Geschichte der Deutschen Numismatischen Gesellschaft
 
 


Die Geschichte der Deutschen Numismatischen Gesellschaft, so wie wir sie heute als Dachverband der deutschen Münzvereine kennen, beginnt 1951. Es war der Initiative des unermüdlichen Walter Hävernick zu verdanken, dass beim Deutschen Numismatikertag 1951 in Göttingen der Dachverband der Münzvereine gegründet wurde, zunächst unter dem die politischen Verhältnisse widerspiegelnden Namen „Verband der westdeutschen Münzvereine“. Im Januar 1952 erschien dann, ebenfalls von Hävernick angeregt, die erste Nummer des Numismatischen Nachrichtenblattes. Das NNB ist seitdem als Verbandsorgan die Klammer der Vereine im Verband, aber auch zu anderen Institutionen, insbesondere zur Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, deren Verlautbarungsorgan das NNB wurde, und zum 1952 gegründeten Verband der deutschen Münzenhändler.

 

 

Vorsitzende/Präsidenten der Deutschen Numismatischen Gesellschaft

  Vorsitzende/Präsidenten der Deutschen Numismatischen Gesellschaft
 
 



Von 1951 bis 1956 war Karl Kennepohl aus Osnabrück Vorsitzender; diese Jahre standen ganz im Zeichen des Aufbaus, der auch gelang: bis 1956 waren 17 Mitgliedsvereine gewonnen und die Auflage des NNB auf ca. 1250 Exemplare monatlich gestiegen. 1955 wurde die Idee zum Verbandssignet geboren, 1956 das erste Nordwestdeutsche Münzsammlertreffen (heute: Norddeutsches Münzsammlertreffen) in Minden abgehalten, das damit nach dem NNB die zweitälteste Einrichtung des Verbandes ist.

Als Vorsitzender folgte von 1956 bis 1965 Gerhard Goedecke aus Berlin, in seiner Amtsperiode wuchs der Verband kräftig weiter und änderte 1961 seinen Namen in „Verband der Deutschen Münzvereine“. Es war zugleich die Zeit z.T. heftiger Diskussionen um den weiteren Weg des Verbandes, die auch zu Austritten und Konkurrenzgründungen führten. Aber immerhin war der Verband bis 1965 auf 32 Mitgliedsvereine und über 2700 Mitglieder gewachsen.

Karl-Heinz Buhse aus Bremen übernahm von 1965 bis 1975 die Leitung, auf seine Anregung wurde 1966 das erste Süddeutsche Münzsammlertreffen in Nürnberg veranstaltet. Die Süddeutschen Treffen werden seitdem jährlich wechselnd in verschiedenen Städten abgehalten, während das Norddeutsche Treffen bis 2010 immer in Minden stattfand. Seit dem letzten Jahr wechselt auch das Norddeutsche Treffen die Orte, 2011 in Osnabrück, 2012 in Duisburg usw.

Als Vorsitzender folgte von 1975 bis 1977 Günther Schlüter aus Berlin, dessen Amtszeit durch eine hitzige Auseinandersetzung um die Zukunft des NNB geprägt war. Zwar konnte eine Lösung gefunden werden, aber der Vorsitzende wollte nicht mehr und stellte sein Amt zur Verfügung.

Gerd Frese aus Heidelberg übernahm von 1977 bis 1989 den Vorsitz und prägte den Verband durch die Stiftung des Eligiuspreises noch 1977 und durch die erste geschriebene Satzung. Der Eligiuspreis, der später vom Verband übernommen wurde und inzwischen in geänderter Form vergeben wird, steigerte das Ansehen des Verbandes. Das Fehlen einer Satzung über ein Vierteljahrhundert hinweg dokumentiert, dass es den Verbandsmitgliedern nicht um Vereinsmeierei, sondern um das gemeinsame Hobby ging; erst das Bestreben, steuerlich als gemeinnützig anerkannt zu werden, machte die Satzung notwendig. Allerdings war sie dem stetig wachsenden Verband dann auch in anderen Fragen nützlich.

