick am Museum für Hamburgische Geschichte, entwickelte sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg sehr rasch. Mit den bereits 1947 gestarteten Hamburger Beiträgen zur Numismatik und der 1951 eingerichteten Monographienreihe „Numismatische Studien“ erlangten die Mitglieder Hamburger Schule alsbald internationale Beachtung. Peter Berghaus, Gert Hatz und Vera Hatz (geborene Jammer) sind die heutzutage bekanntesten Schüler Hävernicks. Ihre Dissertationen wurden, ebenso wie diejenige des bereits früh verstorbenen Günther Albrecht, als Bände der Numismatischen Studien veröffentlicht.

Die Hamburger Schule der Numismatik hatte ihre Heimstätte im Münzkabinett des Museums für Hamburgische Geschichte, Zustand um 1970

Als Beleg für die Bekanntheit der Hamburger Schule der Numismatik sei nur angeführt, dass sie selbst in das „Werkzeug des Historikers“ Eingang fand, die von Ahasver von Brandt verfasste, noch heute maßgebliche Einführung in die historischen Hilfswissenschaften. Seit deren erstmaligem Erscheinen im Jahr 1958 dürfte wohl kaum ein Geschichtsstudent an diesem Werk vorbeigekommen sein. Dr. Peter Ilisch etwa bekam in seinem Exemplar (4. Auflage, Stuttgart 1966, S. 179 f.) noch zu lesen: „Die hier genannten u. eine Reihe weiterer Arbeiten v. H. Jankuhn u. W. Hävernick u. seiner Schule beruhen insbesondere auf d. theoretischen Ausdeutung u. praktischen Verwertung d. Münzfunde als Gesch.-Quellen; es sind die heute maßgebl. Beispiele für fruchtbare Zusammenarbeit zwischen numismat., prähistorischer u. wirtschaftsgeschichtl. Forschung.“ Ahasver von Brandt zählte in diesem Zusammenhang verschiedene Arbeiten sämtlicher Mitglieder der Hamburger Schule auf und rühmte vor allem die Dissertation von Vera Hatz als „vorbildlich in d. Art, wie d. historische Quellenwert d. Münzen herausgearbeitet ist“ (ebd., S. 179).

Seither ist einige Zeit ins Land gezogen. Doch hat das „Werkzeug des Historikers“ auch nach dem Tod Ahasver von Brandts im Jahr 1977 noch zahlreiche weitere Auflagen erlebt, für die man eine Aktualisierung der Literaturangaben anstrebte. In der 15. Auflage (Stuttgart 1998), die zu Beginn des Studiums des Verfassers dieser Zeilen gültig war, findet man daher keinen Hinweis mehr auf die Hamburger Schule. Die entsprechenden Arbeiten werden jedoch weiterhin aufgeführt, wobei auch die einordnenden Kommentare von Brandts erhalten geblieben sind.

Dennoch oder gerade deshalb stellt sich die Frage, was ein heutiger Student mit diesen Angaben noch anzufangen weiß. Die Hamburger Dissertationen sind inzwischen sehr selten und kosten im Handel teilweise ein Vermögen. Die Hamburger Beiträge zur Numismatik kann ebenfalls bei weitem nicht jede Universitätsbibliothek ihr Eigen nennen – und wenn doch, dann weist deren Reihe meist größere Lücken auf. Insbesondere das erste Heft aus dem Jahr 1947 ist nur selten vorhanden.

Dieser Befund hat zu der Idee geführt, die Werke der Hamburger Schule digital zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck wurden im Herbst 2009 sämtliche Hefte der Hamburger Beiträge zur Numismatik und die ersten Bände der Numismatischen Studien von Dr. Sina Westphal und dem Verfasser als PDF-Dateien eingescannt. Dazu erteilte Dr. Ralf Wiechmann am Münzkabinett des Museums für Hamburgische Geschichte freundlicherweise ebenso seine Genehmigung wie die verbliebenen Vertreter der Hamburger Schule selbst. Seither schreitet die Texterkennung und Überarbeitung der Digitalisate für die Publikation im Internet allmählich voran.