Im Mai 1990, in der von 1989 bis 1995 währenden Amtszeit von Rainer Albert aus Speyer, erhielt der Verband seinen heutigen Namen „Deutsche Numismatische Gesellschaft“ und eine neue Satzung, die auch eine Reaktion auf die deutsche Wiedervereinigung war. Die Öffnung der DNG für alle deutschen Münzvereine war Hauptziel des neuen Präsidenten, und so werden im NNB 1/1991 erstmals Mitgliedsvereine aus dem Gebiet der ehemaligen DDR aufgeführt, nämlich der Numismatische Verein zu Dresden und die Sächsische Numismatische Gesellschaft. 1993 wurde dann auch folgerichtig das erste Mitteldeutsche Münzsammlertreffen in Freiberg/Sachsen durchgeführt und damit die Reihe der Sammlertreffen ergänzt. Es wurden auch die Weichen für das NNB in seiner neuen Form gestellt.

1995 übernahm Walter Trapp aus Düsseldorf die Präsidentschaft und konnte seitdem die DNG glänzend fortentwickeln. Die Zahl der Mitgliedsvereine aus den neuen Bundesländern stieg deutlich an, außerdem kam mit der Gesellschaft Vorarlberger Münzfreunde erstmals ein Verein von außerhalb Deutschlands. Die Verbindungen der DNG zum Münzenhandel und zur wissenschaftlichen Berufsnumismatik wurden gezielt weiter ausgebaut.

Als Albert Raff aus Stuttgart die DNG-Präsidentschaft 1998 übernahm, richtet sein Augenmerk auf Konsolidierung, die nicht Erstarrung, und Fortentwicklung, die nicht Aktionismus werden sollte. Deshalb wurden die Münzsammlertreffen in ihrer Struktur und Zielrichtung geprüft und umgestaltet. Der regionale Charakter der Nord-, Süd- und Mitteldeutschen Münzsammlertreffen wurde betont, dazu trat das Deutsche Münzsammlertreffen (das im Regelfall mit einem der regionalen Treffen zusammenfallen wird) als bundesweites Treffen mit der Jahreshauptversammlung der DNG. Der Schwerpunkt seiner Arbeit war die Betreuung der Vereine und der Sammler, getreu dem Motto der DNG-Medaille: SAMMELN, FORSCHEN, BEWAHREN.

2004 wurde Gerd Dethlefs aus Münster DNG-Präsident. Sein Anliegen, neue Mitglieder an die DNG heranzuführen, brachte u.a. das Buch "GeldKunst - KunstGeld" über die deutschen Gedenkmünzen hervor, das ein großer Verkaufserfolg wurde.

Mit dem Ziel, ein Präsident zum Anfassen zu werden, ließ sich Helmut Schubert aus Frankfurt/M. 2007 ins Präsidentenamt wählen. Seine Präsidentschaft war geprägt von zahlreichen Besuchen bei vielen Münzvereinen in ganz Deutschland.

2010 wählte die Jahreshauptversammlung der DNG Kristian Nicol Worbs, den Vorsitzenden der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft, zum DNG-Präsidenten. Seine Aufgabe war es, die DNG zu konsolidieren und zukunftssicher zu machen.  

 

Karl Kennepohl - Der erste Vorsitzende der DNG (1951-1956)

  Karl Kennepohl - Der erste Vorsitzende der DNG (damaliger Name: Verband er westdeutschen Münzvereine
 
 

aus: NNB 06/2004, S. 223 f.


Karl Kennepohl

Der erste Vorsitzende der DNG, ein Spezialist für Osnabrück und Ostfriesland

Dietrich Schmidtsdoff

 

1944 in Kanada: Der deutsche Kriegsgefangene Karl-August Kennepohl betritt ein Museum, weist sich aus, und wird sofort nach seinem Vater gefragt: „Kennepohl? Sind sie verwandt mit Karl Kennepohl, dem Autor von Die Münzen von Osnabrück?“ Der genaue Wortlaut der Frage ist nicht überliefert, aber es ist eine hübsche Anekdote. Sie zeigt, wie berühmt Karl Kennepohl (1895 - 1958) durch sein 1938 erschienenes Standardwerk damals schon war. Eine außergewöhnliche Persönlichkeit, an die man sich in diesem Jahr besonders erinnert, versteigert doch die Osnabrücker Münzenhandlung Fritz Rudolf Künker im Juni 2004 die Sammlung Kennepohl.

 

Die Kennepohls in Osnabrück, das sind mehrere Generationen historisch gebildeter Bürger. Schon Hermann Kennepohl, von 1881 bis 1921 Probandus, Oberlehrer und Professor am Gymnasium Carolinum, war stark an Geschichte und Geografie interessiert. Seinem Sohn Karl war diese Leidenschaft offenbar in die Wiege gelegt worden. Eine Liebe, die ihren Ausdruck im Zusammentragen und Pflegen einer bedeutenden Münzensammlung fand, die sich auch auf den Enkel Karl-August (1922 - 1981) vererbte.