Anlässlich des 90. Geburtstages von Peter Berghaus am 20. November konnten die ersten beiden Hefte der Hamburger Beiträge und die Dissertationen von Gert und Vera Hatz sowie Peter Berghaus freigeschaltet werden. Die Dateien sind unter der Adresse http://dl.maekeler.eu/ frei verfügbar. Die weiteren Hefte der Hamburger Beiträge werden nach und nach folgen.

Diese Anpassung an die Gewohnheit der heutigen Forschung, die Zeitschriften automatisch durchsuchen und gegebenenfalls einzelne Artikel herunterladen können will, wird hoffentlich dazu führen, dass die Hamburger Schule auch im digitalen Zeitalter unvergessen bleibt. Damit erweist sie der Numismatik im Allgemeinen ebenfalls einen großen Dienst. Wie Ahasver von Brandt bereits festgehalten hat, war es schließlich das wesentliche Verdienst der Hamburger Schule, den besonderen historischen Quellenwert der Münzen auch für Mittelalter und Neuzeit herauszustellen und dadurch die Geldgeschichte in das Feld der allgemeinen und der Wirtschaftsgeschichte einzubinden. Von diesem Austausch können alle betroffenen Fachbereiche nur profitieren.
Hendrik Mäkeler
 
     

Haftung von Vereinsvorständen

 

  Haftung von Vereinsvorständen  
     
  Kurznachricht vom 21.12.2009  
 
Im Amtsblatt des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz, 11/2009, S. 410, ist der nachfolgende Text abgedruckt:

Gesetz zur Begrenzung der Haftung von ehrenamtlich tätigen Vereinsvorständen vom 28. September 2009, BGBl. Teil I, S. 3161.
Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlossen:
Artikel 1
Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs
Das Bürgerliche Gesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 2. Januar 2002 (BGBl. I S. 42, 2909; 2003 I S. 738), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 24. September 2009 (BGBl. I S. 3145), wird wie folgt geändert:
1. In der Inhaltsübersicht wird nach der Angabe zu § 31 folgende Angabe eingefügt: „§ 31 a Haftung von Vorstandsmitgliedern“.
2. Nach § 31 wird folgender § 31 a eingefügt:
Ȥ 31 a. Haftung von Vorstandsmitgliedern
(1) Ein Vorstand, der unentgeltlich tätig ist oder für seine Tätigkeit eine Vergütung erhält, die 500 Euro jährlich nicht übersteigt, haftet dem Verein für einen in Wahrnehmung seiner Vorstandspflichten verursachten Schaden nur bei Vorliegen von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Satz 1 gilt auch für die Haftung gegenüber den Mitgliedern des Vereins.
(2) Ist ein Vorstand nach Absatz 1 Satz 1 einem anderen zum Ersatz eines in Wahrnehmung seiner Vorstandspflichten verursachten Schadens verpflichtet, so kann er von dem Verein die Befreiung von der Verbindlichkeit verlangen. Satz 1 gilt nicht, wenn der Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurde.“
3. In § 40 wird die Angabe „des § 28“ durch die Angabe „, der §§ 28, 31 a Abs. 1 Satz 2“ ersetzt.
4. In § 86 Satz 1 wird die Angabe „§§ 28 bis 31, 42“ durch die Angabe „§§ 28 bis 31 a und 42“ ersetzt.

Artikel 2 Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft. [verkündet am 2. Oktober 2009]
Die verfassungsmäßigen Rechte des Bundesrates sind gewahrt.
Das vorstehende Gesetz wird hiermit ausgefertigt. Es ist im Bundesgesetzblatt zu verkünden.