Wurde Karl Kennepohl nach Abitur, Kriegsdienst 1914 (beim Infanterie-Regiment Herzog Friedrich Wilhelm. zu Braunschweig Nr. 78) sowie Studium in Würzburg und Münster Lehrer für Deutsch, Geschichte und Erdkunde, so zog es seinen Sohn Karl-August in die Industrie. Zunächst trug aber auch er die Uniform und fuhr als Leitender Ingenieur auf einem U-Boot. Karl-August Kennepohl wurde 1943 beim Untergang der U 643 im Nordatlantik von Engländern gerettet und kam in englische sowie, siehe oben, kanadische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg schaffte er eine beachtliche Karriere, vom Hilfsschlosser beim Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk (OKD, später „kabelmetal“) zum Werksdirektor. Anekdotisch überliefert ist ein Ausruf, den er einmal in einer Sitzung gemachte hat: „Ihr sollt kein Blech reden, sondern Blech machen!“ Verheiratet war Karl-August Kennepohl mit Ursula König, Tochter des Arztes und Münzensammlers Dr. König. Das verdient ebenso erwähnt zu werden wie „seine Hobbies: Münzen, Heimatkunde, Wandern und Familie“.1 Die von Karl Kennepohl aufgebaute, in diesem Sommer versteigerte Sammlung war folglich in guten Händen, sie wurde von Sohn Karl-August Kennepohl gepflegt und weiterentwickelt.

 

Wir haben es also mit zwei Sammlern zu tun. Aber Karl war derjenige der Kennepohls, der über Stadt und Region hinaus einen besonderen wissenschaftlichen Ruf erlangte - nicht nur in Kanada. Außerdem ist Karl Kennepohl für die 1951 in Göttingen gegründete Deutsche Numismatische Gesellschaft (damaliger Name: Verband der westdeutschen Münzvereine) von herausragender Bedeutung: Er war bis 1956 ihr erster Vorsitzender. In den Aufbaujahren unter Karl Kennepohl wurden 17 Mitgliedsvereine gewonnen und die Auflage des 1952 aus der Taufe gehobenen NNB auf etwa 1250 Exemplare gesteigert. In seiner Ära wurde das Verbandssignet geschaffen (1955) und das so erfolgreiche Nordwestdeutsche (heute: Norddeutsche) Münzsammlertreffen in Minden eingerichtet (1956).2 Karl Kennepohl war außerdem lange Jahre Vorsitzender des Vereins für Münzfreunde für Westfalen, Beisitzer in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik und Mitglied in der Historischen Kommission Niedersachsens.

 

Gleichwohl ist auch die lokale Bedeutung Karl Kennepohls hervorzuheben. Die Liebe zur Heimatstadt dokumentierte allein schon seine Dissertation von 1922: „Die Stadt Osnabrück und Bischof Ernst August I. (1662 - 1698)“, dann aber auch sein 1938 erschienenes Standardwerk „Die Münzen von Osnabrück, Die Prägungen des Bistums und des Domkapitels Osnabrück, der Stadt Osnabrück, sowie des Kollegiatsstiftes und der Stadt Wiedenbrück“. Das Werk ist so gefragt, dass 1967 ein Nachdruck erforderlich war. Sieht man von den Stationen Lingen und Papenburg in jungen Jahren ab, war Dr. Karl Kennepohl die meiste Zeit Oberstudienrat am Carolinum in Osnabrück, dem wohl ältesten und angeblich auf Karl den Großen zurückgehenden Gymnasiums in Deutschland. Er trug nicht nur eine Privatsammlung - Schwerpunkte: Osnabrück und Münster, aber auch Corvey, Lippe und Ostfriesland - zusammen, er initiierte auch den numismatischen Freundeskreis der Osnabrücker „Münzbolde“. Zusammen mit dem Direktor des Städtischen Museums richtete er das Osnabrücker Münzkabinett im Rathaus neben dem Friedenssaal ein. Kennepohl veranlasste im Laufe des Zweiten Weltkriegs vorsorglich, dass diese Sammlung auf verschiedene Standorte ausgelagert und dadurch zumindest teilweise erhalten wurde. Bauarbeiter fanden später, so ist in Osnabrück überliefert, etliche Münzen in den Trümmern und brachten sie Karl Kennepohl zurück. Die Heimatstadt hat sein Engagement dankbar gewürdigt. Ihm wurde am 3. Januar 1955, am traditionellen Handgiftentag, die Justus-Möser-Medaille verliehen.3 Und schließlich trägt eine kleine Straße seinen Namen: Kennepohlweg.

 

Außer seinem Standardwerk über die Osnabrücker Numismatik hat der erste Vorsitzende unserer Gesellschaft weitere bedeutende Arbeiten vorgelegt. „Was Karl Kennepohl geschrieben hat,“ so Fritz Rudolf Künker, „ist heute noch auf dem neuesten Stand. Als Wissenschaftler ist er für die westfälische Numismatik sehr bedeutend.“ 1927 lagen die Monografien „Die Münzen der Grafschaften Bentheim und Tecklenburg sowie der Herrschaft Rheda“ und „Die Hammer Münzen“ vor. 1930 schrieb er über „Eine Falschmünzerwerkstatt im Hönnetal". Mehrere Funde hat Karl Kennepohl beschrieben, so die von Badbergen (1922), Friesoythe (1937), Börstel (1940), Bourtanger Moor (1949), Bockraden (1950) und Lindern (1950). Zu seinen Aufsätzen zählt der über den Beginn der neuzeitlichen Prägung in Dortmund (1929) sowie weitere Schriften über nordwestdeutsche Orte. Erwähnt sei auch seine Mitarbeit in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück/Osnabrücker Mitteilungen. Titel wie „Die Stadt Osnabrück und Bischof Ernst August I.“ (1921) oder „Der Osnabrücker Raum im Spiegel seiner mittelalterlichen und neuzeitlichen Schatzfunde“ (1956) entstammen ebenfalls seiner Feder.

 

Karl Kennepohl gilt nicht zuletzt auch als ausgewiesener Ostfrieslandkenner. Im Jubiläumsband der American Numismatic Society konnte er noch das Ergebnis seiner Studien zur ostfriesischen Numismatik veröffentlichen, sein Korpuswerk „Die Münzen von Ostfriesland und Jever“ aber nicht mehr vollenden. Er hatte 1952 den Auftrag dazu von der Ostfriesischen Landschaft in Aurich bekommen. Nach Kennepohls Tod 1958 ging der Auftrag an Anton Kappelhoff. Verstand sich dieser lediglich als Bearbeiter und Herausgeber von Kennepohls Werk, so entschied nach seinem Tod (1981) Sohn Bernd Kappelhoff anders. Er hielt seinen Vater für allzu bescheiden und gab 1982 „Die Münzen Ostfrieslands vom frühen 14. Jahrhundert bis 1628“ unter dem Namen seines Vaters heraus.4 Ob das so richtig war, sei dahin gestellt, bedeutend sind beide Numismatiker. Und noch eine Anekdote. Aus dem Kreis der „Münzbolde“ ist überliefert, dass Karl Kennepohl nach Fertigstellung seines Osnabrück-Buchs die Osnabrücker Münzen nicht mehr sehen mochte und kurz entschlossen seinem Freund König verkaufte. Diese Münzen erbte später dessen Schwiegersohn - Karl-August Kennepohl. Die getrennte Sammlung war also wieder beisammen. Die rund 1400 Münzen und Lots nun vereint im Katalog zu sehen, das regt an, sich des Lebenswerks Karl Kennepohls zu erinnern, eines Wissenschaftlers und Pädagogen, den Zeitgenossen als „still und bescheiden“ charakterisierten. Sein früher, unerwarteter Tod, schrieb Peter Berghaus 1958 in seinem Nachruf 5, hinterließ eine Lücke, die kaum jemals zu schließen sein werde. An dieser Einschätzung gibt es, auch fast fünf Jahrzehnte danach, nichts zu korrigieren.

 