Berlin, den 28. September 2009
Der Bundespräsident Horst Köhler
Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Die Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries
 
     

2009 Stiftung Linke

  2009 Stiftung Linke  
     
  Kurznachricht vom 08.06.  
 
Fast unscheinbar wirken Haus und Hof des Bildhauers Eberhard Linke in Flonheim. Doch hinter dem einfachen Holztor verbirgt sich eine Kunstsammlung von Skulpturen aus fast 50 Jahren Arbeit, Linkes „Mauersprung-Medaille“ wurde im NNB 2/2009, S. 66, vorgestellt. Jetzt trafen sich Kunstliebhaber und Freunde des Ehepaares Linke, das die Kunstwerke zusammen mit dem ganzen Anwesen mit Wohngebäude, Atelierräumen, Nebengebäuden und Park in eine Stiftung überführen möchte: Traumhafte Bedingungen für verschiedenste Anlässe.

Eberhard Linke: „Stiften kommen“, einseitige Terrakotta-Medaille zum Stiftungsfest am 17. Mai 2009, ca. 95 mm

Langfristiges Ziel ist es, die Stiftung über Rheinhessens Grenzen hinaus bekannt zu machen und ein Zentrum für Kunst und Kultur zu schaffen. Die Atmosphäre in Rheinhessen ist einzigartig und kombiniert eine gute Infrastruktur mit organisatorischem Know-How, ideal für eine kulturfördernde Stiftung. So wurden auch viele Ideen geboren, die nun auf Realisierbarkeit geprüft werden: eine Sommerakademie in den Atelierräumen, Kunstkurse für Kinder, Seminare und Treffen über politische und gesellschaftliche Themen in Verbindung mit Kunst, Gastaufenthalte für bildende Künstler, Konzerte, Treffen für Literaten, Musiker und bildende Künstler.

Die Stiftung will ihre Tätigkeit nicht auf Rheinhessen beschränken; Interessenten, die mitarbeiten oder sich beteiligen wollen, sind herzlich eingeladen, Kontakt: Prof. Eberhard Linke, Erbes-Büdesheimer-Str. 7, 55237 Flonheim.
 
     

Die Münzfund-Datenbank Mittelalter/Neuzeit der Num. Kommission

  Die Münzfund-Datenbank Mittelalter/Neuzeit der Num. Kommission  
     
  Kurznachricht vom 30.10.2007  
 
Der Fundkatalog Mittelalter/Neuzeit wurde im Jahre 1950 mit der Gründung der Numismatischen Kommission (NK) von Walter Hävernick ins Leben gerufen. Zeitlich schließt er an das „Schwesterprojekt“ Fundmünzen der Römischen Zeit in Deutschland (heute: Fundmünzen der Antike) an und ist im Kern eine Datensammlung der Münzschatzfunde vom Ende der Merowingerzeit (ab ca. 750) bis zum Wiener Kongress (1815). Weiterhin werden Einzelfunde (1–3 Ex.) in Auswahl (ursprünglich wegen des quantitativen Umfangs nur bis 1550) erfasst. Der Fundkatalog ist unterteilt in zwei Stufen unterschiedlichen Inhalts bzw. unterschiedlicher Recherchentiefe. Die Basisdaten (Fundort, Fundumstände, knappe Zusammenfassung des Inhalts und Quellen- bzw. Literaturnachweise) wurden als „Stufe 1“ in eine vorgegebene Karteikarte eingetragen. Detailinformationen zum Fundinhalt – möglichst zu jeder einzelnen Münze – wurden in den Fundlisten der „Stufe 2“ erfasst, hier als „Regest“ bezeichnet.