Anmerkungen

1 Freundliche Mitteilung von Fritz Kennepohl.

2 NNB 9/2001, S. 333.

3 Neue Osnabrücker Zeitung v. 31. Dezember 1954.

4 Bernd Kappelhoff würdigt die Vorarbeiten Kennepohls allerdings im Vorwort. Für Anton Kappelhoff war Karl Kennepohl indes der Hauptverfasser: „Bis zu seinem Tode hat Dr. Kennepohl unermüdlich Vorarbeiten für dieses Werk geleistet. Wenn es ihm auch nicht vergönnt gewesen ist, es zu Ende zu führen, weil ihm der unerbittliche Tod die Feder vorzeitig aus der Hand genommen hat, so steht ihm doch das Recht zu, als sein Hauptverfasser genannt zu werden. Ostfriesland hat alle Veranlassung, ihm für seinen hingebungsvollen Einsatz zu danken' (S. 23). Zudem würdigte Anton Kappelhoff die Sammlung Kennepohls: „Unter den Sammlern, die sich in neuerer Zeit besonders für Ostfriesland interessiert haben, ist hier der Hauptverfasser des vorliegenden Werkes, Oberstudienrat Dr. Karl Kennepohl in Osnabrück, zu nennen. Im Rahmen seiner auf Nordwestdeutschland und die Niederlande ausgerichteten Sammlung baute er einen interessanten ostfriesischen Bestand auf der im Besitz der Familie verblieben ist und in seiner Zusammensetzung die Hand des kundigen Forschers verrät" (S.29).

5 NNB 8 (Oktober) 1958, S. 129 f.

 

 

 

Albert Raff, Präsident von 1998-2003

  Albert Raff  
 

Im Vorfeld zur Neuwahl des Präsidiums der Deutschen Numismatischen Gesellschaft in Münster im Mai 2013 erklärte Albert Raff, er werde nicht ein weiteres Mal kandidieren. Damit verlor die DNG ein ebenso profiliertes wie kompetentes Präsidiumsmitglied, das die DNG prägte und sie nicht nur bei den Berufsnumismatikern glänzend vertrat.

Albert Raff trat 1995 ins DNG-Präsidium als Geschäftsführer ein. Er war der verlängerte Arm seines Präsidenten Walter Trapp, dem er loyal und fleißig zur Seite stand. Im Oktober 1998 übernahm er nach dem altersbedingten Ausscheiden Walter Trapps von ihm die DNG-Präsidentschaft und richtete sein Augenmerk neben der Betreuung der Vereine und guten Kontakten zu Händlerverbänden und Numismatischer Kommission auf die Entwicklung der Münzsammlertreffen, die er in ihrer Struktur und Zielrichtung prüfte und umgestaltete. Der regionale Charakter der Nord-, Süd- und Mitteldeutschen Münzsammlertreffen wurde betont, dazu trat das Deutsche Münzsammlertreffen (das im Regelfall mit einem der regionalen Treffen zusammenfällt) als bundesweites Treffen mit der Jahreshauptversammlung der DNG sowie die Zusammenarbeit mit der Numismatischen Kommission beim Deutschen Numismatikertag.

2004 zwangen unabweisbare private Gründe zum Verzicht auf das Präsidentenamt, aber als Beisitzer im DNG-Präsidium stellte er seine Kenntnisse weiter zur Verfügung und bewahrte durch sei-ne ruhige Art die DNG des öfteren vor übereilten Beschlüssen.

Er ist weiterhin 2. Vorsitzender des Württembergischen Vereins für Münzkunde, ein Amt, das er seit 1982 ausübt. Und er bearbeitet weiterhin die Münz-, Geld-, Medaillen- und Ordensgeschichte Württembergs, eine Arbeit, die (zumeist zusammen mit Dr. Ulrich Klein) inzwischen eine stattliche Anzahl vorbildlicher Kataloge und anderer Publikationen hervorgebracht hat.

Man darf also auf weitere Arbeiten von Albert Raff hoffen. Zum großen Dank für seinen Einsatz für die DNG tritt so der Wunsch, dass er bei guter Gesundheit und an der Seite seiner Frau Elke auch künftig Spaß an der Numismatik und den numismatischen Veranstaltungen haben wird. Also: Herzlichen Dank und alles Gute!

Rainer Albert

 

 

Zur Geschichte der Anstecknadel der Deutschen Numismatischen Gesellschaft

  Zur Geschichte der Anstecknadel der Deutschen Numismatischen Gesellschaft  
 

 

Quelle: Numismatisches Nachrichtenblatt 09/2001, 50. Jahrgang, S. 341f.

Peter Berghaus

Im Numismatischen Nachrichtenblatt 1955, S. 48, findet sich unter der Rubrik „Zuschriften an die Redaktion“ ein Leserbrief: „Ich würde vorschlagen, für alle eingetragenen Numismatiker eine Anstecknadel anfertigen zu lassen, Metall in Gold, dies sollte den Zweck haben, dass die ernsthaften Sammler einander erkennen, sei es auf der Reise, Gesellschaft oder sonst irgendwo, was bestimmt die Verbindung untereinander festigen würde. Fahrnau O.F.“

Als damaliger Redakteur des Numismatischen Nachrichtenblattes, das 1955 in seinem 4. Jahrgang bei einem Jahresumfang von 156 Seiten () eine Auflage von 1150 Heften erreicht hatte, erhielt ich damals so viele positive Zuschriften, dass ich als Geschäftsführer des Verbandes der westdeutschen Münzvereine (erst seit 1961 Verband der deutschen Münzvereine, seit 1990 Deutsche Numismatische Gesellschaft) den Vorschlag zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden, meinem Freund Dr. Karl Kennepohl (1895 bis 1958), weiter verfolgt habe.

Das Numismatische Nachrichtenblatt 1955 bringt auf S. 77 einen entsprechenden Text: „Der Vorschlag, für Numismatiker eine Anstecknadel zu schaffen, ist, wie verschiedene Zuschriften erkennen lassen, auf großes Interesse gestoßen. Das Vorhaben sollte deshalb zweckmäßig auch einmal innerhalb der einzelnen Gesellschaften durchgesprochen werden. Der Verband ist für weitere Anregungen und Zeitschriften dankbar.“

Beim Münzforschertag in Frankfurt wurde am 4. Oktober 1956 auch das Vorhaben der gemeinsamen Anstecknadel besprochen (Numismatische Nachrichtenblatt 1956, S. 157): „Besprechungen während des Münzforschertages in Frankfurt haben gezeigt, dass die Anregung, für die Münzsammler ein gemeinsames Abzeichen zu schaffen, allgemeine Zustimmung gefunden hat. Um das Abzeichen nicht zu auffällig zu gestalten, soll es im Sinne dieser Besprechungen möglichst klein gehalten werden. Der Größe nach käme daher die Nachbildung der Vorderseite einer der kleinsten griechischen Silbermünzen, das Tetartemorions von Athen (4. Jh.v.Chr.) in Frage, die einen behelmten Athenakopf zeigt. Der Durchmesser wird etwa 6 mm betragen. In Silber ausgeführt, wird das Abzeichen pro Stück DM 1,50 kosten, vorausgesetzt, das eine größere Zahl abgenommen wird. Bei Sammelbestellungen ab 50 Stück kann der Preis je Abzeichen auf DM 1,25 ermäßigt werden. Verband und Schriftleitung des Numismatischen Nachrichtenblattes wären für baldige Zuschriften zu diesem Thema dankbar und bitten, die Zahl der von den einzelnen Vereinen benötigten Abzeichen baldmöglichst mitzuteilen. Es besteht die Aussicht, dass das Abzeichen auch von Mitgliedern ausländischer numismatischer Gesellschaften bezogen wird, so dass es dazu beitragen könnte, Verbindungen aufzunehmen und Beziehungen zu vermehren.“

Die Idee wurde nunmehr von einer Anzahl der dem Verband angeschlossenen Gesellschaften aufgegriffen, denn schon in der Märznummer des Numismatischen Nachrichtenblattes Heißt es S. 33: „Die Anregung, für Münzensammler ein gemeinsames Abzeichen zu schaffen, hat ein ungewöhnlich lebhaftes Echo gefunden und vielseitige Zustimmung gefunden. Es ist auch bereits eine größere Zahl von Bestellungen eingegangen, so dass in nächster Zeit der Auftrag erteilt werden kann. Um in Kürze endlich eine Übersicht gewinnen zu können, werden die Gesellschaften, die sich bisher überhaupt noch nicht gemeldet haben, gebeten, doch recht bald ihre Stellungnahme, eventuell gleich mit einer Bestellung verbunden, wissen zu lassen, damit das Projekt nicht noch mehr aufgeschoben zu werden braucht.“

In diesem Monat März 1957 hatte ich die Möglichkeit, erstmals nach England zu reisen. Ein Vortrag bei der British Numismatic Society war verabredet, ich wollte im Department of Coins and Medals des British Museum und im Heberden Coin Room des Ashmolean Museum, Oxford arbeiten, Münzhändler in London aufsuchen und in Cambridge meinen alten Freund Philip Grierson treffen. Beim Besuch im Britisch Museum gab mir R.A.G. Carson die Möglichkeit, die athenischen Reihen der Sammlung auf ein eventuelles Vorbild durchzusehen. Das ursprünglich in Aussicht genommene Nominal, ein Tetartemorion des 4. Jh.s v.Chr., erwies sich schnell für die Verwendung als zu winzig. Als passende Größe kam nur ein Hemiobol des 5. Jh.s v. Chr. in Betracht, der dann auch schnell gefunden war. Mich sprach die unrunde Form des Schrötlings der kleinen Silbermünze an, die das Abzeichen bewusst von sonstigen, oft aufdringlichen Vereinsabzeichen absetzen würde. Die Nadel mit dem Athena-Kopf sah eher wie ein Schmuckstück aus, das auch Damen tragen könnten. Trotz der des kleinen Durchmessers war die Nadel durchaus geeignet, nach außen das Interesse des Trägers an alten Münzen zu signalisieren.