Seit dem Jahre 2000 wurde der Katalog in eine EDV-Datenbank überführt und ausgehend von den etablierten Kartei-/Regestenstrukturen eine zweistufige Erfassung erstellt. Großer Wert wurde sowohl auf die mögliche Vereinheitlichung/Generalisierung der Eingaben über Thesauri (auf der Basis der Fachthesauri des Münzkabinetts der Deutschen Bank in Hannover), die möglichst komplette Übernahme aller vorhandenen Informationen (Nutzung von Freitextfeldern) und die „Georeferenzierung“ (großmaßstäblich über die Mittelpunktkoordinaten der amtlichen Gemeinden) gelegt. Über Projekte verschiedener Mitglieder der Numismatischen Kommission konnten mittlerweile alle ursprünglichen Karteikarten der Stufe 1 (ca. 11.000) und ein Großteil der Regesten (4.000–5.000 „Komplexe“) übernommen werden. Gleichzeitig konnten Datenbestände aus anderen Systemen integriert werden, so dass sich die Anzahl der mittlerweile verfügbaren Daten auf ca. 21.000 Datensätze der Stufe 1 und ca. 42.000 Datensätze der Stufe 2 beläuft, darunter nun auch Informationen zu Einzelfunden nach 1550 bzw. Schatzfunden bis 1918.

Die Erschließung durch verschiedene Abfragemasken eröffnet Möglichkeiten für vielfältige numismatische und interdisziplinäre Auswertungen des umfangreichen Datenbestandes, die schon oft genutzt wurden. Für die in der Numismatischen Kommission vertretenen Landesarchäologen stellt der EDV-Fundkatalog darüber hinaus ein geeignetes Mittel zur Erfassung der umfangreichen Fundmünzbestände aus archäologischen Grabungen dar. Im Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar konnten dadurch beispielsweise über 600 Komplexe mit über 3.000 Fundmünzen seit der Antike erfasst werden.

Seit 2004 werden im EDV-Fundkatalog Mittelalter/Neuzeit die Aspekte der Langzeitarchivierung, der formatunabhängigen Speicherung der Daten und des möglichen Datenaustauschs intensiv diskutiert und berücksichtigt. Durch ein einheitliches Austauschformat auf der Basis von XML konnten als Testfall erste Münzfunddaten im Bodenseegebiet über Ländergrenzen hinweg mit der Schweiz und Österreich verknüpft werden. Durch XML können die Daten darüber hinaus plattformunabhängig und „selbsterklärend“ im ASCII-Format exportiert und dauerhaft archiviert werden. Der Fundkatalog wird sich konzeptionell weiter entwickeln, z.B. durch die Integration von Bildern - der ursprüngliche maschinenschriftliche Katalog umfasste nur Sachdaten.

Anfragen zur Nutzung:Dr. Reiner CunzNiedersächsisches Landesmuseum HannoverNiedersächsisches MünzkabinettGeorgsplatz 2030159 HannoverTel. (0511) 3652577 oder 2578 Fax (0511) 365 2359Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Umsetzung/Programmierung:Dipl.-Inf. Mario SchlapkeThüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Referat Archäoinformatik und Numismatik Humboldtstraße 1199423 Weimar Tel. (03643) 818322 Fax (03643) 818 390Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Weiterführende Literatur:
Cunz, R.; Schlapke, M.: Der „neue“ Münzfundkatalog Mittelalter/Neuzeit der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. In: Alfaro, C.; Marcos, C.; Otero, P. (Hrsg.): XIII Congreso Internacional de Numismática. Madrid 2003. - Actas - Proceedings – Actes. Madrid 2005. Band 2, S. 1051-1057.

Dieselben: Der „neue“ Münzfundkatalog Mittelalter/Neuzeit der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Zwischenbericht. In: Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft, Jahrbuch 2004, Braunschweig 2005, S. 79-91.

Schlapke, M.: Das „Bodensee-Projekt“ zur Verknüpfung von Münzfunderfassungen (Kurzvortrag zum Round Table-Gespräch auf dem Kolloquium „Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung in der Fundmünzenbearbeitung“ in Konstanz am 4. März.2005), erscheint demnächst im Tagungsband Konstanz, Teil 2.

Mario Schlapke