Gipsabguss, vom British Museum freundlich zur Verfügung gestellt, und Foto dienten der Fa. H. Deumer, Lüdenscheid, als Muster für die Ausführung im Prägeverfahren. Dargestellt ist die Vorderseite des Hemiobols wie auf den gleichzeitigen Tetradrachmen mit dem behelmten Kopf der Göttin Athene (röm. Minerva), der Patronin der Weisheit, der Kunst und des Handwerks, wie sie ja nun einmal in der griechischen Münzkunst so faszinierend zum Ausdruck kommen.

Im Numismatischen Nachrichtenblatt 1957, S. 89, wird vom Fortgang berichtet: „ Das gemeinsame Abzeichen der Münzsammler ist, nachdem ein geeignetes Vorbild, ein Hemiobol des 5. Jahrhunderts v.Chr. von Athen (behelmter Athenakopf), vorlag, in Auftrag gegeben worden. Ein Ausfallmuster lag bereits bei Redaktionsschluss vor. Das Abzeichen hat einen unregelmäßigen Schrötling wie das Vorbild, Durchmesser etwa 8 mm, und ist einseitig in Silber geprägt.“

DNG-NadelNoch vor dem 2. Nordwestdeutschen Münzsammlertreffen (1./2. Juni 1957) konnten die Bestellungen der Vereine abgewickelt werden, so dass es bei dieser Begegnung vollauf seine Bestimmung erfüllte und auch in der Versammlung vom Vorsitzenden besprochen wurde (Numismatisches Nachrichtenblatt 1957, S. 106): „Glänzend bewährte sich die gemeinsame Anstecknadel, die trotz ihres unauffälligen Formats schnell die Interessenten schon auf der Straße zusammenführte. Einleitend sprach Herr Goedecke dann noch einmal über die Bedeutung der gemeinsamen Anstecknadel und hob hervor, dass es sich auf keinen Fall um eines der üblichen Vereinsabzeichen handele, sondern vielmehr um ein Mittel, Interessenten unauffällig zusammenführen.“

Wenn sich auch nicht alle Vereine an der Bestellung des Abzeichens beteiligten (vgl. etwa Numismatisches Nachrichtenblatt 1957, S. 57 und S. 80), so setzte sich dieses doch bald durch: wiederholt mussten Nachbestellungen vorgenommen werden. Infolge steigender Produktionskosten musste der Preis freilich im Lauf der Zeit wiederholt angehoben werden. Bei Veranstaltungen der Vereine, regionalen und überregionalen Münzsammlertreffen, bei Auktionen und Münzbörsen berührt es mich immer wieder, das Abzeichen, das sich in so vielen Jahren bewährt hat und inzwischen zum Signet der Deutschen Numismatischen Gesellschaft wurde, bei den Teilnehmern zu sehen, die es z.T. schon 1957 erworben haben und bis auf den heutigen Tag tragen.

 

 

Jubiläumsmedaille "50 Jahre DNG" 2001 von Peter Götz Güttler

  Jubiläumsmedaille "50 Jahre DNG" 2001 von Peter Götz Güttler
 
 

 

Quelle: Numismatisches Nachrichtenblatt 09/2001, 50. Jahrgang, S. 352f.


Rainer Albert

 

Der Wunsch, zum 50-jährigen Jubiläum der Deutschen Numismatischen Gesellschaft 2001 eine Prägemedaille herauszugeben, die von allen Sammlern erworben werden und Anknüpfungspunkt einer jeden Münz- oder Medaillensammlung an die Numismatik und die Gemeinschaft der sammelnden und forschenden Numismatiker sein kann, bestand schon lange. Trotzdem fiel die Entscheidung erst spät im Jubiläumsjahr und konnte nur dadurch realisiert werden, dass Partner gefunden wurden, die fähig und bereit waren, sich ganz in dieses Projekt einzubringen. Für den Entwurf der Medaille ist dieser Partner Peter Götz Güttler (Dresden), in den Vereinen der DNG seit langem geschätzt für seine originellen und treffsicheren und Arbeiten , für die Ausführung des Entwurfs ist der Partner die Firma „Les Graveurs“ (Stuttgart).

 

DNG-Jubläumsmedaille (Entwurf)

 

Peter G. Güttler, der bekanntlich zumeist Gussmedaillen entwirft und auch selbst gießt, also den ganzen Entstehungs- und Arbeitsprozess in den eigenen Händen behält, reizte das Angebot, eine Prägemedaille für die DNG zu entwerfen.

 

In der Folge ging es um "die Botschaft", die mit dieser Medaille verbunden werden sollte, denn dass es nicht darum gehen konnte, nur die Jahreszahlen aufzuführen, war genauso klar wie die Unmöglichkeit, einzelne Sammelgebiete oder Motive herauszustellen. Güttler vertrat deshalb von Anfang an die Position, eine in den Aussagen auf den Kernbereich der DNG reduzierte und in ihrer Bild- bzw. Motivgestaltung klare Medaille zu schaffen.

 

Schon sein erster Entwurf (Abb. 1) erfüllte diese Kriterien vorzüglich, er unterscheidet sich nur in Details von der späteren Medaille. (. . .)

 

Schon aus der Überarbeitung des ersten Entwurfs konnte dann die Reinzeichnung (Abb. 3) entstehen, ein Beleg, wie sicher in Thematik, Stil und Technik Peter G. Güttler arbeitet.

 

  DNG-Jubiläumsmedaille 2001, Avers   DNG-Jubiläumsmedaille 2001, Revers

 

Waagrechte und senkrechte Linien und entsprechend umschlossene Flächen bestimmen das Medaillenbild der Vorderseite, das insgesamt wie eine technische Konstruktionszeichnung wirkt. Auf einer massiven Säule ruht die "50", wobei die "0" schon als Münzronde gestaltet ist. Die "Münzscheibe", auf der das DNG-Signet aufgebracht ist, ist die erste einer ganzen Rolle, die bis zum Medaillenrand und wohl darüber hinaus reicht. Diese Bewegung von einem Punkt aus nach rechts wird verdeutlicht durch Elemente, die an eine ingenieurmäßige und damit geplante und beherrschte Konstruktion erinnern: Ein Schnittpunkt ist mit der Jahreszahl "1951" fixiert, eine von hier ausgehende Linie nach rechts findet eine Parallele in einer Linie, die ihren Anfang vom Auge der Göttin Athene nimmt und so direkt an eine Blickrichtung in die Zukunft innerhalb klarer Linien erinnert.

Auf der Rückseite wird das Motiv der technischen Konstruktion mit Pfeilern wieder aufgegriffen und erinnert an ein Brückenelement: Drei Säulen tragen die Münzrolle, die sich von links ins Blickfeld schiebt. Die drei Säulen heißen SAMMELN, FORSCHEN, und BEWAHREN. Knapper und präziser lässt sich das Anliegen, die Aufgabe und das Ziel der Deutschen Numismatischen Gesellschaft nicht formulieren. Die DNG ruht auf den Säulen SAMMELN, FORSCHEN, und BEWAHREN, dies wird verdeutlicht von der Münzronde, auf die man ganz sehen kann: Sie trägt wieder das Signet der Gesellschaft, aber sie ist größer geworden. Die DNG ist im Laufe der Jahre gewachsen, wobei nun zwei Punkte herausgehoben sind; der Kreis der Münze schneidet den Zeitstrahl, der auf der Vorderseite bei 1951 begonnen hatte, zweimal. Ein Schnittpunkt ist "2001", das Jahr des 50-jährigen Jubiläums, der zweite heißt "1990", das Jahr, in dem beim 15. Deutschen Numismatikertag in Speyer erstmals Vereinsvertreter der DDR teilnahmen und mit dem Numismatischen Verein zu Dresden der erste DDR-Verein der DNG beitrat. Folgerichtig ist die Münzscheibe mit dem DNG-Signet nun auch größer geworden, sie passt gar nicht mehr in das Medaillenrund. Und die Blickrichtung geht jetzt nach oben, wird als nach oben strebender Pfeil konstruiert, der das "Aufwärts" der DNG symbolisiert.

Die Medaille ist 60 mm im Durchmesser; von der Medaille aus Bronze wurden 200 Exemplare im Gewicht von ca. 85 g geprägt, außerdem wurden  100 Exemplare in Silber im Gewicht von 80 g ausgegeben.